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Der Jugendbund · 1927-12-01 · 12 (1.12.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
12 (1.12.1927)
Date
1927-12-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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einer Werbeveranstaltung im Januar (ein Heimnachmittag soll öffentlich stattfinden) auftreten wird. Ueber einen Herbstausflug schreibt die Gruppe Haigerloch (Leitung in den bewährten Händen von Lehrer Spier!). Die wanderlustigen Kleinen berichten höchst amüsant, u. a.: „Morgens fuhren wir nach Eyach und gingen nach Baisingen. Dort-besuchten wir die Schule und benutzten diese als Vesperzimmer. ^Anmerkunj: Vespern wird im schwäbischen Sprachgebiet auch für Frühstück gebraucht!) Dann hielten wir uns bei Verwandten einige Zeit . auf. Unterdessen besorgte Herr Spier die Sachen zum Abkochen. Weil es in der ganzen Gegend keine Steine gab. mußten wir von einem nahen Sturzacker' Schollen herbeiholen, damit wir einen Herd bauen konnten. Im nahen Walde fanden wir genug Holz, und bald brodelte der Brei im Topfe. Das Essen schmeckte uns vorzüglich. Es ging sehr lustig zu, denn Blanka Reutlinger fütterte Hans Behr. und sie sagte immer: „Ich muß meinem Aeffle zu essen geben!" Nach der Mahlzeit spülten wir unser Geschirr am Dorfbrunnen. Wir verabschiedeten uns von Verwandten und Bekannten, traten die Rückreise an, und gingen einen falschen Weg. Auf einmal hörte der Weg auf, und wir mußten einen steilen Abhang hinunter . . ." Der Gang durch unsere Junggruppen kann eigentlich noch fortgesetzt werden. Und so ist der heutige Schluß hier bloß eine l nterbrechung bis zum nächsten Mal. Die Junggruppen müssen sich daran gewöhnen, die Zeitschrift des Verbandes, die doch auch ihnen gehört, mindestens einmal im Monat von ihren Führern vorlesen und, wenn nötig, erklären zu lassen. J. Ra. Bücherschau Julius Meier-Graefe, Pyramide und Tempel. Notizen während einer Reise nach Aegvpten. Palästina, Griechenland und Stambul. Ernst-Rowohlt-Verlag, Berlin. Dies Buch ist von Meier-Graefe; das will sagen, daß es ein Vergnügen isC es zu lesen. Die flüssige und volle Sprache des ■ viel schreibenden Journalisten, die scharfe, oft bissig ätzende Beobachtung des Kritikers, das feine, in'stinklhafte Mitfühlen des" Kunstverständigen — das alles hat das Buch über die unansehbare Reihe der Reisebeschreibungen hinausgehoben. Pyramide und Tempel' Das sind die Symbole des alten Aegyptens und Griechenlands. Was aber er beschrieb, das sind im wesentlichen nicht Land und Leute, wie sie heute sind, sondern das sind die Denkmäler der versunkenen Zeiten, die auf uns gekommen sind. Wo er aber sich mit dem Werdenden beschäftigt, statt mit dem Gewordenen, Gewesenen, da ist er angreifbar. Er mag das selbst wissen und behandelt deshalb das werdende Pa'ästina nur in vier kurzen Abschnitten. Vieles mag richtig sein, was er sagt, im wesentlichen aber dringt er nicht in die tiefere Tatsächlichkeit ein und bleibt an der berühmten journalistischen Oberflächlichkeit haften. Aegypten und Griechenland gehören der Vergangenheit an; es ist ungefährlich, über sie zu schreiben. Schwieriger und gefährlicher ist das Palästina von heute und von morgen, das eine Realität noch nicht geworden ist. Denn es wird erst dann eine reale "Selbstverständ'ichkcit sein, wenn man hinfahren kann, auch ohne darüber in foro publico schreiben oder sprechen zu müssen. st. * Gustav Meyrink: Der Engel vom westlichen Fenster. Grethlein ^\ Co., Leipzig-Zürich. Wer sich je vom Schauer des Meyrinkschen Golem-Romans gefangen nehmen ließ, wer die phantastische, geheimnisvolle, unverständliche Gedankenwelt dieses Dichters auf sich wirken ließ, der wird auch dieses Buch zur Hand nehmen und es unermüdet bis zum letzten Blatt lesen. Jenes Geheimnisvolle, das uns Intellektbehafteten keine Lösung erlaubt, jenes Unverständliche, das den nur Rational-Begreifenden auch unverständlich bleibt — das grinst den Leser aus jeder Seite an. Die unbegreifbare Identifizierung von Tod und Leben, von Vergangenheit und Gegenwart, die Ueberwindung von Raum und Zeit in diesem Roman, der im England der jungfräulichen Elizabeth und im Prag des Habsburger Alchymisten Rudolf und des Hohen Rabbi Löw und schließlich in einer österreichischen Stadt von heute spielt — das alles hat der Berichterstatter nicht verstanden und nicht begriffen. Und er muß gestehen, daß er den Versuch hierzu auch nicht gemacht hat. Denn wozu nach dem „Sinn" suchen, wenn der ,,Un-Sinn" klar zutage liegt? Alfred Döblin: Manas. S. Fischer, Verlag, Berlin. flus dem Leben des Verbandes Im November fanden die Delegiertentagungen der Landesverbände Baden, Pfalz-Saar, Rheinland-Westfalen, Sachsen und Württemberg statt. Baden. Am 6. November versammelten sich in Offenburg i. B. Vertreter der Vereine Emmendingen, Freiburg, Heidelberg, Konstanz, Kippenheim, Karlsruhe, Bruchsal und Pforzheim. An Stelle des erkrankten Vorsitzenden Fritz Hagelberg leitete Bruno Danziger, Freiburg, die Versammlung. Aus den Berichten der Einzelvereine ging hervor, daß überall das Bestreben nach starker Arbeit vorhanden ist. Die meisten Vereine haben den Sommer zu Wanderungen benutzt, doch sind auch die Heimabende fortgeführt worden. Hans Friedberg. Karlsruhe, verbreitete sich über das Wesen der Neutralität und betonte die Wichtigkeit der Einrichtung von Heimabenden. Es wurde vor allen Dingen die Wichtigkeit der intensiv jüdischen Arbeit an uns selbst betont, bevor man mit Propaganda in die Landgemeinden hinausgehe. Allenthalben wurde über den Kastengeist geklagt, dessen Ueberwindung man in starker Arbeit zu finden glaubte. Einen besonderen Punkt der Tagesordnung bildete die Arbeit in den Landgemeinden. Es wurde darüber geklagt, daß die Landgemeinden zu wenig auf die ihnen gegebenen Anregungen reagieren würden. Bruno Danziger gab Richtlinien für die Arbeit in den Landgemeinden aus seinen Erfahrungen heraus, und betonte, daß die Verbindung der Einzelvereine zum Landesverband unbedingt eine bessere werden müsse. Rheinland-Westfalen. Eine starke Förderung bedeutete für alle Teilnehmer unsere Tagung am Sonntag, dem 13. November, in Duisburg. Am Vormittag versammelten sich etwa 400 Personen in dem herrlichen Festsaal des „Duisburger Hof", darunter Vertreter der städtischen und Gemeindeorganisationen von Duisburg und Ruhrort. Lehrer Kaiser, Duisburg-Ruhrort, hielt die Begrüßungsartsprache, der Leiter des Jugendamtes' Duisburg betonte das besondere Interesse der Stadt an dieser Veranstaltung; außerdem sprachen die Vertreter aller anwesenden Organisationen. Dr. Hahn, Essen, ging in seinem Referat „Das jüdische Jugendheim" davon aus, daß das Leben der Jugendbewegung sich früher zwischen Burg und Zelt abgespielt habe. Durch die neue Sachlichkeit sei auch bei der Jugend eine Neigung zu größerer Seßhaftigkeit festzustellen. Wir, im Jugendverein, hätten bisher zumeist in Wirtschaften oder gemieteten Räumen zusammenkommen müssen. Abgesehen von den unvermeidlichen Störungen habe vor allen Dingen in den öden Räumen nicht die Stimmung aufkommen können, die wir im Jugendverein brauchen. Nur im eigenen Heim könne eine erfolgreiche Arbeit geleistet werden. Mit Neid müßten wir auf die Jugend der anderen Konfessionen blicken, die überall ihre eigenen Heime habe. Es sei hohe Zeit, der jüdischen Jugend die Voraussetzungen für ihre Arbeit zu geben. Seine Worte gipfelten in der Forderung: „Schafft uns Jugendheime." Aribert de Jonge, Duisburg-Hamborn, sprach dann über „Die Kulturarbeit in der jüdischen Gemeinde". Die heutige Gemeinde sei keine reine Kultusgemeinde mehr; sie habe sich zu einer Kulturgemeinde entwickelt und sei nicht nur eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, sondern auch eine Form jüdischer Gesellung. Diese Form zu beleben, sei die vornehmste Aufgabe der Jugend. Das könne nur durch eine Stärkung des Einflusses der Jugend geschehen, der weit- 12

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