Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 3 (1.3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/6492456-6352307-6352536--0569-4928742- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Traurige ist, — zur sachlichen Klärung all der Fragen kein einziges Wort. Die Besprechung endet dann schließlich in einer Aufforderung an die Kadimah. „ihre Maske fallen zu lassen". Wir nehmen an. daß die Kadimah selbst auf die ihr dort gestellten Fragen antworten wird. Leider ermöglicht mir diese ganze Besprechung nicht, in eine sachliche Auseinandersetzung mit Ihren Anschauungen einzutreten. Fürbesonders wichtig würde ich es halten, das Problem der Neutralität mit Ihnen gemeinsam zu erörtern. Doch muß ich es mir in diesem Zusammenhang versagen. Eins bleibt mir nur unverständlich, warum gerade die Zeitschrift «tnes Bundes, der immer betont, daß er Gegensätze ausgleichen will, die Zerrissenheit im jüdischen Leben überbrücken will usw.. einen Aufsatz ohne Kommentar und Erwiderung zum Abdruck bringt, der an Gehässigkeit und mangelndem Verständnis bisher in der Auseinandersetzung über diese Broschüre unerreicht dasteht. Ich wärelhnen dankbar, wenn Sic den .vorliegenden Brief in Ihrer Zeitschrift zum Abdruck bringen und begrüße Sic mit indischem Gruße ergebenst Dr. K a n o w i t z. Kadimah, Jugendbund und jüdische Presse uon Kurt London In der Januarnummer des Jugendbundes beschäftigt sich Herr Dr. Ernst Holzer im Zusammenhang mit der Besprechung der Abhandlung Dr. Kanowitz' über die zionistische Jugendbewegung auch mit dem Kadimah. Er tut dies leider in einer Weise, die nicht geeignet erscheint, Basis einer sachlichen Auseinandersetzung zu .sein. Er erhebt gegen die verantwortlichen Führer des Kadimah Vorwürfe, die über den Rahmen dessen hinausgehen, was man in der jüdischen Jugendbewegung bisher gewohnt war, und kann damit nur beweisen, wie wenig er mit dieser im Zusammenhang steht. Seine Ausführungen sind von einer verletzenden Schärfe, die es schwer macht, überhaupt zu erwidern. Solche Angriffe sind geeignet, eine tiefe Kluft zwischen dem Verband jüdischer Jugendvercine und der jüdischen Jugendbewegung,* insbesondere dem Kadimah zu schaffen, und wir müssen Herrn Dr. Holzer die Verantwortung dafür überlassen. — Aber weil ich der Ansicht bin. daß Holzers Artikel seine persönliche Meinung wiedergibt und nicht die des Hauptvorstandes, möchte ich ihm einiges, unabhängig von einer eventuellen Stellungnahme der Kadimahbundesleitung. persönlich erwidern. Was merkwürdig berührt, ist das völlige Verkennen eines verantwortlichen Führers des Verbandes, des verschiedenen Charakters eines ausgesprochenen Erziehungsbundes, wie es der Kadimah, und eines Aelterenbundes, wie es, trotz seiner Junggruppen, der Verband ist. Von einem Erziehungsbunde L'eberparteilichkeit zu fordern, ist Beweis für die völlige Unklarheit, die sich bei einem Führer des Verbandes über diesen Begriff zeigt. Ueberparteiüchkeit eines Bundes setzt voraus, daß die einzelnen sich parteipolitisch entschieden haben, um dann in einem Bund zu gemeinsamen überparteilichen Aufgaben zusammengefaßt zu werden. Der Kadimah ist ein Erzichungsbund. Sein Bundesziel ist, da eis eine Aelterenherrschaft im Bunde nur als Führerkreis gibt, begrenzt. Seine Menschen stehen vor der Entscheidung, sein Ziel ist, sie für die Entscheidung vorzubereiten, wie es auch der Bund in allen seinen Veröffentlichungen (siehe letzte Bundestagsresolütion) und auf seinen Tagungen, die für Freunde der jüdischen Jugend offen standen, immer wieder erklärt hat. Daß Herr Holzer das alles nicht kennt, ist seine eigene Schuld, sonst wüßte er, daß der Erziehungsweg des Kadimah unter unbedingter Ablehnung jeder politischen Beeinflussung ein jüdischer ist. Seine Unkenntnis wirft Holzer uns vor. Es ist bedauerlich, daß er seiner Ansicht nach keine Möglichkeit hatte, sich zu orientieren, und daß wir unseren Standpunkt nicht so öffentlich vertreten konnten, wie wir es gern getan hätten. Aber uns steht nicht, wie Herrn Holzer, das eigene Blatt zur Verfügung. Hinter uns steht keine schützende Organisation, die die Mittel dafür hergibt. So bleibt uns nur die jüdische Presse. Und hier wird uns ein Vorwurf gemacht, der nicht uns, wohl aber Herrn Holzer und seine Freunde trifft. Wenn die große jüdische Presse keinen Platz für unsere Ausführungen hat, so hatten wir doch aus der Solidarität jüdischer Jugend heraus die Gastfreundschaft der Jugendpresse erhofft. Wir haben uns getäuscht! Vor nahezu einem Jahr baten wir den Jugendbund um Aufnahme eines Artikels über die Tendenzen des Kadimah. Dieser wurde abgelehnt, weil man nicht für einen Bund Propaganda machen wollte, der in seinen Zielen mit dem Jugendverband übereinstimme und „von dem man noch nicht wisse, ob er auf neutralem Boden stehe". Das mag politisch verständlich gewesen sein, es zeugt aber von wenig Ritterlichkeit, wenn Herr Holzer uns jetzt Vermummungen und ähnliche Dinge vorwirft, und insbesondere, daß wir nicht den Weg in die Oeffentlichkeit nehmen. — Und dann stört es Herrn Holzer, daß er unsere Veröffentlichungen nur in der Jüdischen Rundschau lesen kann. Bedauerlich, aber nicht unsere Schuld! Diese Veröffentlichungen gingen regelmäßig an alle Zeitungen, auch an Blätter der jüdisch-liberalen Presse. Aufgenommen wurden sie im allgemeinen nur von der Jüdischen Rundschau, dem Hamburger Familienblatt, dem Jüdischen Echo, dem Schild und einigen wenigen mehr. — Das ist die jüdische Presse! Durch welche Zeitungen will Herr Holzer von uns orientiert werden? Durch den Jugendbund? Durch die C.-V.-Zeitung?! Die beide unsere Einsendungen bisher nicht aufgenommen haben?! Nun zum Sachlichen in Holzers Angriffen. Wir haben auf den Kongreßbericht und die Schrift von Dr. Kanowitz in der Oeffentlichkeit nicht reagiert; warum, siehe oben. An dieser Stelle sei daher festgestellt, wir haben es von jeher abgelehnt, Nachwuchsbewegung einer politischen, also auch der zionistischen Organisation zu sein. Der Bericht an den Kongreß entspricht nicht den Tatsachen. Die Schrift Kanowitz gibt seine rein persönliche Anschauung wieder, die er übrigens inzwischen nach seinen eigenen Erklärungen revidiert hat. Auch in der Oeffentlichkeit hat er eine wesentlich andere, gegen uns gerichtete, Stellung eingenommen. Es erübrigt sich daher, auf diese Schrift noch einzugehen. — Geben nun aber zwei unerwiderte zionistische Schriften Herrn Holzer das Recht, Angriffe gegen den Kadimah in solcher Weise zu ■ richten? Geben sie ihm das Recht, den Führern des Kadimah ihre zionistische „Belastung" und Unehrlichkeit vorzuwerfen? Geben sie ihm das Recht, Forderungen an den Kadimah zu richten, er solle von den „zionistischen Offizieren" abrücken? Nicht über das Erziehungsziel des Kadimah soll hier gesprochen werden. Einem unsachlichen, einer Jugendbewegung unverständlichen Angriff gilt es zu erwidern. Und darum sei Herrn Holzer eines gesagt: Jeder wirkliche Jugendbund, nicht nur der Kadimah, wird sich keine Bevormundung irgendwelcher Offiziere, gleichviel aus welchem Lager, gefallen lassen. Er wird von ihnen, gleichviel, aus welcher Partei sie kommen, mit der gleichen Entschiedenheit abrücken, wenn man ihn für politische Zwecke mißbrauchen will. Das gilt nicht nur für die verantwortlichen Verfasser des Kongreßberichtes, das gilt auch für den Offizier Holzer, denn auch er steht „belastet" da, wenn auch von der anderen Seite. Die jüdische Jugend weiß, daß ihre Freunde, die wahrhaft jüdischen Menschen, in allen Lagern sind, und daß sich im zionistischen so viele befinden, mag Herrn Holzer und seine Freunde schmerzen, mag ihnen aber auch zu denken geben und sie vielleicht veranlassen, manches zu ändern. Legen Sie Ihre „Finger" nicht „auf die offene Wunde" anderer, Herr Holzer! Jeder Kenner der jüdischen Jugendbewegung wird Ihnen das Gesundheitswidrige solchen Verhaltens nachweisen können. Beginnen Sie mit der Säuberung im eigenen Hause! Geben Sie auch einem vermutlichen Gegner fair play! Dann können wir über sachliche Dinge polemisieren. Auf der von Ihnen gewählten Basis nicht! — Im übrigen hat Ihre Jugend das Wort! Die Offiziere interessieren uns nicht! Sie mögen Politik machen. 6