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Der Jugendbund · 1927-10-01 · 10 (1.10.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
10 (1.10.1927)
Date
1927-10-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Erst tränte der Himmel, aber bald folgten den Tropfen Regenmassen, und jeglicher Aufenthalt im Freien war unmöglich. Wir mußten uns scheu unter schützende Dächer flüchten. Auf einer Kegelbahn wurde dabei unter uns manches Keglertalcnt entdeckt. — Unter -einem netten Pilzdach schlugen wir unser Lager auf. Und kam der nasse Segen von oben nur in ganz kleinen Mengen oder blieb er gar für kurze Zeit aus. da war bald die ganzeSchar in gemieteten Booten auf dem Flüßchen und ruderte und war fröhlich. — um bald wieder vor einzelnen Riesengüssen flüchten zu müssen. So gingen; die Stunden des Tages. Und als wir zur Abfahrt den Park verließen, da kam sie hervor; die Wolken mußten sich vor ihr nord- und südwärts an die Berge werfen, und über dem Städtchen lächelte, noch etwas zaghaft, die Sonne. — Wir mußten fort, die Sonne blieb da . . . Und in Trier — hatte der Regen noch die Herrschaft. Es ^war recht schade. Aber wir hatten trotz Regen manch Schönes erlebt. M a n f r e d Altmann. Die zweitägige ffloselwanderung der Trierer Junggruppe ..0 Moselstrand, o selig Land! : Ihr grünen Berge, o Fluß und Tal, ' Ich grüß euch von Herzen viel tausendmal!" Wahrlich, ein selig Land ist dieses Moselland. , Wir empfanden das erst so richtig auf unserer letzten Vi .indcrung. als wir. wenn auch nur zwei Tage, die schönste Mosclgegcnd durchstreiften; als wir am Jilfer des grüngoldnen Flusses, über seine Berge und Hügel, durch seine Städtchen uncj Dörflein wanderten, durch seine Weinberge zogen, uns auf seinen weiten Rebenhängen zwischen wohlgepflegten Wein- Stöcken hindurchwanden, als uns stolze Burgen aus der Ferne grüßten, am uns bald im Schatten ihrer alten Mauern lagern zu sehen. Wenn auch das Wetter unserem Ausflug nicht immer wohlwollend gesinnt war. eine selten schöne Wanderung wurde es doch. Berliner Salat Vnn Heinz Kahn. War ehedem das Kennzeichen der ..Boheme" jene Un- -tetigkeit. von der sie ja ihren Namen, die französische Bezeichnung für ..Zigeuner", bezog, so könnte heute als das Kriterium der Menschenklasse, die gemeinhin die Berliner Boheme genannt wird, eher eine erstaunliche Seßhaftigkeit Gilten, die sich allerdings nicht im eigenen .Heim, sondern in gewissen Lokalen, besonders Kaffeehäusern, manifestiert und die innerhalb dieser Lokale wiederum durch eine deutliche, auch äußerliche. Ruhelosigkeit paralysiert wird. Aber nicht nur hierin zeigt sich der Gegensatz dieses Typus zu dem allen, originalen Boheniien und seine Annäherung an die so verhaßte Klasse der Bürger, sondern auch in einer weit bedeutsameren Und peinlicheren Erscheinung, nämlich einem gesellschaftlichen K.i^engrtst. dar. da er der bürgerlichen Voraussetzungen entkleidet ist, ia, überhaupt in seiner Existenz geleugnet wird, eben durch'diese auch für den Outsider unmöglich zu übersehende Existenz jedes Wort, das in diesen Kreisen gegen die bürgerliche Gesellschaft gesprochen wird, zur Farce macht. Der Maßstat». nach dem dieser Geist die Stellung und das Benehmen den Menschen gegenüber einstellt, ist die mögliche Nützlichkeit der Beziehung zum Mitmenschen, so daß also an der Art der Begrüßung immer zu sehen ist. wer der Prominentere von zwei einander Begrüßenden■ ist oder wer von ihnen mehr Geld hat --. und hier ist die vollkommene Angleichung an die bourgeoisc Gesellschaft in ihren unerfreulichsten Gepflogenheiten vollzogen. So erscheint eine Gesellschaftsform als völlig absurd, die. da sie ihre Berechtigung von einer künstlerischen Leistung allein, selbst wenn sie in allen Fällen vorhanden wäre, nicht herleiten könnte, ihre Begründung lediglich in der Ablehnung einer- Gesellschaftsform sucht, der sie im Entscheidenden aufs Haar gleicht. Um 6 Uhr früh, es war an einem Mittwoch, dampfte der Zug mit der .lunggruppe des Jüdischen Jugendbundes Trier nach Maring an der Licser ab. Unterwegs wurde unsere Zahl durch Freunde aus Wittlich vergrößert. Auf dem Wege von Maring nach Lieser konnten wir die wilde Lieser in die sanfte Mosel springen sehen. Nach kurzem Besuch des schloßähnlichen Prunkbaues des Grafen Schorlemer zogen wir in fröhlicher Morgenstimmung nach Bernkastel-Cucs. Der Weg führte uns dicht an der Mosel vorbei; auf der einen Seite berühmte Weinberge, jenseits der Mosel ebenfalls bekannte Rebenwälder, hie und da von Laub- oder Tannenwald unterbrochen. Bernkastel ist nicht nur ein reicher Weinort. sondern eines der schönsten und malerischsten Mo>clstädtchen, ist die „Perle der Mosel". Der Marktplatz ist noch echt mittelalterlich. Von der Höhe grüßt erhaben die Burg Landshut. Von hier gewannen wir eine weite Aussicht auf die herrliche Moselgegend. In unmittelbarer Nähe der Ruine konnten wir auf einer für unsere Zwecke trefflich geeigneten Wiese lagern. Einige Stunden verbrachten wir hier mit Schlafen. Spielen, Abkochen und Photographieren. Um 'i vor 3 wurde zum Aufbruch gepfiffen, und eine halbe Stunde später waren wir wieder auf dem idyllischen Marktplatz von Bernkastel. Nun nach Cröv. dem auserwählten Moselort. in dem der Junggruppe Trier von liebenswürdigen Glaubensgenossen Unterkunft für die Nacht zugesichert war. Aber bis zur Nacht konnte uns das Weiter noch manches Schnippchen spielen .... Bis zur Graacher Schäferei ging alles nach Wunsch. Doch bald, wir hatten kaum die letzte Häusergruppe verlassen, fing es an zu regnen. Wir ahnten nach den Wetlererfahrungen der letzten Wochen nichts Gutes. Unsere Befürchtung sollte sich auch bestätigen. Nach mehrstündigem Marsche waren wir an der Klosterruine Wolf angekommen, wir suchten in noch erträglichem Regen den Fußpfad, der steil, aber direkt hinunter nach Cröv führt: da fing ein furchtbarer Wolkcnbruch an. Weiteres Suchen schien aussichtslos; dazu sausten die Regengüsse in solcher Geschwindigkeit auf die arme Erde und auf die noch Der Typus Literat umfaßt ebensowenig alle Schriftsteller und Journalisten, wie er durch diese Berufsgruppen begrenzt ist. Sein Kriterium ist vielmehr die Tatsache, daß sein Lebenselement die Literatur ist, daß für ihn die Erscheinungen des außerliterarischcn Lebens nicht existieren, daß sich sein Leben im Betrachten, im Diskutieren und bestenfalls im Genießen der Literatur erschöpft. Für sein weibliches Gegenstück gibt es noch keine feststehende Bezeichnung, wiewohl der weibliche Typ sich an denselben Orten und fast ebenso oft wie der männliche der Beobachtung darbietet. Es ist schwer zu entscheiden, ob man mehr den Körpern jener Frauen die Beschäftigung mit der Literatur anmerkt oder mehr ihrem Geist den eigentlichen Beruf den sie verjehlt haben (oder auf ihre Art ausüben). Blaustrümpfe sind's nicht, und selbst Die tragen ja heute, erfreulicherweise, Seidenstrümpfe. Außer sich selbst malen sie vielfach auch Bilder, diese und jene schreiben entweder ..an einem großen Roman" oder gar hie und da wirklich im Druck erscheinende Stücke jener Gattung, die nun schon die klassische Bezeichnung „Schmonzcttc" trägt, und so führen sie zwischen Musen und Schmusen ein für sie selbst und manche andere hinreichend amüsantes Dasein. * Ein persönliches Erlebnis aus den Gefilden der Berliner Literatur: Der mir bekannte Theater- und Filmkritiker einer vielgelesencn Berliner Wochenzeitung bat mich, da er selbst überlastet war, die Kritik einer Theater-Premidre zu übernehmen. Ich beurteilte das Stück als gut gebauten, harmlos amüsanten Schwank. Bis zum Erscheinen der Wochenzeitung stellte es sich heraus, daß fast die gesamte „maßgebende" Tageskritik den Schwank zerriß. Daraufhin erschien in der Wochenzeitung eine Kritik jenes mir bekannten Journalisten, der das Stück nie gesehen hat, und diese Kritik war eine vernichtende Ablehnung. Meine Arbeit blieb ungedruckt. Wollte man also behaupten, daß das große Berliner Publikum kein Urteil habe, sondern es lediglich von der Kritik beziehe, 8

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