Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 3 (1.3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Wer je den Zauber der Persönlichkeit Martin Bubers auf sich hat wirken lassen, der hat es deutlich empfunden, daß aus ihm der Geist einer ganz jüdischen Persönlichkeit hervorstrahlt. Wir wünschen ihm, daß es ihm gegeben sei, sein Werk zu vollenden und lange Jahre zu wirken zum Segen des Judentums. Rundbriefe des Westd. Bezirksverbandes (Fortsetzung.) C. Offizielle und halboffizielle Organisationen. I. Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. Aehnliche Zusammenfassung auch in anderen deutschen Ländern. 1. Z w e c k : Zusammenfassung der preußischen Synagogengemeinden zur Pflege aller ihrer Interessen gemäß Artikel 137 V der Reichsverfassung, Zu seinen Aufgaben gehört insbesondere: a) die Hebung des religiösen Lebens unter Wahrung der Selbstbestimmung der Gemeinden; b) die finanzielle Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden; c) die Schaffung und Unterhaltung oder Unterstützung gemeinsamer Einrichtungen und Anstalten; d) die Vertretung aller der jüdischen Religionsgemeinschaft in Preußen gemeinsamen Angelegenheiten nach außen; e) die Förderung der rechtlichen Stellung der Beamten der Verbandsgemeinden; f) die Berätung der Gemeinden in Angelegenheiten ihrer Verwaltung; g) die Mitwirkung bei -der Vorbereitung von Gesetzen und allgemeinen Verwaltungsanordnungen, welche die jüdische Religionsgemeinschaft berühren. 2. Gegründet J922. Erster Verbandstag 1925. 3. 0 r g a n e : a) Verbandstag; b) Rat. Der Rat besteht aus 35 Mitgliedern, zusammengesetzt aus: aa) Vertretern der angeschlossenen Gemeinden, auf je 20 000 Seelen ein Vertreter, für weitere 10 000 eines Wahlbezirkes ein weiterer Vertreter, höchstens zehn Vertreter für einen Wahlbezirk; bb) sechs Rabbinern sowie zwei Lehrern, die vom Verbandstage gewählt werden; cc) aus so vielen vom Verbandstage nach den Grundsätzen der Verhältniswahl zu wählenden Mitgliedern, als nach Erledigung der Wahlen an der vollen Mitgliederzahl fehlen. 4. Zahl der angeschlossenen Gemeinden: -Rund 700. 5. Publikation: „Verwaltungsblatt des Landesverbandes", erscheint in zwangloser Folge. II. Preußischer Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden (Halberstädter Bund). Aehnlich in anderen •deutschen Ländern. 1. Z w e c k : Zusammenfassung der auf Grund des Gesetzes von 1876 gebildeten orthodoxen Separatgemeinden. 2. Organisation: Aehnlich wie oben. III. Deutsch-Israelitischer Gemeindebund. 1. Z w e c k : Freiwilliger Zusammenschluß der Synagogengemeinden im Reich zur Pflege ihrer gesamten Interessen. 2. Gegründet: 1869. Umfaßt etwa 1200 Gemeinden. 3. L e i t u n g : Legationsrat Dr. M. Sobernheim, Charlottenburg. " Geschäftsstelle: Berlin W 30, Steglitzer Straße-9: 4. O r g a n : Mitteilungen. 5. Literatur: Siehe insbesondere den Artikel von Neumann in „Das deutsche Judentum". IV. Verband der deutschen Juden. Gegründet im Jahre 1904. Die Tätigkeit ruht seit Gründung der Landesverbände der Synagogengemeinden. Zum Purimfest Aus a. Altmann .Ähren und Beeren" Wenn unsere Zeit zu wenig den Ernst kennt, so ist es, weil sie nicht die Freude so recht versteht, und, wieder umgekehrt, sie kennt nicht so recht die Freude, weil ihr der wahre Ernst fehlt. Betrachten wir dies eben am Purim. Dem großen Freudentag geht nach altjüdischem Brauch ein Tag der Entsagung, der Kasteiung, der Buße voran, der Eßter-Tanis. Man versucht, einmal am eigenen Körper die Armut, den Hunger kennen zu lernen, um dann um so angeregter zu sein, dem Armen, dem Darbenden beizustehen. Man erprobt sich im Leiden, um dann desto mehr mitzufühlen, wenn es einen unglücklichen Mitbruder oder eine leidende Milschwester gibt. Heute aber, da es in den meisten jüdischen Kreisen keinen Eßter-Tanis gibt, wie soll es einen echten, rechten jüdischen Purim geben? Und doch darf der Glaube an die warme jüdische Volksseele nicht aufgegeben werden. Es ist kein metaphysisches, nicht zu bannendes Uebel. Es ist nur eine Umgarnung durch den äußeren Eudämonismus, dem die Zeit im allgemeinen huldigt und der unserem urwüchsigen Gefühls- und Gemütsleben die Schwingen niederhält. Es ist unwahr, daß nur Verstandesraffiniertheit und Sinnesausleben das bezeichnende Wesen des Juden ist. Kein Volk der Erde kann eher das Volk des Gefühls und Gemüts genannt werden als das jüdische, das der Welt die Propheten und später die tiefsinnigsten Mystiker gegeben hat. Macht diesem Volke nur seine Schwingen fred, und es erhebt sich wie der Adler hoch und höher himmelwärts. An den Führern des jüdischen Volkes aber liegt es, ihm die Umgarnung zu lösen, die Flügel freizulegen. Wie dies Werk vollbracht werden könne? Trachtet die alte Art der jüdischen Bräuche wieder einzuführen. Greift bei Freudenanlässen auf die urjüdischc Weise zurück. Wehrt euch gegen die entlehnte uniüdische Art der Freude. Ist es schwer, mit der ernsten Pflichtaneiferung zu beginnen, unser Judentum wieder zurückzuführen in die reiche Innenwelt von ehedem, so läßt es sich eher bei der frohen, frischen, heiteren Gemütsseite beginnen — und auf diesem Wege die gesunkene Volksseele zurückheben in den alten Schwung des Frohsinns wie des Ernstes. Ein Beispiel für den Erfolg auf diesem Wege bietet unsere Geschichte reichlich, so z. B. das Vorgehen der Pharisäer zur Zeit der Dreiparteiung im Judentum. Bei altem tiefen Ernst für die streng pflichtgemäße Anpassung des Lebens an das heilige Religionsgesetz hatten sie für die fröhliche Seite der Volksseele, für die das Gemüt erwärmenden und erhebenden Volksfeste (zum Beispiel Simchas bes haschoeva. Fest des Wasserschöpfens am Sukkot oder das Hobfest im Ab) nicht nur hohen Sinn, sondern sie pflegten sie geradezu mit liebevollem Verständnisse, und die Folge war, daß der ganze reiche Pharisäismus Gemeingut der Majorität des Volkes wurde, während das steife, gemütlose Saduzäertum der Volksseele stets fremd blieb und zum Segen des Judentums nie so recht in das allgemeine Bewußtsein drang. Darum zurück zum Gemüte, und wie es aus jener großen Zeit des Purim heißt: „Den Jehudim ward Licht, Freude, Jubel und Würde", so wird all dies auch uns werden. Denn bei wem ..Licht im Haupte Sich mit Wärme paart im Herzen", in dem wohnt und wirkt die Freude und das Glück. u ..... . ..^■i^S^. ... 1.9 -......^r^A