Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 9 (1.9.1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Bestimmung iedes ringenden Menschen. Achtung vor erkämpfter Ueberzcugung unterschiedlicher Art und darum Willen zu steter Selbsterzichung in solcher Gesinnung: religiös schließlich ist sie uns Ausdruck des Einenden über dem Trennenden, da wir im deichen der ..Neutralität" ein gewalliges l'ebcrwiegen des Gemeinsamen gegenüber dem wenigen Scheidenden erkannt haben, lind sie ist uns: darum letzthin Antrieb, das Lippen-Bekenntnis zum Einig-Einzigen zu bewähren im Dienste am ci|cn Judentum und der einen Menschheit. Unsere ...Neutralität" hat sich *o im Kampfe gegen Nörgler und Zweifler zu hehrstem Inhalt Min ,.l cberparteilichkeit" lebendig entwickelt und t hat allein dadurch höchsten Anspruch auf Wertschätzung und Ruhm zupackst im eigenen Kreise Ihr Wertmaß erfuhr , aber noch Rechtfertigung und Steigerung durch bedeutsame' Vorkommnisse in der Weltpolitik und in der Geschichte der jüdischen Jugendbewegung. Wille und Kraft zur „Neutralität", die einige kleineren Länder und Völker Infi": Gefahr des Verlustes ihrer Selbständigkeit im Wellkrieg betätigten, ist zu einem immer mächtiger anschwellenden Quell des Muts für alle die geworden, die der Menschheit endlich ein Leben der G c w a 1 f I o s i g k c i I bereiten, sie endlich auf den jüdischen Weg. zur Menschen-Brüderschaft geleiten möchten. Die jüdische Jugendbewegung aber .machte unsere Herzen höher schlagen, da sie den ßlauwciU zur ..neutralen" Kadimah wandelte und damit die hohe Bedeutung unseres Grundsatzes,,u n s e r er ..Idee" für die freie Entfaltung auch. nein, gerade ..bewegter" Jugend bekundete. Vielleicht wirkt an diesen, für das Abendland so neuartigen Geistes-Strömungen ein tieferer Vorgang mit. der uns auf unsere ..Neutralität" als tragende, beschwingende Idee erneut stolz und wach sein heißt: Die Zeichen der Begegnung' *\ on AheVidland und .Morgenland mehren sich täglich, und tSgHch-wendeji zahlreichere Menschen unserer Zone; den Lehren des fernen Ostens ihre Aufmerksamkeit zu Die großen Meister jener alten, fernöstlichen Kulturvölker aber. Buddha wie Laotsc und Kungfutse zwingen die abendländischen Menschen zu stiller Verehrung durch ihre Haltung von Güte und Liebe, die aus dem Nicht-eingreitcnwollen in die, „Entelechie" in die ..geprägte Form, die lebend sich entwickelt ' entspringt. Wer aber spürte nicht, wie hier unsere Idee der Neutralität: auf edelste Geistesverwandte trifft! Wer weiß, ob nicht der eine oder andere von uns berufen ist. bei dem neuen, was aus dieser sich einleitenden großen Begegnung z,weier ■Kultursphären notwendig sich ergeben muß. priesterlicher Mittler zu sein. Darum „versäumt nicht zu üben die Kräfte des'Guten'. haj>t Scham oh der Verleugnung eurer, seit drei Jahrzehnten köstlich sich entfallenden Vcrbandsldec! — In ihrer letzten Folgerichtigkeit umschließt unsere Verbands- Idee auch die Bejahung des „M a ss c n-M e n s.c h c n" und das Ringen um seine Seele. Denn. Parteilichkeit ist's auch (und bleibt es vpretsf noch bei den Jugendbew egungs'Bünden). wenn manjnach dem geistigen Auslese-Prinzip oder sonst einem Grundsatz, der Scheidungen und ihr Leid umschließt, die Menschen der Bünde kürt. Darum darf, künftighin nicht mit ..wenn uncLabcr". ..mag und mag nicht" in' unseren Reihen "a-i das Massen-Problem herangegangen werden. Wir haben es — das sei heute als letzte Forderung erneut ausgesprochen — mulig in Angriff zu nehmen, nicht, »eil dies etwa ..die Idee" unseres Verbandes umschlös,,.. weil »ir etwa ein „Notverband" von .Mittelmäßigkeiten wären, \ielmehr weil unsere ..Neutralität", unser „Bund über den Parleiungen" uns auch die Menschen aller sozialen und aller geistigen Schichten suchen heißt, denen zu menschen» ürdigem Dasein als Juden zu helfen auch nur eine leise Möglichkeit winkt. Kraft seiner Idee isi unser V erband mit Energien geladen, die für den Aufbau der „neuen Gesellschaft" höchst fruchtbar werden können. Denn er will und kann jüdische Persönlichkeiten bilden, die au: Grund des ihnen vermittelten, nicht durch Vorurteile eingeengten Wissens und nach dem Gesetz ihrer Indlridualität zu allen entscheidenden Fragen Stellung nehmen, und Bekenntnis ablegen Aber er sorgt zugleich dafür, daß sie *die Enge der Partei-chranken kennen lernen underkennen, .wie das allen Juden und allen Kulturmenschen Gemeinsame bei weitem das Trennende überwiegt. So werden die bewußten Träger unserer Idee nie „neutrale" Menschen in dem falschen Sinne der l'nentschiedcnheit und Gesinnungsschwächc, aber auch nie Parteimenschen im alten, bösen Sinne der Herzensenge. Sie werden in den Parteien und Gruppen wenn diese ihrer Weile Raum gewähren, die Brückenbauer zu den andern Gruppen und Parteien. Gerade dadurch bereiten sie dem Neuen die Bahn, der „Bindung über den Parteien", die •— nicht nur in übertragenem Sinne — den ^altcn. abrahamitischen „Bund zwischen den Stücken" er^ r* neuern wird. Wissenswertes über den Verband Historisches aus der Entwicklung der Jugenduerelne und des Verbandes 1891: Im Kreise der Großlogc l'OBB. wird der Gedanke der Gründung von jüdischen Jünglingsv ereinen diskutiert. 1894: Gründung des Berthold-Aucrhach-Vcrcins Stuttgart 1S96: Gründung des Vereins ,,.Montefiore" Frankfurt a. M. und ' des Jüdischen Jugendbundcs Hamburg (letzterer 1923 eingegangen). 1896. 1905: Gründung einer großen Anzahl Jugendvereine im ganzen Reich. Interessant ist. daß bereits zu jener Zeit in Kleinge-meinden- Jugendvereine entstehen, so Lörrach unter jahrelanger Leitung des Lehrers .Abel. 1905: Gründung des Jüdischen Jugendbundes „Gabrie l R ießer". KölrT! durch die Reiercndarc Dr. Alfred Apfel und Isi Kahn. 1909: Gründung des Verbandes, der jüdischen J u g c n d v e r e i n e Deutschlands auf der konstituierenden Delcgicrtentagung in Berlin. Vorsitzender: Dr. Alfred Apfel. Berlin. Im Vorstand sitzen außer Vertretern der fünf Vorstandsvereine: Berlin. Köln. Frankfurt a. M.. Braunschweig. Hannover, die Delegierten der Großloge l'OBB. und des Centralvcreins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Nach ausführlicher Aussprache werden die Wahrung strengster Neutralität und die' Einhaltung des jüdischen Religionsgesetzes bei den Veranstaltungen des Verbandes und seiner Vereine zum Prinzip erhoben. 1910: Gründung von Bezirksverbänden. Zuerst der Westdeutsche, dann dcrf"Sord-Westdeutsche Bezirksverband. Im Oktober erscheint das erste Heft der .•.Mitteilungen" Starkes Anwachsen des Verbandes durch Neugründungen und Anschlüsse. — Intensive Propaganda durch Dr. Apfel. Dr. Isi Kahn und Dr. Regensburger. Geschäftsführer des Verbandes: Dr. Kinkel. 1911: 19 März: 2. Delcgicrtentagung des Verbandes in [Hannover. Ausgedehnte Debatte über Neutralität, ^eben Reden Dr. Apfels. Berlin, und Dr. Lichtenbergs. Hannover, wiederholte Diskussionsreden Kurt Blumenfclds. der als Delegierter der Vereine Katlowitz und Ihsterburg teilnimmt. Erweiterung des Vorstandes durch die Vertreter der Vereine Breslau. Thorn und Slraßburg. Einstimmige Wiederwahl Dr. Aplels. — Die Aprilnutnmer der ..Mitteilungen' ' erscheint als Gcdenknummcr zur Jahrhundertfeier der Judencmarfzipation in Preußen mit Beiträgen, u. a. von Tirpitz. Minna Cauer. Erzberger. Eugen Kuchs. H, v. Gerlach, Walter Rathenau, Timendorfer. Hermann Cohen, Oncken, Otto Ernst und Hermann Struck Im November beginnt im Verband, angeregt durch ein Referat von Cora Berliner, die Diskussion über Mädchenorganisalion. Die Jugcndvcrcine haben fast ausnahmslos nur männliche Mitglieder. 1912: Gründung des Südwestdeutschen Bezirksverbandes: Sitz Krankfurt a. M. — Gründung des Jüdischen Jugendbundes Posen, Vorsitzender Referendar Krombach. — Am L Juli übernimmt Cora Berliner die Geschäftsführung des Verbandes. 1913: Pfingsten: 3. Delcgiertentagung in Krankfurt a. Main. Referate über Berufswahl, Pflege der hebräischen Sprache und Organisation der weiblichen Jugend. Einstimmige Wiederwahl Dr. Apfels. — Weiteres starkes 4