Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 2 (1.2.1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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mit den Waffen geistiger Art, die unser würdig sind: Aufklären, begründen. Erfahrungen austauschen, belehren, um dadurch korrigierend und bessernd zu wirken. Und dazu hilft nur eines: Eigene Festigkeit im Glauben unserer Väter, religiöse Ueberzeugung! Religiöse Ueberzeugung ist die Grundlage der spezifisch jüdischen Persönlichkeit. Der Jugendverein hat die Aufgabe, die Werte zu vermitteln, die die Bausteine der jüdisch-religiösen Ueberzeugung bilden. Es möchte sich empfehlen, zuerst den Begriff ..religiöse Ueberzeugung" kurz zu definieren, bevor wir die Frage, wie kann die Junggruppe mit an der Schaffung der jüdischen Persönlichkeit arbeiten?, beantworten. Wie entsteht religiöse Ueberzeugung, aus welchen Faktoren setzt sie sich zusammen? Die wahrhafte religiöse Ueberzeugung beruht auf der Harmonie aller Seelenkräfte. Denn sobald der Verstand, das kühle, vernunftgemäße Denken die einzige Grundlage des religiösen Wesens ist, wird die Religion in ein Gesetzbuch verwandelt. Wo aber die Religion als bloße Gefühlssache genommen wird, wo alles Religiöse nicht gedacht, sondern nur empfunden wird, da ist ein Verschwimmen aller religiösen Gedanken unausbleiblich, bei aller inneren Wärme fehlt die innere Festigkeit und jüdisch-bewußte Haltung. Somit ist die Gefahr der Ableitung und Entfremdung durch harte Widerstände beim reinen Gemütsmenschen sehr groß. Das Vorherrschen der Einbildungskraft, der Phantasie, auf dem religiösen Gebiet führt zu allen möglichen Arten von Phantastereien und Aberglauben. Daher darf keine Einseitigkeit in der Judentumsauffassung walten. Die Religion will den ganzen Menschen erfassen und durch alle Seelenkräfte erkannt und gestützt sein. Unser Judentum will durchdacht, durchfühlt und vom Schwünge der Einbildungskraft belebt sein. Daher muß unsere religiöse Ueberzeugung in dem jüdisch-harmonischen Dreiklang bestehen, dem Akkord aus Denkkraft. Gemüt. Phantasie. Aber damit soll nicht gesagt sein, daß die religiöse Tat erst dann geübt werden soll, wenn der Mensch sich zur religiösen Ueberzeugung durchgerungen hat. Im Anfang sei die Tat. „Naaseh wenischmah. erst tun, dann hören, verstehn!" Mit der jüdischen Tat kommt die jüdische Ueberzeugung. Das jüdische Gotterleben durch die religiöse Tat weckt die seelischen Kräfte, die der jüdischen Weltanschauung einen immer stärkeren Wirklichkeitscharakter geben. Die folgenden Worte, die ich einem Werke meines Vaters, dem iüngsthin erschienenen Buche „Jüdische Welt- und Lebensperspektiven" entnehme, drücken diesen Gedanken aus: „Die Ueberzeugung wird nicht ausbleiben, wo ihr die Ueberlieferungstat, die Wege zum inneren Menschen bahnt. Mit dem Essen kommt oft der Geschmack und mit der Uebung die Geistgewinnung. Ueberzeugt ist der Mensch auch in allen anderen Dingen, die eine Ueberzeugung erheischen, erst mit der Reife der Jahre; aber es wartet keiner bis dahin mit der Tat fürs Leben. Ebenso wäre es bedauerlich und viel ru verspätet, wenn man bis zur Ausreifung der Ueberzeugung die Jugend gewähren ließe im Nichtausüben der Tradition. Darum belehren wir unsere Jugend, überzeugen wir sie. soweit wir nur können, aber führen wir sie mit aller vorbildlichen Kraft beizeiten in. das Ausüben der Lehre ein."*) Nun wollen wir nach diesen prinzipiellen Erörterungen an unsere Spezialfrage herangehen. Unsere Aufgabe ist ein Versuch, die Frage der jüdischen Erziehung in der Junggruppe zu lösen. Wir können jetzt, nachdem wir wissen, worin religiöse Ueberzeugung besteht und erkannt haben, daß die religiöse Tat der Wegweiser und sichere Geleiter zu ihr ist. antworten: Jene drei Mächte, die vereint von jüdischem Wesen durchdrungen sein sollen, haben wir beim jüdischen Jugendlichen in dieser Richtung zu formen, und zwar durch das jüdische Tat-Erleben. Bevor wir jedoch dieses allgemeine Ziel speziell in bezug auf die Jugend im Junggruppenalter praktisch verwerten können, wollen wir einen kurzen Umblick auf die geistige Verfassung dieser Jugendlichen werfen, t Aus einer solchen Betrachtung der Psyche dieser Altersstufe wird sich auch am ehesten der Weg für die Erziehungsmethode ihr gegenüber ergeben. Ueber die Psychologie des Jugendlichen, auch im Alter von 12 bis 16 Jahren, ist sehr viel geschrieben worden. Ich will deshalb nur davon sprechen, was unmittelbar mit unserer Frage zu tun hat. Diesen Ausführungen lege ich in der Hauptsache eigene psychologische Beobachtungen zugrunde. Damit versuche ich. nur wirklichkeitsgetreue, nicht theoretisch erklügelte Schilderungen zu geben. Natürlich wird die Psyche des Junggrupplers in anderen Gegenden etwas von der ge- *) Oberrabbiner Dr. Altmann. Jüdische Welt- und Lebensperspektiven. Preßburg 1927. Seite 99. Tagebuch von großer Fahrt Von Erich de üonge. neuyorK (Fortsetzung.) Nachdem am anderen Tage die Abschiedsbesuche erledigt waren, konnte man ans Aufbrechen denken. Gegen ein Uhr sollte uns der Zug nach Dierdorf bringen, wo wir am gleichen Abend unsere Truppe aufbrechen lassen mußten. Leider hatten wir nicht die Zeit, umden Westerwald so zu durchwandern, wie wir es gerne gewollt hätten. Zur Tagung in Eberbach mußten wir rechtzeitig eintreffen, und so mußten wir uns Tag für Tag beeilen, rechtzeitig tzum angekündigten Termin einzutreffen. Wenn ich sagte, leider konnten wir nicht wandern, so soll das heißen, daß wir vom Westerwald angenehm enttäuscht waren, hatten wir uns ihn doch als äußerst unfreundlich und unwirtlich vorgestellt. Die wenigen, aber schönen Stellen, die wir sahen, genügten uns. um den Westerwald den „kleinen Schwarzwald" zu nennen. Wer also von unseren Freunden demnächst eine Wanderung unternehmen will, dem lege ich dringend den Westerwald ans Herz. der. soll ich leider oder Gott sei Dank sagen, noch nicht so bekannt , ist. daß man bei ieder Wegbiegung auf Wanderer stößt. — Rasch noch die Einkäufe zum Mittagessen besorgt, und es ging unter Hallo und Bilderknipsen das Abkochen vor sich, das bei Verbandsfreunden auf dem Hofe stattfand. Die Abfahrtszeit rückte immer näher und noch immer nicht wurde unser Essen gar. Was blieb uns endlich nur übrig? Wir mußten unser Heiligtum in die Mitte nehmen und zum Bahnhof ilen. Im Zuge gelang es uns nun endlich, daß wir unsere 8 .herabhängenden Magen stärken konnten. Auf der letzten Plattform wurde kunstgerecht ein kleiner Herd aus zusammengesetzten Steinen gebaut, unter allseitigem Interesse von Schaffner und Passagieren wurde der Götterfraß bis Puderbach, wo wir umstiegen, gar. Daß von der Riesenwurst beim allgemeinen Mahl nichts mehr vorhanden war. lag daran, daß die beiden Köche. Erich de Jonge und Heini Ro'hkopf, bei den sehr häufigen Schmeckversuchen, „ob es endlich soweit ist", zufällig immer ein Stück Wurst auf den Löffel bekamen. — Von Puderbach bis Dierdorf ging es durch wundervollen Wald. In Dierdorf stießen wir zum ersten Male auf Wanderer. Ihrer Einladung, mit zur Jugendherberge zu kommen, konnten wir keine Folge leisten, da wir auch hier wieder bei Verbandsfreunden untergebracht wpren. Der Abend verlief unter großem Interesse der Anwesenden und ließ uns zum Schlüsse noch eine kleine Badereise verabreden, die am nächsten Morgen unternommen werden sollte. Teils mit, teils ohne Badeanzüge zog man zu einigen Fischweihern, in denen wir unsere Schwimmkünste versuchten. Am Mittage wurde der Rückmarsch angetreten, und als der Führer der Wanderschar zum Bahnhof kam, fand er außer dem im Straßengraben schlafenden Richard Teitler niemanden vor. Zeil hatten wir ja noch, also warteten wir. Wir warteten aber auch noch, als unser Zügele wieder weiterfuhr. Wütend ging ich los. um meine Deserteure zu suchen, die mir denn auch auf halbem Wege entgegenkamen. Ihre Entschuldigung mußte ich annehmen. Kann man denn etwas entgegnen, wenn man, ihrer Aussage nach, zuviel zu Mittag essen mußte, und deshalb nicht gehen konnte? Endlich saßen wir in unserem Abteil,