Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 10 (1.10.1927)
- Date
- 1927-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Der 15. Zionistenkongreß in Basel Von Dr. Georg Lubinski. Berlin. Der Zionistenkongreß. der in diesem Jahre vom 30. August bis zum 11. September versammelt war. ist als Jubiläumskongreß nach Basel einberufen worden. Genau 30 Jahre vorher haben sich in Basel zum ersten Male eine Anzahl von Jilden aus verschiedenen Ländern unter dem Gedanken des Zionismus zusammengefunden. Damals ist das noch, heute gültige Baseler Programm beschlossen worden, das die Absicht des Zionismus auf die umfassendste und allgemeinste Formel gebracht hat: ..Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina". Eine besondere Sitzung des Kongresses am 1. September die ite der Feier der Wiederkehr dieses Tages. » . i Wenn auch der Kongreß innerhalb, des Zionismus zu einer ständigen und regelmäßig wiederkehrenden Einrichtung geworden ist. so ergreift den Teilnehmer immer wieder die Tatsache, daß hier Juden aus allen Teilen der Welt, aus den verschiedensten sozialen und Kulturkreiscn zusammenkommen, um eine Semeinsame Aufgabe zu lösen. So ergibt sich schön äußerlich ein vielgestaltiges Bild, daseigentlich von Kongreß zu Kongreß bunter und bewegter wird: Juden aus Amerika, Wttl- und Osteuropa, Palästina, sephardische Juden und Jemeniten. Ebenso zahlreich sind die Sprachen, die an das Ohr des Hörers klingen: Hebräisch. Jiddisch. Deutsch, Englisch, Polnisch. Russisch usw. Dabei kann von Kongreß zu Kongreß eine zunehmendeHerrschaft des Hebräischen konstatiert werden. Nirgends stärker außerhalb Palästinas als auf dem Kongreß tritt an den Menschen die Forderung der Erlernung der hebräischen Sprache heran als der Erwerbung eines wichtigen Instrumentes zur Teilnahme an einem neu entstandenen jüdischen geistigen Leben. Der Kongreß hatte aber nur wenig Zeit, sich der Feier des Jubiläums der Organisation hinzugeben. Die Fragen, die vor ihm standen und von ihm gelöst werden sollten, erforderten den Einsatz aller Kräfte der Delegierten in so starkem Maße, die Wirklichkeit Palästinas stand so unerbittlich klar und Fordernd draußen vor diesem Kongreß, daß für rückschauendc Betrachtung und feierliches Sichversenken kaum Zeit übrig blieb; * Palästina^erwartete von diesem Kongreß, daß er die Mittel für die' Beseitigung der im Lande herrschenden Krise finden wurde. Worin besteht diese Krise? Es gibt seit dem Ende des Jahres 1925. also nunmehr seit fast zwei Jahren,, in Palästina eine Arbeitslosigkeit, von der zur Zeit nahezu 8000 Menschen betroffen sind. Diese Arbeitslosigkeit ist im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß in den Jahren 1924 1925 so viele Einwanderer in das Land gekommen sind, daß die vorhandenen Kapitalien ihnen nicht Arbeitsmöglichkeiten gewähren konnten. Ueberdies war ein Teil dieser Einwanderer, der hauptsächlich dem wirtschaftlichen und politischen Druck in den Ländern des Ostens entgehen wollte, weder physich noch psvehisch noch finanziell für ein Leben in Palästina vorbereitet. Das Problem, das hier zu lösen ist, ist also die Absorbtion dieser Menschen in das palästinensische Wirtschaftsleben. Diese Absorbtion ist aber nur dann möglich, wenn genügend Kapital im Lande ist. um Arbeitsgelegenheit zu verschaffen. Nun befindet sich die zionistische Bewegung in Palästina in dieser Hinsicht in einem verzauberten Kreise: in Zeiten der Krise ist die Neigung, privates Kapital nach Palästina zu bringen, geringer als in Zeiten der Hochkonjunktur, je größer die Arbeitslosigkeit, desto geringer die Aussicht. Kapital zur Behebung der Arbeitslosigkeit ins Land zu bekommen, und desto größer sind auch die Schwierigkeiten der Aufbringung des nationalen Kapitals durch den Keren Hajessod (Palästina- Grundfonds) und den Keren Kajemeth (Nationalfonds). Es ist eine zugleich beruhigende, aber auch tragische Tatsache, daß diese ernste Krise im Palästina-Aufbauwerk in dem Augenblick zu beheben ist, in dem es gelingt, 200 000 Pfund außer dem regulären Budget der zionistischen Organisation aufzubringen. Es wird einmal für die Geschichte des Zionismus von eigentümlichem Reize sein, daß in einem bestimmten historischen Augenblick der Fortgang dsr praktischen Palästina- ' arbeit von der Aufbringung einer Summe von 4 Millionen Mark entscheidend abhängig war. Das Budget, das von diesem Kongreß bestätigt worden ist und dessen Aufbringung als ziemlich sicher -erscheint, beträgt etwa 10 Millionen Mark jährlich. Nun ist es aber ein Beweis für die Lebendigkeit Palästinas, daß man innerhalb dieses Budgets Einschränkungen nicht in beliebigem Umfang vornehmen konnte: in Palästina bestehen heute eine Reihe von Einrichtungen, unter denen als wichtigste die palästinensische Landwirtschaft und das Schulwerk zu nennen sind, die, auf gesunder Grundlage errichtet, in dauerndem Wachsen begriffen sind, die elementaren Bedürfnisse der palästinensischen Bevölkerung erfüllen und denen nicht ohne Gefahr für ein Ertöten dieser organisichen Einrichtungen die Mittel entzogen werden können. So kam es auch, daß dieser Kongreß sehr stark mit Fragen palästinensischer Kleinarbeit befaßt werden mußte, daß manche in ihm das Fehlen großer und mitreißender Ideen vermißten. Weil auf dem Kongreß Lebensfragen verhandelt wurden, daraus erklärt es sich auf, daß die Kämpfe der Parteien auf dem Kongreß mit starker Intensität geführt wurden. Dies trat insbesondere auch bei der Frage der Jewish Agency zutage. Die Jewish Agency ist im Palästinamandat als die Trägerin des Kolonisationswerkes in Palästina vorgesehen. Schon "auf dem vorigen Kongreß sind Beschlüsse über die Erweiterung der Jewish Agency angenommen worden, die dahin zielten, auch Nichtzionisten. die sich aber positiv zum Aufbau Palästinas stellen, an der Gestaltung der Palästinaarbeit teilnehmen zu lassen. Auch auf diesem Kongreß wurde der Gedanke der Jewish Agency heftig umstritten: im wesentlichen standen sich zwei Prinzipien gegenüber, entweder ..Reinhaltung des Zionismus" oder „Verbreiterung der Trägerschaft des Aufbaues". Der Kongreß hat sich dahin entschieden, daß danach gestrebt werdeen muß. auch Nichtzionisten in die Jewish Agency aufzunehmen, um so den Palästinagedanken immer tiefer und fester im gesamten Judentum zu verwurzeln, aber auch um die Mittel für den Aufbau schneller und im reicheren Maße zu erhalten. Bot so der Kongreß in vieler Hinsicht Uebereinstimmungen mit staatlichen Parlamenten, so mußte doch auffallen, wie bedeutsam noch die Rolle einzelner Persönlichkeiten für die zionistische Bewegung ist. Trotz mancher sachlichen Gegnerschaft gegen den Präsidenten der Organisation, Dr. Weizmann, war bei den allermeisten Delegierten des Kongresses die Ueberzeugung vorhanden, daß wenigstens jetzt noch die Geschicke der zionistischen Organisation mit der Person. Weizmanns aufs engste verknüpft sind. Hier zeigte sich ein gewisser Unterschied zwischen der parlamentarischen Demokratie und einer Volksbewegung. Die Volksbewegung bringt immer aus sich den Führer hervor, der selbst in unserer heutigen Zeit nicht einfach durch ein Mißtrauensvolum von seinem Amte abberufen werden kann. So war dann auch das Verhältnis des Präsidenten zum Kongreß nicht wie das des Chefs der Regierung zum Parlament, sondern es war die Beziehung zwischen den für eine gemeinsame Sache kämpfenden Gliedern einer Bewegung. Delegiertentagung des Bezirksverband fs der indischen Jugmdvereine nordwestdeutschiands in Bielefeld am 10. September 1927 Von Alfred Bonnin. Bielefeld. L Vorträge unserer Freunde und Führer Dr. Klein und Fritz Schwarzschild — waren sie es, oder war die Ankündigung der Einladung zum „Fischessen und Gesellschaftsabend" der Grund für die sehr zahlreichen Anmeldungen für die diesjährige ordentliche Delegiertentagung, die zum 10. September nach Bielefeld einberufen war? Ueberlassen wir die Beantwortung der Frage — den anderen! Vielleicht auch war es Neugierde: Wie wird Bielefeld (ausgerechnet Bielefeld!) solch eine Angelegenheit aufziehen? Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Durchführung des Programms durch den Bielefelder Verein war gut, sehr gut sogar (Ueber den Schweiß, den das gekostet hat, vermögen nur die „Eingeweihten" Näheres zu berichten.)