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Der Jugendbund · 1927-09-01 · 9 (1.9.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
9 (1.9.1927)
Date
1927-09-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Kinder erweisen, die in Hingebung und Treue mit ihm gehen, für ihn arbeiten und ihn lieb haben; ich wünsche ihm Reichtum — nicht nur finanzielle Mittel in genügendem Maße, sondern vor allem Reichtum an Geist und Gemütswerten; ich wünsche ihm Weisheit, die Weisheit, die jedes Mitglied zur idealen Höhe unseres Verbandes führt! Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. P. Lazarus, Wiesbaden. * * » Ich liebe die Rassen der Erde, weil sie mir fremd sind. Ich liebe den Franzosen, den Russen, den Neger, - den Japaner. Ich liebe besonders den Germanen. Wenn er mich nicht wiederliebt, so ist das kein Fehl. Ich liebe den Geist aller Rassen in seinen Sonderungen. Ich liebe die Juden, weil sie wie ich sind. Wenn die Gelehrten sagen, wir Juden seien keine eigene Rasse, hätten keinen besonderen Geist, so mögen sie das unter sich ausmachen. Ich liebe die Rasse und ihren Geist. Wenn die Juden närrisch werden, liebe ich sie nur noch mehr. Wenn sie leiden, helfe ich ihnen nach Kräften. Wenn sie unvol kommen sind, versuche ich ihnen einzureden, daß sie sich über sich selbst steigern können. Wo sie Vollkommenheit erreichen, da bin ich beglückt. Wenn sie sich überheben, dann denke ich nur, daß die große Musikantin Natur die Partitur des Lebens auf allen Saiten spielt. Weil ich die Juden liebe, suche ich ihre Nähe. Weil ich in der Jugend ein Viel'eicht sehe, weil ich mit der Jugend an die Lebens- und Geisteskraft der jüdischen Rasse glaube, weil es mein persönlichstes Gesetz ist, daß ich mich gemäß meiner Art zu vollenden habe — darum arbeite ich mit dem Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Denn man braucht die Organisation nicht zu hassen, wenn man die Organismen liebt. Mit vielen Freunden arbeiten wir daran, den deutschen — ach, so zerstreuten! — Juden einmal das zu geben, was ihnen nottut: Ein gemeinsames jüdisches Minimum! Aribert de Jonge, Vorstandsmitglied des Verbandes. Am 2. und 3. Februar 1921 nahm ich zum ersten Male an einer Tagung des Nordwestdeutschen Bezirksverbandes teil. Als ganz Fremder kam ich in einen Kreis zumeist junger Menschen, von dem ich wohl ab und zu vernommen, dem ich aber bis dahin niemals angehört hatte. Nach wenigen Minuten war ich kein Fremdling mehr. Mitgerissen von dem herzlichen Ton, der mich umfing, begeistert mit den anderen ob der gemeinsamen Idee, erfüllte mich vom" ersten Moment, zunächst mehr gefühlsals verstandesmäßig, eine innige Verbundenheit mit dem Großen, dem Träger der Idee: mit dem Verband. Freundschaften wurden gegründet, die über den heutigen Tag andauern. In eifriger Arbeit und lebhaftem Briefwechsel mit den neuen Freunden kam ich in immer innigeren Konnex mit dem Verbandsgedanken, fühlte ich mich selbst mehr und mehr verpflichtet, mitzuarbeiten, verantwortlich zu sein. Die Tage von Kassel, herrlich in ihrer Geschlossenheit, vertieften das Verbundensein. Es kam die Delegiertentagung von Bonn, kam der Niedergang des Verbandes. Dieser nicht um des Versagens der Idee willen, — nein, die war gut, doch die materielle Not war zu stark. Und bald ging's wieder voran. Gleich zu Anfang war es der Nordwestdeutsche Bezirksverband, der sich sammelte. Und vom ersten Tage an gab eS nur eine Meinung: der große Verband muß wiedererstehen. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit ihm war geblieben. Und es kam der 6. Dezember 1925, wo ich mit in Berlin dabei sein durfte, das Werk zu vollenden. Organisch wächst der Verband. Groß ist die Zahl der neuen Vereine, der neuen Freunde. Heute ist es meine vornehmste Aufgabe, in jedem einzelnen, der zu uns kommt, zu wecken den Glauben an unsere Idee, wachzurufen und zu stärken seine Verbundenheit mit dem Verband. Alfred Bonnin, Bielefeld, Vorsitzender des nordwestdeutschen Bezirksverbandes. Was mich zum Verband der. jüdischen Jugendvereine zieht? Der Wunsch, mit jüdischen jungen Menschen, das heißt mit jungen Menschen, die notwendigerweise mir durch eine gewisse Gleichheit der Empfindung, des Denkens, der Weltanschauung, der Stellung zu den täglich uns umdrängenden Problemen der Umwelt, der Freiheit von nationalen Scheuklappen, der Aufnahme und Verarbeitung des Kulturgutes, das unser Lebenskapital ist, verbunden sind, — mit solchen jungen Menschen mich über die zentralen zeitlichen und überzeitlichen Probleme auseinanderzusetzen und mit ihnen gemeinsam die Stellung in der sozialen Ordnung, oder vielmehr die Einstellung zur sozialen Unordnung zu. finden, die uns allein maß ist. Dr. Heinz Kahn. Elberfeld, Obmann der Redaktionskommission. * Warum soll ich lügen? Der Verband ist nicht Selbstzweck für mich! Er war und ist für mich die einzige Möglichkeit, mir auf einer allgemeinen Plattform jüdsches Wissen und jüdische Werte anzueignen und gleichgesinnte junge, jüdische Menschen kennen zu lernen. — Der Verband vermag uns jüngeren Jugendbundsmitgliedern sehr viel zu sein und zu geben. Der lokale' Verein ist zu schnell erschöpft, um uns etwas zu werden. Die Arbeit im Verein hat in mir ein Gefühl der Leere und des Alleinseins zurückgelassen. Ich fühle nicht, daß mich mit den hiesigen Heimabendteilnehmern etwas verbindet. Das Verbandsorgan „Der Jugendbund" hat die Zusammengehörigkeit mit dem Verband geschaffen. Eine jede Nummer unserer Zeitung ist, so seltsam es auch klingt, für mich eine starkempfundene Freude. Kurz gesagt, der „Verein"' und der „Verband" sind für mich zwei vollständig getrennte Begriffe. Das Aufgeben des „Vereins" bedeutete für mich keinen Verlust, aber auf die Zugehörigkeit zum Verband und damit auf die Zeitung verzichten, hieße gleichzeitig allen jüdschen Interessen entsagen. Elsbeth Capell, Düren, Mitglied des JJV., Düren * Keiner wird sich mehr der traurigen Erkenntnis verschließen können, daß sich unsere innere Verbindung mit dem Judentum sehr stark gelockert hat. Suchen wir die Ursache dieser Tatsache festzustellen, so erkennen wir sie bald in der fast willenlosen Hingebung des jungen jüdischen Menschen an Art und Streben der abendländischen Kultur, deren Einfluß heute die akuteste Gefahr für unsere jüdische Wesenheit bildet. Diese Erscheinung erfolgreich zu bekämpfen, übersteigt die Kraft des Individuums, es ist Aufgabe der Jugendgemeinschaft. In ihr ist es möglich, wieder zum jüdischen Denken und Empfinden, zum jüdischen Werterlebnis zu gelangen. Eine solche Arbeitsgemeinschaft stellt der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands dar. Seine neutrale Form gestattet, daß sich hier Menschen aller Auffassungen zur gemeinsamen Arbeit zusammenfinden. Alle sozialen und politischen Verschiedenheiten werden vor dem großen Gedanken „Judentum" zurückgestellt. Dieser Gemeinschaft obliegt es, uns wieder Wissen vom Judentum zu geben,' das gerade unserer Generation so stark abhanden gekommen ist. Nur darauf aufbauend, ist es möglich, eine zunächst objektive und dann entschiedene Stellung zu den Problemen unserer Zeit zu gewinnen. Denn der Jugendbund ist für mich nichts Endgültiges. Wer durch ihn hindurchgeschritten ist, wird seine persönliche Einstellung zu den divergierenden Richtungen des Judentums gewonnen haben.

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