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Der Jugendbund · 1928-03-01 · 3 (1.3.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
3 (1.3.1928)
Date
1928-03-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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( RepilK Von Ernst Holzer Es war mir bei der Abfassung meiner Besprechung über ..Zionistische Jugendbewegung" nicht zweifelhaft gewesen, daß es scharfe Proteste und Entgegnungen absetzen werde. Ueber den Brief von Dr. Siegfried Kanowitz war ich aber trotzdem überrascht. Einmal erscheint es etwas außergewöhnlich, daß der Autor selbst zur Kritik seiner Broschüre das Wort nimmt. Daß er sich nicht selbst kritisieren werde, erscheint klar, wiewohl dies eigentlich nach den Mitteilungen Kurt Londons (siehe weiter unten!) in diesem Falle möglich gewesen sein konnte; da dies aber noch nicht einmal geschah, was soll des Verfassers nochmaliges Eingreifen in die Auseinandersetzung nützen? Dann aber: ich habe nach nochmaligem Durchlesen meiner Kritik wohl feststellen können, daß sie scharf und von Grund auf ablehnend war; daß sie im ganzen genommen, über die Grenzen wohlverstandener Höflichkeit hinaustrat, habe ich nicht feststellen können. Es mag mir hier vielleicht das Urteil fehlen; ich habe Veranlassung, dem Leser, der meinen ganzen Artikel noch einmal durchlesen und sich nicht auf die herausgezogenen Zitate verlassen möge, das Urteil zu überlassen, ob hier nicht doch Dr. Kanowitz' Ressentiments mit ihm durchgegangen sind. Denn: gegen die Person des Herrn Dr. Siegfried Kanowitz wurde niemals ..eine Reihe von persönlichen (das sagt doch dieses Wort!) Vorwürfen und Angriffen" gerichtet. Die Sache, die vorliegende Schrift, die Tatsache ihrer Veröffentlichung und die Form ihrer Veröffentlichung wurde kritisiert. Und diese Form war keinesfalls so harmlos, wie sie Herr Dr. Kanowitz darstellt. Gerade von ihm, der Einsicht und Urteil in diesen Dingen hat, mußte erwartet werden, daß er sich den ungeschriebenen Gesetzen beugt, die einer Minorität in ihrem Verhalten zur Majorität vorgeschrieben sind. Gerade er mußte wissen, daß man als Jude nicht innerjüdische Auseinandersetzungen in die Oeffentlichkeit trägt, sondern jüdische Kämpfe im jüdischen Kreise ausmacht. Man wäscht keine schmutzige und keine saubere Wäsche auf der Straße! Und man hat einer solchen Oeffentlichkeit. die, wie Dr. Kanowitz ja selbst zugibt, desorientiert in diesen Fragen ist, in einem Sammelwerk als einzigen jüdischen Beitrag nicht das parteiische Bild einer einzigen Richtung, sondern das unparteiische Bild der Gesamtheit zu bieten. Und das meinte ich auch, wenn ich sagte, daß Dr. Kanowitz „sein bißchen Zionismus über sein Judentum" stellte. Denn gerade die Anschauung von dem Primat des Gesamtjüdischen über alles Teiljüdische (lateinisch: partes Teile) ist eine der Grundideen des Verbandes. Die Frage mit dem Hintertürchen erscheint mir z. B. durch die Erklärung von Dr. Kanowitz nicht geklärt und nicht erklärt. Zum mindesten war die von mir kritisierte Vorbemerkung mißverständlich. Doch muß in diesem Zusammenhang festgestellt werden, daß die Charakterisierung von Dr. Kanowitz als „ganz raffinierter und gesiebter Betrüger" nicht von mir, sondern nur von ihm selber stammt. — Die Tendenz, die Harmlosigkeit seiner Schrift zu beweisen, läßt Kanowitz den Irrtum unterlaufen: er habe nur davon gesprochen, daß „die Jugend sich mit einem eindeutigen Ja oder Nein für eine bestimmte Richtung entscheiden" müsse. Nein, hier dreht es sich um einen fundamentalen Irrtum von Herrn Dr. Kanowitz. Hätte er nur davon gesprochen, daß man sich für eine bestimmte Richtung entscheiden müsse, dagegen wäre gar nichts einzuwenden gewesen. Er sagte aber: „Bejahe ich die Zukunft meines Volkes oder bejahe ich sie nicht? Die zionistische (nur die zionistische! E.H.) hat dieses Ja gesprochen." Man nennt allerdings Menschen, die die Zukunft ihres Volkes verneinen, Verräter! Und wenn man mir nicht zuzugeben vermag, daß hier als logische Folgerung auf die Aeußerung Kanowitz' die Unterstellung des Verrats der nichtzionistischen Jugend an der Zukunft des Judentums sich für jeden christlichen, nicht orientierten, wie überhaupt für jeden objektiven Leser, ergibt, dann will ich pater peceavi sagen! Es bleibt zu sagen, daß auch ich es für wichtig halten würde, von einer Persönlichkeit wie Dr. Kanowitz zu hören, was er zum Problem der Neutralität (die für uns kein Problem ist) zu sagen hat. Daß dies nicht in diese Auseinandersetzung gehört, ist selbstverständlich. Nun zur Frage Kadimah! Kurl London setzt voraus, daß ich kein Zionistenfreund, sondern ein Zionistenfresser sei. Diese Ansicht Londons ist insofern interessant, als London einen Gegner des Kadimah von vornherein als Antizionisten empfindet, woraus sich psychologisch aufschlußreiche Rückschlüsse ergeben. Daß meine politischen Ueberzeugungen in maßgebenden Ansichten mit dem Zionismus konform gehen, würde noch nichts beweisen. Daß ich aber seit Jahren dem Keren Hajessod Maasser zahle, also mehr für den Aufbau Erez- Jisroels tue als ein Dutzend erlesener Lippenzionislen, mag ihn von der Unrichtigkeit seiner Annahme überzeugen. Selbstverständlich ist es, daß meine früheren wie meine jetzigen Ausführungen meine persönliche Auffassung wiedergeben, die, wie ich aber glaube, von vielen Verbandsfreunden geteilt wird. Dies deshalb, weil eben der Verband, wie er m. E. von den meisten Verbandsfreunden erfaßt wird, seiner ganzen Ideologie nach den Unterschied zwischen sich und einem Bunde wie dem Kadimah keinesfalls in der Unterscheidung zwischen Aelteren- und Jüngerenbund sieht, wie dies London tut. Meine mir räumlich und geistig nahestehenden Freunde wissen, daß ich oft gerade über diese Frage diskutierte, weil ich in diesem unheilvollen Problem „Aeltereno d e r Jüngerenbund", das nicht ein einziger Bund der jüdischen und der nichtjüdischen Jugendbewegung bisher gelöst hat noch je lösen kann, die Begründung für das Zerbrechen der Jugendbewegung sehe. (Vergl. auch meine Ausführungen in der Oktobernummer 1926 des „Jugendbundes".) Das eben ist die große Aufgabe und. wenn und wo er sie vollbringt, die große Leistung des Verbandes, daß er Aelteren- und Jüngerenbund, Gesinnungs- und Erziehungsbund in einem ist und sein kann, weil eben seine neutrale Ideologie und die Kontinuität seines Erziehungsweges eine bestimmte Gesinnung bei seinen Menschen zur Folge hat. (Vergl. hierzu Dr. Gustav Löfflers Darlegungen in der Werbenummer.) Und wenn London sagt, daß in einem Erziehungsbunde wie dem Kadimah Ueberparteilichkeit unmöglich ist, so gibt auch er damit zu, was ich immer nur behauptet und mich nachzuweisen bemüht1 habe, daß nämlich im Kadimah, dessen einer maßgeblicher Führer er ist, kein überparteilicher Bund anzuerkennen ist. Mir ist das alles, was London ausführt, wohl bekannt. Und weil ich behaupte, daß im Kadimah durchaus politische Beeinflussung und Erziehung getrieben wird und man nur aus Zweckmäßigkeitsgründen (Erfassung der Kinder nichtzionistischer Eltern) das apolitische Mäntelchen umhängt, so führe ich neben den in meinem Januarartikel angeführten untrüglichen Beweisen einen weiteren an. Nach seinem Programm „will der Kadimah die jüdische Jugend zur verantwortlichen Mitarbeit an den gemeinsamen Aufgaben der Weltjudenh e i t erziehen. Innerhalb dieser Aufgaben kommt, entsprechend der unzertrennbaren Verknüpfung Palästinas mit der Geschichte des jüdischen Volkes dem Wiederaufbau des Landes eine besondere Bedeutung zu". (Sperrungen von mir. E. H.) Jeder, _der amtliche Verlautbarungen lesen kann, muß hier ein Beispiel höchster Diplomatie sehen; trotzdem kommt auch, in dem Programm des Kadimah seine palästinozentrische Einstellung klar zum Ausdruck. Darüber hinaus ist! es wissenswert, wie eines der Mitglieder des Bundesrats des Kadimah dieses Programm auffaßt. Karl Guggenheim sagt im Rahmen einer vom „Jüdischen Wochenblatt" veranstalteten Selbstdarstellung der jüdischen Jugendbünde in einem repräsentativen Artikel über den Kadimah:.....die jüdische Bildung ... zu pflegen ist notwendig, um dadurch schon den jungen Juden an das jüdische Volk und seine Kultur zu binden, damit er auch als seine Aufgabe betrachtet, für dieses jüdische Volk zu leben und sich einzusetzen." (Sperrungen von mir. E. H.) Man kann eine klarere, nationaljüdische Betonung des jüdischen Volkstums kaum wünschen. Die jüdische Bildung ist für den Kadimah eben ein Mittel zu dem Zweck, daß, wie Kanowitz sagt, „die Entscheidung zum Zionismus später falle"! 7

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