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Der Jugendbund · 1927-12-01 · 12 (1.12.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
12 (1.12.1927)
Date
1927-12-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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mahnenden Tönen des Schofar emporgezogen zu werden zum Gott unserer Väter: ein Bund. Ich spreche hier von dem Gottesdienst der hohen Feiertage, denn den des Sabbat, zu besuchen, ist uns jungen, erwerbstätigen Menschen in den seltensten Fällen Gelegenheit gegeben. Vielleicht gerade darum zieht es mich ins Gotteshaus, in einer Stunde der Andacht dem Unendlichen gegenüber zu stehen. D. L., Hamm. # Der moderne Mensch ist ein Mensch der Tat, nur Höchstleistungen können Eindruck auf ihn machen. Er geht auch lieber zum Boxkampf oder zum Tanz, als daß er sich in ein gutes Buch vertieft. Was könnte ihn, den oberflächlichen, ungeistigen Menschen von heute, mit seiner bequemen, nur auf Genuß gerichteten Lebensauffassung zum Gottesdienst ziehen? Und doch müssen wir die eigenartige Feststellung machen: Dieses Jagen von Genuß zu Genuß, dieses Hetzen von einer Sensation zur anderen geschieht nicht nur aus Bequemlichkeit, sondern in vielen Fällen gleichsam zur Betäubung. Weil in des Lebens Alltag so vieles öde und unerfreulich ist, daß man bei längerem Nachdenken fast den Lebensmut verlieren könnte, stürzt sich besonders der junge Mensch, auch der junge Jude in das wildeste Vergnügen. Bis für jeden einmal der Augenblick kommt, in dem ihm auch das keine Befriedigung mehr gewährt, wo nur eine gewisse innere Leere, ein Gefühl seelischer Einsamkeit zurückbleibt. Mit einem Schlage erhebt sich auch für den modernen Menschen das Problem des Religiösen in seiner ganzen Größe, plötzlich zieht es auch ihn zum Gottesdienst. Im Gotteshaus aber schwindet die Vereinsamung der Seele, denn das Judentum kennt keine weitabgewandte Mystik, nein, es hat vielmehr zu allen Zeiten Lebensfreude und Lebensbejahung gepredigt. Und zu den hohen Feiertagen kann manch einem der Gottesdienst, den er das Jahr über wenig oder gar nicht besuchte, zu dem höchsten religiösen Erlebnis werden, er kann ihm aber auch, und das ist vielleicht das Ausschlaggebende, einen befriedigenden Weg für das tägliche Leben weisen. R. C, Halle. Leider nichts — oder jedenfalls nur recht wenig; denn was mich einige Male im ganzen Jahr in den Tempel gehen heißt, ist einmal Pietät meinem Lehrer gegenüber und andererseits eine gewisse, in liberalen Kreisen fast zur Pflicht gewordene Tradition, an den hohen Feiertagen dem Gottesdienst wenigstens beizuwohnen. Und doch würde es mir nicht einfallen, am Jörn Kippur die Schule zu besuchen. Zwar bin ich von Haus aus ziemlich religionslos aufgewachsen; wohl habe ich anfangs versucht, Religion zu lernen, aber Religion erschöpft sich nicht in der Beobachtung von Zeremonien, und Religion zu leben, war mir nicht vergönnt; so bin ich jedoch durchaus religiös. Diese Religiosität aber läßt sich auch außerhalb des Gotteshauses betätigen. Im Tempel aber überfällt mich immer ein Gefühl der Weihe, des Enthobenseins, das jedoch bald bei meiner fast gänzlichen Unkenntnis des Hebräischen, wenn die unwillkürliche Andachtsstimmung vergeht, einer Langeweile Platz macht. Dieses Andachtsgefühl ist so unwillkürlich, so dem Augenblick entsprungen, daß es kein zwingendes Moment ist, mich zum Gottesdienst zu. ziehen. Ebensowenig darf man dazu für den Kleinstädter den Besuch einer Großstadtsynagoge rechnen, denn es ist zu einem Teil Neugier, die ihn dahin treibt, auf der andern Seite die Gewißheit, daß Architektonik, Orgelspiel und Gesang ihm einen ästhetischen Genuß bereiten werden, den er 'sich nicht entgehen lassen darf. Das aber nur in Paranthese. E. K., Wesermünde. Was mich zum Gottesdienst zieht? Der Hunger des Herzens; der Trieb zur Gemeinschaft; die Sehnsucht nach Rhythmus; unerschütterlicher Glaube an das Wunder; Dankbarkeit gegen den Wundertäter; Kraft einer Autosuggestion, die mir jede ersehnte Illusion schenkt. (Dabei stört mich die „Feierlichkeit" eines Gottesdienstes keineswegs. Weiß ich doch, daß es nicht Gottes Schuld ist, daß man d gebannt hat.) Es ist meine f findungen, die der Gottesdie sind als das Echo dessen, w -jauchze, -klage. >n Gottesdienst in die Bethäuser te Ueberzeugung, daß die Empt in mir auslöst, nichts anderes ich selbt hineinstammle, -rufe, S. B., Hannover. Ueber diese Frage soll t Liebe Freunde, kann man da nur eine Antwort: Das Leb Das Leben mit all seinen schehen, alles ist in seiner nun sein, was es will, n i c h E i n Anfang, aus dem her auf den heutigen Tag, war v Und dieser Anfang ist c Viel ist von Wissenschaf über den Urbeginn des Alls, Keiner hat bis heute des Rät wird sie jemals finden. Hier ist die Grenze zwis Gottähnlich zu werden, i ernstestes Streben sein. Um und in uns ist das L sich immer neu offenbart. Das Leben zu gestalten, füllt werde, ist unsere Besti müssen, um uns gegenseitig ganzen —, gottähnlich zu w Diesen Weg gehen wir d der das Wunder unseres Seil Und das zieht mich zum Diskussion eröffnet werden, überhaupt diskutieren. Ich weiß e n! Vielfältigkeiten, das kleinste Gers p r ü n g 1 i ch k e i t , es mag l von Menschenhand geschaffen. sich alles entwickelt hat bis >r dem Menschen gewesen, as Göttliche. lern schon geschrieben worden — alles sind nur Hypothesen. — eis Lösung gefunden und keiner d;ß fühl des Geborgenseins und ch en Gott und Menschen, uns verheißen, und soll unser :ben in tausendfacher Form, die der Sinn der Gemeinschaft ermrhung, ist der Weg, den wir gehen zu vervollkommnen und zu ererden. rch die Kraft unseres Willens, s beseelt. Gottesdienst. N. S., Mainz. Es ist das Bewußtsein de- Zusammengehörigkeit, ein Gedes Losgelöstseins vom Alltag. J. M., Wesermünde. Den meisten Menschen ergeht es wahrscheinlich wie mir: Was mich „zum Gottesdienst zieht", ist mit Worten schwer zu umschreiben, und ich finde nicht die Kraft zu einer Antwort, die, wie ich fürchte, unverstanden bleiben müßte, weil sie, letzten Seelengründen entrungen, nur zur eigenen Seele zurückfände; es sei denn, daß im engsten Freundeskreis — nicht vor breitem Forum — eine Antwort der gemeinsamen Bemühung klärende Aussicht auf ähnlichen oder gar gleichen Klang des Empfindens eröffnete. Jeder Mensch sucht und findet Gott auf eigene, unnennbare Weise. Jedoch sind gewisse Grenzen, innerhalb deren jeder seinen Gottesdienst erfüllt, durch Merkmale allgemeiner Natur erkennbar: Erziehung: Viele unter uns sind, es sei offen gesagt, durch Zwang zur religiösen Uebung angehalten worden und sind, als der Zwang aufhörte, ganz davon abgefallen. Viele aber, und ich zähle mich zu den Glücklichen, haben, von liebender Hand geführt, als Kinder staunend und voll Ehrfurcht das Gotteshaus betreten, wurden verständnisvoll im Gebet und Dienst unterwieseln. Sie wuchsen in den Gottesdienst, ihnen ist er lebenswichtige Funktio.n geworden und in diesem höheren Sinne Gewohnheit. Heimatgefühl: Das, was mir die Fremde annehmbar erscheinen läßt, ist die Synagoge. In ihr fühle ich mich „daheim", vor allem auch wegen der Gemeinschaft der Beter, die in mir gerade beim Gottesdienst das Zusammengehörigkeitsgefühl außerordentlich stärkt: sich beugen unter ein großes, gemeinsames Schicksal. Wie alle drei bisher genannten Punkte streng logisch zueinander gehören, so meines Erachtens auch dieser vierte Punkt, nämlich Die heilige Sprache, das Hebräische. Mir genügt nicht ein beliebiger Gottesdienst (Feierstunden allgemeiner Art haben sicher auch religiöse und Schönheitswerte), sondern ich will den hebräischen! Mehr und anders als „Dienst" gibt das Wort „Aboda". K. B., Kreuznach.

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