Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 9 (1.9.1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Einfügung In den Jugendbund einer fremden Stadt Von Hans Francken, Aachen-Heidelberg. Wenn ein junger Mensch sich dem Jüdischen Jugendbunde seiner Heimatstadt einfügt, so bestimmen mehrere Gesichtspunkte seinen Eintrift, Er hat die Wege und Ziele der Gemeinschaft, der er sich anschließen will, als für ihn richtig erkannt. Dies ist Vorbedingung. Erleichtert wird ihm die Eingliederung durch persönliche Beziehungen zu den Einzelnen des Bundes, durch vorher schon bestehende Freundschaften, durch gemeinsamen Gescllschaftsverkehr und (in kleineren Städten wenigstens) durch das gegenseitige Sichkennen von Kindheit an. Sehen wir doch oft, daß Menschen sich unseren Zusammenschlüssen einfügen aus Freundschaft zu dem einen oder anderen Mitglied, oder da(i sie ihnen fernbleiben, weil sie niemanden kennen und die vrrmeintlichen Schwierigkeiten des Anschlusses fürchten. Wir sehen also, dal} bei dem Neucintritt des jungen Menschen in seine Heimatgemeinschaft neben der gemeingültigen Verbandsidee auch personliche Beziehungen mitsprechen. Daß aber die Vcrbar.dsideologie (über die in dieser Rümmer wohl genug gesagt ist, so daß es einer Erläuterung, die im Rahmen meiner kurzen Ausführungen doch nur schlagwortartig unbefriedigend bleiben würde, nicht bedarf) imstande ist, Menschen, die keinerlei sonstige persönliche Beziehungen haben, zur Gemeinschaft zu verbinden, habe ich jetzt, durch die Tatsache meiner raschen Einordnung in den Verhandszusammcnschluß meiner Universitätsstadt, erfahren; wir fanden uns in ihr schnell zusammen. Verbandsfreunde aus allen Ecken des Reiches, ungleichen . ..Alters, verschiedenartiger Studien und Privatinteressen. Dresden, Karlsruhe, Hannover, Wiesbaden, Aachen und Stuttgart — die Städtenamen mögen allein die staatliche Verschiedenheit zeigen. Bei unserem sonstigen Verschiedensein hatten wir ein Gemeinsames: die von uns allen in unseren Heimatstädten geleistete Verbandsarbeit, das Ueberzeugtsein also van d«r Richtigkeit unserer Verbandsideologie. Diese eine gemeinsame Interessenrichtung war stark genug, uns zusammenzuführen und zusammenzuhalten. Jeder hatte das Recht und die Pflicht, sich in dem neuen Bunde auszuwirken, ihm seine Erfahrungen und seinen Arbeitswillen entgegenzubringen. Und hatte uns das Wissen um die gleiche Richtung der Interessen im anderen zusammengeführt, so ließ uns die gemeinsame Arbeit, das Wicderbeschreilen der Wege zu den Zielen, die wir alle für richtig erkannt hatten, zur Gemeinschaft werden. So vermag die Verbandsidec, unvermischt durch persönliche Beziehungen, den, der in unserem Bunde wurzelt, der den Zwang in sich fühlt, die einmal beschrittenen Wege überall wieder zu gehen, an jedem Orte an einen anderen Zusammenschluß im Sinne unseres Verbandes zu fesseln. Aber auch nur der ist zu einer solchen Neueingliederung fähig, der sich, zwar Mitglied seines Heimatbundes, in letzter Hinsicht aber als Glied der großen Verbandsgemeinschaft fühlt, deren Stärke ich auf der Düsseldorfer Tagung ahnte und die mir. durch die Tatsache meiner und meiner Verbandsfreunde raschen Einordnung in die neue Gemeinschaft, bewußt ward. Die Hufgaben der jüdischen lugend Die nachfolgenden Beiträge sind das Ergebnis einer Rundfrage der Schriftlcitung. Feindschaft ermüdet, Haß entnervt, 'Bezweiflung schafft Zweifel — kein Wunder, wenn einzelne oft ihrer abgesonderten Volksgestalt müde sind und immer wieder eine jüdische Jugend, von der ersten deutschen Schulklasse an mit dem Fragwürdigen ihrer gesellschafflichen Position vertraut, nach einer Formel sucht, die ihr seelische Sicherheit verbürgte. Aber diese Unsicherheit kann niemand ihr abnehmen, bedauern wir das nicht: denn einzig ihr zu dank, einzig, weil wir ein fragendes Volk sind und kein befriedetes, noch immer um die Deutung des unsichtbaren Gottes bemüht, hat unser Schicksal zwei Jahrtausende großartig durchmessen. Was uns bedrückt, die geistige Unruhe, die ewig erneute Frage nach Unrecht und Recht, der metaphysische Trieb nach dem Sinn des Unsichtbaren und seinen Gesetzen, was anders als dies hat uns rein und geisteskräftig, das einzig ungelöste und unlösbare Element im Schmelztiegel der Zeiten, von aller Vergängnis gesondert? So müssen wir unsere Unruhe als unser Schicksal, unsere Frage als unsere Aufgabe lieben. Je leidenschaftlicher wir sie,uns stellen,-je ungeduldiger wir jede Antwort als unzulänglich zurückweisen, um so nähe'r sind wir unserm innersten Sinn, den wir als einen und den gleichen fühlen im Schriftwerk zweitausendjähriger Ahnen und im eigenen noch immer nomadischen Blut. StcfanZweig, Salzburg. . * * * Aufgabe und Pflicht der Jugend unserer Tage, ob sie nun jüdisch oder christlich, proletarisch oder bürgerlich sei, ist: sich den Mächten, die den nächsten Krieg wollen und vorbereiten, entgegenzuwerfen — langen: aus unserer Kultur jene Elemente zu schützen und zu bewahren, die zum Aufbau sein werden. und, sollte hierzu ihre Kraft nicht der Zeit nach jenem Kriege nötig Artur Holitscher, Berlin * * Seit Jahrtausenden drärgt der Haß die Juden in eine Sonderstellung. Sic zu betonen, wäre herausfordernd; sie zu bemänteln, feige. Weder h< rausfardernd, noch feige zu sein, vom Schicksal gestellte Aufgabe, deren Lösung auf immer neue Weise versucht werden muß. Möge es der heutigen jüdis :hen Jugend beschieden sein, die ifiite Weise zu finden! Als bewußte Trägei Israeliten — durch alle Irene Tricsch, Berlin. » acsmessias - Gedankens — Phasen des Tages zu gehen und durch Selbstzucht und reim Lebensführung die Mission des israelitischen Volkes zu erfüllen — nämlich: aus dem jüdischen Volk das M e s s i a s - V o 1 k zu werden. Einig zu sein in einig in diesem großen Ziel — daß ein Israeliten!— Düsseldorf. dieser Selbstzucht Wort sich bilde: Einig w i < H a e 1 i t e n drmann Greid, Der Ordenspräsidi nt des UOBB., A Ii r. M. Cohen, schreibt uns von siiner Reise durch cen deutschen Logen-Distrikt einer Brief, aus dem wir in deutscher Uebersetzung folgenden Auszug bringen. Die Schriileitung. .......Ich danke Euch iür Eure Grüße und bitte Euch. versichert zu sein, daß meinem Herzen nichts näher tiegt jAs das Festhalten der heranwachsenden Generation am Judentum. Darum wünsche ich Eurem Verband Glück in seiner Aufklärung in dieser sehr nützlichen und hohen Neutralität und hoffe, daß Eure Anstrengung« n mit den^-gewünschten Erfolgen belohnt werden . . ." * » * Die Autgaben der lud. Jugend im Deutschland unserer Tage Vom Rcichstagsabgcordncten Eduard Bernstein. Auf unsere Anfragen haben sich dem Judentum noch verbundene Politiker leider nicht erklärt. Wir bringen deshalb mit besonderer Freude diesen Aufsatz aus der Feder des bekannten sozialistischen Politikers jüdischer Abstammung. Hat die jüdische Jugend heute Aufgaben über die Aufgaben hinaus, die der Jugend Deutschlands im allgemeinen obliegen? So fasse ich die Frage auf, die mir durch das Ersuchen der Leitung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands gestellt ist. ihr einen Beitrag für die Werbenummer ihres Organs zu liefern. Ich muß gestehen, daß mir die Antwort auf diese Frage nicht leicht wird. Geht sie auf die Durchdringung des Geistes mit den Grundgedanken der jüdischen Religion und Ethik aus. so müßte ich sogar ihre Beantwortung^ ablehnen. 13