Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 11 (1.11.1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Organisationen, die anfangs eine neutrale Organisation waren, aber durch die Entwicklung zur Partei wurden, so der CV. und die Freie Vereinigung für das orthodoxe Judentum. Deshalb kann die Gegenwart des deutschen Judentums nifr dann richtig erfaßt werden, wenn man die Idee und Organisation, so wie sie sich zu ihrer heutigen Gestalt entwickelt hat, vor sich sieht „Die Juden des 19. Jahrhunderts" sollte regelmäßig der erste Vortrag eines Vortragszyklus über jüdische Gegenwartsfragen lauten. Die jüdischen Parteien gliedern sich in zwei große Gruppen: 1. religiöse Gruppe (Orthodoxie. Liberalismus): 2. politische Gruppe (Zionismus. Zentralverein. Verband nationaldeutscher Juden). Die bei den einzelnen Parteien angegebene Literatur enthält nicht nur die offiziellen Schriften der Organisationen, sondern auch solche Bücher und Zeitschriften, die der betreffenden Organisation nahestehen. Gemeinsame Bücher über a 11 c jüdischen Parteien siehe Vorbemerkung. I. Religiöse Gruppen. 1. 0 r t h o d o x i e. a) Landesorganisation der Agudas Jisrael inDeutschland. "1 Programm: ..Lösung der jüdischen Gesamtheitsaufgaben im Geist der Thora"» Vertreter der Trennungsorthodoxie. Anerkennung der nationalen Momente im Judentum. Große Hilfstätigkeit und Erziehungsarbeit. Praktische Arbeit in I'a4ästina. 2, Agudah ist 1912 als Weltorganisation in Kattowitz gegründet. Hauptzentren sind: Polen. Galizien. Sitz der Leitung in Wien (Dr. Pinchas Kohn). Die oberste Autorität ist der aus Thoragrößen aller Länder zusammengesetzte ..Rabbinische Rat". Außerdem tagt alle fünf Jahre die ..Große Versammlung" (Kcncssio gedola). 3 Sitz der deutschen Leitung in Halberstadt. An den Weiden 3 (Rabbiner Dr. Auerbach). 4. Organe: ..Jüdische Presse" in Wien. 5. Fonds: ..Kcren- Hathora". zur Erhaltung des religiösen Schul- und Erziehungswesens. Gegründet 1923. Der Keren Hathora gibt die ..Blätter des Keren Hathora" heraus. 6. Literatur: b 5. b) Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. 1. Programm: „Vertretung und Förderung der Interessen des orthodoxen Judentums". Unterstützung notleidender orthodoxer Gemeinden. 2. Im Jahre 1885 von S. R. Hirsch gegründet. Sie war zeitweise neutral und erfüllte nur praktische Aufgaben. Sie geriet jedoch immer mehr in das Fahrwasser der Trennungsorthodoxie trotz der im Jahre 19"6 versuchten Einigung mit den Gemeindeorthodoxen: deshalb 1923 Gründung der Achduth (siehe c). 3. Geschäftsstelle: Frankfurt a. M.. Rechneigrabenstraße 5. Langjähriger Präsident.war der Oberrabbiner Dr. S. Breuer. Frankfurt. 4. Organe: „Der Israelit" in Frankfurt a. M.; „Jeschurun". Wissenschaftliche Monatshefte, herausgegeben von Dr. Wohlgemuth. 5. Literatur: S. R. Hirsch. 19 Briefe über das Judentum. Weltverlag. 1919. 124 Seiten: S. R. Hirsch. Versuche über Israels Pflichten in der Zerstreuung, Verlag J. Kaufmann, Frankfurt 1898: Jps. Breuer. Judenproblem, 1922, und Messias- . spuren, 1924, Verlag J. Kaufmann (beide Bücher setzen sich vor allem mit dem Verhältnis der Trennungsorthodoxie zum Zionismus auseinander): Nathan Birnbaum. Gottes Volk. c) Achduth, Vereinigung gesttzestreuer Juden Deutschlands. 1. Programm: „Zusammenfassung aller auf dem Boden der Einheit der jüdischen Gemeinschaft stehenden Juden zur gemeinsamen Lösung der dem thoratreuen Judentum erwachsenen Aufgaben". Gegner der Trennungsorthodoxie. 2. Gegründet 1923. Demokratisch organisiert. Geschäftsstelle: Frankfurt a. M., Kettenhofweg 26 I. Führende Männer sind: -6 Dr. A. Sondheimer, Frankfurt: M. A. Loeb, Berlin; Rabbiner Dr. Unna, Mannheim. 3. Organ: „Jüdisches Wochenblatt", Frankfurt a. M. (Herausgeber Dr. Ernst Simon.) 4. Literatur: Werbeschrift: „Was will die Achduth?": „Wege zum jüdischen Wissen", Heft 1 der Schriftenreihe der „Achduth". Zu beziehen durch die Geschäftsstelle. d) Jüdisch-Konservative Vereinigung. Siehe Wahlparleien. c) M i s r a c h i. Siehe Zionismus. " 2. Vereinigung für das liberale Judentum. 1. Programm: Förderung des liberalen Judentums; Zusammenschluß aller Juden, die den Entwicklungsgedanken auch auf religiösem Gebiet anerkennen; Ablehnung national-jüdischer Ideen; jedoch sind in neuerer Zeit Bestrebungen bemerkbar, die die liberale Bewegung unter Wahrung der Neutralität in allen anderen Fragen wieder auch auf ihr religiöses Gebiet beschränken wollen. 2. Im Jahre 1908 auf der Grundlage der bekannten „Richtlinien" gegründet. Die Vereinigung geht zurück auf die noch radikaleren Reformbestrebungen des 19. Jahrhunderts (Geifer. Holdheim). Im Jahre 1925 auf der Londoner Weltkonferenz Zusammenschluß der liberalen Verbände der Well. 3 Geschäftsstelle in Berlin W 8. Mauerstraße 22. Vorsitzender R. A. Heinr. Stern, außerdem führend Rabbiner Dr. Goldmann, Leipzig, Rabbiner Dr. Scligmann. Frankfurt, Rabbiner Dr. Baeck, Berlin. 4. Organ: „Jüdisch-Liberale Zeitung" in Berlin. 5. Literatur: „Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum nebst Referaten und Aussprachen, 1912, Preis 50 Pfg.; Dr. Norden, Grundlage und Ziele des religiös-liberalen Judentums, Preis 75 Pfg., 1927 neu erschienen und empfehlenswert; Dr. Lewkowitz, Die Grundsätze des jüdischreligiösen Liberalismus. Die drei Hefte sind zu beziehen durch die Geschäftsstelle. Ferner Herrn. Cohen. Jüdische Schriften. 1927, und die Schriften von Geiger. Ueber die Stellung des Liberalismus zur Frage des jüdischen Nationalismus siehe Felix Goldmann, Zionismus und Liberalismus, und Hermann Cohen. Religion und Zionismus. Frankfurt. J. Kauffmann, 60 Pfg. II. Politische Gruppen. 1. Zionismus, a) Zionistische Weltorganisation. 1. „Baseler Programm": „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." 2. Im Jahre 1897 von Th. Herzl in Basel gegründet. Im Jahre 1917 wird Palästina den Juden durch die Balfour-Deklaration versprochen. Im Jahre 1919 erhält England das Mandat über Palästina und übernimmt die Verpflichtung, dre Errichtung einer jüdischen Heimstätte zu unterstützen. 3. Sitz in London und Jerusalem. Präsident: Chaim Weizmann, Präsident der Exekutive: Nahun Sokolow. Höchstes Organ: der aus Delegierten aller Länder zusammengesetzte Kongreß, der alle zwei Jahre tagt. Die zionistische Organisation gliedert sich in Landsmannschaften (territoriale Organisationen) und Föderationen (Parteien), Sonderverbände. 1926 27 : 400 000 Schekelzahler. 4. Organ: „Haolam", offizielle Zeitung (hebräisch) in London. 5. Fonds: d) J ü d i s c h e r N a t i o n a I f o n d s (Keren-Kajemeth Lejisroel). Zweck: Erwerb von Grund und Boden in Palästina und Weitergabe an Juden in Erbpacht. Mittel: Massensammlungen. Gegründet 1901. Bisher etwa 40 Millionen Mark gesammelt. Zeitschrift: „Unser Fonds". Sonderschriften über den JNF. siehe Böhm, der Jüdische Nationalfonds; Granowsky, Probleme der Bodenpolitik in Palästina; zu beziehen vom JNF., Berlin, Meineckestraße 10. e) Keren Hajessod (Palästina-Gründungsfonds). Neu-