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Der Jugendbund · 1927-09-01 · 9 (1.9.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
9 (1.9.1927)
Date
1927-09-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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(und besonders die, die in die Fastenzeit fallen) eine nur diesem Sabbat eigene besitzt. Sie bringen ostjüdische Freunde mit, damit diese ihre Heimatlieder singen mit ihrer Wehmut und ihrer Freude. Dieser mehr gemüthafte Teil wird unterbrochen (oder je nach den Umständen einge'eitet) durch einen Vortrag über den Wochenabschnitt und die Haftauroh. In populärer Weise (wenn möglich in Anlehnung an die Erklärer, auch neuzeitliche, wie Hirsch, oder gar mit Einflechtung der bezüglichen Midraschim) wird den junger» Leuten Inhalt und Sinn der heiligen Schriften im Laufe des Jahres dadurch nähergebracht. Der Vortragende sitzt nicht auf erhöhtem Platz in großem Abstand von seinen Zuhörern, nein, mitten unter ihnen, denn er ist kein ,,Redner". Ich möchte den Vergleich gebrauchen, er ist der „Vorlernende". Er lernt vor und alle lernen mit. Er stellt Fragen und die anderen antworten, diese fragen und er erteilt die Antwort. Es ist ein gegenseitiges Nehmen und Geben. Jeder muß mitdenken, wenrt er sich nicht außerhalb dieses Kreises stellen will, und jeder fühlt in diesem Augenblick: Auch mir ist die Thauro gegeben worden. Und er wird sich zu Hause hinsetzen, allein oder mit seinen Freunden, und noch einmal durchblättern, was sie am letzten Freitagabend besprochen habe^. So wird die Jugend zum Lernen angeregt, denn manch einer besitzt den Ehrgeiz, einmal selbst „Vorlernender" zu werden. Doch die Zeit geht raschen Schrittes. Hat man nicht zuviel diskutiert, liest man noch eine kleine Geschichte von Perez oder Scholcm Aleichem. Einer aus dem Kreis liest vor und. jnan freut sich regelmäßig, wenn man sieht, mit welchem Eifer sich alle dazu drängen. Hierdurch wird auch das neuere jüdische Kulturgut der Jugend zugänglich gemacht. Das Interesse der jungen Menschen wird für diese leider bei uns in Deutschland noch so wenig bekannten Schriftsteller geweckt, i und mancher wird zu Hause in seinen Mußestunden den oder ienen jüdischen Dichter zur Hand nehmen. Der Freitagabend ist vorüber. Es waren [rohe, gemütliche Stunden, die die Menschen gegenseitig näher brachten, die einen Konnexschafften zwischen den politischen und religiösen Parteigruppen, da alles sich unterordnete dem großen Gedanken der jüdischen Religion, Fällt aber ein Sabbat auf Chanukka oder einem Halbfeiertag, dann bekommt der Freitagabend ein besonders festliches Gewand. Jeder bemüht sich, etwas zur Ausschmückung beizutragen, und wenn man zusammen beim Chanukkaleuchter oder in der Laubhütte sitzt bei etwas Tee, Gebäck und Obst, dann fühlt man deutlich die Freude dieser jungen Juden an den alten Formen und Sitten des Judentums und weiß genau, daß sie später in eigenem Heim jüdisches Kulturgut wahren werden zum eigenen Segen und zum Segen des Klal. Die künstlerische Arbeitsgemeinschaft Von Walter David, Düsseldorf. Es gibt bei jungen Menschen kaum eine freudigere sichtbare Ausdrucksmöglichkeit für inneres Erleben und Erfühlen als Betätigung durch künstlerisches Wirken. Künstlerische Arbeitsgemeinschaft , in unserer Sprache bedeutet nun nicht glanzvolle Leistung unter Entfaltung eines umfangreichen Apparates an Technik und äußeren Mitteln, auch nicht dilettantenhaftes, oberflächliches Spiel, sondern unser Wollen geht auf ein grundsätzliches Erfassen des Werks, dessen Nachschöpfung wir mit den uns verfügbaren, unserer Art entsprechenden Mitteln unternehmen. Eine wesentliche Form der Gestaltung gemeinsam erarbeiteten Ausdrucks ist das Sprechen im Chor. Freudig erhebt das Bewußtsein, selbst als Bauender zu wirken, mitzuteilen von der Seele, die — schlummernd im Werk — durch den Chor zum Leben ersteht. Scharf die Kritik und lebendig die Mitarbeit, bis Wort und Rhythmus gerundet. Durch diese Gemeinsamkeit* der Arbeit und der Freude bildet sich .— schönstes Ziel! — auch über die Arbeit hinaus ein Band der Gemeinschaft und des Verstehens, der Teilnahme am Interesse des anderen und der Duldsamkeit gegenüber der Auffassung des Nächsten — ein Band der Freundschaft und Kameradschaft. Und wieviel Freude können wir mit unserer Arbeit spenden* Altersheime haben Festtag, wenn die Jungen kommen und die Eintönigkeit unterbrechen, Feste und Feiern können durch Einzelsprecher und Sprech-Chöre umrahmt werden — der Möglichkeiten sind so viele. Ans Werk! Die gesellige Ueranstaltung Von Ina Leffkowitz, Wiesbaden. Jetzt sind glücklich auch Volkstänze „unmodern" geworden! Ich hörte es kürzlich sogar in der Odenwaldschule: „Nein. Volkstänze tanzen wir nicht, aber oft feiern wir Feste, und gerade gestern haben wir nach einem festlichen Tage auch getanzt!" Da tanzt also bewegteste Jugend Fox und. Charleston in froher Ungezwungenheit, die Spannung eines anstrengenden Tages lösend, in glücklichem, jubelndem Ausgelassensein, im Kreis der Freunde, so wie man vordem Volkstänze zu tanzen versuchte — der Versuch mißglückte, wurde krampfhafte Nachahmung — stillos! Es scheint aber wirklich, als ob man eine Form der Geselligkeit allmählich fände, eine „neuartige Geselligkeit edlerer Art", von der hier schon einmal gesprochen wurde, die fähig ist. die „Jugend der Volkstänze" wie die „Jugend des wildesten Jazz" in gleicher Weise zu erfassen zu lebendigem, frohem, gemeinsamem Feiern! So versuchen wir im JJV. unsere Feste zu gestalten; wir schämen uns nicht mehr — man gestand es früher nur ungern, besonders im Zusammensein mit Jungen, Jugendbewegten —. daß man überhaupt Jugendvereinsfeste besuche, es hatte immer einen so üblen Beigeschmack von — Tanz und Tanz und Tombola und ein bißchen ,,Theater" und nochmal Tanz —, wir schämen uns nicht mehr, wir versuchen vielmehr, es besser zu machen; wir versuchen die Form zu finden, die uns eigen ist, die uns steht, wir wollen nicht Jugendbewegungsformen nachmachen, wir wollen uns aber auch nicht „schämen" müssen! Aber Gesel'igkeit ist nun einmal notwendig, und wirklioh sind unsere Feste trotz aller fieberhaften Arbeit immer eine Entspannung gewesen, der Quell köstlichster Heiterkeit, und mit allem Unsinn oder gerade durch ihn so stark bindend. Meist beginnt man mit den Vorbereitungen vier Wochen vorher. Es ist vor Chanukka und man will in „größtem Stil" feiern, denn außer den Eltern und Freunden werden natürlich die Prominenten 'der Gemeinde, der Nachbarvereine — und damit man sieht, daß wir da sind —, viele Fremde eingeladen, die ja bekanntlich nur kommen, wenn „etwas Besonderes los" ist. Also, das Programm muß gut sein, ganz besonders gut zusammengestellt und auch ausgeführt werden. Da sitzen die Getreuen beisammen und sinnen, als gelte es wichtigste Fragen zu lösen, und bald kommen auch die Einfälle und sind nun so ureigen, weil sie unserem täglichen Zusammensein entspringen, sind wirklich „etwas Besonderes". Irgend jemandem fällt z. B. ein, man könnte aus einem Lied, das man bei jeder Fahrt, bei jedem Heimabend gesungen hat, eine Tanzpantomime machen. Man denkt Kostüme aus, weiß schon die Personen, ganz bestimmte, die gerade das machen müssen. Jeder weiß noch etwas Neues, noch etwas Wichtiges! Ein anderer hat etwas gelesen, das sich herrlich zum „Aufführen" eignet. E^ sei mal etwas anderes, kein Theaterstück, um Gottes willen. Es wird besorgt und vorgelesen — und es ist wirklich gut, aber schwer und braucht viel Zeit, viel Proberei und viel tüchtige Leute; und es ist beinahe ein Wunder —, es wird geschafft! Man entdeckt ungeahnte Talente, man entdeckt, daß selbst der männerärmste J.J.V. eine Menge guter Schauspieler hat — und man arbeitet mit Feuereifer. Viele andere gute Gedanken werden energisch durchgesetzt, manches ebenso energisch als „kitschig" abgelehnt. Die Jüngsten erhalten die Aufgabe, sich über den Sinn des Festes klar zu werden und in wenigen Worten darüber zu sprechen, die Uninteressiertesten und Langweiligsten werden plötzlich lebendig, weil man ihnen irgendein wichtiges und verantwortungsvolles Amt aufgetragen hat. Besuche und Be- 10

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