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Der Jugendbund · 1928-01-01 · 1 (1.1.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
1 (1.1.1928)
Date
1928-01-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Aus dem Reigen der nun einsetzenden Chanukkaf eiern seien erwähnt: Am 18. Januar in Trier, am 20. Januar in Bremen und in Düsseldorf. Die Feier der Chemnitzer wird gleichzeitig dem einjährigen Bestehen der Gruppe gewidmet sein und den Auftakt zur Chemnitzer Führertagung bilden. Berichte werden natürlich folgen. Allen unseren Gruppen ein recht. , recht freudiges Chanukkafest! ' — J. R. In der vorigen Nummer unserer Zeitschrift erschien ein Aufruf von Martin Scligmann. in welchem sehr temperamentvoll gegen die 21 Junggruppen Stellung genommen wird, die sich auf schriftliche -Antragen passiv verhalten haben. Ich bin weit da\op. entfernt, ein indifferentes und träges Verhalten junger jüdischer .Menschen entschuldigen zu wollen. Aber ich möchte auf Grund meiner Erfahrung mit der Bamberger Junggruppe folgendes zur Erwägung stellen: Mari kann von 14- und 15jährigen Schülern nicht denselben irginisatorischen Zusammenschluß verlangen, wie von den eigentlichen Jugendvereinen. Praktisch liegen doch die Dinge UreasI so. daß ein Lehrer oder sonstwie pädagogisch orientierter und \ ertrauenswürdiger Erwachsener die Jungen und .Mädel zusammenruft, mit ihnen Bücher liest, jüdische Fragen bespricht und Wanderungen veranstaltet. In dieser losen Form des Zusammenschlusses kann recht fruchtbare Arbeit geleistet werden, ohne daß von Seiten der Eltern Widerstände und Schwierigkeiten zu befürchten sind. Sobald dagegen eine solche Gruppe vereinsmäßig ausgestaltet wird, regen sich die Bedenken der Eltern, und philiströse Bemerkungen von Leuten, die nichts verstehen, aber über alles reden, werden laut. Aber auch unter den Jungen und Mädel selbst kann leicht eine gewisse- Vereinsmeierei, Großmannssucht und womöglich die Lust an der Bildung von Oppositionscliquen Platz greifen. Je länger eine Junggruppe besteht, und je mehr sie durch sachliche Arbeit und persönliche Freundschaft zusammengewachsen ist, desto weniger sind die genannten Gefahren zu befürchten. Laßt also den Junggruppen zunächst einmal Zeit! Verschont sie mit zu vielen statistischen Anfragen und sonstigen organisatorischen Verpflichtungen! Der notwendige geistige Zusammenhang kann trotzdem durch einen Vertrauensmann, den oben genannten Lehrer oder erwachsenen Führer, aufrecht erhalten werden. Die Junggruppen leisten ihre Arbeit, meistens auch dann, wenn sie nicht schreiben. Ich hoffe mit Bestimmtheit, daß unser Verband an seinen Junggruppen noch viel Freude erleben wird. Aber man darf von .Jungen und Mädel in diesem Alter noch nichts verlangen, was nicht zu ihrem Wesen paßt. Organisationsunfähigkeit ist noch keineswegs ein Zeichen von „Verkalkung und greisenhafter Lauheit". , . Dr. R'ülf. Bamberg, Bemerkung: Martin S. wollte mit keiner Silbe die Arbeiten der Junggruppen stören, sondern lediglich die Führer, die doch mindestens den Eingang einer wichtigen Tagebuch von großer Fahrt uan Erich de Jonge. zur Zeit new-vorn '(Fortsetzung.) Fünf Schläge der Kirchenuhr tönten durch den klaren Morgen und weckten mich aus dem kurzen Schlummer. Was :n anfangen bis zum Frühstück? An Schlaf war ja nicht 'mehr zu denken. Voll Neid schaute ich auf die noch Schlafenden, bei denen alle Weckversuche vergeblich waren. Aha! Ein Gedanke! War der Himmel nicht blau und die Sieg nicht nah? Badeanzug und Turnschuhe an, und hinunter vom hohen l'i:rm auf die Erde. Und ich stand nicht allein da. Zu acht zo^l.- wir. .Männlein und Weiblein; den Burgberg hinab ins kalSc \V.««er. Eine halbe Stunde verschwand im Nu, ehe wir [ derl kühlen Flut entstiegen. Im leichten Trab uns trocken lautend, erreichten wir die Burg wieder, wo wir uns des Zeltlagers entsannen, das wir durch Sturm und Wolkenbruch in ramponiertem Zustande zu sehen gedachten. Gefehlt! Alles schlief in süßer Ruhe, nur an wenigen Zelten konnten wir noch Spuren der Nässe bemerken. Doch halt, hatte sich nicht einer der Lagerbewohner eine Strohhütte gebaut? Ein ergötzliches Schauspiel für uns, als wir das besichtigten, uas uns vorher als gesund und luftig gepriesen wurde. Luftig und gesund mochte die Hütte ja wohl sein, jedenfalls nicht wasserdicht. An einigen gebogenen Aesten konnten wir zur Not noch die ehemalige Form der Hütte feststellen. Das Stroh aber war fortgeschwemmt, und im nassen Lehnt schlief, nur vom Himmel zugedeckt, umgeben von seinen Wanderutcrtsilien. ein Jüngling aus Südafrika. Um den Schlaf haben wir alle ihn beneidet, der ihn den Aufruhr der Elemente nicht merken ließ. Allmählich erwachte das Leben in der Burg, und nicht lange fährte es. und der Gong riet' zum Frühstück. Hungrig wie erwölie. holten wir unsern „Schlag". Zwei Birnen, zwei Schritten Roggenbrot und soviel „Kaffee", wie wir trinken mochten, bildeten unrer Mahl. Es waren nur wenige Schritte von der Ausgabe zum Tisch und schon schauten drei hungrige Hamborner auf die leeren Hände. Ja. mehr gab es nicht, oder man mußte sich neue Frühstücksmarken kaufen. Aber kaufen? Das stand nicht im Programm. Also zugesehen, was sich machen ließ Schon nahte der rettende Engel in Gestalt der amerikanischen Delegierten, die schon über acht Tage hier hauste. Dialog: „Good morning, Trudy!" „Morning, Rieh (das war ich), höW dn von do?" „Dreckig" (Donnerkiel, wie bringe ich der 8 bei, daß wir noch Kohldampf haben, wie heißt gleich noch Hunger auf englisch? Aha!) „I am hungry." „Aooh, „J a tickets." „Bist 'n nett Blag, thanks, and my two friends?" Trudy kramte in allen Taschen und siehe da. ich konnte mit einer Handvoll „Freßmarken" abziehen, die von den Amerikanern anscheinend in Hundertpackungen gehamstert worden waren. So hatte doch mein Gespräch mit Trudy am Vortage wenigstens vorerst einen soliden Erfolg gehabt. Und die Unterhaltung war nicht leicht, dehn wenn man sich über jüdische Jugendvereine in Deutschland und Amerika unterhält, und man sich bemühen muß, den Dialekt des andern zu verstehen, so hatte ich außer den interessanten Einblicken in das Leben der jüdisch-amerikanischen Jugend, auch das Frühstück verdient. Im Rittersaal versammelten sich die Delegierten, um die Schlußworte zu hören, die Prof. Honigsheim, Köln, Professor Demarquette (Frankreich) und Harald Bing (England) an die Jugend richteten. Mit dem spontan gesungenen Liede: „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit —", fand die Tagung ihren endgültigen Abschluß. Nun hieß es, das Ränzel schnüren und den eigentlichen, vorgeschriebenen Weg pilgern. Vermißt haben wir nur eins auf der Tagung, daß von der ganzen jüdischen Jugend Deutschlands auch nicht ein Delegierter entsandt war, und so auch die aufgeworfenen Probleme nicht vom jüdischen Standpunkt aus beleuchtet werden konnten. Können wir nicht dasselbe wie die katholische und evangelische Jugend? Vielleicht wird es nächstes Jahr in Ommen (Holland) besser werden. — (Der Verband war vertreten. Die Schriftl.) Bis Au fuhren wir mit der Eisenbahn, und mit uns zog ein großer Teil der Freusburgjugend, um noch Fahrten durch Deutschland zu machen. Nach viertelstündigem Spaziergang erreichten wir Hamm an der Sieg, wo wir Quartier bezogen. Kurt Hirsch hatte uns seinem Bruder Erich empfohlen, der denn auch mit einem Eimer Kaffee die müden Pilger erquickte. Ein ausgedehnter Bummel von fünf Minuten ließ uns alle Sehenswürdigkeiten besichtigen und endete im Walde, der unsern Nachmittagsschlaf vor der Sonne beschirmte. Dann kam der Abend. Was nach dem Abendessen anfangen? Vorschlag: Heute ist großes Kriegerfest, wir gehen hin und schauen uns den Klimbim an. Teitler und Herz, die Müdmänner von Beruf, zogen vor, daheim zu bleiben. So zogen einträchtlich zwei Erichs in die Welt, um sich ein richtiggehendes Kriegerfest anzuschauen. Etwas später, als wir uns vorgenommen hatten, kamen wir wieder heim und fanden alles in tiefstem Frieden. Nichts verriet uns. daß Richard sich den Abend über

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