Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 1 (1.1.1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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semitismus in der Jetztzeit. Alle "Junggruppenmitglieder "setzen schrittlich auseinander, was sie sich unter dem Wort ..Antisemitismus" vorstellten. Der nächste Heimnachmittag soll der eingehenden Besprechung der Niederschriften dienen. Augenblicklich arbeiten wir eifrig an der Verschönerung eines Chanukkafestes. Wir studieren Theaterstücke, biblische lebende Bilder und dergleichen mehr ein. Natürlich wandern wir auch! In unserer zweimonatigen Existenz haben wir schon drei Ausflüge gemacht! Oer bjs. Düsseldorf auf dem Feldberg im Schwarzwald Von Erich Feidheim Mit neun Mann waren wir am Anfang der Herbstferien nach 12stündigcr Fahrt in Wildbad angelangt, acht Düsseldorfer und ein Trierer. Wir waren über Baden-Baden zur Hornisgrinde gewandert, hätten Freudenstadt. Hornberg, Triberg und Donauischingen gesehen und waren am zehnten Tag unserer Fahrt in Neustadl gelandet. Der elfte Tag sollte uns nun auf dem I cldberg sehen. Frühmorgens begrüßten uns schon die Alpen im Scheine der Morgensonnc, und frohgemut zogen wir los. ^'un befanden wir uns auf der Straße nach Titisee. Sagemühlen und Bauernhofe säumten den Weg. Schon nach kurzer Zeit erreichten wir Titisee. Wunderbar liegt der Ort an dem See. dessen Namen er trägt. Bald hatten wir eine Lagerstcllc gefunden, atij^dcr sich ein reger Fahrtenbetrieb entspann. HaiMt wurde geholt, Holz gesammelt, abgekocht, und schnell hatten neun hungrige Jungen einen Topf geleert. Gerne hätten wir im See geschwommen, doch das Wasser war zu kalt. Aber schmucke Ruderboote lockten, und nun glitt eine Flottille unter Führung des Flaggschiffes, das das blaugoldene Wimpcl trug, über das Wasser. Nach Abfütterung der Raubtiere ging es weiter dem Feldberg zu. der schon am Horizonte winkte. Immer mehr stieg der Weg an. Tiefunten lag schon der Titi-ee mit seinen schiinen Kurhäusern. Ein Lastauto nahm uns mit. doch leider fuhr es nur bis Bärental. dem höchsten Bahnhofe Deutschlands. Dann ging es einen kleinen Pfad hinauf. Mit jedem Schritt wurde die Aussicht schöner. Unvergeßlich war der „Zweiscenblick". von dem man den Schluchsee und Titisee zugleich sehen konnte. Kaum konnten wir uns davon trennen. So war es natürlich, daß wir erst bei eintretender Dämmerung in der Herberge Jägersmatte ankamen. Schnei! wurde eine Gricßmehlsuppc gekocht, und dann schliefen (« ir gjit wie immer, trotzdem Hans und ich durch unsere Betten fielen. Am anderen Morgen war großer Kriegsrat. Wir wollten drei Tage auf dem Feldbergc bleiben, aber die Herberge gefiel uns nicht. und_ wir beschlossen, ein anderes Quartier zu suchen. Wir landeten bei den ..Naturfreunden". Doch Georg. Gerd lund ich sollten erst nachsehen, ob für uns noch Betten frei wären. Also zogen wir los. Hoch kaum waren wir am Gasthaus ..Feldberger Hof" anjgekommen. als ein schreckliches Hagelschauer, das nicht von langer Dauer war. auf uns niederprasselte. Wie alle anderen Leute suchten wir in einem Gasthause Schutz. »Einige Blitze Kucktet] noch* auf. Aber dessen ungeachtet zogen wir weiter. Ein schmaler, in den Fels eingehauener Weg führte uns hinauf Nirgends konnten wir uns schützen. Wolken hüllten uns so ein. daß wir uns oft nicht mehr sahen. Dann und wann lüftete der Wind die Wolken, und herrlich lag die Gegend zu ur seren Füßen, der Feldsec zwischen den Felsen. Eine Sagemühle schien uns wie eine Streichholzschachtel, als Streichhölzer lagen Baumstämme, daneben. Da. plötzlich ein Wind- *:oß. und vor uns stand der Feldbergturm. Schnell wärmten wir uns und zogen dann zur Herberge. Dort versprach man (uns Betten, und so holten wir denn die anderen. Herzlich (wurden wir abends von den ..Naturfreunden" empfangen, die (uns auch für die nächste Nacht Unterschlupf gaben. Auf uniserer ganzen Fahrt, die uns über St Blasien. Waldshut. Schaffhrau*en S:etr. am Rhein. Konstanz. Meersburg. Uebcrlingen ~.md Friedrichshafen wieder nach Düsseldorf führte, haben wir denn auch am liebsten ihre Herbergen besucht. 10 Aus anderen Lagern „zionistische Jugendbewegung" L Ein deutscher Verlag gibt ein Sammelwerk*) heraus, in dem die Führer der deutschen Jugendbewegung zu Worte kommen und über sich und ihre Bünde berichten. „Die Jugend ergreift selbst das Wort ... als ein Bestandteil des Volkes". Dies Buch hat uns gefehlt. Man kann sich in ihm glänzend orientieren über katholische und evangelische, politische und gewerkschaftliche Bünde. Und wenn man nach der Darstellung der jüdischen Jugendarbeit sucht, so findet man eine (nun auch gesondert erschienene) Arbeit von Dr. Siegfried Kanowitz über die „zionistische Jugendbewegung". Hierzu muß einmal grundsätzlich festgestellt werden:. Es wird hier zu einem nichtjüdischen und notorisch nichlorientierten Publikum gesprochen. Der Redakteur der „Jüdischen Rundschau". Kanowitz, der im deutschen Zionismus eine führende Rolle spielt, hätte soviel Takt aufbringen müssen, an dieser Stelle nicht von zionistischer, sondern von jüdischer Jugendbewegung zu sprechen, oder, konnte oder wollte er es nicht, einen anderen sprechen zu lassen. So mußte der Eindruck bei jenem Publikum entstehen, als ob in dieser repräsentativen Darstellung das Wesen der jüdischen Jugendbewegung in ihrer Gesamtheit behandelt wird. Diese Art Propaganda muß jeder mit offenem Visier kämpfende Zionist ebenso scharf ablehnen, wie jeder, der ein Interesse an einer ehrlichen Darstellung der jüdischen Jugend hat. — Will man den Vorgang theoretisieren. so stellt Kanowitz seine „zionistische Jugendbewegung" durch ihre Darstellung in einem Sammelbuch, wo die „Bestandteile des Volkes" wohlgemerkt des deutschen Volkes gezeichnet werden sollen, als einen Bestandteil des deutschen Volkes hin. Wirklich? Sind Zionisten, nach ihrer Ideologie, der hier jeder folgen muß. nicht vielmehr Bestandteile des jüdischen Volkes? Stellt Kanowitz sich mit seiner zionistischen Jugendbewegung nicht aus dem Rahmen des Judentums heraus, indem er mit falscher Maske in anderem Kreise sich bewegt? DL Er mag das gefühlt haben, als er seine Schrift schrieb. Er öffnete sich deshalb auf alle Fälle ein Türchen, durch das er dem jüdischen Angreifer später auf alle Fälle zu entwischen beabsichtigte. „Die vorliegende Schrift", sagt er einleitend, „soll einem Kreis, der dem jüdischen Leben ferner steht, ein Bild von der zionistischen Jugendbewegung vermitteln können. Sie dient erst in zweiter Linie der innerzionistischen und innerjüdischen Auseinandersetzung". Nun, dieses Hintertürchen muß1 verrammelt werden. Auch hier wieder zionistischer Ideologie folgend, muß verlangt werden, daß das, was der Oeffentlichkeit an Jüdischem vorgelegt wird, den Tatsachen entspricht und nichts mehr. Dann aber muß sich der Berichterstatter. Dr. Kanowitz. gefallen lassen, daß seine Schrift besprochen und widerlegt wird, wo sie zu widerlegen ist. Und da muß mit Bedauern festgestellt werden, daß diese V eröffentlichung eine, sogar manchmal unangenehm wirkende, Propagandaschrift ist. die mit Schlagworten und parteidogmatischen Thesen arbeitet. Im ersten Drittel bespricht der Verfasser den Zionismus. . Hierzu kann nicht mehr gesagt werden, als daß auf den ersten Teil dieser Kritik verwiesen wird. Nun aber spricht er von lenen Bünden, die „das Programm der Absichtslosigkeit gegenüber allen Tendenz- und Zweckverbänden" verfechten. Naturgemäß lehnt er diese überparteiliche Haltung, wie wir es nennen, ab und schreibt dann: „Das jüdische Volk kämpft seinen Existenzkampf, da kann es für seine Jugend nur ein Ja oder ein Nein geben. Beiahe ich die Zukunft meines Volkes, oder bejahe ich sie nicht? Die zionistische Jugend hat dieses Ja gesprochen.' Und. folgen wir dem Gedankengang des Lesers, die nichtzionistische Jugend hat ein Nein gesprochen, fällt also dem jüdischen Volk in den Rücken. Die schönste Dolchstoßlegende ist da! *) Die neue Jugend. 2 Bände. C. L. Hirschfeld, Verlagsbuchhandlung. Leipzig.