Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 1 (1.1.1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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lassen hat. Darin hat ihn keinesfalls etwa die Ermordung gehindert; denn er hat seinen baldigen Tod in den Jahren vor 1922 vorausgeahnt. Was ihn aber wohl daran hinderte und ihn immer gehindert hätte, Memoiren zu schreiben, das ist der Umstand, daß ihm das Sachliche so himmelhoch über dem Persönlichen stand, daß er einmal äußerte: es sei ihm seine Person so fremd geworden, daß er oft meine, sie sei schon gestorben. Die erste authentische Rathenau-Biographie will, wie die Verfasserin in ihrem Vorwort sagt, „in Ehrfurcht und Bewunderung der großen Natur ein Bild Walter Rathenaus malen." Man muß ein großer Künstler sein, um Männer, die selbst begnadete Künstler und große Menschen sind, bis in ihre letzten Tiefen belauschen und verstehen zu können. Bei Rathenau, der so viele Seelen in seiner Brust beherbergte, mag dies besonders schwierig sein. Und so zeichnet das Buch mehr den äußeren Lebensgang und gibt mehr eine Quellenangabe seiner Werke, als daß es uns den Menschen in seiner ganzen Unrast und Vielfältigkeit malt. Vielleicht muß einer selbst Jude sein, um die jüdischen Quellen Rathenaus besser empfinden zu können, als die erste Biographin, die sein Judesein immer nur im Zusammenhang mit lauten und leisen Aeußerungen des Antisemitismus erwähnt. Vielleicht auch fehlt uns Heutigen überhaupt noch die Distanz. — Jedenfalls verdankt die Rathenau-Gemeinde Etta Federn-Kohlhaas ein Quellenwerk, das manchen zum Studium des Mannes und seiner Bücher veranlassen wird. Wenn es auch 'nicht an die Vielen gelangen wird, weil es zu sehr den schwer verdaulichen Geist Rathenaus atmet, so teilt es damit schließlich die Vor- und Nachteile seiner Bücher selbst. Else Schubert-Christaller, Der Gottesdienst der Synagoge, sein Aufbau und sein Sinn, mit ausgewählten Gebeten. Verlag Alfr. Töpelmann, Gießen, Preis 2,70 Mark. „Was zieht mich zum Gottesdienst?" Diese Frage wurde zum Gegenstand einer Umfrage im Verbände gemacht. Vielleicht wäre diese Frage müßig, wenn alle Juden das rechte Verständnis unseres Gottesdienstes mitbrächten. Ein Hilfsmittel dazu scheint uns das vorliegende Büchlein zu sein. Es ist zwar von einer Nichtjüdin geschrieben. Aber die Verfasserin geht an ihre Aufgabe mit so großem Verständnis und mit so viel Liebe, daß auch der jüdische Leser mit Gewinn und Genuß ihren Darlegungen folgen wird. Inhalt und Bedeutung der Gebete des Werktages, des Sabbats, der Hauptfeste und der furchtbaren Tage werden betrachtet und mit vielen feinen, schön übersetzten Beispielen verdeutlicht. Wir möchten wünschen, daß recht viele Juden aus diesem Buche Liebe zu unserem Gottesdienst und dieselbe Begeisterung und seelische Empfindung schöpfen möchten, wie sie diese Nichtjüdin empfindet. K. Entwicklungsstufen der jüdischen Religion. Mit Beiträgen von Leo Baeck, J. Bergmann, J, Elbogen, H. Greßmann, J. Guttmann, M. Guttmann. Verlag Alfr. Töpelmann, Gießen. Preis 3,20 Mark. Das von Prof. Strack, dem heimgegangenen bedeutenden Orientalisten und Alttestamentier der Berliner Universität, gegründete Institutum Judaicum, das die Aufgabe hat, das nachbiblische Judentum zu erforschen, sich unvoreingenommen in das Wesen und die Geschichte des Judentums zu vertiefen, hat einen neuen Weg eingeschlagen. Es hat Gastvorlesungen veranstaltet, in denen das Judentum in seinen eigenen Vertretern zu Worte kam. Damit ist zum ersten Male die jüdische Wissenschaft öffentlich anerkannt worden. Diese Vorträge liegen nun im Druck vor. H. Greßmann, der bedeutende evangelische Theologe, schreibt eine höchst bedeutsame Einführung, in der er von der „wunderbaren Größe der israelitischen Religion" spricht, und bekennt: „In diese Gefühle sich mit Liebe versenken, heißt der Offenbarung des Allmächtigen lauschen", und weiter: „Jeder ehrliche Christ wird dem Juden beistimmen, daß nur Unwissenheit oder Tücke den Gott des Alten Testaments als „böse.i Gott" bezeichnen kann; diese von der Partei-' leidenscha ne Verblendung, die die Wahrheit in ihr Gegenteil verkehrt, ist so empörend und sinnlos, daß man vor Scham nur das Haupt verhüllen kann." In der ihm eigenen klaren Art spricht J. Elbogen über „Esra und das nachexilische Judentum". Die Zeit des ersten Schrittgelehrten, seine Tat, die Entstehung der Tradition ersteht lebendig vor unseren Augen. Der Berliner Rabbiner J. Bergmann behandelt die interessante, für die Entstehung des Christentums so aufschlußreiche Zeit des Hellenismus, M. Guttmann, der Talmudist, die Entstehung des Talmuds in ihren verschlungenen Wegen, der Philosoph J. Guttmannn die „religiösen Motive in der Philosophie des Maimonides", des Meisters mittelalterlicher Religionsphilosophie, und schließlich Leo Baeck „Ursprung und Anfänge der jüdischen Mystik", helles Licht bringend in diese schwierigen Fragen, die jeden religiösen Menschen stark bewegen müssen. — Alles in allem: Darstellungen wichtiger Epochen jüdischer Geistesgeschichte, die zeigen, daß die Wissenschaft des Judentums lebt und stark am Werke ist, unser Judentum zu vertiefen und lebendig zu machen. . S. K. In die Reihe seiner Romane und Novellen reiht Döblin die „epische Dichtung": Manas. Ein starker Mensch kämpft gegen die Welt und siegt durch die Stärke seines heldischen Armes; er kämpft gegen den Tod und siegt durch die Liebeskraft des geliebten Weibes; er kämpft endlich gegen die Götter und siegt durch die Macht seiner freien Unterwerfung. Das, alles in allem, ist das Gerippe dieses Dichtwerkes, es ist ein fester, gedanklicher Bau. Wer die Ausdrucksform der asiatischen Völker liebt, die in mannigfachen Uebertragungen und Nachdichtungen zu uns kam, der wird den „Manas", Döblins eigenstes Werk, mit seiner fremdartigen Sprache und seiner östlichen Art und Form grüßen und lieben. Und wird staunend die Gabe des Dichters bewundern, der einfühlend, aus eigenem die Dichtung uns schenkte. Aber, weil das Buch unserem Denken und Fühlen fremd und ferne ist, wird es der großen Gemeinde der Freunde Döblinscher Kunst nicht allzu nahe kommen: nur wenige wohl werden, die eigenartige Delikatesse würdigend, sie genießen können. Der Mutter Traum. Chanukkamärchen in einem Aufzug von Dr. Siegfried Keßler. Verlag B. Heller, München. Preis 0,80 RM. In liebenswürdiger und ansprechender Weise hat es der Verfasser verstanden, in einem Chanukka-Spiel darzustellen, wie durch die frische und ganz erfüllte Eindruckskraft eines Kindes, dem das Judentum durch die Schule zum Erlebnis geworden ist, auch in seiner Mutter, die sich seit langem schon von jüdischer Sitte und jüdischem Gefühl abgewandt hat, verschüttete Quellen wieder springen. — wie das alte und fast schon erstorben geglaubte Zugehörigkeitsgefühl zum Judentum wieder aufbricht und wie so sich in einer Mutter im Gedanken an ihr Kind die Wiedergeburt des Judentums vollzieht. Das Spiel, das für Kinder- und Schulaufführungen gedacht ist, führt, geleitet vom Propheten Elia, die 22 Buchstaben des jüdischen Alphabets der träumenden Mutter vor und gewinnt dadurch sogar eine im besten Sinne des Wortes lehrhafte Note. Die Verse übersteigen die Fassungskraft von Kindern nicht und sind leicht einprägsam. Mit diesem Spiel ist nicht nur eine wertvolle Ergänzung des recht begrenzten Repertoires an Kinderstücken jüdischen Inhalts gewonnen, sondern es ist auch zur Lektüre für alle jüdischen Frauen und Mütter geeignet, die es mit ihren Pflichten ernst meinen. Man wünscht dem Büchlein deshalb gerne viele Freunde und zahlreiche Aufführungen. flus dem Leben des Verbandes 1. Landesverbände. Bayern. Am 6. November fand die Delegiertentagung des Bayrischen Landesverbandes in München statt, worüber uns nunmehr ein ausführlicher Bericht vorliegt. Vertreten waren die Vereine Bamberg, Ichenhausen, Kitzingen, München, Regensburg, 13