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Der Jugendbund · 1927-11-01 · 11 (1.11.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
11 (1.11.1927)
Date
1927-11-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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DCR ,PUG€JVJ>BU]NP miTTfettuneen dcs vecBonoes D€P jüDiscHen juGenDV6Q€in€ peuTSCHLflnos 13. «lahrgang L Düsseldorf, den 1. November 1927 Nummer 11 flllC ripm Inhalt' Romantisches Führertum. Von Dr. Max Katten, Görlitz. — Arbeitsgemeinschaft — Gemeinschafts- HUO UGIII IllUdll. arbeit. Von Hans Karger und Heinz Gerling, Görlitz. — Rundbriefe des Westdeutschen Bezir.ksverbandes. — Was zieht mich zum Gottesdienst. — Streifzüge durch die Gegenwart. Von Hans Capell, Düren.— Emile Zola 25 Jahre tot. — Tagebuch von großer Fahrt. Von Erich de Jonge, Hamborn. — Bücherschau. — Aus dem Leben des Verbandes. — Mitteilungen der Verbandsleitung. — Tagung des Rbein.-Westf. Bezirksverbandes. — Vereinsnachrichten. Romantisches Führertum Von Dr. max Hatten. Görlitz Jugend und Romantik leben in enger Gemeinschaft. Die Jugend ist voller Fragen, die Romantik voller Antworten, ja, eine einzige große Antwort. So verstehen sie sich gut, fühlen sich einander verschwistert und unentbehrlich. Die nichts sich zurückbehaltende Antwort der Romantik unterscheidet sich in ihrer Zeichenfülle, ihrem Bildreichtum durchaus von jeder anderen. In der gemeinen Antwort steckt ja wiederum eine Frage, die Frage nämlich, wieso es kömmt, daß wir diese Antwort für richtig halten. Die Romantik gibt eine vollkommene Antwort, weil sie nicht wie andere Urteile neue Fragen aufgibt und über sich selbst hinaus zu neuem Suchen antreibt. Vielleicht ist das Denken des Verstandes nur ein greller Lichtfleck auf dem dunklen Bildgrund romantischer Vorstellungswelt, ein einzelnes Blatt aus dem Buche romantischer Denkinnerlichkeit, aufleuchtend in den Strahlen kritischen Schauens und wieder hineinfließend in ihren schmeichelnden Dämmer. Gerade die von Fragen heftigst Bedrängten finden in der Romantik tiefstes Genügen. Und wem brennen die Fragen tiefer in der Seele als der Jugend? Der Umstand, daß romantisches Erleben das weiteste Genügen gewährt, darf nicht zur Folgerung verleiten, daß die nach ihm Begierigen auch nun die Genügsamen seien, wenngleich es mehr als ein Zufall zu sein scheint, daß das romantische Gemüt sich vorwiegend in solchen Zeiten rege zeigt, wo ein problemloses und zufriedenes Bürgertum dem Volksdasein die Note gibt. Die Unerschütterlichkeit der bürgerlichen Geistesart hält es mit der so alle Qual des Fragens und Forschens, die Verstörung durch den Geist umgehenden Sibyllenweiheit der Romantik. In ihrem Bereich wird alles Wilde und Drohende unschädlich gemacht. Sie läßt das Außergewöhnliche und Ueberlebensgroße in menschliche Maße einrücken, konkretisiert im Herben und Unerbittlichen zugleich den versöhnlichen Gegensatz und weiß sich so vor jeder Alternative zu schützen. Das Aufregende Wird umgewandelt zum harmlos Anregenden, das Schreckhafte versickert im Drolligen und gutmütig Launigen, das Dämonische entpuppt sich als eine Groteske, als wollte es sagen: ich bin gar nicht so böse, wie ich tue. Durch diese Normalisierung seiner Gestalten behält das Gemüt stets die Macht über sich und liefert sich nicht an die ungewisse Macht seiner Schöpfungen aus. Aber das Bestreben der romantischen Bürgergesinnung, zu verkleinern und zu verniedlichen, das Grausige durch Uebermalung mit Humor nur mehr als das Gruselige erscheinen zu lassen, das mehr neckt lia schreckt, beweist doch schließlich nur, daß der Mensch si :h Mächten gegenüber fühlt, deren mißtraut und denen er nicht gern Man erkennt in dieser Unschädnur die lächelnde beherrschtheit unentschiedenem Wesen er preisgegeben sein möchte. Iichmachung letztlich doch von Mächten, die sich von um so fürchterlicher sind, ganz erkennen kann. Da sie einer Unruhe, die davon herrührt, daß er sich belagert sieht ihm nicht gebieten lassen und die als er ihre Absicht nicht einmal dem Menschen niemals ihr Gesicht darbieten, noch er je ihr Gesicht sucht, kann er sich ihnen nicht kämpfend nahen, nicht mit ihnen um seine Freiheit ringen. Da sie keinen Ausdruck haben und stets Masken scheinen, fühlt er sich von Vornherein als ihr Gefangener. Er kann sich nicht einmal ducken, um ihrem Streich auszuweichen, da kein scharfes Wort, kein Donner des Unmuts ihre Feindseligkeit enthüllt und zur Vorsicht anrät. Der selig Unselige überläßt sich ihnen im Vertrauen darauf, daß sie es gut mit ihm meinen. Der Traumzwang, das beliebte Motiv romantischer Dichtung, gibt diesem Sachverhalt einen beinahe symbolischen Ausdruck. Zwei Bereiche romantischen Erlebens sind sonach erschlossen, die diesseit und jenseit der durch die menschliche Begeisterung gezogenen Grenzscheide sich audehnen, einer, in dem der Mensch der Meister ist, der mit belustigt überlegenem Blick auf die Gestalten herabsieht trotz ihrem manchmal wilden Sich ausspielen, der andere, der für ihn ein Käfig ist, in dem er inmitten einer ungemütlichen Gesellschaft eingeschlossen ist, deren Absicht und Natur er nur dann erfährt, wenn er sich selbst zu dem ungewissen Experiment hergibt, zu_ dem sie ihn schalkhaft oder drohend überreden. Auch der am romantischen Handeln Teilhabende bleibt seiner Ruhe gewiß, falls es ihm nicht etwa einfällt, den ihn magnetisch anziehenden Gewalten sich zu widersetzen. Der wandernde Handwerksbursche, der Jäger, der fahrende Schüler oder Kriegsmann sind uns allen bekannte Lieblingsfiguren des romantischen Stoffkreises. Es ist hier nicht so sehr die Bewegtheit als die Bewegung, die als charakteristisches Moment des persönlichen Lebens hervortritt. ' Mit der äußeren Bewegung kreuzt sich die innere Unbewegtbeit. Wie sich diese Menschen auch die energischste Tätigkeit anmerken lassen, sie sind in Wirklichkeit doch bloß die Gesuchten, Angezogenen, Gehorchenden, und nur unter der Wirkung von Mächten, die sie gleichsam mit ihren Blendlichtern andauernd bespiegeln und in Aufregung versezten, zu dieser täuschenden Lebendigkeit gelangt. Sie sind die Passiven, Duldenden, Ergebenen. Sobald die von außen einströmenden Kräfte ab-

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