Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 11 (1.11.1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Arbeitsgemeinschaft, das ganz« Gebiet durchgearbeitet, oftmals Gesagtes wiederholt, gar nicht Interessierendes, weil es die Entwicklungsgeschichte erforderte, aufgetischt; jeder hatte vielmehr Gelegenheit, die Lücken in seinem Wissen auf diesem Gebiete auszufüllen und bekam auf eine kurze Frage eine kurze Antwort, die ihn zufriedenstellte. Wie es bei der Größe des Gebietes selbstverständlich ist, zog sich die Aussprache lange hin. aber jeder von den Beteiligten ging mit der Ueber- «eugung nach Hause, daß dieser Abend nicht verloren war, weil er ihm ein klares, scharf umrissenes Bild von einem Problem gegeben hatte, das ihn selbst beschäftigte und ihm so dazu verhalf, mit seiner eigenen Stellungnahme zu diesem Problem einen Schritt vorwärts zu kommen. Diese ..Arbeitsmethode, die wir „Gemeinschaftsarbeit" mit »iner stärkeren Betonung des Wortes „Arbeit" nennen wollen, verdient den Vorzug gegenüber der üblichen „Arbeitsgemeinschaft" mit dem Hauptton aui dem Worte „Gemeinschaft". Um diesen Vorzug zu erkennen, wollen .wir uns erinnern, daß die moderne Arbeitsgemeinschaft in Bekämpfung und Ueberwindung der alten Vortragsmethode entstanden ist. Ihre Mängel — Uebergewicht des fachlich erfahrenen Alters, Einzelleistung statt Gemeinschaftsarbeit — traten um so stärker hervor, je mehr die Jugendbewegung mit ihren Grundsätzen der .lugend.lutonomie und der Gemeinschaftlichkeit an linden gewann. Es trat an die Stelle des Vortragssystems das System der Arbeitsgemeinschaft mit dem Ziele:'Jugendführung statt Alterslührung, Gesamtleistung statt Einzelleistung. Die Jugendführung wurde leicht und rasch erreicht; das Alter wurde einfach ausgeschaltet. Man blieb unter sich, erarbeitete sich allein, was man brauchte. Man holte sich Literatur zusammen und eignete sich das Nötige an, um es in der Arbeitsgemeinschaft weiterzugeben. Diese Arbeitsform hat ohne Zweifel bereits ihren Vorzug gegenüber dem Vortragssystem. Die Jugend, die-aus sich heraus zu Schäften gezwungen ist. dringt tiefer in den Stoff ein. Es schwindet die Befangenheit, die sich einzustellen pflegt, wenn ein außenstehender Aclterer vorträgt, und die praktisch ihren unliebsamen Niederschlag darin findet, daß niemals eine vernünftige Diskussion zustandekommt. Die neue 'Arbeitsform hat aber auch ihre Mängel, deren man jich bewußt werden muß, damit man sie nach und nach überwindet. Sie haben eine zweifache Ursache: man war im Fortschritt einerseits zu radikal und andererseits nicht radikal genug. Man war zu radikal, indem man mit dem alten Vortragssystem das Fachlich-Gründliche preisgab; man war nicht radikal genug, indem man noch immer nicht das Uebergewicht der Einzelleistung überwand, noch immer nicht zur wirklichen Arbeits Gemeinschaft gelangte. Denn, geben wir uns keiner Täuschung hin! Die Arbeitsgemeinschaft leidet sehr l\äufig an Dilettantismus als natürlicher Folge der Ausschaltundes fachlich gebildeten, sachlich erfahrenen Alters. Sie leidet aber vor allem daran, daß auch in ihr das Schwer-" gewicht bei dem einzelnen liegt, der das Thema des Abends beherrscht und der als „Pseudo-Fachmann" der Gesamtheit der zuhörenden Laien gegenübersteht. In diesem Punkte mag sogar ein Rückschritt gegenüber dem alten Vertragssystem zu erblicken sein. Ein Weg zur Ueberwindung dieser Mängel scheint uns jene Methode zu sein, die wir einmal zufällig angewandt und nachher ausdeutend brauchbar gefunden haben. Daß der Dilettantismus ausgeschaltet wird, und die sachliche Gründlichkeit ihren Platz wieder einnimmt, liegt auf der Hand Der anwesende Fachmann ist imstande. Fehler zu berichtigen, Lücken auszufüllen. Fragen zu beantworten, Auskünfte zu geben. Er' wird sich dieser Aufgabe wi.hl auch meistens mit Freude und Intensität unterziehen, wenn er sieht, daß ein Kreis ernstlich arbeitender junger Menschrn seinen Rat sticht und das, was er zu sagen hat, mit Verständnis und Interesse entgegennimmt. Diese Methode ist aber auch der geeignete Rahmen, das zu schaffen, was Vortragssystem und Arbeitsgemeinschaft uns schuldig geblieben sind: wirklich gemeinschaftliche Arbeit. Es kommt ja nicht darauf an, daß ein Kreis von Menschen sich zusammensetzt und zuhört, was einer von ihnen entwickelt. Worauf es ankommt, ist, daß gemeinsam gearbeitet wird. Dazu aber ist erforderlich, daß die Beteiligten entweder durch eigene Vertiefung in den Stoff oder durch Fragen den Gesichtskreis erweitern. An Sachkenntnis fehlt es den Beteiligten sowohl im Vortragssystem als auch in der üblichen Arbeitsgemeinschaft. Sie überlassen es einem, sich den Stoff zu eigen zu machen, und stellen sich von Anfang an auf eine passive Rolle ein. Das ist nicht möglich, wenn auch die Teilnehmer vortragen müssen. Dann müssen sie sich ihrerseits den Stoff ihres Themas aneignen'und erhalten dadurch Einblick in den Gesamtstoff, da sie stets über Teilthemen eines Gesamtthemas sprechen. Nun können natürlich nicht jedesmal sämtliche Teilnehmer einer Arbeitsgemeinschaft ein Thema erhalten, aus sachlichen und aus persönlichen Gründen .nicht. Dann wirkt aber dieses System auch auf die nicht aktiv Beteiligten gemeinschaftsbildend, indem es die alte leidige Befangenheit auf .einMinimum herabsetzt. Da mit einem kleineren Teilthema auch diejenigen betraut werden können, die nicht große Denker und Redner sind, gewinnen auch die anderen Mut, reden mit. fragen, beteiligen sich und übernehmen das nächste Mal selbst ein Thema. Die Anwesenheit des älteren Sachkenners stört nicht, weil er hinter der Leitung des Jungführers gariz in den Hintergrund tritt, weil er nicht mit der Fülle seines Wissens bedrückend wirkt, sondern nur dann Auskunft erteilt, wenn er gefragt wird. Neben diesen beiden Hauptvorzügen, Gründlichkeit statt Dilettantismus. Gesamtleistung statt Einzelleistung, stehen andere, kleinere: der Führer wird entlastet. Die Fähigkeiten und Interessen der einzelnen können aufs beste ausgenutzt werden. Die Kürze der Zeit, die dem einzelnen zur Verfügung steht, zwingt zur Zusammenfassung und Konzentration. Das Ganze wird vielseitig und lebendig. Natürlich verkennen wir die Schattenseiten dieser Arbeitsart nicht. Ein wenig Befangenheit bleibt stets, wenn ein kritischer Fachmann zugegen ist. Etwas Dilettantismus ist immer da. wo in erster Linie Laien tätig sind. Arbeit und Mühe kostet es den Führer auch, einen Stoff so zu beherrschen, daß er ihn in verständige Untcrthenien einteilen und diese Unterthemen in geeigneter Weise unter die Teilnehmer seiner Arbeitsgemeinschaft verteilen kann. Vor allem aber ist nicht iede> Thema, zu solcher Behandlung geeignet, und nahe liegt die Gefahr, daß statt knapper Zusammenfassung und Konzentration Oberflächlichkeit zutage tritt. i Aber diese Gefahren sind da. um durch verständige Auswahl von Thema. Persönlichkeit des Fachmannes und Mitarbeitern vermieden zu werden. Sje finden sich zum größten Teil in den andern Systemen auch, oft in noch stärkerem Grade. Jedenfalls lohnt sich's vielleicht, an geeigneten Themen einen Versuch zu machen. Rundbriefe des Westd. Bezirksverbandes Vorbemerkung. Wie im vorigen Jahre, hat auch diesmal der Westdeutsche Bezirksverband für seine Vereine eine Anzahl Rundbriefe bearbeitet, mit deren Abdruck wir nachstehend beginnen, damit alle unsere Vereine eine Grundlage für ihre Arbeit bekommen. Die Verbandsleitung. Judentum und Christentum Auf Grund der Erfahrungen, die wir im vorigen Jahre mit den Rundbriefen gemacht haben, sind in diesem Rundbrief nur wenige Themen, die zur Durcharbeitung geeignet sind, angegeben, in der Angabe der Literatur haben wir uns ebenfalls auf einige uns wesentlich erscheinende Werke beschränkt; vor allem in der Hauptsache auf solche, die leicht zu beschaffen sind. ~N AllgemeineVLiteratur: . Bibel, Neues Testament. Graetz, Dubnow. Dienemann: Judentum und Christentum (ein kleines Werk, das populär geschrieben ist, erschienen im Verlag Kaufmann, 1,20 Mark). 4