Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 2 (1.2.1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6492456-6352307-6352535--0556-4928730- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Erlebnis, die Uebung der Gebote in der Natur, das Singen jüdischer Lieder hinterlassen tiefe religiöse Gefühle. Das Gefühl, durch das heilige, innig-feste Band einer gemeinsamen Schicksalsreligion mit den vielen Stammesbrüdern auf der weiten Welt verbunden zu sein, dieses Gefühl, das sich jedem Juden aus tiefster Seele beim Feiern unserer Feste aufdrängt, trägt mehr an der Vertiefung des Gemeinschaftsgefühls bei als viele Worte und Hinweise. Dazu prägt das Sich-Hineingestellt- Erkennen in die große Jugendgemeinschaft tiefe, unauslöschliche Eindrücke. ' Durch den kameradschaftlichen Zusammenschluß wird dem jungen Juden, der mit nichtjüdischen Kameraden niemals eine Gleichberechtigung empfindet, seine jüdische Gemeinschaftszugehörigkeit waren bewußt; Liebe zur jüdischen Schicksalsgemeinschaft erwacht. — Die jüdische Tat ist aber mit der Betätigung der Gebote nicht erschöpft, das Lernen der Gebote muß hinzukommen. Rabbi Akiba sagt sogar im Talmud (Kiduschin 40 b und Baba Karaa 17 a): ,,Das Große ist das Lernen, denn das Lernen führt zur Tat." Der jüdische Mensch mußtin seinen Glauben eindringen, muß sein« heiligen Quellen studieren, aus denen er erst wahres Erleben gewinnt. Auch die Junggruppe soll positives jüdisches Wissen vermitteln. Doch vor etwas muß man sich hüten — vor der Langweile. Religion darf überhaupt nur in frischer Lebendigkeit der jüdischen Jugend übermittelt werden. Religion im Gewände der Langweile vernichtet den letzten religiösen Keim in der Jugendseele. Das gilt für alles, was in der Junggruppe getrieben wird. Nichts darf gewöhnlich werden. Das Alltägliche ist ihr langweilig, und Langweile ist der Todfeind der Jugend. Gesunde Abwechslung bedingt ein frisches Leben der Junggruppe. Die geselligen Feiern dürfen nicht vergessen werden. Wie auch der Humor nicht vernachlässigt werden darf. — Jugend liebt das Heldenhafte. Muß es nun nicht eine lohnende Aufgabe sein, die Fülle der Heldengestalten in der jüdischen Geschichte ihr zu zeigen. Und wer es versteht, diese Gestalten — ich erinnere nur an Saul, David, Elia — plastisch, real zu charakterisieren, kann dadurch ein tieferes jüdisches Erlebnis hervorrufen als durch viele Mahnreden. — Hierhin gehört auch ein Wort über Verwendung und Inhalt der jüdischen Lektüre in unseren Gruppen. Wir müssen sie zu einer religiös-sittlichen und belehrenden, aber auch zu einer Geist und Gemüt erhebenden, erquickenden und menschlich-bildenden gestalten. Für die Jüngeren wären besonders Erzählungen aus der Bibel geeignet; dazu kommen die feinsinnigen poetischen Erzählungen aus dem Midrasch. In den Heimnachmittagen und bei sonstigen ähnlichen Gelegenheiten muß Lektüre spannender jüdischer Erzählungen mit Wissensgehalt gelesen werden. (Ich erwähne nur Lehmann, Rabbi Joselmann von Rosheim, das ich augenblicklich mit meiner Gruppe mit großem Erfolg lese.) Charakterbilder großer jüdischer Persönlichkeiten seien nicht unerwähnt. Ein Heimabend muß vielseitig gestaltet werden. Da sollen auch jüdische Musik und jüdische Volkslieder gepflegt werden. In die Sprechchöre gehören die Psalmen; diese eindrucksmächtigen, wuchtigen Hymnen wirken gewaltig auf die Seele des Jugendlichen. Bastelabende, an denen hebräische Schrifttafeln, Ex- Libris-Entwürfe mit jüdischen Symbolen, kleine religiöse Gegenstände angefertigt werden, sind sehr zu empfehlen. Sind wir in unserer Erziehungsarbeit soweit fortgeschritten, daß in der anfangs gleichgültigen Jugendschar jüdisches Interesse auch in mehr geistiger Hinsicht erwacht, so sind wir unserem Ziel nahe. Denn die Jugend soll fragen! Ist-das Judentum jugendfeindlich? Veraltet? Langweilig? Dogmatisch? Erstarrt? Ohne Lebensfreude? Ohne wahrhaftige Lebensbejahung? Denn diese Fragen brauchen nur aufgeworfen zu werden, um sofort in überwältigender Weise die Kraft, die DelegierfentagungPfii Lebensfülle unseres Judentums in hellstem Lichte erstrahlen zu lassen. Dann wird der jüdischen Jugend, nachdem ihre von selbst entstandene Frage positiv-jüdisch, beantwortet ist, die religiöse Ueberzeugung aufgehen; dann ist die bewußte jüdische Persönlichkeit in der Bildung. Und ist dieses Judentum verkörpert in lebendigen Persönlichkeiten, sind Menschen von diesem Judentum religiös durchdrungen und so überhaupt zu wahrhaft jüdischen Persönlichkeiten geworden, dann werden sie auf die Jugend mit ganzer Kraft anziehend, begeisternd, mit sich fortreißend wirken. Das Judentum braucht zu seiner Vermittlung im großen Gemeinschaftsleben wie im kleinen Jugendverein starke, helle, weltgewandte religiöse Persönlichkeiten. Jüdisch-erzieherische Wirkung im Jugendverein kann allein in Betracht kommen durch jüdische Persönlichkeiten. Ihrem richtigen Wirken ist die jugendliche Seele nicht verschlossen; sie ist empfänglich, um von dieser religiösen Geisteskraft gleichsam elektrisiert zu werden und in reifer Entwicklung das Herrlichste zu erleben, was eine Menschenseele überhaupt erleben kann, Gott zu finden und ein Jude zu werden, ein jüdisch-schöpferischer Gemeinschaftsjude, Berichte aus den Junggruppen In den Vorstand des Rheinisch-Westfälischen Bezirks Verbandes ist nunmehr Hans Abraham. Gelsenkirchen, eingetreten und ist damit gleichzeitig Mitglied des Junggruppen-Dezernats geworden. Der Nordwestdeutsche Bezirksverband wählte Bodo Moses, Detmold, in seinen Vorstand als Vertreter der Junggruppen. Bremen: Zur Chanukkafeier hat die Gruppe eine sehr nette Zeitung herausgegeben, mit guten Einfällen und Versen, und mit Handzeichnungen von Ruth Joseph, die viel für die Zukunft versprechen. Chemnitz; Die Gruppe sandte den Arbeitsplan für Januar. Ferner Nummer 4 ihrer „Jung-Juda"-Zeitschrift, die — anläßlich des 1. Stiftungsfestes der Gruppe — einen ausgezeichneten Inhalt aufweist, und die unter dem Motto „Rückblick — Ausblick" steht. Ueber das Stiftungsfest selbst, das am 15. Januar stattgefunden hat, berichtet Martin Seligmann: „Elternschaft, Vertreter des Jugendbundes, des Landesverbandsvor; Standes, Reichsverbandsvorstandes, der Junggruppe Halle, der Gemeinde, der Loge und anderer Organisationen, das Rabbinat, die Lehrerschaft und viele Freunde waren der Einladung gefolgt. Der Sprechchor unter Leitung von Karl Goeritz trat zum ersten Male öffentlich auf. Ein selbsterdachter Reigen, ein selbstverfaßtes Theaterstück wurden aufgeführt. Der Erfolg war auf der ganzen Linie ein überaus guter. Die Begeisterung der mitwirkenden Jungen und Mädel übertrug sich auf das Publikum. Das Fest wird uns in seiner Gesamtwirkung nun auch nach außen hin sicherstellen." Der „B u n d j ü d i s c h e r P f a d f i n d e r" (BJP.), Frankfurt a. M. (Ernst May, Grempstraße 21), hat sich als Hospitant unserem Dezernat und damit dem Verband angeschlossen. Neue Junggruppen melden sich aus Halle a. S., Wittlich, Hachenburg (Westerwald). — Die Junggruppe Osnabrück teilt mit, daß sie bereits 25 Mitglieder hat und auch eine Bibliothek unterhält. J. R. 10