Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 1 (1.1.1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Diesem gegenseitigen Kennenlernen war der Abend gewidmet, für dessen Veranstaltung man dem Allgemeinen Deutschen Frauenvereine zu großem Danke verpflichtet ist. In der Aussprache berichteten zunächst Vertreterinnen der verschiedensten .Jugendbünde von den Zielen ihrer Vereinigung und von der Art ihrer Zusammenarbeit mit der männlichen ■lugend. Die widersprechendsten Ansichten über den Wert und den praktischen Erfolg der Koedukation wurden vertreten. Von einer Seite wurde die Notwendigkeit besonderer Frauenorganisationen auf jedem Gebiete streng betont, weil sonst die Frauen nicht die genügende Stoßkraft besäßen, um zu ihrem Rechte zu kommen. Als Beweis hierfür wurde die unverhältnismäßig geringe Beteiligung von Frauen an der Leitung solcher Berufsverbände, in denen Frauen und Männer organisiert sind, angeführt. Dagegen aber lehnte z. B. die Vertreterin der sozialistischen Jugend besondere Frauenorganisationen, besondere „Mädelgruppen" ab, weil Mann und Frau, Junge und Mädchen, der Sozialisten kameradschaftlich das eine gleiche und gemeinsame Ziel erstrebten: den Sozialismus. Manches Interessante, aber auch manches Unklare wurde gesagt, manches verschwommene Ideal aufgestellt (z. B. „Erziehung der Frau zur echten, deutschen Frau", niemand aber vermochte zu sagen, wie nun diese echte deutsche Frau aussehen müßte). So zeigte die Aussprache, daß weder „Jugendbewegung" noch ^.Frauenbewegung" einheitlich und eindeutig verstandene, Begriffe sind, und daß man daher viel aneinander -f vorbeigeredet hatte. l Die aufgeworfenen Fragen bedürfen noch einer weiteren Klärung, die an neuen Ausspracheabenden, wie aus der Mitte der Versammlung vorgeschlagen und von der Leitung mit dankenswertem Entgegenkommen in Aussicht gestellt wurde, erfolgen soll. Man wird dann, wie in der Diskussion schon richtig betont wurde, zunächst unterscheiden müssen zwischen Idee und Be- J griff der beiden Bewegungen einerseits und ihren Organisationen andererseits. Begrifflich werden Frauen- und Jugendbewegung immer wohl verwandte, aber doch verschiedene Bewegungen bleiben. Die Organisationen aber können sich zu praktischer Zusammenarbeit finden, sobald solche konkrete Arbeit geleistet werden soll, deren Erfüllung auch der Idee nach von beiden Organisationen angestrebt wird, und sobald man dies erkannt hat. Das beweist die Arbeit der Jugend der politischen Parteien, die sozialistische Jugend, und das beweist nicht zuletzt auch unsere jüdische Jugendbewegung. Die Pflege und Erhaltung jüdischer Traditionen und jüdischen Schrifttums. ..die soziale Arbeit der Jugend für die Jugend" sind Ziele sowohl unserer Jugend als auch der älteren Generation, insbesondere auch des Jüdischen Frauenbundes. Und in dieser Arbeit haben sich bei uns jung und alt gefunden und sollen und wollen sich auch in Zukunft finden. Junggruppen Briete aus den Junggruppen Wenn diese Zeilen gedruckt sind, dann ist auch das Ereignis schon vorüber, das die Junggruppen mit berechtigter Spannung, mit Stolz und Freude erwarten: die Führertagung in Düsseldorf! Es ist nicht gut, derartigen Dingen vorher ein Horoskop zu stellen, d. h. im voraus gewisse Ergebnisse und Wege zu sagen, oder in wichtigtuerischen Tönen zu prophezeien, — und das soll hier auch nicht geschehen, den ausführlichen Bericht soll die nächste Nummer unserer Verbandszeitung allen Freunden bringen, aber eines kann ich heute nicht unterdrücken: die Aussichten für den Verlauf dieser Tagung (es ist ja die allererste dieser Art) sind außerordentlich günstig, denn die Schwierigkeiten, die zu ihr hinführten, waren bis zur letzten Stunde, und das im wahrsten Sinne des Wortes, ganz enorm. * In diesen Tagen versendet die Chemnitzer Gruppe die Nummer ihrer „Jung-Juda"-Zeitschrift, die wieder viel Interessantes bietet. Die Frage „Wie soll ich mich kleiden" verdient wirklich, ohne daß man hier zum Mucker zu werden braucht, vor einem größeren Auditorium behandelt zu werden. -- Zugleich bekomme ich den Arbeitsplan Semi Reiters zu Gesicht, der die Freie Schar der Chemnitzer Junggruppc führt. Der Plan steckt sich weite Ziele, aber Semi schreibt: „Man hat ja Zeit!" * Aus Bamberg folgende Zeilen: . . . „Wir lesen gemeinsam, besprechen jüdische Tagesfragen, und es entwickelt sich ein recht schöner Zusammenhang. Aber eine regelrechte Gruppe mit eingeschriebenen Mitgliedern wird vorläufig noch nicht zu schaffen sein. Zwar kommen die Schüler der vier Klassen Quarta bis Untersekunda ziemlich vollzählig, aber Mitglieder eines Vereins zu werden, dazu können sie sich vorläufig noch nicht entschließen . . ." An der Arbeit beteiligen sich 24 Jungen. * Einem Bericht der Düsseldorfer Junggruppe, den die junge Führerin wirklich nett und sachlich geschrieben hat, entnehme ich die folgenden Stellen: „Der Bund jüdischer Schüler und Schülerinnen teilt sich in mehrere Gruppen; a) ältere Jungengruppe, b) ältere Mädelgruppe, c) mittlere Jungen- und Mädelgruppe. Gruppe a und b bestehen aus Mitgliedern im Alter von etwa 14 bis 16 Jahren, Gruppe c ungefähr lü bis 14 Jahren. Wir besprachen bisher folgende Themen: Antisemitismus. Körperhygiene, Lieblingsschriftsteller, Warum komme ich zum Bund? Wie bin ich hingekommen? Ferner: Ghetto, Wohlfahrtspflege, beim nächstenmal Heinrich Heine. Wir lasen jüdische und andere Märchen und zogen Vergleiche, dann: Stefan Zweig. Augen des ewigen Bruders. Im Sommer ging ich mit meiner Gruppe in den nahegelegenen Hofgarten, wo wir spielten oder Heimnachmiltag hielten. Sonntagsmorgens gingen wir zur Rheinwiese, um Ballspiele zu machen. — Die ältere Mädelgruppe kommt Mittwochsabends zusammen. Uns leitet Henny Heß aus Halberstadt, die hier auf der Frauenakademie ist. Von unserm Abend verwenden wir drei Viertel Stunden für einen Stenographiekursus. Dann lesen wir den „Jeremias" von Zweig. Wir sprachen u. a. auchüber Hygiene der Kleidung, Nahrung und des Körpers. — Samstags findet unter Leitung von Horst Schein eine literarische Arbeitsgemeinschaft (!! Die Red.) statt. Wir haben vor zwei Monaten einen Sprechchor gegründet. Es wurde gesprochen „Masse und Auslese" von Dr. Schönberger ü5 a. — Die ältere Jungengruppe berichtet: Im Sommer haben wir hauptsächlich Fahrten gemacht.' Fast jeden Sonntag zogen wir mit 12 bis 15 Leuten in die Umgebung Düsseldorfs. 6 Jungen durchzogen auf großer Fahrt in drei Wochen den Schwarzwald von Wildbad bis zum Bodensee. — Die ältere Jungengruppe kommt Mittwochs zusammen. Wir beschäftigten uns mit folgenden Fragen: „Was ist Jugendbewegung?" „Wogegen richtet sie sich?" „Welches sind die Organe?" „Wer regiert den Staat?" „Was ist das Ideal der Gesellschaft?" „Worauf beruhen die Parteien?" Dann schlössen wir das Gebiet und fragten uns:- „Wie stehen die Juden in der heutigen Zeit-2" (Diese Frage sollte überall, wo Jugend zusammen kommt, behandelt werden. Die Red.) Ein- bis zweimal im Monat vereint uns eine Freitagabendfeier unter Leitung von Heinz Kempenich. Mitte Januar wollen wir einen Elternabend veranstalten, der die Eltern über Ziel und Arbeit unseres Bundes unterrichten soll . . . ." * Aus Osnabrück kommt die Nachricht von der Gründung einer Junggruppe, die bei uns herzlich willkommen sein soll. Siegfried Katzmann, der Leiter der Gruppe, schreibt mir: . Unsere Gruppe ist wohl die jüngste im Verbände, sie besteht nämlich noch keine 14 Tage. Ich kann daher nicht von dem schreiben, was wir schon""geleistet haben, sondern nur von dem, was wir erst erreichen wollen. Ich war mir von \ornherein klar, daß ich nicht sofort mit der ernsten Arbeit anfangen könnte, doch hoffe ich, daß sie sich bald von selbst einstellen wird." Die Heimstunden werden ausgefüllt mit der Lektüre „Born Judas" und mit Bastelarbeiten.. Die Gruppe umfaßt alle Knaben im Alter von 10 bis 15 Jahren. *