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Der Jugendbund · 1927-09-01 · 9 (1.9.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
9 (1.9.1927)
Date
1927-09-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Wahre bewußte junge Juden werden wir dann als eine feste Burg im Sturm der Zeit stehen. Hochaufragen auf festem Grund werden die Zinnen und Türme und stolz im Winde flattern wird die Fahne unserer Kraft. Steine zu tragen zu solch hohem Bau ist die sittliche Pflicht von uns Jungen. Artur Hermanns. Düsseldorf, Vorstandsmitglied <les JJV. Düsseldorf. « * « Verfasser ist Führer der Junggruppe Chemnitz. Typischer Vertreter des Junggruppengeistes, der aus der natürlichen Kampfstellung gegen die Aclteren für beide Teile fördernd wirkt. Die Schriftleitung. An den Verband bin ich als Jugendbündlep-, als Junggruppenftihrer und als Mitglied des Junggruppcn-Dee'ernates gebunden. Als Jugendbündler fühle ich mich dem Reicnsverband innerlich . fast gar nicht verbunden. (Ist das allgemein im Reiche?) Als dunggruppenführer besteht für mich die Bindung leider nicht viel mehr, denn bisher beschränkte sie sich auf technische Dinge Als Dczernafsmitgüed stehe ich dem Verband rein äußerlich sehr nahe. Innerlich jedoch noch sehr~wenig. was sich daraus erklärt, daß ich erst seit ganz kurzer Zeit im Junggruppen-Dezernant mitarbeite. Ich glaube, daß ich durch die intensive Winterarbeit dem Verbände nun auch innerlich immer näher kommen werde und " so mithelfen kann, die äußere neutrale Zusammenfassung der jüdischen Jugend im Reiche, die wir heute doch noch sind, auch cu einer inneren zu gestalten! Martin Selbmann, Chemnitz. * ■ -• " W^nn ich mich__*u der Frage äußern soll, was mich im wesentlichenmit der Idee der jüdischen Jugendbewegung verbindet, so ist es in kurzem folgendes: Vor allen Dingen besuche ich den Verein, weil die Ziele des Verbandes mit den meinen konform gehen. Die jüdische Jugendbewegung will ihre Mitglieder in erster Linie zu guten Juden erziehen, zu Juden, die sich auch ihres Judentums voll und ganz bewußt sind, die wissen, was es heißt, Jude zu sein. Dieses erreichen wir in der Hauptsache, rhdem wir jüdische Gesetz« und Gebote befolgen, indem wir Referate über jüdische Themen halten, wenn wir uns mit jüdischen Dichtern befassen, jüdische Geschichte lesen. Weiter ist es Kameradschaft, die ich suche. Ich habe das Verlangen, mich auszusprechen mit jüdischen Jungens und Mädchen, die ungefähr in meinem Alter sind. Und wo könnte ich das besser als im jüdischen Jugendverein! Wohl mit eine der schönsten und wichtigsten Aufgaben des Vereins ist die Pflege des Gemeinschaftsgefühls. Daß dieses zum größten Teile auf Wanderungen und beim gemeinsamen Aufführen von Theaterstücken gehoben und verstärkt wird, bedarf wohl keiner näheren Auseinandersetzung Der Jugendverein ist ein neutraler Verein. Ob man orthodox ist, ob man liberal denkt oder ob man zionistisch gesinnt ist: Dem Jugendvercih ist das gleich: eine •jede Stimme hat freie Berechtigung. Jeder kann mitsprechen und diskutieren. Dies alles sind die wichtigsten Beweggründe, die mich dazu anspornen, den Jugendvercin regelmäßig zu besuchen, und zur Vollendung seiner Ziele beizutragen. Horst Schein. Mitglied des Bundes jüd. Schüler und Schülerinnen Düsseldorf. Die nusdrucksformen der Arbeit Der Heimaoend Von Ilse Zechermann. Höchst a. Main. Der Heimabend gilt allgemein als einer der wichtigsten Faktoren unserer Arbeit. Und das mit Recht. Denn so viel Neues und Anregendes auch ein Vortragsabend bringen mag. , nie wird er zu so intensivem Erfassen des Arbeitsgebietes 8 führen, W'e ein Heimabend es vermag. Der Vortragsabend bringt den Hörer in Berührung mit irgendeinem Thema, regt auch manchen zur Eigenarbeit an, vermittelt aber nur in den seltensten Fällen positives Wissen« Der Vortragsabend wirbt, regt an; der Heimabend dient der Vermittlung und Vertiefung geistiger Werte. Ich will nicht näher eingehen auf die zu leistende Arbeit, das heißt auf die behandelnden Themen. Hierüber sind in diesen Blättern schon oft wertvolle Anregungen gegeben worden. Es läßt sich da auch schwer etwas allgemein Gültiges sagen. Denn die Wahl der Arbeitsgebiete muß sich ganz nach den Vorkenntnissen, den Bedürfnissen und Wünschen der Teilnehmer richten. Daß allerdings die Beschäftigung mit jüdischen Dingen im Vordergrund stehen sollte, ist eine Selbstverständlichkeit, die nicht erst betont zu werden braucht. Wie sollen nun unsere Heimabende gestaltet werden? Maßgebend für den Erfolg ist die tätige Mitarbeit jedes einzelnen. Sie ist keine gegebene Tatsache, sondern muß erst gefordert, geweckt und gefördert werden. Alle dürfen nicht nur Wissen, wertvolle Gedanken entgegennehmen, sondern müssen sich selbst für das Gelingen mitverantwortlich fühlen und durch Fragen und eigenes Arbeiten zu einem positiven Ergebnis beitragen. Und nichts wird förderlicher sein und mehr anregen, * als die Befriedigung und der Stolz über eigene, wenn auch roch so bescheidene, Leistungen. Die Vielgestaltigkeit unserer Heimabende, ihre Formen also, lassen sich auf zwei Hauptarfen zusammenfassen. Wir haben in unseren Jugendbünden Heimabende, die man besser mit Arbeitsgemeinschaften bezeichnet: und andere, die einer ungezwungenen und freien Diskussion dienen, also Ausspracheabende. Zunächst die Arbeitsgemeinschaften. Die Frage, was' zweckmäßiger ist, die fortlaufende Behandlung eines Themas oder Einzelvorlräge, richtet sich zwar auch nach den Teilnehmern, aber im allgemeinen gilt doch für die Einzelvorträge, was ich zuvor von den großen Vortragsabenden sagte: daß sie wohl anregen, aber zu wenig positive Werte schaffen. — Als zweites erhebt sich die Frage nach dem Leiter. Dies kann ein Berulener (Rabbiner oder Lehrer) sein oder, und das halte ich für richtiger, einer aus dem eigenen Kreis. Wenn einer von uns Jungen die Leitung einer Arbeitsgemeinschaft übernimmt, so hat das zwei große Vorteile. Zunächst einen für den Leiter selbst. Er ist gezwungen, sich mit dem Thema viel intensiver zu beschäftigen, als er es wohl sonst getan hätte, und er wird so sein Wissensgebiet erweitern In den meisten Fällen wird es gut sein, wenn er sich gemeinsam mit einem Berufenen auf seine Arbeitsgemeinschaft vorbereitet. — Und dann wirkt die Tatsache anregend, daß der Leiter ein junger Mensch ist. der mit den meisten Teilnehmern in persönlicher Fühlung steht. Die übliche Befangenheit Lehrern und Aelteren gegenüber ist ausgeschaltet. Die Diskussion wird freier, lebhafter, produktiver. Und nun zum anderen, zu den Ausspracheabenden. Da gibt es unendlich viele Themen, die ein Besprechen wert sind. In erster Linie jüdische Tagesfragen, politische und kulturelle, auch allgemeine Kultur- und Wirtschaftsfragen, soziale Probleme und vieles mehr. Wichtig ist, daß der Leiter gut mit dem betreffenden Thema vertraut ist und auf sachlichen Verlauf der Diskussion achtet, die sonst leicht in Plauderei ausartet. Ein gutes Mittel, das Interesse an diesen Ausspracheabenden wach zu halten, ist ein F^agekasten. Durch ihn gelarfgen alle Fragen, die die Teilnehmer behandelt haben möchten, anonym an den Heimabendleiter und werden dann an einem der nächsten Abende besprochen. Wie olt wird der Wunsch nach tieferem Eindringen in ein bestimmtes Arbeitsgebiet in uns wach, und wie schwer fällt es dem einzelnen, sich mit neuer, ihm teilweise völlig fremder Materie vertraut zu machen! Oft bleibt, nur aus diesem Grunde, wertvolles und ernsthaft begonnenes Arbeiten im Anfangsstadium stecken. Aber hier, wo durch gemeinsames Arbeiten das Interesse gestärkt und auf neue Gebiete übertragen wird, wo sich immer neue Anregungen bieten und neue Fragen erheben, wo die Summe aller vorhandenen Energien sich auf den einzelnen überträgt — hier bedingt die gemeinsame Freude an der Arbeit eine stete Steigerung des Inter-

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