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Der Jugendbund · 1927-11-01 · 11 (1.11.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
11 (1.11.1927)
Date
1927-11-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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< geschwächt und ausgeschaltet werden, so wandelt sich auch ihr Wesen von Grund auf, nicht nur eben durch Verbleichen der Tönung, durch den Abtall des Farbenfeuers, sondern durch wirklich innerliche Abkehr und Richtungswechsel. In die Reihe der die Seele bannenden Gewalten ist auch der" höchste Gedanke, Gott, einzustellen. Gedanke wäre schon nicht richtiggesprochen. Denn der Gedanke faßt ein Gedachtes und dieses wieder hat Bezug auf Größe, Dichte, Begrenzung, ganz abgesehen davon, daß der Gedanke im Denkenden die Denkspannung, die Bedachtheit, voraussetzt, die in der Nachbarschaft romantischer Erregtheit nicht gut vorzustellen ist-. Gott ist hier nicht das, nachträglich eingesetzte Fundament, das vom Denken gefordert wird, um als Lückenbüßer das große Loch des Systems zuzustopfen. Dieser wäre tatsächlich nur ein Gedanke, d. h. etwas von uns Hervorgebrachtes, das zu uns gehört, unser Gefangener. Der andere Gott jedoch ist ein solcher, dem wir gehören, oder in dem alten Sinne des Gehörens ausgedrückt, dem wir hörig sind. Er läßt sich nicht anmelden durch seine Diener, wie man sich diese auch vorstelle, als Propheten, Naturphänomene oder Ideenschwung, er tritt nicht durch die Hintertür eines Postulats der sittlichen Vernunft, sondern er steht vor uns aufgereckt in unmittelbarer Präsenz. In der zitternden Gespanntheit -ffnserer Seele verrät sich seine Nähe. Von ihm als der stärksten Kraft nimmt auch das Spiel seinen Ausgang. Er fordert seinen Gegenstand vor. er überschüttet ihn mil seinen magnetischen Strahlen, die nicht erst in der Ergießjng in den Stofi an ihm mächtig werden, bis daß der Mensch in Sehnsucht und Selbstvergessenheit in ihn hineinstürzt wie in einen verzehrenden Sonnenball. Es ist dem menschlichen Denken eigentümlich, sich die unklaren und unbildlichen Verhältnisse der Gottesbezichung in den Formen menschlicher Beziehungen vorzustellen. Das, was die Menschen von innen her einigt und ihr Denken und Handeln in eine betonte und dankbar empfundene Uebereinstimmung bringt, ist. uns als die Liebe bekannt. Diesen Cedankcn verwendet der Geist auch für die Erregungen, die das Gefühl der Gottesnähe in ihm hervorruft. Damit gibt er seinen Schicksalserwartungen einen freundlichen und zuversichtlichen Ausdruck. Er geht noch einen Schritt weiter, indem er das Einverständnis seines unverkennbaren Gegenspielers zu dieser seiner Auffassung vorwegnimmt, den er geradezu als die Liebe bezeichnet, damit das menschlich Geheime einer beruhigenden Einbildung zu einer religiös erklärten und Gott erwünschten Bestimmung umbildend. Dieser Sinn der Gottesbeziehung erhält so eine öffentliche Grundlage durch das Wesen selber, dem sich der Mensch ergibt, das selbst diese Meinung lehrt und erläutert sowie durch Beispiele liebender Gesinnung bestätigt. Der ihn erschreckenden Macht des Göttlichen, die gerade in der Undurchschaubarkeit ihrer Pläne liegt, hat der Mensch damit eine freundliche Wendung gegeben, ohne daß an dem Gedanken der nach wie vor wirkungsstarken Anziehungsmacht gerüttelt würde. Jüdisches Denken widersetzt sich dieser Vorstellungsfolgc ,'m den Kern des romantischen Gottesbegriffs. Den jüdischen Vorgang gibt das Prophetenwort: Suchet Gott, wo ihr ihn findet (Jes. c. 55. v. 6), was erklärt werden kann: Suchet die Seiten am Wesen Gottes, die vom Menschen her je findbar sind. Dem Gott, der gesucht und erkannt sein will, steht das romantisch gefärbte Gottesbild des die Menschen suchenden, sie ..hervorliebenden" Gotteswesens entgegen, dessen Wege nicht verschieden sind von denen irdischer Geschlechter ..wie der Himmel und die Erde". Die Werbekraft des Gotteswesens der Romantik besieht darin, daß die Möglichkeit des Liebens im eigenen Beispiel gezeigt ist. Gott ist seiner Lehre der erste Nachfolgende, durch ihn die menschliche Erfüllbarkeit der Forderung bewiesen, im Beweise die Forderung der Erfüllung durch die Späteren versteckt. Sein' Gottestum in der dem Menschen zugewandten Seite ist Führertum. Die Idee des Führertums stammt ihrem eigentlichen Wesen nach aus der Welt der Romantik. Das in dieser sich hervordrängende Moment dienenden Gehorsam^ iund der Zufriedenheit im Dienen stellt notwendig das Gegenbild des Führers auf. dem man vertrauend die Bestimmung des eigenen Wesens 2 in die Hände legt. Die Machtanteile, auf dk der einzelne Verzicht getan hat, sind konzentriert in e i n ij r P e r » ö n - lichkeit, die man mit einer Generalvollmacht hinsichtlich der beliebigen Verwendung ausgestattet hat. HU.r t-iü das Bild des Nietzscheschen Herrenmenschen in die Szenerte, allerdings nicht gefordert aus der Lust des Befehlens und Kraftentspannens, sondern in umgekehrter Richtung aus der Demut des Schweigens und Gehorchens. Denn eben darin ist der Führer vom Herrn verschieden, daß er nicht wie dieser sich selbst als Machtorgan erklärt, oder vom Vorgesetzten, der durch Designation in eine Würdenklimax eingefügt ist, sondern daß ihn die seelische Zustimmung der Menge und der Willensverzicht ihrer Glieder auf seinen Posten beruft. Ueber diesem Verhältnis schwebt noch das letzte Unerklärliche eines innerlich Notwendigen, das aus tiefstem Einheitsverlangen nach An- und Einschluß begehrt. Der Herr, der Vorgesetzte stellen stets einen Grenzslrich dar, eine Sperrlinie. Die Tätigkeitsfülle der ihnen Dienstbaren wird normiert und genau bis zu der Stelle herangeführt, an der jene stehen. Was auf der anderen Seite dieser Grenzlinie sich abspielt, kümmert sie nicht und soll sie nicht kümmern. Dem Führer gegenüber aber besteht die unmittelbare Empfindung, daß auch jenseits von ihm ein freier Raum liege, der zu durchschreiten ist. Ja, dieses Gefühl der Unendlichkeit des Raumes, den man ungehemmt durchmessen kann, ist untrennbar gegeben mit dem. was min . Bewegung" im geistigen Sinne nennt. Die Bedeutung des Führers wird darin über die der genannten Machtinhaber hinausgehen, daß man nicht nur die Bestimmung des eigenen Wesens von ihm erwartet, sondern ihm auch mit Bedacht darin volle Freiheit läßt, wie er sich selbst gestaltet. Man würde es ihm als einen Verrat anrechnen, wollte er. der Verlockung nachgebend, die namentlich in Augenblicken des Zweifels, der Ermattung, der beunruhigenden Empfindung des Nachlassens seiner Aktivität ihn befallen mag. um seine Stellung ebenso dauerhaft als unangreifbar zu machen, sich hinler einem Amte verschanzen, wollte er sich mit dem Firnis eines hohen Titels bedecken, der die Position konserviert und Strahlen eines falschen Lichtes anzieht. Indessen, die Idee des Führerlums schließt nicht nur die Vorstellung einer bewegten Schar ein, sondern auch die des in sich bewegten Führers ein. der eben zumeist durch die eigene Bewegtheit die Anhänger regsam werden läßt. Die romantische Gläubigkeit unterwürfiger Demut bleibt auch dann den Anwandlungen der Kritik gegenüber unzugänglich, wenn er in fehlgreifender Selbstdarstellung den Herrn oder Vorgesetzten herauskehrt. Der Herr ordnet an, was getan werden soll. Sein Wille ist der letzte und einzige Grund für das von ihm Geforderte. Bei ihm hat nur das Wort. da<- einzelwcise emportaucht aus dem verborgenen Gewoge seiner Absichten und Ideen, erkennbare Gestalt. Der Vorgesetzte laß! Regsamkeit entstehen für einen Zeitterminus, er befiehlt, was jetzt getan werden muß, und der Untergebene ist überzeugt auch ohne die Explikation der ideellen Ziele, daß er so am besten der Idee nütze, lür die sie beide tätig sind. Die Autorität verkündet, was in diesem oder jenem Falle das Rechte, die Wahrheit oder das Notwendige sei, ohne daß ihr Beweise und Ableitungen abverlangt würden. Es gibt genug romantische Naturen, die ihr Idol am liebsten von dieser Seite her sehen, und in der Lust freiwilliger Dienstbarkeit sich auch dort beugen, wo die Vernunft auf ihre Herrschaftsrechte sich besinnen sollte. Dazu rechnet jene kriegerische Halbwüchsigkeit, deren Pseudoheroismus aufs angenehmste angestachelt werden muß. wenn der Führer in erwogenen Intervallen die Kandare der Slrammheit und des Gehorsams anlegt und auch wieder, sie lockernd, urmenschlichen Raufinstinkten die Freiheit gibt. Für sie alle, denen die Gehorchenspflicht als höchste Tugend gepriesen wird, ergibt sich die Rechtmäßigkeit des Führerspruchs, das Gewisse des Notwendigen und Wahren' nicht aus seiner sachlichen Vernünftigkeit, sondern sie wird von der Würdenstaffel aus begriffen, die der gloriose Führer einnimmt. Entgeht es aber der Herde, wie ihr Führer sich hinter die Stacheldrähte des Amtlichen flüchtet, sich mit Titeln und Würden belädt, so wird sie, von diesem benommen, noch weniger die Irrtümer bemerken, die auch in den Worten der Großen sich bisweilen bergen und nun vom schwärmerischen

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