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Der Jugendbund · 1928-01-01 · 1 (1.1.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
1 (1.1.1928)
Date
1928-01-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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— der du die Souveränität des Wortes stabilisierst, ahnst du noch nicht, daß die Redaktionsgehilfen weiter nichts markieren, als die Feuerwehrmänner der öffentlichen Meinung (und im speziellen Fall: der jüdischen!), und daß 'diese Schreibtischseelen auch die Propheten mit pseudo-witzigen Rezensionen ohrfeigen und anrempeln würden, wenn . . . Aber ja: die Propheten sind schon lange tot! Und aus ihrer Religionsforderung ist kitschiger Predigtstoff geworden. Und den heißt man gut. weil man sich zuweilen „erbauen" muß. Es ist ein altes Bild: vor drei Jahrtausenden hatten .lesaja, Arnos. Jeremia recht, aber die Einerseits-Anderseits- .lournalisten behielten recht. Dasselbe werden sie dir heute wehmütig-lächelnd sagen. Ernst Holzer. J- R- Bücherschau Hilaire Belloc: Die Juden. .....daß in jedem Lande die Mißgeschicke der Juden erst dann ihren Anfang nehmen, wenn ihre finanzielle Stellung erschüttert ist. Solange sie die finanziellen Herren der Regierung sind, werden sie beschützt; aber wehe ihnen, wenn sie anfangen, ihre finanzielle Macht zu verlieren! Dann gibt es nicht länger einen Grund, sie zu schützen, weder von selten der regierenden Klassen im allgemeinen, noch von der Staatsgewalt im besonderen..... Wenn die Hilfsmittel der Reklame in allzu reichlichem Maße benutzt werden, um einer Neuerscheinung auf dem Büchermarkt zum Erfolg zu verhelfen, einer Neuerscheinung, die glaubt.' auf etwas mehr als 230 Seiten alle brennenden Probleme der Gegenwart gelost zu haben, so heißt es doppelt aufmerksam sein auf das. was sich hinter diesem Buch verbirgt, oder was sein Schicksal sein kann, selbst wenn es den unzweideutigen Titel „Die Juden" trägt. Autor. Uebersctzer und Verleger werden sagen: daß die Losung aller Probleme weder beabsichtigt noch geschehen sei." sondern nur die des brennendsten: der Judenfrage, t Aber, das ist in dem Buche unzweideutig klar: alle Probleme existieren ats Problem an sich nur scheinbar und sind nur Teile dieses einen, des Judenproblems. Kapitalismus, Sozialismus. Bolschewismus. Internationalismus usw. sind alles Dinge, die die Wirte (wie der Autor sich ausdrückt, oh, wir werden gastlich bewirtet) nicht interessieren, Gedankengebäude, die sie nicht geschaffen, an deren Erhaltung sie nicht wirken und beteiligt sind, und die nur auf das Schuldkonto einer Gruppe kommen, der Juden. Die Hauptthese des Buches ist: die Juden verheimlichen auf ihrer Seite ihre wahre Existenz als Nation wie alle anderen und - damit schließt so ziemlich jedes der 15 Kapitel — wir stehen wieder am Rande von Katastrophen und Tragödien, von denen in der Vergangenheit die Geschichte Israels gezeichnet ist. und darüber hinaus am Anfang und Ende des Buches: „Ich aber sage. Friede sei Israel." Ich vermag an die nahende Katastrophe nicht zu glauben: ich vermag aber in aller Ehrlichkeit auch nicht daran zu glauben, daß der Autor in Wahrheit „Friede sei Israel" wünscht, protz seines' energischen Abrückens vom Antisemitismus. (Wohl mir. wenn ich mich irre!) Es erweckt vielmehr den Anschein, als ob das Buch bezwcckei .ein Problem als Ursache von Dingen hinzustellen, deren Wirkung es ist: (wohl dem Autor, wenn er sich hier irrt und es nicht absichtlich getan hat!); daß es, und das befürchte ich. eine Katastrophe heraufbeschwören zu helfen geeignet ist. Die vorgeschlagene Lösung (erst Aenderung des Geistes und dann der Gesetze) ist ebenso wenig eine Losung wie die Assimilation. — So scharfe Worte, wie sie der Uebersetzer, Theodor Haeckcr. in seinem Nachwort zu den wenigen Stellen, die sich mit den Deutschen beschäftigen, gefunden hat, müßte man auch über den Hauptteil dessen, das sich mit den Juden beschäftigt, anwenden, der nicht weniger schief und untatsächlich gesehen ist. Last not least hat Belloc seine Argumentation selbst gerichtet: In den Worten, die ich dieser Besprechung vorausschickte, hat auch er entdeckt, daß die Judenfrage mit all ihrem Drum und Dran nur aus der einen Wurzel resultiert, aus der auch die noch größeren Zeitprobleme erwachsen sind, aus dem Willen zur Herrschaft einer Gruppe über die andere, um die unterliegende auszubeuten, als dessen höchste Organisationsform wir in seiner ganzen Entwicklung den Staat gesehen haben, dem das Ausbeutungsobjekt Juden willkommen war, solange es ausbeutungsfähig war. Und nur dann, wenn die Zeit rückwärts geht, wenn der Kampf aller freigewordenen Menschen (frei in dem Sinne, wie Karl Marx es meint; frei von allen Produktionsmitteln) zum Stillstand kommt, wenn eine kleine Schicht Privilegierter absolutistisch über alle Untertanen herrschen kann, ist es möglich, daß die Judenfrage den tragischen Weg nimmt, wie ihn Belloc bereits vorgezeichnet zu sehen glaubt. Aber, der Kampf der Juden wird mit dem der Proletarier und aller als Gruppe Unterdrückter weiter ein großes Stück gemeinsam gehen müssen, und da die Tendenz dieser Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung dahin geht, immer mehr Menschen zu exportieren, wird der Kampf um dieses Problem: der Möglichmachung des Wohlergehens aller in der Gesamtheit, eher stärker als schwächer werden. Hätte der Autor aus der zitierten Erkenntnis (die ich für seine wertvollste halte) die notwendigen Folgerungen gezogen, er wäre zu anderen Resultaten gekommen, und sein Buch wäre wertvoller geworden. Jakob Jacobs, Frankfurt a. M. M. J. bin Gorion, Die Sagen der Juden zur Bibel: Juda und Israel. Rütten & Loening, Verlag Frankfurt a. M. In einem fünften Bande bringen Gattin und Sohn das Werk zu Ende, das der Vater unvollendet hinterlassen hat. In vier umfangreichen Bänden sammelte Micha Josef bin Gorion die Sagen und Mythen, die sich um die Urzeit und die Entstehung des jüdischen Volkes knüpfen, bis zum Auszuge aus Aegypten, bis Mose. Und nun liegt der letzte Band vor. der die Geschichte der beiden Reiche und der babylonischen Gefangenschaft im wesentlichen behandelt. Es ist ein lebendiges Fließen, in das bin Gorion die erlernte trockene Geschichte taucht. Es erwachen uns die Männer grauer Vorzeit, es er-, wacht die Vorzeit selbst unter der Hand dieses künstlerischen Sammlers zu pulsierendem Leben zurück. Es steht alles so greifbar nahe vor uns, weil wir im Mythos, in der Sage das Zutiefst-Menschliche, das Zuhöchst-Göttliche zu erkennen vermögen. Dem Freunde jüdischer Geschichte und Geschichtchen, dem Lehrer und dem Lernenden wird diese Buchreihe eine wahre Fundgrube sein können. Federn-Kohlhaas, Walter Rathenau, sein Leben und Wirken. Karl-Reißner-Verlag, Dresden. In unserer Zeit, wo jeder General es für richtig und wichtig hält, seine Lebenserinnerungen, die oft nur die Erinnerungen an fremder Menschen Leben sind, der Oeffentlichkeit auf-' zudrängen, mag es manchen verwundern, daß nicht auch Rathenau seine Memoiren, ein Denkmal an sich selbst, hinter- Deleüienentaaung Pfingsten 1920 in Dresden 12

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