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Der Jugendbund · 1928-01-01 · 1 (1.1.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
1 (1.1.1928)
Date
1928-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Man kann zum Zionismus stehen, wie man will, für einen, der ihm nicht ferne steht, ist es besonders schmerzlich, in dieser Schrift nichts anderes zu finden als einen leider nicht nur ad hoc produzierten Versammlungston. Es muß dies aber mit aller Deutlichkeit festgestellt werden: Hatte man so wenig Takt, um nicht wenigstens in foro publico sein Judentum über sein bißchen Zionismus stellen zu können, und die zionistische als Teil der gesamtjüdischen Jugendbewegung in einer umfassenden Darstellung zu behandeln — so bedeutet es ein Vielfaches an Taktlosigkeit, die nichtzionistische Jugend als die Zusammenfassung aller falschen und gefährlichen Ansichten und Ideen zu zeichnen, die die allein selig machende zionistische Jugendbewegung durch die Genialität ihrer Führer so bewundernswert vermied. III. Interessant für die jüdische Öffentlichkeit ist die Entwicklung der zionistischen Jugendbewegung, wie sie Kanowitz sieht, der es doch wissen müßte und sicher auch weiß. Anfangs des Jahrhunderts, wir folgen der Darstellung von Kanowitz, entstand das Kartell jüdischer Verbindungen, das KJV., als eine bewußt nationaljüdische Organisation. In dem Wunsche, dem nationalen Gedanken innerhalb der Jugend Boden zu bereiten, gingen führerische Menschen aus dem KJV. daran, den Blau-Weiß zu gründen; sie waren und wurden dessen erste Führer. Kanowitz schreibt hierzu: „Während in der ersten Phase die apolitische Komponente im Blau-Weiß dominierte, trat im Verlauf der Entwicklung der Gedanke der jüdischen Freiheitsbewegung (lies: der Zionismus! H.) immer stärker in den Vordergrund. „Der Blau-Weiß zerbrach nach einigen Jahren", wie Kanowitz schreibt, „an der Ueberspannung des Gemeinschaftsgedankens, der mangelnden Verständigungsmöglichkeit mit Menschen und Gedanken außerhalb des Bundes, dem Ueberwiegen gefühlsmäßiger Kräfte über die intellektuellen, der Abnahme der Verantwortung vom einzelnen durch Kollektiventscheidungen." Man liest und glaubt hier die glänzende Philippika eines begeisterten, ja fanatisch begeisterten Anhängers unseres Neutralitätsgedankens ge^en Tendenzbündler und Atomisierungspolitiker zu hören! Gibt es etwas zu sagen, was uns mehr Recht gäbe? Doch folgen wir der Darstellung Kanowitz' weiter, so lesen wir: „Der Wanderbund Blau-Weiß ist abgelöst worden vom Kadimah, Ring jüdischer Wander- und Pfadfinder-Bünde... Es schrecken die Führer dieses Bundes wohl auch die Erfahrungen des Blau-Weiß, aus denen hervorgeht, daß politische Erziehung und Entscheidung in sehr frühem Alter durchaus keine Gewähr für einen späteren zionistischen Lebensweg bieten . . . Dieser Gefahr versucht der Bund Kadimah zu entgehen. Er will nichts aufoktroyieren, die Entscheidung zum > Zionismus soll später fallen." Mit anderen Worten: Mit demselben Ziel, aber mit anderen Waffen wird hier um den Nachwuchs gekämpft! IV. Nach Gründung des Kadimah ist an dieser Stelle (im Oktoberheft 1926) gesagt worden, daß wir die Entwicklung des Kadimah abwarten wollen, um zu ihr Stellung zu nehmen. Wir können, ja wir müssen es heute. Wir haben zur Kenntnis zu nehmen die Aeußerung eines Mannes, der auf Grund seiner beruflichen und persönlichen Stellung derjenige ist, der Bescheid weiß über das, was weiß und was schwarz ist. Wir haben zur Kenntnis zu nehmen, daß der Kadimah im offiziellen Bericht, der dem letzten Zionistenkongreß von der zionistischen Exekutive vorgelegt wurde, als die zionistische Jugendbewegung in Deutschland aufgeführt wird. Wir haben zur Kenntnis zu nehmen, daß hiergegen und gegen die Anschauungen Kanowitz", die nicht nur in seiner oben besprochenen Schrift, sondern wiederholt schon in der Oeffentlichkeit ausgesprochen wurden, niemals begründeter Widerspruch erhoben wurde. Wir haben zur Kenntnis zu nehmen, daß seine Veranstaltungen in der „Jüdischen Rundschau", dem Zentralorgan des deutschen Zionismus, angezeigt werden. Wenn w -' u vor Augen halten, daß die Führer des Bundes a durch ihre Herkunft vor der Oeffentlichkeit s<;t dastehen, so müssen wir klar und deutlich jenen schreienden Widerspruch feststellen, der zwischen den Worten und dem Wesen, zwischen d-er vorgesehenen und der tatsächlichen Arbeit des Kadimahs klafft. Im Interesse der Reinlichkeit der jüdischen Jugendarbeit aber legen wir auf diese offene Wunde den Finger und fordern vom Kadimah vor allem Offenheit: Ist der Bund eine überparteiliche Angelegenheit, so genügen jene formalen Kundgebungen nicht, so fordern wir Abrücken von den zionistischen Offizieren, so fordern wir Klarstellung, eindeutiges Bekenntnis zur Neutralität, Desavouierung jener, die sich als die Hintermänner des Kadimah betrachten! Ist der Kadimah aber eine zionistische Sache, so soll er es sagen! Niemand wird es ihm übelnehmen, aber jeder Gutgesinnte wird sich gegen, unehrliche Vermummungen wehren! Nach einmal: Offenes Bekenntnis, Klarheit, Kadimah! Hohe r. Randbemerkungen Wieder: Rumänien Das Gespenst des Pogroms geht wieder um in jenem Südosten, der einst die Verbrecherkolonie des römischen Imperiums gewesen ist. Der Südosten gehört heute geographisch (manche sagen: politisch!) zu Europa, und seine Regierung begrüßt den Zionistenpräsidenten Weizmann, und zur selben Zeit plündern ein paar tausend Studenten die Synagogen und toben (nein; den Vandalen ge;chieht bitteres Unrecht vor der Geschichte, wenn man ihren Namen auch nur in die mindeste Beziehung zu diesen Horden des zwanzigsten Jahrhunderts bringt!), toben in den jüdischen Häusern, — und in Genf sitzt ein Völkerbund, und in Oslo verteilt man Friedenspreise, und Geldmagnaten Amerikas (auch Juden sind darunter!) überlegen schon seit langem, ob und wie sie diesem europäischen Südosten mit Anleihen auf die Beine helfen können. Satyren wären zu schreiben, —■ doch es ist eine Tragödie! Und es ist im wahrsten Sinne: die jüdische Tragödie. Unsere jüdische Oeffentlichkeit ist noch nicht so weit, um laut den Ruf gegen die Schänder der Zeit aufzunehmen. Will man warten? Wieder und immer wieder warten? Vielleicht bis ein zweiter Petljura-Taifun.über einen Teil Europas braust? Die mehr oder weniger feuilletonistischen Zeitungsergänzungen geniigen nicht. Auch nicht die krassesten Schilderungen der rumänischen „Kultur". (Mancher zartbenervte Bürger wird sie überschlagen, weil er Rücksicht gegen sich zu nehmen hat!) Jede Teilaktion, jeder Teilprotest bleibt unwirksam, wenn ihm nicht die geschlossene Erhebung des sich auflehnenden jüdi^ sehen Geistes in allen Lagern der Welt folgt. Nicht Stresemann rufen wir an, sondern das Judentum! Schafft einen Tag des jüdischen Weltprotestes gegen Rumänien, gegen Knechtung'und Bedrückung! Unsere jüdische Front muß sich willensstark diesem Störenfried aller Gesittung entgegenstemmenl Und vor allen Dingen die unbedingte Versicherung: Keinen Pfennig dem rumänischen Staate! Dieses Bekenntnis erwartet der Jude besonders von Amerika, denn es gibt eine Grenze für geschäftliche Verdienstmöglichkeiten! Das Judentum soll das Gewissen der Welt s e i n I Das ist seine Mission! Schläft das Weltgewissen? Welches Unheil muß uns noch heimsuchen, damit es aufwacht? Nur die Feiglinge warten. So wird die jüdische Jugend zum Gewissen des wartenden, zaudernden Judentums werden müssenl J. R. * Ernst Holzer verteidigt — wundervoll — das Pathos, möchte es all denen aufs' Butterbrot schmieren, die jedem Ruf ablehnend gegenüberstehen, weil sie bloß Getöse, unliebsamen Lärm hören. Und Ernst Holzer wundert sich', daß die „Nüchternen", die Ruhe-Besessenen des Jahrhunderts im Pathos einen . . . Kitsch wittern, der zumindest „glossiert" werden muß. Hm. Daß Ernst Holzer sich wundert, ist unerhört, und daß er sich ärgert, überflüssig. Mensch, Anwalt des Pathos, 11

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