Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 10 (1.10.1927)
- Date
- 1927-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Vorstehender Anregung Folge leistend, veröffentlichen wir nachstehend die Anschriften der Jüdischen Jugendvereine in Universitätsstädten: Berlin: Else Guter, Berlin NO 43, Neue Königstr. 67 (JJV. Berlin), Paul Lehmann. Berlin, Greifswalder Straße 191 (.UV. Berlin-Norden), Erich Sonntag, Berlin SW 11, Schöneberger Straße 25 (Bip Berlin). Bonn: Rabbiner Dr. Levy, Bonn, Kapuzinerstraße lt. Frankfurt am Main: Erich Herzfeld, Frankfurt a. M., .luliusstraße 8, Freiburg: Bruno Danziger, Freiburg i. Br.. Gartenstraße 17. Göttingen: Meinhard. Ilammerschlag, Göttingen, Obere Maschstraße 10. Halle a. d. Saale: cand. jur. Richard Cohn. Halle, Magdeburger Straße 53. Heidelberg: Ilse Guhratier, Heidelberg, Karl-Ludwig-Straße 4. Köln: — \ Alice Spandow, Köln, Engclbcrtstraßc 12. Leipzig: Arlur Khrlich, Leipzig. Karistraßc 16. München: Alice Kovacz, München, Land wclirslraOe 73. Streifzüge durch die Gegenwart Von Hans Capell, Düren. Wankelmütig ist das Urteil der Völker. Als Chamber- 1 i n mit seinem Begleiter L e v i n e den Ozean überflogen hatte, da wurde Levine für Europa der erklärte Vertreter amerikanisch-kapitalistischen Unternehmergeistes, der zwar zufällig in Wilna geboren war. Doch als er sich mit seinen verschiedenen Piloten überwarf, da fand man, daß er einer von jenen oft nicht beliebten Juden sei. Das alles scheint aber nicht wahr zu sein. Levine. obwohl er nie vorher ein Flugzeug gesteuert hatte, flog eines schönen Tages von Paris nach London. Dieses Heldenstück erregte mit Recht überall Bewunderung. Nun kommt des Rätsels Losging. „Eine solche Heldentat ist aus echt italienischem Geiste geboren", erklärt der faschistische Impero. Levine. der Italiener . . ., der un jüdischen Ghetto von Wilna geboren wurde. * Ford, der amerikanische Autoindustrielle, hat den Antisemitismus abgeschworen. In einem Brief an den verdienstvollen Leiter des American Jewish Commiltee, Louis Marshai. weist er eine antisemitische Gesinnung weit von sich und bestreitet, etwas von den antisemitischen Angriffen und An pöbeleien seines Hausblattes, dem Deaborn Independent, gewußt zu haben. Ein Witzblatt behauptet, daß Ford die Juden jetzt durch den Verkauf seiner Autos bekämpfe . . . Ein Orakeln über seine Motive zu dieser öffentlichen Abbitte ist wohl unnütz. Auf jeden Fall: Im Himmel herrscht mehr Freude über einen Sünder, der Reue tut, denn über zehn Gerechte. Der Monat August ist der Monat der Tagungen und Kongresse. Die Schweiz hat Hochbetrieb. Genf, Basel und Zürich sind Tagungsorte. Der europäische Nationalitätenkongreß in Genf sah in seiner Mitte die organisierten Vertreter der jüdischen Minderheiten aus Osteuropa. Tschechoslowakei. Oesterreich und Bulgarien. Nächst der deutschen Delegation war die jüdische Vertretung die zweitstärkste. Die Friedensverträge haben die sogenannte Minderheitenfrage nicht zu lösen vermocht, sie vielmehr noch verwirrt. Anerkannt muß werden, daß der Minoritätenschutz nicht mehr nur eine Frage des guten Willens der Staatsnatipn ist, sondern Bestandteil internationaler Verträge mit der Möglichkeit der Beschwerdeführung beim Völkerbund. Diese ist aber außerordentlich problematisch. Ausgehend von der selbstverständlichen Loyalität gegenüber dem Staat ha )en die jüdischen Minderheiten die ihnen verbrieften Rechte vahrgenommen und arbeiten gemeinsam mit den übrigen Minderheiten an der Befriedung Europas. Aus der Nichtachtung der jüdischen Rechte heraus ist die jüdische Rechtsschutzkonf ire-nz entstanden, die in Zürich tagte. Die Kapitolswächler des Patriotismus hatten zwar die Beteiligung an einem alljüd sehen Kongreß abgelehnt. Das Ergebnis der Tagung, die stark besucht war, ist die Bildung einer Exekutive, die über die jüdischen Rechte in den einzelnen Ländern wachen soll und die geeigneten Schritte zu unternehmen hat. Präsident dieser Exekutive ist Nahum S o k o 1 o w. Ebenfalls Mitglied der Exekutive ist der bekannte Historiker D u b n o w. Erwähnung verdient, daß die Initiative zu dieser Tagung u. a. von dem amerikanisch-jüdischen Kongreß, der Plattform des gesamten amerikanischen Judentums, ausgegangen ist. Der Minoritätenschutz ist ein europäisches Problem. Die amerikanischen Juden, die das Problem nicht kennen, haben damit bewiesen, da?B in ihnen der K'lal-Jisro-'l- Gedanke noch lebt und sie zu verantwortlichem Handeln gegenüber den europäischen Juden treibt. In Basel ist ani 3'.). August der 15. Zionistenkongreß zusammengetreten. Dort wurde vor genau dreißig Jahren von Dr. Theodor Herzl und seinen Getreuen die zionistische Weltorganisation begründet. Hier war es. wo die Bevölkerung spontan in den Ruf „Hoch die Juden" ausbrach. Die dreißig Jahre sind nicht spurlos an der Judenheit vorbei gegangen. Das zionistische Axiom des politischen Charakters der Judehfrage ist heute Gemeingut aller Richtungen geworden. Der' P a 1 ä s t i n a aufbau stellt die Bewegung vor große Schwierigkeiten. Die etwa 300 Delegierten „von den vier Enden der Welt" haben den Willen, den Kongreß nicht eher zu beenden, als bis eine Lösung gefunden ist. -Die sehnsuchtsvolle Er-' Wartung lausender Juden hängt an dieser Tagung. * Der Katholikentag in Dortmund war eine lebendige und wirkungsvolle Demonstration für den Katholizismus und die katholische Kirche. Seine Beschlüsse zur Schulfrage, die im Augenblick die Gemüter bewegt, sind gerade für uns Juden außerordentlich wichtig. Schlagwortmäßig heißt das: Die katholische Schule für das katholische Kind. Der Kampf um die konfessionelle Schule im Anschluß an den Reichsschulgesetzenlwurf K e u d e I 1 ist auch eine jüdische Angelegenheit. Die indische Gesamtpersönlichkeit kann nur in der jüdischen Schule herangebildet werden. Denn auch die Gemeinschaftsschule ist christlich. Sic ist es nicht nur tatsächlich, sondern auch expressis verbis. Prof. H e 1 I p a c h_^ der ehemalige badische Staatspräsident, führt den Kampf gegen den Gesetzentwurf für die christliche Gemeinschaftsschule als der Regelschule Daraus ergeben sich für uns alle weiteren Konsequenzen. Der Bundestag des K a d i m a h . Ring jüdischer Wander¬ und Pfadfinderbünde, fand Ende Juli. Anfang August, statt. Der Bund, der aus dem alten Blau-weiß, dem Bund jüdischer Pfadfinder und dem Ring jüdischer Wanderbünde hervorgegangen ist. erklärt in einer grundlegenden Resolution, er lehne es ab, „die Nachwuchsorganisation irgendeiner politischen Organisation zu sein". Seine Aufgabe sieht er darin, „die jüdische Jugend zur verantwortlichen Mitarbeit an den gemeinsamen Aufgaben der Weltjudcnheit zu erziehen". Er betont die besondere Bedeutung des Palästinaaufbaus. „Intensives llebräischlernen, Eindringen in die kulturellen und religiösen Probleme . . . jüdische Geschichte sowie das Wissen um die Gegenwartsfragen des jüdischen Volkes sind die unerläßlichen Voraussetzungen, um die Angehörigen des Bundes dazu zu befähigen, sich selbst innerhalb der jüdischen Probleme zu orientieren." Die positive Richtung seines Programms ist nur zu begrüßen. -