Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 3 (1.3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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„Purim muß man Kuchen essen, Und an Haman nicht vergessen, Haman war ein böser Mann, Drum hängt man ihn am Galgen an!" Nun aber macht der Junggruppenleiter Schluß und sagt wichtig: „Schließlich habt ihr alle Recht, Jungens und Mädels, mit dem, was ihr sagt. Freilich, wer jüdische Geschichte kennt, der weiß, daß unser jüdisches Volk zwar viel gelitten hat, aber nie ganz verloren ging, denn der liebe Gott, der Israel zu großen Dingen braucht, hat uns immer in größter Not gerettet. Und die Jugend lernt von Purim was ungeheuer Wich, tiges: Wir müssen überall, wo das Judentum angegriffen wird, eintreten und auf dem Posten sein, wir müssen nicht feige sein, wir dürfen uns nicht verstecken, wir dürfen nicht sagen, wir hätten nichts gehört, wir hätten nichts gewußt, sondern gerade die Jugendbewegung verlangt, daß ihr euch alle tapfer zeigt in solchen Fällen; das ist nicht leicht, aber wir müssen die Zähne zusammenbeißen, in der Schule oder auf der Straße, wenn jemand von euch hört, daß euer Judentum herabgesetzt wird, dann muß er sich herausstellen und sagen: „Ich bin ein Jude und lasse mein Judentum nicht beleidigen." So hat's doch Mordechai getan und hat sein Leben eingesetzt, ihr Jungens, und so hat Esther ihr Leben eingesetzt, ihr Mädels. Seht ihr, da habt ihr vom Purim ein Ideal, nehmt euch Mordechai zum Vorbild, ihr Jungens, und ihr Mädels macht es 4er Esther nach. Ihr braucht zwar nicht gleich Minister werden (oder doch vielleicht?) und ihr braucht ja nicht gleich einen König zu heiraten (oder vielleicht doch? — dann, bitte, nicht solch einen alten Tolpatsch wie Achaschverausch —), aber Purim sagt euch, ihr könnt doch alle was fürs Judentum leisten. So, und jetzt beginnen wir mit unserer Purimmahlzeit. . . Rabbiner Dr. Krakauer. warum bete ich? Eine Rundfrage, veranstaltet von J. R. Else Mühsam, Görlitz: „. . . Diese Frage ist verstandesgemäß schwer zu beantworten, da Gebet ja eine Sache des Gefühls ist. Das tiefste Gebet formt sich unbewußt, ungewollt aus dem inneren Erleben heraus, aus Leid oder Glück oder Dankbarkeit. Es gibt keine zwei Menschen, die sich innerlich vollkommen gleichen. Darum muß auch jeder Mensch seine eigene Sprache haben, in der er zu Gott spricht. Folglich muß das Gefühl für ein regelmäßiges Gebet sich abstumpfen, und daher können wir nur wahrhaft beten, wenn unsere Seele dazu drängt." Hedwig Kohn, Halle (Saale): „Das Gebet ist der Ausdruck eines persönlichen Gefühls in poetischer Form. Weil ich mein Denken nicht formulieren kann, wähle ich als den ähnlichsten Ausdruck das Gebet, ohne natürlich das persönliche Moment dabei auszuschalten. Beten heißt dienen, d. h. es ist ein Sichversenken und ein Versuch zum Eindringen in das Wesen des Göttlichen. Ich bete aber nicht aus dem Gefühl der Verantwortung gegenüber den anderen (z. B. der Gemeinde!), sondern aus Verantwortung gegen mich selbst. Denn nur aus dem Ringen nach der Erfassung des Höchsten können unsere Handlungen als Konsequenzen folgen. Ich glaube nicht, daß es ohne Gebet eine Religion geben kann, denn das Gebet ist ein Mittel zum Streben." Siegfrid Katzmann, Osnabrück: „Ich stamme aus religiösem Hause und bin in liebevoller Weise schon frühzeitig dazu angehalten worden, die täglichen Gebete zu verrichten. So ist mir das Beten allmählich zur Gewohnheit geworden, die sich aber etwa nicht im banalen Sinne auswirkt, daß ich mich vielleicht als Gewohnheitstier täglich hinstelle und mechanisch die Gebete herunterplappere. Sondern in der Art ungefähr: ich würde den ganzen Tag daran denken, wenn ich beispielsweise das Tischgebet vergessen hätte. Dann aber ist es auch die Freude der Erfüllung des Gesetzes, das für mich voll und ganz seine Gültigkeit besitzt. Sind diese Veranlassungen zum Gebet etwas von außen in mich Hineingetragenes, etwas Eingeimpftes, so bin ich beim Nachdenken über die Frage: „Warum betest du?" zu einer eigenen Erkenntnis der Notwendigkeit des Gebetes gelangt. Das Leben erscheint einem oft so zwecklos, daß man sich — und besonders als junger Mensch — fragt: Was soll das eigentlich, was hat das für einen Sinn? Und wenn der junge Mensch sich diese Frage vorlegt, so gibt es zwei Antworten, zwei Wege: der erste: er stürzt sich in die wildesten Vergnügungen, er „genießt die Freuden des Lebens bis zur Neige" und findet darin Erfüllung, Lösung seiner Frage. — Der zweite: er findet die Erfüllung seines Lebenszweckes, indem er sich-Gott zuwendet. Der Weg dazu geht über Religion und Gebet. Und das ist mein Weg." Max M. Hahn, Göttingen: „Warum ich bete? Es ist wirklich das erstemal, daß ich mir diese Frage vorlege und mir Gedanken darüber mache. Sicher ist, daß ich meist aus Gewohnheit bete. In Alltagsstimmung könnte ich nicht aus innerstem Herzen beten, sondern nur in Fest- oder Trauerstimmung — um Gott zu danken oder ihn um etwas zu bitten. Im Gotteshause könnte ich nicht wirklich andächtig sein, wenn ich sehe, wie die Damen Modenschau machen, die Leute sich unterhalten und zehn Minuten vor Schluß mit den Schlüsseln klimpern!" Die Junggruppen berichten .... Osnabrück: Eine — Chamischo-ossor-Feier am 6. Februar, dem 15. Schwat. Wahrscheinlich ist die Bedeutung dieses Tages nicht allen Junggruppen geläufig. Und -so ist es tatsächlich ein guter Gedanke, in unseren Gruppen den t5. Schwat, einst das volkstümlich-schöne Fest des Neujahrs der Bäume, wieder populär zu machen. Man kommt gemütlich zusammen, und nach alter Sitte bewirtet man die Jugend mit Obst. . . Die Osnabrücker schreiben, daß sich die Junggruppe vollzählig an der kleinen Feierstunde beteiligt hat. In größerem Stil ging am 5. Februar eine Chamischo-ossor- Zusammenkunft der Beckumer Junggruppe von statten. Es war Sonntagnachmittag, die ganze Gemeinde war anwesend; denn eine Anzahl gelungener Darbietungen gaben der Feier einen eigenen Ausdruck. Alles, was zu solchem Junggruppennachmittag gehört, war vorhanden: Lyrik, dramatisierte, modern umgebogene Märchenszenen, Kuchen, Verlosung und Musikpfeiferei. Eine Ueberraschung, und zwar eine wirklich freudige, war das Eintreffen der A h 1 e n e r Junggruppier, die gerade ihren Wandertag hatten. Gelsenkirchen teilt mit: Im Februar .beschäftigten wir uns mit der Behandlung der sozialen Frage und werden im März damit zu Ende kommen. Beim gemütlichen Teil gebrauchten wir öfters das Buch „Frag mich was!", das gleichzeitig sehr unterhaltend und belehrend ist. — Aus dem vorliegenden Märzprogramm ist besonders der Literaturzirkel, der den „Kaufmann von Venedig" bespricht, zu erwähnen. Am 10. März ist eine Purimfeier der Gruppe. Und Halle (Saale). Da schreibt Hedwig Kohn: Wir behandelten u. a. die Frage: „Können uns-die Alten noch etwas bieten?" Ein Thema, bei dem es natürlich so lebhaft zuging, daß man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte. Resultat: Die vorigen Generationen haben vielleicht dieselben oder ähnliche Gedanken gehabt, wie die heutige Jugend. Jedoch fehlte die Energie. Diese große Energie ist der Vorzug < unserer Generation, dabei ist aber nicht zu vergessen, daß wir in allem auf das von den vorhergehenden Generationen Geschaffene aufbauen. Demgemäß dürfen wir uns nicht feindlich den Alten gegenüberstellen, sondern müssen im Gegenteil versuchen, der älteren Generation unsere Gedanken und unser aus der vollzogenen Veränderung unseres ganzen Wesens abgeleitetes Wollen nahezubringen und sie zu unseren Helfern zu machen, was ja bereits vielfach gelungen ist . . ." J. R. B.|.s. Düsseidori Der Bund jüdischer Schüler und Schülerinnen beabsichtigt, in Zukunft Elternabende zu veranstalten. Damit will der Bund einen innigen Zusammenhang mit dem Elternhause herstellen. 11