Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 9 (1.9.1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
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zukommen die nach innen gewendete Energie, die Kultur der wahren Persönlichkeit. Das Wahre ist schon längst gefunden, Hat edle Geisterschaft verbunden. Das alte Wahre, fass' es an! Gedanken zur Altersgliederung der Verbands-Mitglieder Von Rechtsanwalt Dr. S. O r z e g o w , Düsseldorf. In Nr. 12 des 3. Jahrganges des „Jugendbund" führte Mine Meyer, Düsseldorf, als Eindruck von einer Vortragsreise an, daß in den von ihr besuchten Vereinen die ältere Generation überwiege, wenn auch nicht zahlenmäßig, so doch durch ihren Einfluß in den Aussprachen. Mit Recht betrachtet sie es als Mißstand, wenn in manchen .lugendvereinen — es dürfte sich vornehmlich um solche ig kleineren Orten handeln 1 . die eigentliche Jugend zahlenmäßig schwach vertreten ist oder sich an den Vereinsarbeiten ungenügend beteiligt. Meiner Auffassung nach aber macht sich leider bei manchen Jugendvereinen neuerdings in bezug auf die Altersgliederung em Mangel in entgegengesetzter Richtung bemerkbar. In diesen Vereinen sind zwar junge Leute im Alter bis zu 20 Jahren gut vertreten, also solche, die die Schulzeit noch nicht lange beendet haben und sich in der Vorbereitung zu einem Berufe oder im Anfang einer Berufsausübung befinden. Dagegen gehören ihnen nicht genügend junge Leute im Alter von 20 bis etwa 3) Jahren an, also solche, die bereits eine bessere Anstellung gefunden oder gar eine wirtschaftliche Selbständigkeit erlangt haben Dieser Mißstand tritt nach meinen Eindrücken leider sogar in wachsendem Maße hervor. Es liegt auf der Hand, daß hierdurch die Leistungen und Erfolge der Verein« erheblich leiden. Denn ihre wertvolle Arbeit kann keine oder nicht genügende Früchte tragen, wenn zahlreiche junge Leute, nachdem sie der ersten Jugend entwachsen sind, sich von den Jugendvereinen wieder abwenden, wenn sie insbesondere, wie oft zu beobachten ist, bei einem Wegzuge in eine andere Stadt dem dortigen Jugendverein nicht wieder beitreten. Für die jüdische Gemeinschaft liegt hierin eine große Gefahr, weil gerade die jungen Leute in diesem Alter aus verschiedenen Gründen, u. a. wegen ihrer besseren wirtschaftlichen Lage, den Versuchungen der Großstadt besonders ausgesetzt sind und dem Judentum leicht entfremdet werden. Es braucht nur auf die gerade in diesen Lebensjahren besonders große Gefahr der Mischehe hingewiesen zu werden. Die Jugendvereine werden meines Erachtens bestrebt sein müssen, diesem Mißstande tatkräftig entgegenzutreten. Es hat den Anschein, als wenn neben anderen Ursachen, wie übertriebene Pflege des Sports, auch die jetzt in den meisten Jugendvercinen bestehende Arbeitsmethode diesen Uebelstand verstärkt hat. Die Vereinsarbeit vollzieht sich, wenigstens in den meisten größeren Städten, vornehmlich in engen Zirkeln in der Form des Heimabends oder der noch fester zusammengeschlossenen Arbeitsgemeinschaft. An sich ist dieses Verfahren durchaus wertvoll, ja, in gewissem Umfange kaum entbehrlich. Es muß hierbei aber die naheliegende Gefahr vermieden werden, daß die Organisation dieser Zirkel eine allzu feste, und straffe Form und der Betrieb einen allzu lehrhaften, schulmäßigen Charakter annimmt, da etwas ältere junge Leute sich mit dieser Methode — ob mit Recht oder Unrecht, kann dahingestellt bleiben —, schwerlich befreunden werden. Weiterhin erscheint es mir geboten, neben «■ diesen Zirkeln auch öffentliche Vorträge, und zwar aus verschiedenartigen Gebieten, in größerem Umfange als es jetzt vielerorts geschieht, abzuhalten. Zahlreiche junge Leute wünschen zwar, in den Jugendvereinenj geistige Anregung zu erhalten, wollen jedoch nicht ernste, geistige Arbeit leisten. Ob dies auf einer tatsächlichen Unfähigkeit, nach schwerer, aufreibender Berufsarbeit sich noch gründlich mit anderen Fragen zu beschäftigen, beruht oder nur auf einer gewissen Willensschwäche, ist hierbei ebenfalls unerheblich. Denn der Jugendverein muß meines Erachtens leider mit der vorhandenen Einstellung dieser Kreise rechnen, wenn er sie erhalten oder gewinnen soll. Auch die reichliche Pflege einer edlen Geselligkeit halte ich für unbedingt erforderlich. Denn sie ist besonders geeignet, die Mitglieder menschlich näherzubringen und damit die großen sozialen Aufgaben der Jugendvereine zu erfüllen. In früheren Jahren ist in bezug auf die Gpselligkeit" vielleicht etwas zu viel geboten worden, in der heutigen Zeit geschieht jedoch meiner Ansicht nach hierin vielfach: nicht genug. Neben dieser Ausgestaltung der Vereinstätigkeit werden organisatorische Maßregeln zu treffen oder auszubauen sein, durch welche die jüdischen Jugendvereincin .die Lage versetzt werden, alle jungen Leute ihrer Gemeinde kennen zu lernen und zürn Beitritt veranlassen zu können. Insbesondere werden die Jugendvereinc beim Wegzuge eines Mitgliedes dafür sorgen müssen, daß der Verein seines neuen Aufenthaltsortes baldigst von dem Zuzug Mitteilung erhält. Auch werden sie, etwa durch Fühlungnahme mit der Gemeindeverwaltung, jüdischen Pensionen usw.," versuchen müssen, von dem Zugang junger Leute frühzeitig Kenntnis zu erlangen. * . Die geschilderten Maßnaimcn stellen an die Leitung der Jugendvereinc nicht unerhebliche Anforderungen. Ich zweifle aber nicht, daß die Vorstände tatkräftig diese Aufgabe in die Hand nehmen werden. Gilt es doch, das hohe Ziel zu erreichen, daß die Jugendvereinc auch wirklich alle Kreise erfassen, die noch jung sind oder sich noch jung fühlen. Jüdischer Kunstkalender „Eine bedeutsame nun g". Unter diesem Titel bandsorgans £om 7. Juli d iterarrsche Neuerscheierschien in Nr. 12 unseres Ver- . ein Aufruf, mit dem wir in Gemeinschaft mit den jüdische l Lchrerverbänden Deutschlands, Oesterreichs und der Schwe z auf die bevorstehende Erstausgabe des „Jüdischen Kunstkalenders", an Hand von Druckproben, die uns zur Verfügung standen, aufmerksam gemacht haben. Nun, da der Kalender vollendet vor uns liegt, können ,wir sagen, daß hieT"e in großer Wurf gelungen ist. Die Idee, ..durch erlesene Bilder die Kunde vom jüdischen Leben — sei lern Glauben, seinem Geist und seiner Auswirkung in der Vei gangenheit und Gegenwart — zu verbreiten, das Wissen von den jüdischen Dingen zu läutern", ist so glücklich und naheliegend, daß man sich fragen muß, warum man nicht schon früh :r auf diese Idee gekommen ist. In dieser Erstausgabe für das Jahr 5biS begegnen uns vor allem Kunstwerke Rembrand s und des italienischen Malers Botticclli, außerdem Wiener Gobelins. Dazwischen sind an geeigneter Stelle — gleichsan zur geistigen Ausspannung — Bilder aus Erez Jisracl eingestreut, die uns das in unseren Tagen an Bedeutung immer mehr gewinnende Land unserer Väter veranschaulichen sollen. Die hervorragend schöne Reproduktion der (bei F. Brickmann A -G, in München hergestellten) Bilder und die dazu geschriebenen Erläuterungen (jeweils auf der Rückseite der einzelnen Bildblätter) verdienen ebenso Anerkennung wie die Geschicklichkeit, mit der die einzelnen Bilder als anschaul che Darstellungen für die, einzelnen Sabbate und Feste ujd deren Thoraabschnitle .ausgewählt worden sind. Diese R sproduktionen von Kunstwerken werden für die reifere Jugend mit großem Erfolg Verwendung finden können, da die durch Wissensstoff vertiefen, und ästhetisch-künstlcriscji wirken die Anschauung des Bildes den festigen, zugleich aber auch und schlummernde, auf die künstlerische Betätigung hinzielende Kräfte wecken und fördern. Von diesem Kalender vers| frechen wir uns auch eine von selbst sich einstellende rclig Familienleben: die Diskussion sie vielleicht allzu lange schon und angeregt. Und mancher v hatte, wird beim Anblick der wieder zurückfinden, von der öse Erneuerung im jüdischen über religiöse Fragen wird, wo verstummt war, wieder belebt ellcicht, der in Gleichgültigkeit oder Unkenntnis sich von unse-er erhabenen Lehre abgewandt Bilder den Weg zur Bibel Erkenntnis durchdrungen, daß sie die nie verlöschende Flamrhe ist, an der sich die Großen 19