Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 12 (1.12.1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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gestickte Menorah. Beschlossen wurde die Wimpelweihe durch einige nette Volkslieder. Unsere Feier war für manchen Freund eine gewaltige Erkenntnis. — Dann folgten Heimabende intensivster Arbeit. Die einen sprachen über Tanz, andere über Disziplin, über Schule usw." Und dann erzählt Martin, wie sie die Sukkoh der Gemeinde miteinander geschmückt hatten. ..Der Samstag-Vormittag vereinte die gesamte Gruppe zu einer Feierstunde in der Laubhütte. Wir sprachen über die Bedeutung des Festes. Im Anschluß daran verlebten wir in unserem Heim einen sehr feinen Heimabend . . ." In einem weiteren Brief schreibt Martin über unsere geplante Weihnachts-Führertagung: „Wenn es auch nur sieben Führer sind, die zur Tagung kommen wollen, wenn es uns nur gelingt, die sieben zu begeistern, sie die Werte unserer Arbeit erkennen zu lassen, so ist das schon ein Erfolg! Diese sieben werden dann in die Lande wieder hinausgehen und werden werben und den anderen Erkenntnis bringen. Daß nicht alle Junggruppenführer zu solchem Treffen kommen, hat wohl seinen Grund darin, daß man noch nie den wunderbaren Zauber eines Bundestages, eines Führertages erlebt, daß man noch gar nicht den Sinn einer Zusammenarbeit erfaßt hat!" — In Düren ist unsere jüngere und jüngste Jugend gut aufgehoben bei Elsbeth Capell, die wirklich unermüdlich ist. Ein feiner Gedanke von ihr war es, die Mitglieder der Gruppe zur freien Niederschrift ihrer „Meinungen" über bestimmte Themen oder Stichworte (z. B. Antisemitismus) zu veranlassen. Das ist ein Weg, um in die Gedankenwelt unserer Jüngeren einzudringen, um den Mut zur Aussprache zu heben und die persönliche Sicherheit im Zusammenwirken von Führer und Gruppe zu stärken. Diese Art der Heimarbeit verdient Beachtung und Nachahmung. Es gibt unzählige Gebiete, um die Gruppe zu selbständigen Aeußerungen zu erziehen (ich denke nur an die Themen: Schule, Gottesdienst, Krieg, Gemeinschaft usw.ft Man wird staunen, welche Fülle von Ansichten und lebendigem Interesse gerade dadurch zum Vorschein kommt! So sind auch die Antworten, die Elsbeth Capell schriftlich zu ihrer Frage „Antisemitismus" erhalten hat, tatsächlich überraschend. Bremen hat unter der Leitung von Betty Arends die Winterarbeit begonnen. Lebhaftes Interesse gewinnen die Heimabende, in denen jetzt mit verteilten Rollen der Lessingsche „Nathan" gelesen wird. Jungens und Mädels kommen vollzählig. Chor II: Die Rechte Gottes hebt empor, die Rechte Gottes verrichtet große Taten. I. Chorführer: Ich werde nicht sterben, sondern leben und die Werke des Herrn verkünden. Gott hat mich gezüchtigt, aber dem Tode hat er mich nicht preisgegeben. Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, ich will eingehen, Gott zu preisen. Chor I: Danket dem Herrn usw. II. Chorführer: Dies ist das Tor des Herrn, Fromme gehn durch es ein. Chor II: Danket dem Herrn usw. I. Chorführer: Ich preise dich, daß du mich erhört hast und daß Heil von dir kam. , Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Chor I: Danket dem Herrn usw. II. Chorführer: Vom Ewigen ist das geschehen, wunderbar ist es in unseren Augen. Chor II: Danket dem Herrn usw. I.'und II. Chorführer: Dies ist der Tag des Herrn, laßt uns frohlocken und fröhlich sein an ihm. Chor I: Hosianna! Chor II: Hosianna! Chor I: Hilf doch, Herr! Chor II: Gib Gelingen, Herr! Chor I und II: Hilf doch, Herr, Hosianna! Chor J: Gesegnet sei, wer da eingeht im Namen des Herrn. Eine freudige Mitteilung macht die Gruppe Kaiserslautern: ein Sprechchor ist gegründet, der auf einer kleinen Veranstaltung bereits mit Erfolg sein Debüt erlebt hat. Werner Mühlfelder, Bielefeld, berichtet von einer Jahresfeier seiner Junggruppe. Man beging schlicht und daher eindrucksvoll den Tag des einjährigen Bestehens, — eine Gelegenheit, um Rückschau zu halten, aber auch mutvolle Blicke in die Zukunft zu schicken. „Wohl haben sich auch hier (so sagte Werner Mühlfeldcr in seiner Ansprache am 22. Oktober) Schwierigkeiten gefunden, die zu überbrücken waren, — mit gutem Willen und gegenseitigem Verständnis gelang es uns. zu vielseitiger und vor allen Dingen ernster Beschäftigung zu kommen. Wenn wir auf das Schaffensgebiet eines Jahres zurückblicken, so dürfen wir uns wohl dem befriedigenden Bewußtsein hingeben, daß wir getan haben, was in unseren Kräften stand, und daß wir heute, nach Verlauf eines Jahres, durchaus eine Organisation im kleinen sind, die wert ist, dem großen Organismus des Verbandes anzugehören. Und was in unserer Mitte noch der Verbesserung bedarf — und das ist sicher noch eine Menge — das wird die Zeit, das wird der Ernst, das wird die Arbeit bringen!" Aus G ö t t i n g e n : Nach Verhandlungen mit der städtischen Jugendpflege hat die Junggruppe ein Zimmer als Heim zur Verfügung gestellt bekommen, und nun setzt die Arbeit ein. Jeden Donnerstag trifft sich die Jugend, und Max Hahn, der mit schöner Begeisterung das neue Heim geweiht hat. leitet. Ich kann es mir nicht versagen, aus der mir vorliegenden Weiherede dieses jungen Führers die folgenden Sätze zu zitieren: „Ihr sollt Juden sein! Nicht, weil eure Eltern Juden sind, sondern aus euch selbst! Aufrechte, stolze Juden! Das Jude-Sein sei euch nicht bloß Religion, sondern Gesinnung, Leben! Bekennt euch zu eurer Gesinnung! Habt den Mut zum Bekenntnis! — Und zum andern: Ihr sollt jung sein! Das ist fast ebenso schwer wie das erste! Ein Mensch ohne Jugend wird innerlich nie vollkommen sein! — Und wir wollen kämpfen! Für das neue Judentum, dessen Keime sich schüchtern hervorwagen. Kampf sei die Losung! Mit diesem Wort will ich unser neues Heim weihen. Kampf aber auch den Lauen und Gleichgültigen in unserer Mitte, — Jungsein heißt Kämpfer sein!" Else Mühsam arbeitet in Görlitz intensiv an der Schaffung eines Junggruppen-Sprechchors, der erstmalig in Wir segnen euch vom Tempel des Herrn. I. Chorführer: Du bist mein Gott, und ich will dich preisen. II. Chorführer: Du bist mein Gott, und ich will dich erheben. Chor I: Danket dem Herrn usw. Chor I und II: Danket dem Herrn. lugend erwache! uon Erich mannhelmer. Höchst Jugend erwache! Du darfst nicht meinen! Unter dem Dache Schützender Deinen Wärst Du geborgen. Denke an morgen! Dich nicht bequemen! Nur von den Alten Träg' übernehmen, Was diese halten! In allen Dingen Mußt Du erringen. Darum aufgerafft, Um zu erringen! Aus eigener Kraft Dein Werk vollbringen, Auf Dich vertrauen! Die Zukunft bauen! 11