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Der Jugendbund · 1927-09-01 · 9 (1.9.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
9 (1.9.1927)
Date
1927-09-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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und auf seine gemeinschaftsbildende Kraft. Der Sportler lernt mit Zähigkeit sein Ziel verfolgen. Hindernisse schrecken ihn nicht. Neidlos erkennt er die besseren Leistungen seines Gegners an. seine Niederlage ist ihm nur Ansporn, den Sieger nachzueifern, so eine wahrhaft vornehme, ritterliche Gesinnung erzeugend. ■ Zucht und Ordnung, sind die beiden Haupterziehungsfaktoren im Sportlebcn. Jeder hat sich den selbstgegebenen Gesetzen und Kampfrcgcln unnachsichtlich zu fügen. Dieser Geist der Ordnung und (ich wage dies heute so verpönte Wort niederzuschreiben) Unterordnung ist ein Gewinn für jedes soziale Gebilde. Sich einfügen in die Gesamtheit muß der junge Mensch lernen. Nur in der Gemeinschaft gilt er etwas, nur im Zusammenwirken selbstlosester Art kann der Erfolg erzielt werden. Er wird auch im Kampf des Lebens wissen, daß er allein nicht zu existieren vermag, daß er dienendes Glied einer großen Gemeinschaft ist Mit dem Betreiben von Spiel und Sport wird aber auch das Lustgefühl bei uns ausgelöst und gibt uns die naive Lebensfreude wieder, die uns im Zeitalter' der Mechanisierung saj völlig verloren gegangen ist. Daher treibt Sportl * * ' Die Fahrt Von Manfred A 1 t m a n n . Trier. Das Wandern ist zur Ausdrucksform aller Jugendbewegungen gewerden. Auch die jüdische Jugend ist bei der rein geistigen^ Arbeit nicht stehen geblieben, sondern hat dem Wandern eine wichtige Stellung in den Formen ihrer Arbeit gegeben. Aus welchen Motiven? , Die Ursache de- Wanderdranges ist in der Hauptsache wohl darin zu suchen, daß die Jugend aus der hohlen, übertünchten Zivilisation heraus sich nach wahrem, echtem, unverfälschtem Leben, "nach natürlichem Sich-OVhcn sehnt. Nirgends aber läßt sich diese Sehnsucht tiefer befrieden und ihr Ziel eher verwirklichen als in der Natur und durch die Natur. Die Natur allein ist noch natürlich: sie gaukelt uns nichts Gemachtes vor: die Kraft der Reinheit und rlrha~benheit, die aus ihr strömt, ist allein noch imstande, die übefbildete Menschheit unserer Zeit zur Kultur der Seele zu leiten. Die jüdische Jugend ist aus demselben Gefühl heraus von der Zivilisation zur Natur geflüchtet. Und sie vielleicht aus noch tieferen Bedürfnissen als die anderen. -Dehn ihr ist nicht nur die allgemein-menschliche Natürlichkeit verlorengegangen, sondc'rn damit auch ihr Judesein. Die jüdische Jugend hat den Tiefstand, die Entgeistigung ihrer jüdischen Existenz, wenn auch nicht immer in ganzer Tiefe erkannt, so doch schauernd empfunden, und sie will wieder ein urgesundes, frisches, natürliches Judentum bauen. Und dazu hilft uns das Wandern. Natürlich muß unser Wandern, wenn es uns jüdisch fördern soll, sch.on von vornherein durch eine ganz bestimmte Einstellung Zur Natur bestimmt sein, nämlich durch die jüdischreligiöse. Denn sonst laufen wir Gefahr, daß wir uns auf unserer Fahrt dem Judentum, statt zu nähern, immer mehr entfremden. Wesentlich f«t vor allem unsere Grundeinstellung zur Natur. Wir dürfen sie keineswegs als seelenlosen Mechanismus, .ebensowenig aber als pantheistisch belebte Natur sehen, sondern einzig in der jüdischen Auffassung als. Gottesschöpfung. Wir dürfen nicht in pantheistischer Schwärmerei die Natur verhimmeln, sondern müssen das religiöse Urgefühl der Ehrfurcht vor ihr hegen. Nur so können wir in der Natur tiefes religiöses Erleben gewinnen. Nur wfpn unsere Fahrten von diesem Charakter getragen sind, können wir durch die Natur den Weg zum Judentum wiederfinden. Neben diesen "rein geistigen Zielen unserer Fahrten erfüllt das Wandern noch weitere \ olkserzieherischc Aufgaben. Wie not tut uns der Gemeinschaftssinn! Wie zerrissen und einander fremd ist die jüdische Jugend, selbst die in gleichen Bünden organisierte! Sozialer Ausgleich! Wie nötig wäre es, daß die gesamte jüdische Jugend wandert, alle sozialen Schichten auf unseren Fahrten vertreten sind. Gemeinsames Erleben bringt die Fahrtgenossen einander näher, gesellschaftliche it ■>'.'" ■ Gegensätze gleichen sich aus. Wandern allein, selbst mehr noch als die Heimabende, löst die Fesseln der gesellschaftlichen und angeborenen Zurückhaltung, macht die Menschen natürlich-frei und offen. Behandeln wir auch unsere Weltanschauungsfragen statt in der physischen und geistigen Enge geschlossener Räume draußen im Freien. Vom Wahrheitshauch der Natur umgeben, von den Hemmungen gegenseitiger Befangenheit befreit, können wir den Problemen unvergleichlich freier, klarer, unvoreingenommener gegenübertreten. Nur die Fahrt gibt die seelische und geistige Gemeinschaft, die wir brauchen. « Daß neben diesen geistig-sittlichen Werten des Wanaorns für uns Juden auch die rein physischen von besonderer Bedeutung sind, bedarf keiner weiteren Begründung. Man mag dem Sport wie immer gegenüberstehen. Wandern ist mehr als Sport oder wenigstens der am meisten durchgeistigte und edelste Sport.; Daher, jüdische Jugend, wandere, vergiß aber eines nicht: Wandere jüdisch! Vom Geist der Gemeinschaft Die Einsamden Von Manfred Vöhl, Düsseldorf-Berlin. Der Zug bringt den Fremdling in die ihm unbekannte Stadt, er taucht in ihr unter. Der junge Mensch will dort leben: um das zu tun, mußte er sich von ^seiner Heimat trennen und von allem Liebgewordenen Abschied nehmen. Er sitzt in seinem Zimmer am Tisch und denkt zurück, an liebe Menschen, an Erlebnisse, an seine Gemeinschaft. 0. der Abend ist da, den man so fürchtete, weil man nun wirklich zum ersten Male ganz allein ist, niemanden zum Unterhalten findet. Fremder unter Fremden ist. Es kommt das Gefühl auf, man nennt es Heimweh, ein vergebliches Konncxsuchen mit all den Menschen zu Hause. Zu Hause, jetzt erst versteht man das Wort, dieses Wort der höchsten Zufriedenheit und Geborgenheit. Die Gedanken suchen weiter, und sie stocken plötzlich, heute ist ja Heimabend, gerade heute abend sind sie alle zusammen, die Menschen, mit denen er zusammen arbeitete, deren Idee auch seine eigene war. Leutchen, mit denen er lachte und scherzte, grübelte und arbeitete, schuf und erlebte. Und er möchte zusammenbrechen. Der Heimabend ohne ihn! Nun weiß er sicher, er ist allein. Heimweh nach der Gemeinschaft! Sich sehnen nach ihr, höchster Wunsch, in ihr wieder aufzugehen! So kommt es. daß ich mir die Ansicht angeeignet habe, der erst weiß wirklich, was Gemeinschaft ist. der in ihr lebte, dann aus ihr gerissen worden ist. nun nicht mehr an ihr teilnehmen kann. Der darf ihr ein ungeteiltes Lob sprechen. Er weiß, daß er in ihr Mensch geworden ist, und der Wunsch, wieder zu ihr als etwas Liebgewordenem zurückzukehren, ist der Beweis, daß die Gemeinschaft unvergängliche Werte im einzelnen Menschen geschaffen hat. die ihn an sie ketten. Menschen, abgewandt von der Oberfläche, zugetan der Innerlichkeit, werden durch dieses Gemeinschaftsleben geschaffen. Doch nun vollzieht sich das Tragische. Der Fremdling findet nicht Menschen, die seine Idee von Gemeinschaft, von Judenium. aus dieser Gemeinschaft entstanden, haben. Er findet wohl Menschen, die eine Idee des lokalen Jugendbundes zu erfüllen in der Lage sind, Gemeinschaft in ihren Reihen kennen, aber nicht ihre Idee vom Jugendbund auf die des Verbandes erweitern können und ihre Gemeinschaft nicht mit Fremden und doch Freunden desselben Verbandes erleben können. Man wird zweifellos mißmutig, sieht man, wie in einem selbst der Gedanke zur großen Gemeinschaft, zur Verbrüderung von uns Jungen lebt und wächst, und er hier stocken muß vor einer Masse, die ihn nicht erfaßt. 'Doch will ich nicht in Pessimismus enden. Ich ahne, es wird, es muß die ersehnte große Gemeinschaft bestehen, es war ein böser Zufall, der eine Verwirklichung meiner idealen Vorstellung verhinderte. Ich darf betonen, daß es mir zum Schlüsse gelang, Menschen zu finden, die gleich mir Anhänger der Gemeinschaft waren, und mit ihnen baute ic i das auf, was mir zu Beginn versagt war. * * *

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