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Der Jugendbund · 1928-03-01 · 3 (1.3.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
3 (1.3.1928)
Date
1928-03-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Und'das hat Kanowitz gesagt. Und wenn London meint, Kanowitz habe diese seine Auffassung inzwischen revidiert, so erscheint diese Erzahjung immerhin sonderbar, wenn man wViß, daQ dieser selbe, angeblich revidierende Kanowitz erst neuerdings in der ..Jüdischin Rundschau" vom 10. Februar sich recht ausführlich mit seine/1 Kritikern dieser Schrift, die zum Teil dieselbe Beanstandung vorbrachten wie ich, sich auseinandersetzte, von seiner ..Revision" aber kein Sterbenswörtchen bei dieser doch wirklich guten Gelegenheit hören ließ. Und gerade aus dem obigen Brief des Herrn Dr. Kanowitz an die Redaktion des „Jugendbundes" kann auch der Naivste und Bestgesinnte nichts von der Revision eines Standpunktes herauslesen. Gleichzeitig aber erhebt sich immer wieder die Frage, warum denn der Kadimah seinerseits seine geharnischten Proteste gegen Kanowitz' Schrift und gegen den Bericht des Zionislenkongresses Jenen jüdischen Zeitungen und vor allem der „Jüdischen Rundschau", die ihm bisher ihre Spalten gerne öffnete, niemals und auch heute noch nicht zustellte? Wollte man doch vielleicht die zionistische Freundschaft nicht erschüttern, indem man. wie ich es vorschlug, von Herrn Kanowitz und von dem Verfasser des Kongreßberichtes, von den Zionisten einmal wirklich öffentlich mit Anführung der Details abrückte, statt sich mit substanzlosen' Resolutionen zu begnügen? Und wenn der Kadimah, wie er immer gerne behauptet, die Behauptung-soglefch zum Beweis erhebend, es ablehnt, Nachwuchsbewegung der zionistischen Organisation zu sein, was bedeutet das schon? Schon einmal habe ich darauf hingewiesen, daß auch der Blau-Weiß seine Laufbahn als „apolitischer Bund" begann. Und immer und noch ganz zuletzt hat auch er den Charakter einer zionistischen Nachwuchsbewegung abgelehnt. Kein Bund der Jugendbewegung, keiner der jüdischen und keiner der nichtjüdischen, nimmt das Odium auf sich. Nachwuchsbewegung einer politischen Organisation der Alten zu sein. Haben sich etwa jemals die „Kameraden" als die Nachwuchsbewegung des C.-V. bezeichnet? Stand nicht immer Leonhard Nelson und sein Bund in Opposition zu SPD* und KPD.? Lassen sich diese Beispiele nicht vervielfachen? Wohl, dies war immer so in der Jugendbewegung gewesen, und zwar ganz einfach deshalb, weil ein Bund, der sich als Nachwuchsbewegung einer politischen Organisation bezeichnet, toiorl in die verächtliche Reihe der Jugcndpflegeorganisationen herabsänke. Wer aber den Haß zwischen der bündischen Bewegung und der Jugendpflege kennt, die abgrundtiefe Verachtung, der weiß, daß das" alles in den letzten Resten der Bewegung noch lebt. — Das also, daß der Kadimah keine Nachwuchsbewegung der zionistischen Organisation sein will, d.i, beweis! nichts! Aber er erzieht Zionisten. Und seine Führer, von denen ich behaupte, daß sie alle Zionisten seien, was London nicht zu bestreiten wagt, seine Menschen, auf die kommt es an! Ln*. die wirklich Ueberparteilichen, beschuldigen oft verständnislose Zionisten des Antizionistenlums, und genau so oft behaupten engsinnige C.-V.-Leute, der Verband sei zionistisch. Hier aber sind alle einer Meinung. In den Augen der Zionismen und der Nichtzionisten ist der Kadimah eine zionistische und nationaljüdische Angelegenheit. Und wenn früher der „Jugendbund" es ablehnte, für den Kadimah Pr-.paganda zu treiben, wie London meint, so erscheint diese damalige Entscheidung heute noch richtig, weil damals keine Beweise weder pro noch contra geführt werden konnten. Jetzt aber erschien es mir nötig und möglich. All das, was hier gesagt wurde, all das, was ich an Informationen in dem Schrifttum des Kadimah und über den Kadimah fand, muß immer mehr die Ueberzeugung in mir verstärken, daß wir es im Kadima'-, mit einem zionistischen Erziehungsbund zu tun haben. Aui j.ese Vermummung aber die jüdische Oeffentlichkeit, über d e Kreise des Verbandes hinaus, hingewiesen zu haben.- rechne ich mir zum Verdienst an. schiuBwort der verbandslettung Es erscheint uns notwendig, im Anschluß an diese Aussprache noch einmal ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß die in unseren Blättern veröffentlichten Artikel persönliche Meinungsäußerungen unserer Mitarbeite r s i n d. Unsere V e r b a n d s t e n d e n z , die eine Erfassung der gesamten jüdischen Jugend aller Richtungen erstrebt, ermöglicht es uns, auch kritischen Aeußerungen aus allen Lagern in unseren Blättern Raum zu gewähren. Autgabe der Verbandsleitung muß es bleiben, die Stimmen zu wägen, um zu gegebener Zeit eine endgültige Stellungnahme des Verbandes in strittigen Fragen herbeizuführen. Zum 50. Geburtstag Martin Bubers Seit Jahrzehnten schon steht dieser Mann als die repräsentative Gestalt des deutschen Judentums und als Führer vor unseren Augen, so daß es fast sonderbar erscheint, daß er erst jetzt seinen 50. Geburtstag feiert. Die jüdische Jugend alier Richtungen hat entscheidende Einflüsse von ihm empfangen, aber auch in der deutschen Jugendbewegung sind sie spürbar. Diese Einflüsse gingen, wie Franz Rosenzweig sagt, „von Bubers eigener Entwicklungsperiode aus, von dem Mystiker, der er heute nicht mehr ist, wenn er es je war. Heute lehrt er in größter Deutlichkeit ein Gegenüberstehen und Zueinanderkommen von Mensch und Gott, aus dem sich die Ablehnung alles ekstatischen Ineinanderfließens der beiden, und die Bejahung alles schlicht, weltzugekehrten Tuns ergibt. Diese Klärung spiegelt sich in der Folge seiner der Erschließung des Chassidismus gewidmeten Bücher, die von noch literarisch mitbestimmten Anfängen zu immer einfacherer und eindringlicherer Mitteilung fortschritten." Buber hat für den Westen den Chassidismus wieder entdeckt und ist der Ueberzeugung, daß keine Erneuerung des Judentums möglich ist, wenn sie nicht Elemente des Chassidismus in sich trägt. Martin Buber wurde 1878 in Wien geboren und ist ein Enkel des bekannten Haggadahforschers Salomon Buber, dessen Persönlichkeit auf ihn nachhaltig einwirkte. Nach Abschluß seiner philosophischen und kunstgeschichtlichen Studien war er zunächst Redakteur des Zionistischen Blattes „Die Welt" und Führer der Kulturpolitischen und Demokratisch-Zionistischen Fraktion auf dem V. Zionistenkongreß. Der „Jüdische Verlag" zählt ihn zu seinen Mitbegründern, von 1906 an widmete er sich religionswissenschaftlichen Studien und lebt seit 1916 in Heppenheim an der Bergstraße. Dort begründete er die bekannte Zeitschrift „Der Jude" und stellte sich durch seine grundlegenden Veröffentlichungen in den Vordergrund der jüdischen Welt. Seit 1923 hat er den einzigen Lehrauftrag für jüdische Religionswissenschaft und Ethik an einer deutschen Universität in Frankfurt a. M. inne. Innerhalb des Zionismus hat er in Deutschland große Bedeutung, indem er ihn vor allem in die allmenschlichen Zusammenhänge einordnete und menschheitlich orientierte. Er trat auch gegen die oberflächliche rationalistische Auffassung der Religion auf. Seit 1921 hat er sich von aktiver Politik zurückgehalten. Auch auf dem Gebiete der allgemeinen Religionswissenschaft gehört er zu den führenden Persönlichkeiten. In der gemeinsam mit dem Katholiken Wittig und dem ProtestantenWeizsäcker herausgegebenen Zeitschrift „Die Kreatur" wirkt er für die Wiedererweckung religiöser Grundkräfte über die Grenzen der Konfessionalität hinaus. Seine Werke, die zum Teil besonders auf die Jugend stark eingewirkt haben, sind „Mein Weg zum Chassidismus", „Vom Geiste des Judentums", ,,Die jüdische Bewegung", „Reden über das Judentum", „Der heilige Weg", „Cheruth", „Völker, Staaten und Zion", „Die Geschichten des Rabbi Nachmann", „Die Legende des Baalschem", „Der große Maggid", „Das verborgene Licht", „Ekstatische Konfessionen", „Daniel", „Die Rede, die Lehre und das Lied", „Ereignisse und Begegnungen", „Ich und Du", und schließlich die gemeinsam mit Franz Rosenzweig in Arbeit befindliche Bibelübersetzung, ein Versuch, die Heilige Schrift ganz im Geiste der Ursprache zu verdeutschen. i V

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