Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 12 (1.12.1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Durch den Verband der Frauenvereinigungen der U. O. B. B.-Logen (ungefähr 50 Vereine) wurden geschaffen: Jüdisches .Mädchenheim Breslau, Wöchnerinnnenheim Berlin, .Mütterberatungsstelle Berlin, Mittelstandsküchen. e) Organ: „Der Orden Bne Brith, Mitteilungen der Großloge für Deutschland, VIII, U. O. B. B." 3. Literatur. Alfred Goldschmidt: „Der deutsche Distrikt des Ordens Bne Brith" {Verlag der Großloge Berlin W 62). „Blätter jüdischen Wissens" (Verlag der Großloge Berlin W 62). II. Jüdischer Frauenbund. 1. Aufgabe: Zusammenschluß der jüdischen Frauenvereine Deutschlands und Ortsgruppen des JFB., sowie ihrer Verbände (Landes- und Provinzialverbände) und weiblicher jüdischer Einzelpers <nen zu gemeinsamer Arbeit im Interesse der jüdischen Frauenwelt. 2. Der Zweck wird erreicht durch Arbeit auf verschiedenen Gebieten jüaischen Lebens. Es sind 7 Kommissionen gegründet, dii die Teilgebiete bearbeiten: Adoptionsvermittlung; Hein: Isenburg: zur Erlangung des Frauenstimmrechts; Kommission der in der Gemeinde tätigen Frauen; zur Bekämpfung der Tuberkulose; Gefährdetenfürsorge; Pressekommis^ion. 3. Im Ja'ire 1904 gegründet auf Anregung von Fräulein Berta . Papp«nheim und Sidonie Werner, heute sind angeschlossen 360 Vereine, und es gibt 36 besondere Ortsgruppen, die im allgemeinen einen örtlichen Zusammenschluß der Frauenve-eine der verschiedenen Richtungen bezwecken. 4. Geschäftsstelle ist in Berlin C 2, Rosenstraße 2—4. i. Vorsitzende: Frau Bettina Brenner. Der engere Vorstand.besteht aus 9 Frauen, der Gesamtvorstand aus Vertreterinnen der Provinzial- und Landesverbände. V orsitzenden der Ortsgruppen und Fachkommissionen, außerdem Delegierten des Verbandes der Frauenvereine der Lugen, Zionistischer Frauenbund, Verband der Jüdischen Jugendvereine. 5. Besondere Einrichtungen sind das Heim in Isenburg für Gefährdete und die Heilstätte für tuberkulosegefährdete Kinder und weibliche Jugendliche in Wyk auf Föhr. Die Kunst des Zuhörens Bemerhungen zu einem schwierigen Thema von Siegfried Bacharach. Hannover „Mancher kann seine eignen Ketten nicht lösen und doch ist er dem Freunde ein Erlöser." — — — „Ich lehre das Ja zu allem, was stärkt, was Kraft aufspeichert, was das Gefühl der Kraft rechtfertigt." (Nietzsche.) 1. Aufgemerkt! Hier wird die Lösung einer altruistischen Aufgabe versucht. Der unsichere, irrende, strauchelnde, heimatlose Menschenbruder soll zu seiner ureigensten Heimat zurückgeführt werden — zu sich selbst. Er soll aufs neue den Boden betreten, besiedeln, bebauen, den er verlassen hat — sein Ich. Aus dem Zerfahrenen und Verfahrenen soll ein Heimkehrer werden, der allmählich an der Kraftkost erstarkt, die er selbst erntet — aus dem Acker seines stillgewordenen Menschseins. 2. Blinde lehrt man lesen, Stummgeborene sich verständlich machen, warum sollen denn die Scheintauben nicht hören lernen?! 3. Armselige Gesellen können niemals neidlos einen größeren ertragen. Hören sie einen tüchtigen Redner, einen wunderbaren Sänger, ein frohes Kinderlachen, so verstopft ihnen Mißgunst die Ohren, umnebelt Neid ihr Hirn, verdirbt Haß ihr Lust- 8 6. Presse: Blätter des Jüdischen Frauenbundes erscheinen monatlich in Berlin. Literatur: Aus der Arbeit des Heims des JFB. in Isenburg. Reiseeindrücke von Berta Pappenheim, verschiedene Flugblätter. Außerdem sind herausgegeben vom JFB. der Kalender (jährlich erscheinend) und das Kochbuch. Randbemerkungen Wenn man von der politischen Unreife des deutschen Volkes so gerne spricht, so glaubt man sie mit der Unvertrautheit mit demokratischen und parlamentarischen Einrichtungen begründen zu können. Ein weiterer Beweis hierfür, wie aber auch für das Fehlen eines einheitlichen Volkswillens und eines geschlossenen Volksempfindens ist seine Unfähigkeit, große ethische Volksbewegungen aus seiner Mitte zu gebären. Die Revolution selbst war dies nicht; sie war ein nur-politisches Ereignis. Auch etwa die Fürstenenteignungskampagne war das nicht; sie war zumeist in dem Wunsche weiter Massen begründet, eine gewisse Vergeltung an Deutschlands Unglücksträgern zu üben. In diesen Tagen wäre aber solch eine „ethische" Volksbewegung, von der ihre Träger keinen materiellen Nutzen und Vorteil hätten, nötig und möglich. Aber die Dinge, die die Dinge des gesamten Volkes sind, sie werden hinter verschlossenen Türen verhandelt. Ein neues Strafgesetz ist im Entstehen. Der Kampf geht darum, ob es fortschrittlichen Geist atmen oder zurück in barbarische Rechtsauffassungen führen soll. Es sind — dies in Paranthese bemerkt — zwei Juden, die ihre vernehmliche Stimme ins Land hinaustragen. Dr. Magnus Hirschfeld, der bekannte Sexualforscher, fährt durch die deutschen Großstädte und zeigt die reaktionäre Strömung im Gesetzentwurf auf, soweit sie sich auf den Fragenkomplex der sogenannten Sexualverbrechen, die meist nur sexuelle Krankheiten zur Ursache haben, bezieht. Daß sich diejenige rheinische Stadt, die die Stadt der Kunst sein will, Düsseldorf, mit unsterblichem Ruhm bekleckert hat, indem sie ihn aus ihren Mauern hinauswarf, es ihm unmöglich machte, die guten Düsseldorfer „aufzuklären", das hat weniger mit der mangelnden Reife der Bürger, als ihrer weisen Stadtväter zu tun. Aber es paßt in unser Bild. — Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Kurt Rosenfeld sendet soeben eine Broschüre (bei der E. Laubschen Verlagsbuchhandlung erschienen) hinaus: Fort mit der Todesstrafe! Wenn man diese 30 Seiten liest, die Rede, die Rosengefühl. Widerliches Proletariat, das verhungern muß, weil es jeden Bissen Brotes sich selbst vergiftet. 4. Wer zuhören lernen will, der muß versuchen, seine irrenden Gedanken in die Gewalt zu bekommen und sie in das Bett zu lenken, in dem der Redefluß dahinströmt. *. ' In einem Jugendheim las ich: „Diese Räume und alle Gegenstände gehören Dir. Nütze und schone sie!" Man hänge daneben ein Schild mit der Aufschrift: „Diese Rede und alle Gedanken gehören Dir. Schone und nütze sie!" 6. J So verschieden die Wirkung ist, wenn ein Künstler auf einem guten oder minderwertigen Instrument spielt, so unterschiedlich ist auch der Erfolg, den dieselben Worte desselben Menschen zur selben Stunde in gleicher Umgebung bei einem gestimmten oder verstimmten Hörer erzielen. 7. Die „Bestie Publikum" erzeugt eine weit häßlichere; sie heißt: „Atmosphäre". Diese kann Gedanken auffressen, Gesten hemmen, Worte ersticken; sie hätjgt sich dem Satz an die Rockschöße, hemmt den erhabensten Gedankenflug, entkleidet keuscheste Gefühle, mokiert sich über heilige Empfindungen und macht aus Perlen Kot, aus Sinfonie Katzenmusik, aus Aufschrei Gewieher, aus Glockenklang Gebimmel. — — Der Schwamm am Bau der Rede. 8. Zwangsläufig muß der Redner einbrechen ins Gedankenchaos seines Publikums, dessen Aufmerksamkeit zusammen-