Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 10 (1.10.1927)
- Date
- 1927-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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ganzen Persönlichkeit der jüdischen Jugendbewegung zu dienen suchte. Zum ersten Male fanden sie sich bei aller Verschiedenheit in Weltanschauung und Struktur in gemeinsamer Hingabe (ür das Gelingen einer derartigen Veranstaltung. Es kann dem Berliner Landesausschuß, und insbesondere seinem Führer Martin Sobotker. nicht hoch genug angerechnet werden, als erste Organisation durch rastlosek unermüdliche Vorarbeit ein Treffen aller Bünde ermöglicht zu haben. Es war ein Tag der Jüdischen Jugend! Das ausgedehnte Jugendgelände sowie das günstige Wetter trugen das ihrige zum guten Verlauf des Tages bei. Einige Gruppen waren schon am Vorabend nach SchabbesschluB herausgefahren und hatten ein Zeltlager errichtet. Wenn man, über den kleinen See hinausschreitend, plötzlich dem von Büschen verdeckten Zeltlager sich näherte, und vom Anblick der im Rechteck angeordneten Zeltstadt betroffen stehen blieb, so ging einem, bevor man sich noch nähere Einzelheiten betrachtete, das biblische Wort"Von der Schönheit der Zelte Jakobs durch den Sinn. Und zugleich konnte man auch an jenes andere Wort denken: „Wie schön und lieblich ist es, wenn Brüder zusammenwohnen." War doch das Lager ein kleines Abbild der gesamten Treffahrt. Hier kam wohl allen Teilnehmern zum ersten Male die Tatsache einer gemeinsamen Veranstaltung sinnfällig zum Bewußtsein. In dem Zeltlager hatten die Bünde, die mehr oder weniger den Pfadfinder-! in ihrem Leben angenommen haben, ihre Zelte nebeneinander aufgeschlagen. Den Fachmann erfreute die exakte Ausführung und die Mannigfaltigkeit der angewandten Zeltsvsteme. Man sah Zwölferzelte in Burgform, Hauszelte, einfache Formen der Schlafzclte usw. Die Bünde des Zeltlagers die Deutsch-Jüdische Jugendgemeinschaft. Kadimah, Kameraden. Zophim — fanden sich noch zu später Stunde beim lodernden Feuer zusammen. Lieder klangen von hüben und drüben und bald von diesem, bald von jenem Bunde angestimmt — — „Hört Ihr Herren und laßt Euch sagen, unsere L'hr hat elf geschlagen . . Da war es Zeit, in die Zelte zu gehen, um am nächsten Tage frisch und ausgeschlafen zu sein. Am Morgen, als das Gros nachgesückt war, sammelten sich alle zur Eröffnungsfeier. Der Aufmarsch der Bünde mit ihren bunten Kitteln und Wimpeln zu einem großen Karree bot ein farbenprächtiges Bild. Der Vorsitzende, Martin Sobotker, begrüßte die Bünde und hob besonders die Verpflichtung hervor, sich zu s-o zialer Arbeit Zusammenzufinden. Diese soziale Arbeit sei jedoch der Jugend nicht nur Herzensbedürfnis, sie sei ihr mehr, sie sei ursprüngliches Element ihrer Lebensführung, sie sei gelragen von einem .verantwortungsbewußten K u 1 t u r w i 11 e n. Der „Polizeipräsident" gab die letzten Anweisungen für die Wettspiele, die nunmehr begannen. Unter Anspannung aller Energien, mit stärkster Zähigkeit kämpften die Mannschaften um ihre Ehre und die gestifteten Wanderpreise. Wer nicht an den Wettspielen beteiligt war, fand sich zu zwangloser Unterhaltung zusammen. Alte Beziehungen wurden aufgefrischt, neue angebahnt. Und gerade hierin liegt der Hauptwert des Treffens: frei von allen taktischen Gebundenheiten trat Jugend der Jugend gegenüber, ohne irgendwelche Preisgabe der eigenen Weltanschauung lernte man sich gegenseitig kennen und schätzen. Gerade unter diesem Gesichtspunkt wäre es zu begrüßen gewesen, wenn die „Väter" der Berliner Jüdischen Gemeinde, die sich la oft in Prestigezwistigkciten aufreiben, der Einladung des Landesausschusses in größerer Zahl Folge geleistet hätten, um zu sehen, wie sich die „Söhne"" ohne Verleugnung ihrer lüdischen Einstellung zu gemeinsamem Werke zusammenfanden. Die Wettspiele mußten aus Zeitmangel froher abgebrochen werden. Das nunmehr folgende W e t t l i n g e n beschloß das Treffen". Kunstchor, Landskncchtlieder, alte und neue Weisen ertönten, legten Zeugnis ab von dem musikalischen Können der Bünde. Ganz zum Schluß sang ein überbündischer Chor, der zu einem gemeinsamen Chor aller Bünde ausgebaut werden soll.1 10 Er war Symbol für den Charakter des Treffens. Wie jede Stimme ihre eigene Weise hatte, aber dennoch zusammenklang in einen mächtigen, vielstimmigen harmonischen Akkord, so war auch das Treffen ein gewaltiger gemeinsamer Hymnus vom pulsenden Leben der bewegten jüdischen Jugend Berlins. Folgende Bünde nahmen am Treffen teil: Agudoh-Jugend, Deutsch-Jüdische Jugend, Deutsch-Jüdische Jugendgemeinschaft, Esra-Jugend, Jüdischer Jugendbund Berlin. Jüdisch-Liberaler Jugendverein, Jung- Jüdischer Wanderbund, Hechaluz-Jugend, Kadimah, Kameraden, Misrachi und Zophim. * Bericht Ober die Treffahrt der Jugendvereine des Verbandes der judischen Jugendvereine der erenzmark Die Treffahrt am Sonntag, dem 14. August 1927, nach Schlochau erfreute sich einer regen Teilnahme. Es waren die Vertreter der Vereine Schneidemühl, Deutsch-Krone, Flatow. Jastrow, S.chlochau und Krojanke erschienen. Nach einem Spaziergang durch das" Schlochauer Wäldchen zu dem neuerrichteten Strandbade und "einem anschließenden Bad begrüßte der Vorsitzende des Schlochauer Vereins, Herr Werner, die Anwesenden. Nach dem Mittagessen fand eine Ausfahrt in den Schlochauer Stadtwald statt, an die sich eine gemeinsame Kaffeetafel anschloß. Bei dieser Gelegenheit hielt der Vorsitzende des Bezirksverbandes, Herr Rabbiner Dr. Rosenzweig, Schneidemühl, eine Rede, in der er u. a. ausführte, daß diese Treffahrten in besonderer Weise geeignet seien, das Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl unter der jüdischen Jugend zu stärken. Herr Dr. Rosenzweig machte dann Mitteilung davon, daß der Reichsverband beabsichtige, in der Zeit vom 18. bis 25. September in allen jüdischen Jugendvereinen Deutschlands eine Werbewoche zu veranstalten. Er wies darauf hin, in wie großzügiger Weise der Reichsverband zu diesen Veranstaltungen seine Unterstützung zugesagt hat. Der Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese Werbeveranstaltungen von Erfolg gekrönt sein mögen und daß durch die Werbewoche der Gedanke der jüdischen Jugendbewegung in Deutschland weitere Verbreitung finden möge. In einer internen Besprechung wurden dann Vereinsangelegenheiten besprochen und insbesondere das Programm zu den Werbeveranstaltungen festgelegt. Auch gelang es dem Vorsitzenden, die Vertreter der jüdischen Jugend Pr.-Friedland zur Gründung eines jüdischen Jugendvereins zu bewegen, der inzwischen in Anwesenheit des Bezirksverbandsvorsitzenden am 24. September endgültig gegründet worden ist. Zum Abschluß der Treffahrt fand abends noch ein gemütliches Beisammensein im Hotel Müller statt. Die Treffahrt kann als sehr gelungen bezeichnet werden. Besonders hervorzuheben ist die Gastfreundlichkeit, mit der der Schlochauer Verein die Verbandsmitglieder empfangen hat. * Gautag der jüdischen Jugendvereine Württembergs Eine stattliche Anzahl von Jungens und Mädels traf sich am Sonntag, dem 11. September, in Heilbronn, um hier den diesjährigen Gautag abzuhalten; namentlich sollten nunmehr die sportlichen Wettkämpfe ausgetragen werden, nachdem dies beim Eßlinger Treffen vom Juli wegen der schlechten Witterung unmöglich gewesen war. Auch diesmal schaute zwar der Himmel nicht allzu freundlich drein und spendete um die Mittagszeit reichlichen Regen, aber man hatte sich vorgesehen und gleich morgens eine geräumige Turnhalle mit zugehörigen Sitzplätzen bezogen, statt die auf der Höhe gelegene Waldheide zu nehmen, die eigentlich als Tagungsort gedacht war. Stuttgart. Eßlingen, Göppingen und Heilbronn selbst waren gut vertreten, auch Gäste aus Karlsruhe waren erschienen. Nach einigen Begrüßungsworten von Rabbiner Dr. Cohn waren die sportlichen Wettkämpfe rasch in vollem Gang, und es herrschte allenthalben ein munteres Treiben. Die Zeit verging im Nu — schließlich endete ein Handballwettspiel die sportlichen Veranstaltungen. Sodann kamen die — hübsch zusammengestellten — Preise zur Verteilung.