Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 10 (1.10.1927)
- Date
- 1927-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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hilflosere Junggruppe, daß wir glücklich sein konnten, als wir nach längerem eiligsten Lauf auf der anderen Seite des Berges in Wolf menschliche Stätten erreichten., Gott sei Dank! Ein' schützend Dach war über uns . . Mit dem Zug fuhren wir nach dem Ziel des ersten Tages, nach Cröv. Vom Bahnhof mußten wir da auf einer Fähre übersetzen. Und sieh da! ... da stand neben uns im Kahn der Herr David Schömann, jener Herr, mit dem wir wegen des Nachtquartiers korrespondiert hatten. Die Gruppe wurde in 3 Häuser verteilt; bei den Familien Schömann-Wendel, Benjamin und Siegfried Schömann, untergebracht. Hier konnten wir echte jüdische Gastfreundschaft sehen und erfahren. Was diese Familien für uns taten, wie sie uns aufnahmen und betreuten, ist kaum zu schildern. Jeder konnte seinen Anzug wechseln, in mollig warmem Zimmer konnte .man sich ausruhen. — Nach dem Abendessen wurde noch zwischen Freund und Freund telephoniert, und zum Schluß hieß es: ..Morgen früh bei Schömann-Wendel Minjan!" Große Betten ließen bei den Insassen keine Streitigkeiten aufkommen, und am nächsten Morgen war jeder frisch und froh wie früher. Im Hause dieser Familie ist eine kleine, nette Synagoge eingerichtet; hier konnten wir natürlich besser als im Freien, was wir ursprünglich vorhatten, oren. Jeder hatte seine T"fillin' mit. Es wurde auch ausgehoben; einer von uns orte vor und leinte. Es war ein wahrer, echter Jugendgottesdienst. Wir machten noch einige sehr gut gelungene Aufnahmen von der Junggruppe mit ihren lieben Gastfreiinden. Als wir wieder weiterwanderten, da war an unserem Aeußeren vom gestrigen ..Bade" kaum etwas noch zu merken; im Hause der freundlichen Familien waren die Kleider wieder ganz in Ordnung gebracht worden. Wir fühlten, daß wir bei liebenswürdigen' jüdischen Familien eingekehrt waren. An der Mosel entlang ging es weiter nach Traben-Trarbach. Doppelt munter und fröhlich wanderten wir jetzt. Die unliebsame Ueberraschung von gestern war nur mehr Vergangenheit, an die man einander schmunzelnd und witzelnd erinnerte. - Spiele während des Marschierens und Lieder verkürzte^ den Weg. Dazu zeigte sich das Blau des Himmels, auch die Sonne machte der. Erde" kurze Visite, kurz, wir waren wieder in unserer alten fröhlichen Stimmung. Das Mosellied klang wieder Iroh und frisch, und die Winzer in den Weinbergen lachten und freuten sich mit unserem Grüßen. Traben-Trarbach ist ein herrliches Fleckchen deutscher Erde. An den rebengrünen Berghang schmiegt sich das-Städtchen, überall beherrscht von den wettergraucn Resten der altehrwürdigen Gräfinburg. Des unsicheren Weges wegen fuhren wir mit der Bahn nach Bullay. Nach Regen hatte sich das Wetter wieder aufgeheitert. Und bald sah uns die Marienburg bei Bullay in ihren verfallenen Mauern, deren totes Grau Efeu liebevoll mit frischem Leben umkleidet. Von der Burgruine hatten wir eine wundervolle Aussicht. Die Mosel erscheint hier in der Tiefe zu beiden Suiten wie zwei blitzende Seen. Hier oben verlebten wir i-inige recht fröhliche Stunden. Und als wir vor der Abfahrt im Wartesaal des Bahnhofes ein Spiel erdachten, wobei jeder die Erlebnisse in den abwechslungsreichen zwei Tagen niederschreiben mußte, die er als die schönsten empfand, da waren wir nicht in Verlegenheit; viel Schönes konnten wir überdenken. Auch die herzliche Aufnahme in Cröv wurde nicht vergessen. Es war trotz allen äußeren Hindernissen eine selten schöne zweitägige Fahrt. Manfred Altmann. Wandern und Sport Tratten dar Jüdischen Jugendbünde Berlins Am 11. September veranstaltete der Landesausschuß der Jüdischen Jugendverbände Berlin- Brandenburg ein Treffen der ihm angeschlossenen Bündein Brieselang. Kreis Osthavclland. 1500 Menschen trafen sich draußen, 1500, von denen jeder einzelne Haler Einsetzung seiner % so wäre damit noch nicht alles gesagt, denn innerhalb der Berliner Kritik wieder ist der kleinere Skribent ängstlich darauf bedacht, in seinem Urteil nicht von dem der dii majores am „Berliner Tageblatt", an der „Voß" und am „Börsen- Courier" abzuweichen. ' Es würde beleidigend sein, ein solches Verhalten Korruption zu nennen, aber man kann es ruhig deutsch als geistige Verderbnis bezeichnen, und es darf mir nicht als persönliches Ressentiment ausgelegt werden, wenn ich es beklage, daß die öffentliche Meinung in Dingen des Berliner Theaters nur die Meinung von zwei oder drei Kritikern ist. Die ihrerseits wieder in entscheidenden Momenten versagen, indem sie, wie etwa bei der Eröffnung der Piscator-Bühnc, sich um ein klares Ja oder Nein herumdrücken, oder, wie in den voneinander völlig verschiedenen Fällen Karl Kraus und Jo Lhermann, sich von persönlichen Zu- und Abneigungen leiten lassen. Das vorhin nicht verwandte Fremdwort für „Verderbnis" dürfte hingegen am Platze sein, bei dem Kritiker eines der meistgelesenen Berliner Straßenblätter, der im Programmheft einer Operette die Einführung und freundliche Würdigung für die Aufführung schrieb und nach der Premiere als Kritiker jener Zeitung dieselbe Aufführung rezensierte. Ich bezweifle, daß dieser Skribent überhaupt eine Ahnung von der Unsauberkeit solcher literarischen Betätigung hat, und bin überzeugt, daß er entrüstet sein würde, wenn man hiernach an seiner publizistischen Unabhängigkeit zweifeln würde. Aber . gerade das ist das Trostlose, daß die Korruption in einer sozusagen verfeinerten Form bei einer gewissen Berliner Journaille selbstverständlich geworden ist. Was in Berlin von der Provinz in erfreulicher Weise absticht, ist die Art, wie, wenigstens in den großen, repräsentativen Kinos, die Films vorgeführt werden. In sich geschlossene Vorstellungen, meist numerierte Plätze, ausgezeichnete Orchester mit einer für jeden Film hinreichend geschmackvoll zusammengestellten Musik, die zum mindesten, und das gilt sogar für die Mehrzahl auch der kleineren Theater, nicht störl, sorgen dafür, daß jeder Film, mit dem größtmöglichen Genuß angesehen werden kann, ganz zu schweigen von einem in seiner Kinfachheit und Klarheit vollendet schönen Kino-Theater wie das „Capitol", in dem schon der Aufenthalt eine Freude ist. Uebrigens nimmt das Publikum in Berlin am Film ganz anders und viel lebendiger Anteil als in der Provinz. Beifall und Mißbilligung werden in jeder Aufführung, nicht nur bei den Premieren, temperamentvoll durch Klatschen. Zischen und Pfeifen zum Ausdruck gebracht, und im Filmgeschmack hqt sich das Publikum sogar eine ziemlich weitgehende Unabhängigkeit von der Kritik der großen Presse bewahrt, ein Zeichen dafür, daß die Masse des Publikums, die ja mehr und mehr aus den Theatern in die Kinos abwandert, eine viel stärkere Beziehung zum Film als zum Thealer hat. Zum Schluß eine ganz unliterarische Begebenheit: In einer richtigen Berliner Bierkneipe belauschte ich folgendes Gespräch zwischen drei Droschkenchauffeuren, die sich zunächst unter erheblichem Bierkonsum nach der Gewohnheit aller Chauffeure über berufliche Dinge unterhielten und dann auf ein Tanzvergnügen zu sprechen kamen. Die Unterhaltung über dies Thema fand so ihr Ende: Der erste Chauffeur: ,.Wat hat denn der Mensch vom Tanzen, erzehle ma?" Der Zweite (mit einer Geste auf die vor ihnen stehenden Biergläser): ,,Wat hat denn der Mensch vom Saufen, erzehle ma?" Der dritte (nach kurzer Pause, schlicht und sachlich): „Ma tobt sich aus!"