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Der Jugendbund · 1927-09-01 · 9 (1.9.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
9 (1.9.1927)
Date
1927-09-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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hause wurden Höhepunkte potenziertesten jüdischen E r - lebens. . Was Goethe von der Geschichte gesagt, ist auf die Religion" anzuwenden, ,,das Beste, was wir von ihr haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt". Wie weit, ach wie weit sind wir von diesem Enthusiasmus entfernt! Ob durch unsere Schuld??... ".:» In unserem Innern* sind Stimmen, die wir nicht vernehmen, nicht vernehmen wollen. Im leichten Sinne des Tages sind sie ungehi>rl, ohne Echo. Vieles nivelliert das geschäftliche Treiben und Arbeiten, aber nicht alles. Wir sind beschlagen (oder glauhen es zu -sein) auf vielen "Gebieten, aber „die Geographie des Herzens, die Dynamik der Seele" (Forster) verstehen wir nicht. Radio und Funkspruch kennen wir und machen sie ans zu eigen, aber die \ erbindungsrollen zwischen Seele und Wollen, zwischen Seelischem und Körperlichem kennen wir sehr oft nicht. . Wir ruhen ungar oft nur an unseren Festen aus, wir besuchen die Gotteshäuser, wir hören uns die Reden und sehen uns die Gebe'.e an. Aber beten wir wirklich mit Inbrunst? Wirken die Reden* auf unser Innerstes ein. neue Werte schaffend? Werden aus den ..Ruhetagen" Tage der Hohe, Gipfel religiösen Erlebens? Stehen, die Feste im Gegensatz zu uns? Sind Feste und wir identisch oder nicht? Sind wir mit ihnen innigst verwachsen? Sie können Höhepunkte für uns sein, wenn wir uns mit ganzer Seele in die Gebete, in die Gedankenkomplexe der Feiertage versenken. ..Hithlahawuth" — „sich selbst entflammen" — nennen es die Chasidim. Dazu aber gehört Innendienst an sich selbst, Verinnerlichung des Menschen. Worte?! Nein, meine Freunde, allein Vorbedingungen vorher! Wie- \ iele Hüllen und Schalen, wieviele fremde, unserer jüdischen Weltanschauung abträgliche und schädliche Gedanken, wiegele Ueberhebungen, wieviel Stolz, wieviele Leidenschaften haben sich im Laufe eines Jahres um das Herz des Menschen gelegt! Wieviel Hochmut allein, weil du in deinem Besitz etwas mehr hast als dein Nachbar, als dein Bruder. Wieviel Kastengeist in unseren Vereinen und Gemeinden! Weg mit allen diesen falschen Hüllen! Blicke am Rausch haschonoh auf den schlichten Abraham mit seinem bescheidenen Wesen, blicke auf die einfache. Hanna mit ihrem zu Herzen gehenden Gebete, wenn du Vorbilder zur Anschauung nötig hast! Sieb am Jaum kippur auf den gottbegeislerten Jesajah mit seiner Prophetie über die rechte Art des Fastens und des Wohltuns! ,.Es gibt einen fundamentalen Akt der menschlichen Tatkraft, eine ernste Bedingung alles wirklich aktiven Verhaltens im Leben: die grundsätzliche Entscheidung für den Weg des Charakters und des Gewissen s". Das ist die moderne Uebertragung dessen, was unsere Alten mit der Rückkehr zu Gott meinten und darunter begriffen. S o aufgefaßt sind die Feiertage Höhepunkte religiösen Erlebens, die Gebete aber die Bergsteiger, mit denen wir emporklimmen sollen. Zu der nach außen gewendeten Willenskraft, die viele für jeden anderen Zweig des LeJbens haben, muß hin- Masse und Auslese Eine Dichtung tur den Sprechchor Von Dr. D a v in, Schönberger. Aachen. (Nachr. verb.) Uraufführung durch den Sprechchor des JJV. Düsseldorf anläßlich der Werbefeier am Ii. September 1927. Chor: Wir sind viele Stimmen! HOERT UNS! DENN WIR GLIMMEN doch nur EINER FLAMME helle, lichte Glut! sind von einem Stamme. SEELE! - Eise* Willens Blut! Einzelner: Eins in sich ist keiner, . aber ganz nur einer, ' der getrennt vom Viel ■ * hebt sich über Masse, kennt allein _j c i n Ziel, daß er es erlasse. — Chor (zarte Stimmen): Armer, der du einsam, weißt mchtfc wie gemeinsam lächelt uns da- Alk Chor (dumpfe Stimmen): Was du tust, beginnen, liegt es schon zu Fall, ist's dir schon ^e^^>nncn! Alle N Wir sind nicht nur Massen! Was wir tun ur.d lassen — — Schwingen. Recken. Schwaben - Seele drängt zu Seelen, zueinander strebe- Herzen! Halten - ind len. Der Einzelne: Wird's euch denn Ist s denn nicht n Bald seid ihr geteii Viele Stimmen gelle schrill. — Wünsche JingeB? Zwingen? ngcheilt Chor (durcheinander): EINS in sich ist keiner — AUSSER EINER! — EINER uns'rer Vielheit Zielen! Alle: Mögen w i r zerschellen, baut doch unser Fühlen Schwellen, rieselt Menschheitsquellcn! Zarte Stimmen: DU, der du so einsam, reih' dich ein. Gemeinsam wirkt dein Sein erst Kraft! Alle: Melodie zu werden, die den GOTT errafft, einig EINZIGEN — der Erden! Der Einzelne: Noch seid ihr zersplitten! Chor: Weil du unser jBitten — taub noch nicht vernommen. schreien! — Sinnlose- Zerschellen! Ich bin auserlesen, kann zu euch nicht kommen: Stimmen (dumpf): Einsam? Bist du's nie gewesen! — Alle : Juden, auserkoren. fühlen sich geboren doch zum Menschheitswege. Auserwählt heißt: Wallen GOTTES STEGE, FUEHREN HIN ZU ALLEN!! Vereint: Wir sind viele Stimmen! / HOERT UNS! Denn wir glimmen doch nur einer Flamme helle, lichte Glut! Sind von einem Stamme Seele! - EINES WILLENS BLUTII — 18

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