Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 3 (1.3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492456-6352307-6352536--0575-4928748- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der erste dieser Abende, an dem den Eltern auch Gelegenheit geboten wurde, sich von den künstlerischen Leistungen ihrer Kinder zu überzeugen, hat am 2. Februar d. J. in der Düsseldorfer Loge mit großem Erfolg stattgefunden. Es wurden den Eltern der Mitglieder in einer Rede zunächst die Ziele des Bundes klargemacht, dann folgten ernste und heitere Gedichte und die Kordelverteilung an Mitglieder, die sich bisher im Bunde verdient gemacht haben. Ferner zog das bunte Bild einer Fahrt des B. j. S. an den Augen der Eltern vorüber, das ihnen die Schönheit und Notwendigkeit des Wanderns z"eigte. Der zahlreiche Besuch bewies das rege Interesse, das die Ellern am Gedeihen des Bundes haben. Ein Jahr b.j.p. Frankfurt a. m. Unsere Jubiläumsfeier. Endlich war der 15. Dezember da. Unser einjähriges Jubiläum. Das Fest war schön und erfolgreich. Für unseren kleinen Bund war die Anzahl von 160 Besuchern groß. Doch will ich jetzt gleich zu erzählen anfangen: Auf einen Einführungsmarsch undeine kurze Begrüßung durch. Hans May folgte als erstes' Stück der Hans-Sachs- Schwank ,,Das Kälberbrüten". Die Aufführung war die Frucht eingehender Vorbereitungen, und wurde demgemäß auch glänzend gespielt. Sogar die etwas griesgrämlichen älteren Herren amüsierten sich köstlich. Es folgten nun einige flotte Lieder zur Laute, gesungen von Hans Grünebaum. Auch er erntete reichen Beifall. Wenn wir aber in der nächsten Nummer einen Tanz zeigten, müssen wir zugeben, daß er ziemlich mißglückt war. Er erregte denn auch allgemeines Mißfallen. Als Mittelpunkt der Feier folgte nun die Rede Ernst Heizers. Er legte weit ausholend dar, daß es Ziel und Zweck der jüdischen Jugendbewegung sei, in jedem Ehrgeiz und Altruismus einander so auszugleichen, daß ein harmonisches Gleichgewicht herrsche. Der beste Weg hierzu ist in der Pfadfinderbewegung zu sehen. Nun brachten wir zur Abwechslung wieder einen Hans-Sachs-Schwank; diesmal aus dem Stegreif gespielt, und die verschiedenen Dialekte riefen wahre Lachstürme hervor. Nun kam erst noch eine Sonatine und dann, ach, unsere Revue „Pfadfinder auf Nachtfahrt". Das Stück taugte an und für sich nichts und außerdem wurden unsere Spieler noch von vielerlei Pech verfolgt. Der Beifall galt nur dem netten Spiel und der Aufmachung. Nun folgte aber zum Glück noch der Film. Die Aufnahmen gefielen so ausgezeichnet, daß der Film trotz einiger Störungen eine glänzende Werbetätigkeit ausübte. Mit einem Schlußmarsch wurden unsere lieben Gäste hinausgeleitet. Sie gingen befriedigt davon und wir hatten so unser Ziel erreicht, wir hatten allen Gästen einen Einblick in das Leben und Treiben unseres Bundes gegeben. Bücher für Junggruppen Adolf Jensen: Der singende Tag, Liedersammlung iür Schule und Haus. 20) Seiten. Preis kart. 1,50 Mark, in Ganzleinen 2,50 Mark. Arbeiterjugendverlag, Berlin. Man ist schon froh, daß da endlich mal ein Liederbuch kommt, das da so energisch-prinzipiell mit der eintönigen, abgeschmacktenschulmäßigen Aufmachung, mit einer unangebrachten Prüderie (jawohl, sogar . . . Liebeslieder sind hier der Jugend vorgesetzt!) und mit dem photographierten Schema aller hergebrachten, weislich abgezirkelten Singerei bricht. Das Herz geht einem auf, und man kriegt wieder urnatürliche Lust, eine alte, halbvergessene Schnurre, eine ausgelassene oder gezähmte Melodie anzustimmen. Genau so wechselvoll, so bunt, lebhaft, neckisch, öde und bizarr wie die Kette der Tage reiht sich in diesem Büchlein, das wir solange vermißt haben, Lied an Lied. Kein strenges Register, keine starre Klassifizierung stört die Harmonie. Dem verrufenen Gesangsdrill ist hier zu Leibe gerückt. Viel Aehnlichkeit mit dem Auf und Ab des Lebens hat diese Liedersammlung. Darum wirkt sie so überaus sympathisch. Zu bemerken ist noch, daß das Büchlein 125 ein-, zwei- und dreistimmige Lieder enthält, davon 25 mit Klavierbegleitung. In einem ergänzenden Anhang sind alte, immer aktuelle und gerade bei der jüngeren Jugend beliebte Weisen aneinandergereiht. J. R. Johann Charlet: Heimatwandern. Arbeiterjugendverlag, Berlin. Preis kärt. 1,60 Mark, in Halbleinen 2,50 Mark." Richtige Junggruppen stellen natürlich nie das Wandern ein. Auch nicht in der sogenannten kälteren Jahreszeit. Und dennoch wird die in jedem jungen Menschen steckende Wanderlust in den ahnungsvollen Tagen des Vorfrühlings erst recht lebendig. Unmöglich ist es, diese Sehnsucht, die da hinaus und hinweg treibt, in dürren Worten ergründen zu wollen. Man kann aber rundweg behaupten, daß die drängende Wanderlust der Gradmesser für das Jungsein des Menschen ist. Empfindet man das Wandern als etwas Störendes und"»Ueberflüssiges, dann ist man auf dem besten Wege, ein guter Spießer zu werden. Wirklich genußreich zu wandern, ist aber auch für die unruhige, wanderfreudige Jugend eine — Kunst. Der „Wanderkünstler" darf nicht befriedigt sein, wenn er eine imponierende Marschleistung hinter sich hat, jeder Gang, der uns in die Natur hinausführt, muß zum inneren Erleben, zu einem Gewinn, zu einer freudigen Andacht werden. Mit offenen Sinnen, doch auch mit offenem Herzen schreitet der wahrhaft junge Mensch durch die schönen Geheimnisse, die sich da draußen vor den Toren unserer engen, modernen Städte wartend auftun. — Das Buch „Heimatwandern" lehrt uns sehen und hören. J. R. „Am Marterpfahl der Sioux", Schmökerspiel von Fr. Osterroth. Im Arbeiterjugendverlag, Berlin. Preis brosch. 0,60 Mk. Hier, Freunde, wackelt bedenklich die Wand der braven Gut-Bürgerlichkeit! Das aufgeplusterte Pathos knickt zusammen, alles, was mit raffiniert-süßer Courths-Mahler-Soße literarisch-beschattet durch die pp. Hirne der . . . pp. Mit-Bürger geistert und girrt, gerinnt hier unbarmherzig zu der verdienten Lächerlichkeit, die töten könnte —, wenn wir nicht eine Jugend ohne den krankhaften Dunst der Schund-Romantisiererei hätten! Entzückend bissig und liebenswürdig wird das „Heldengewimmel" unserer Schundliteratur parodiert, viel entzückender noch als durch ein Külzsches Schutzgesetz. Die ganze Sorte muß herhalten, was da in den Abflußkanälen einer bürgerlichen Epoche so jauchzend einhergeschwommen war: Harry Piel, Rinaldo, Texas Jack, Tante Eulalia, Sherlock Holmes, Prinzessin Uebermut, Frank Allan. . . — Unsere Junggruppen wird dieses Schmökerspiel, dem ruhig noch andere folgen sollten, köstlich amüsieren. J. R. Junggruppen-BrlefKasten Ernst G. in G. Na ja: so ein Brief läßt sich hören. Der Junggruppier muß bloß — Mut haben! Deswegen zitiere ich gern deine Worte: „Wir zehn wollen versuchen, zu zeigen, daß wir mehr als zwanzig andere leisten . . ." Nach Göttingen. Eure Methode verdient natürlich Nachahmung, ohne daß ich mit Gewalt auf Entdeckungsreisen nach jungen Künstlern, Plakatmalern usw. gehen will. Euer Wettbewerb ist fein: Ihr wollt den besten Entwurf für ein Junggruppen-Propagandaplakat preiskrönen. Und es dürfen sich — das ist ja der Clou! — nur Junggruppier dran beteiligen. An einige Pessimisten. Daß ihr der neuen jüdischen Zeitschrift, die in München erscheint, sagen wir mal, mit gemischten Gefühlen gegenübersteht, ist schon aus dem sehr einfachen Grunde zu begreifen, weil so ziemlich das meiste, was von „Erwachsenen" für „die Jugend" gedruckt worden ist (und wird . . .), stark vom Salböl schulmeisterlich-erhabener Korrektheit trieft. Aber, ihr wundervoll streitbaren Freunde, — erstens: wenn man manchmal warten würde, bis da einer „vom Bau", ein unverfälschter, hundertprozentiger Jugendlicher sich zur Tat der Mitarbeit aufschwingt, dann wäre schon sehr vieles eingeschlummert! Zweitens: die Tür ist offen, um innerhalb der neuen Zeitschrift mitzuhelfen, daß die Gesichtszüge nicht erstarren, sondern hübsch jugendlich-frisch bleiben, und zwar ohne (die auch in jugendlichen Kreisen schon populär gewordene!) Schminkerei. Gerade die Zweifler unter 12