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Der Jugendbund · 1927-09-01 · 9 (1.9.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
9 (1.9.1927)
Date
1927-09-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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esses, eine ständige Erneuerung des Schaffensdranges. So gelingt das Eindringen in die Problematik der verschiedenen religiösen und politischen Richtungen, und der junge, unfertige Mensch erlangt fast mühelos Grundlagen zu seiner Weltanschauung. Wesentlich ist das Herausarbeiten der vorhandenen Gegensätzlichkeiten. Nur so können wir zum Erfassen und Achten der gegenteiligen Ansicht gelangen, und erst da: durch entsteht wahres Gemeinschaftsgefühl, ein Ziel unserer überparteilichen Arbeit. Es müssen ja keine schwerwiegenden philosophischen Probleme sein, die behandelt werden. Was uns nottut, ist jüdische Arbeit, Streben nach jüdischem Wissen, um so eine Verbindung zu schaffen zwischen uns jungen Menschen und unserem jüdischen Kulturgut. Erst dann, wenn wir so im kleinen Kreis, bei positiver Mitarbeit jedes einzelnen unser Wissen um üdische Dinge erweitern und dadurch eine seelische und gemüthafte Bindung an das Judentum teils schaffen, teils festigen und vertiefen — erst dann gelangen wir zum Endziel unserer ganzen Erziehungs- und Bildungsarbeit, zum wahren Jude—sein. * * Der Vortragsabend Von Joseph Weinsaft, Chemnitz. Historisch gesehen kann der Vortragsabend als das Rückgrat jüdischer Jugendarbeit bezeichnet werden. Weist doch die Geschichte der älteren unserer Jugendvereine bis etwa zu Beginn des Krieges auf eine lediglich in regelmäßigen Vortragsveranstaltungen zum Ausdruck kommende Vereinsarbeit hin. Der Stoff wurde niemals ausschließlich der jüdisch-geistigen Sphäre entnommen, sollte doch der Jugendverein dem jüdischen jungen Menschen ein möglichst umfassendes, nicht einseitiges Lebensbild vermitteln, im Sinne etwa des Untertitels eines unserer um die Jahrhundertwende entstandenen Vereine, der lautet: Verein zur Pflege der idealen Interessen jüdischer junger Leute. Es war gewiß kein fruchtloses Bemühen, der Jugend auf diese Art den Geist des Judentums sowohl wie Wissenschaft, Kunst und nicht zuletzt die Praxis des Lebens näherzubringen. Eine Gewähr aber für einen inneren Gewinn aus solcher rein Vermittelnden Arbeit konnte nicht gegeben sein, denn es handelte sich lediglich um eine Gesamtheit mehr oder weniger aufnahmefähiger Hörer vor einem Dozenten. Ein inneres Verarbeiten des Stoffes mußte der Intelligenz des Einzelnen überlassen bleiben. Doch der von grundsätzlich neuen Ideep, besonders von aufwühlenden Jugendfragen kaumgestörten, gewissermaßen „normal" verlaufenden und in sich fertigen geistigen Stetigkeit der Vorkriegszeit genügte diese Form einer Belehrung der schulentlassenen Jugend. Waren doch Lebensanschauung und -gestaltung bereits lange in festen Bahnen vorgezeichnet, und das ererbte Programm lag für jede Generation gebrauchsfertig vor. Der Krieg warf a'lcs um. Schier unverrückbare, durch Tradition heilig gesprochene Grundsätze und Jugenderziehungsprogramme zerplatzten wie Seifenblasen. Berufspädagogen, Eltern blickten wutentbrannt oder verzweilelt auf eine in ihren Augen demoralisierte, rebellische, schlecht gewordene Jugend. Was aber war mit dieser Jugend geschehen? — Sie war einfach mißtrauisch geworden. Sie wagte es, an vielen geheiligten Grundsätzen zu zweifeln und fand mancherlei darunter, was nur schein-heilig war und von dem gewaltigen, vom Krieg ausgelösten Ansturm auf den gesamten Zeitgeist als Lüge bloßgelegt wurde. Sie erkannte, daß es nicht genüge, nur zu hören und zu glauben, was festgefügte Lehr- und Erziehungsprogramme darbieten, sondern daß man, heute mehr denn je, Recht und Pflicht habe, Lehrmeinung und Wissensstoff, besonders aber die vorgewiesenen Wege zu Lebensanschauung und -gestaltung, auf ihre Wahrhaftigkeit und ihren menschlichen Wert zu prüfen. So wurden neben den beamteten Schulerziehern Jugendführer, so wurde nach und teilweise neben der schulwisscnsgedrillten und damit zufriedenen Jugend eine solche, die selbst dachte und arbeitete, und so wurden aus den Literatur- und Vortragsvereinen Gesinnungs- und Arbeitsgemeinschaften. Damit fiel die Alleinherrschaft des Vortrags. Auch in unseren Reihen. Aber damit gleichzeitig wird sein Wert für unsere Arbeit erhöht. Denn sein Inhalt wird; zum Arbeitsstoff. Er vermag es, Thema und Richtlinien zu gelben, anzuregen und anzuleiten. Der verantwortungsbewußte Vortragende sieht seine Aufgabe erst durch eine nachfolgende Aussprache oder Fragestellung erfüllt, sie erst beweist ihm, daß er nicht ins Leere gesprochen hat. Er will sich nicht mit bloßem, billigem Beifall begnügen, sondern vor mitdenkender, Vritisch prüfender Jugend sprechen, die ihm aber, sofern er sich klar verständlich macht, in seinen Gedankengängen um so bereitwilliger folgen wird. Es ist dabei gleich, ob es sich um rein geistige und weltanschauliche Dintie handelt, um praktische Lebensfragen oder um künstlerische Vortragsdarbietungen. Der Sinn dss Vortragsabends wird erfüllt erst durch eigene Aufnahme i nd Verarbeitung — wenn es der Stoff er'aubt, innerhalb einer Arbeitsgemeinschaft. Voraussetzung dafür ist, daß Planlosigkeit im Vocjragswesen vermieden wird. Nicht überall und in sämtlichen -unserer Bünde ist man zu der Erkenntnis gereift, daß der Vortragsabend nur einen Teilbezirk der Arbeit, wenn auch :inen sehr wichtigen, darstellt, und daß er erst als solcher seine beste Wirkung ausübt. Doch die Emanzipation von) „Liter;.turkränzchen" zum Gemeinschafts-Arbeitsbund hat bei un i, trotz mannigfacher Trägheit, schon wesentliche Fortschritte Jüngsten Der Vortragsabend soll vom -gestalten führen Der Freitagabend Von Erich Hellermann, I rankfurt a. M Betrachtet man mit, kritischen Blicken die Situation der heutigen jüdischen Jugend in Deutschland, so kann qian sich eines sehr skeptischen Gefühle; nicht erwehren: Die jüdische Jugend hat sich in den letzten immer mehr entfremdet und be lahren der Religion ihrer Väter onders in den kleineren Orten hat das Interesse für alles Jüdiiche (sei es Form, sei es Inhalt) in einer derart erschreckenden- Weise nachgelassen, daß man mit sehr pessimistischen Gedanken in die Zukunft sehen muß, Soll ich wirklich der Frage de einem Judentum, das seit 2000 uns Kraft und Mut gegeben un helfen. Die Jugend will nicht nicht nur "Zuhörer Sein, sie will jekt und dabei doch gleichzeitig Gedankengang, dem Einfühlen standen die religiösen Feiern diese Form mit neuem Inhalt der alten geheiligten Sitte und Ein Bild eines Freitagabend einslokal, in dem sonst die Vo-träge gehalten werden, ist mit Blumen geschmückt. Auf dem plagte. Doch diese Neugierd« Sie singen die Smiraus mit kannten, so bemühen sie sich gemacht, besonders bei den Hören zum Selbstdenken und „Warum" hier auf den Grund gehen? Nicht nur, daß es den Rahmen dieses Artikels bei weitem überschreiten würde, et thebt uns denn eine auch noch so treffende Antwort der_Müle, Besserung zu schaffen, der Jugend-wieder den Weg zu w iisen zum religiösen Judentum. Jahren uns zusammengehalten, I unseren Lebensweg verschönt und erleuchtet hat? Durch Vorträge allein ist da nicht zu nur abstraktes Wissen, sie will selbst mitarbeiten, selbst Sub¬ Objekt sein. Und aus diesem n die Psyche der Jugend, entin den Jugendvereinen. Alte Form blieb gewahrt, neue Jug :nd versuchte mit ihrem Geist zu erfüllen, gedenkend immer des Gesetzes. s steigt vor mir auf: das*"Ver- Tisch in der Mitte stehen die brennenden Schabboskerzen un i geben dem sonst so schmucklosen Raum ein festliches Gepräge. Junge Leuste in Feiertagsgewand sitzen davor. Sie war :n das erstemal nur gekommen, weil ein Freund sie aufgefordert oder Weil Neugierde sie machte bald einem Interesse Platz und dieses Interesse steigerte sich zur Mitarbeit, zum Vergessen ihres Ichs, zum Aufgehen in die Gemeinschaft. und wenn sie sie noch nicht sie in ihr Gedächtnis einzuprägen, damit sie sie das nächste Mal kennen. Sie lernen sie verstehen und dadurch lieben, denn wer sollte das schöne „Schir hamalaus" nicht lieben, wer es einmal gehört hat und wer einmal mitgesungen. Und sie wetteifern darin, immer mehr Melodien zu sammeln, 'daß jeder ausgezeichnete Sabbat

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