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Der Jugendbund · 1927-09-01 · 9 (1.9.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
9 (1.9.1927)
Date
1927-09-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Sinn und Ziel unserer Uerbetage Von Rabbiner Dr. Klein. Düsseldorf, 1. Vorsitzender des .Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Bis zur Bonner Tagung im Jahre 1922 war unser Verband neben dem C. V. die größte jüdische Organisation in Deutschland. Er fühlte die Kraft in sich, einen maßgebenden Einfluß auf die Gestaltung jüdischen Lebens auszuüben. Scio Kampfruf ..Entgiftung des P a r t e i 1 e b en s"". ..Erziehung des jungen Geschlechts zu k ,r! f t voller Persönlichkeitsentfaltung auf neutralem Boden" hatte ,es vermocht, einen großen Teil der jüdischen .lugend Oeutschlands^im seine Fahne zu scharen; der Anfang war gemacht.' das deutsche Judentum der Gesundung entgegen zu führen. . Es ist hier nicht der Platz, zu untersuchen, wie es kam. daß, wir plötilich vor einem Trümmerhaufen standen Trauernd standen alle diejenigen, die im Verbände ihre Hoffnungen gesehen. Der Verband als solcher verschwand für Jahre aus der jüdischen Öffentlichkeit. An seine Stelle traten die Geister, die ct zu hemmen gesucht: Zerklüftung, Engherzigkeil. Iniugc'ndlichkeit. Die jüdische Jugend ließ sich vor den Parteiw-ageri spannen oder trat veVärgert oder gleichgültig beiseite. * - - .,. Und doch glomm das Feuer urrter djr Asche. Treue und Verar»ty.ortlichkeitsgcfühl für 4a,s Ganze w^cen geblieben als Erfolg jahrelangen Mühens. Nicht bei der großen Masse, aber bei den Wertvollen, die wirkliche Arbeit mit dem Verbände für immer verbunden hatte. Unentwegt stellten sie dem Triumphgeschrei der Gegner ihr „U n d dennoch'' gegenüber. Hinter ihnen standen nicht die Macht- und Lockmittel irgendeiner Partei, nicht das hochlodcrnde Feuer leicM entzündlicher .lugend: ruhig und 4telig schafften BKfim Bewußtsein ihrer starken Idee. So kam die Besinnung bei der Jugend. Imsaer stärker drang zu den Trcugebliebenen der Ruf nach Neubildung d e s Verbandes. Gustav Löffler. der Treueste der Treuen, der' starke Jude, der verständnisvolle Mitstreiter bei allem, was zum K'lal führt, gebührt das Verdienst, den Ruf aufgenommen zu habe». Die Frankfurter Führersitzung im Jahre 1924 sah unter seiner Leitung die Schar der Treuesten in neuer Verbundenheit zu ernster Beratung zusammen, und hier fiel das Wort: „Der Verband besteht trotz allem, und wenn er noch nicht da wäre, so m ü.ß te er jetzt gegründet werden'' Schwer wär das Ringen, das folgte; nicht gegen Gegner, sondern gegen Gleichgültigkeil und Vcrärgcr u.n g. Auch Löffler verzweifelte, nicht an der Sachje. aber an den Menschen. Doch sein Mühen hat Früchte getragen. Immer stärker wurde der Ruf der wiedererwachten und | erstarkten Vereine nach einer Leitung Die 1. D e 1 e g i e r t c p t a g u n g des wiedererstandenen Verbandes in Düsseldorf 1926 zeugte von neuem, starkem Leben, von neuer, arbeits- Jreudiger .Itigend, die gewillt war, sich dem Verband hinzugeben, zeugte von der Treue altbewährter Freunde. t. L nd nun setzte eine Entwicklung ein. die die neue Leitung selbst wachsen ließ an der Fülle der Aufgaben, an dem Drängen nach Verwirklichung all der Forderungen, die die Jugend de- \erbandes stellte. Der innere Wiederaufbau, der äußere Anstieg erfüllen uns heute, nach anderthalbjährigem Schaffen, mit der Gewißheit, daß es Zeit ist, das, was wir wollen, nach außen zu tragen, jüdische Jugend zü erfüllen mit dem Drängen nach Feinheit und Sammlung, zu erfüllen mit dem G'eist echten, nicht an der Schablone gemessenen lebendigen Judentums im Sinne der Propheten. So entstand der Gedanke der Werbewnche. Aus unserer inneren Stärke heraus, aus Liebe zu unserem Judentum wollen wir aller Welt, besonders aber der Jugend. Kunde geben von dem, was uns erfüllt, wollen sie zu Menschen machen, die von dem Gedanken der Einheit ebenso erfüllt sind 1 wie wir. — An dieser Aufgabe sollen wir wach - | s c n. Vielleicht bedeuten diese Werbetage für manchen Verein, für manchen jungen Freund, daß er sich seiner Stärke erst bewußt wird; vielleicht bedeutet diese Werbewoche für manchen erst den Anfang der Arbeit. Aber wir wissen, daß wir nicht nur für uns selbst, nicht nur für unsere Zeit und für unsere Jugend da sind — unser Ziel ist weiter gesteckt Was uns erfüllt, soll s«.ine Vollendung finden. Der Geist wahrer Jugendlichl eit, hohen Strebens und echten Gemeinschaftsgefühls soll hir eingetragen werden in unsere Gemeinden und in dis ge.-amte deutsche Judentum. Lebendigkeit und Beweglchk e i t sollen Kennzeichen unserer Gemeinden werden. Sie sollen wissen, was sie der Jugend verdanken und was sie ihr schuldig sind. So wenden »fr uns auch an die „Alten" Freut euch dvr jüdischen Jugend, die neues, frisches Leben aus freudiger Arbeit in die jüdischen Gemeinden bringen will. Laßt den Hader ruhen, erhebt euch zu freier Schau unl reicht uns die Hände. Führt uns eure Jugend zu. daß - sie befreit werde von den Fesseln des Dünkels und der Gleich gülitgkeit. daß sie helfe, ein freies, lebendiges, in der Vergangenheit wurzelndes und in der G c g e n'w art blühendes Judentum zu schaffen, das sich bewußt ist seiner heiligen Aufgabe für eine beglückende ZukunLt. Auf. ans Werk! Form und Inhalt des jüd. lugenduerbandes Ein nachwort zur Bonner Führertagung uom 10. Juli 1927 Von Dr.' Gustav Löffler. Frankfurt a. M. Der jüngsten Führertagung des Westdeutschen Landesverbandes in Bonn war durch da4 Referat „Die Ideologie des Verbandes ". von Fritz Schwarzschild, ein für den ganzen Verband höchst bedeutsames Thema zur Erörterung gestellt. Wenn das Protokoll jener Tagung, wie es in der Bezirks-A.isgabe de> ..Jugendbund" vom 21. Juli 1927 vorliegt, den Gang der Aussprache einigermaßen getreulich wiedergibt, so bedeutete diese ein beifallswürdiges, ehrliches Ringen um letzte Einsicht in das Wesen, in die „I d c e" unseres „Verbandes der jüdischer. Jugcndvereinc Deutschlands". Gerade darum erscheint mir's nötig, daß diese Aussprache im ,,Jugendbund" fortgeführt werde Nötig einmal, auf daß alle, denen der Verband für ihr persönliches Leben wahrhaft etwas „bedeutet ". sich über diese entscheidende Frage mit-auseinandersetzen und an den seitherigen Errungenschaften mit teilhaben; nötig aber vor allem, damit die Fortführung zur E n d führung werde. Woh' wuchs sich das Schlußwort Schwarzschilds an einigen Stellet zu förmlicher Endführung aus. Aber zuvor standen die Mei nungen zu unvermittelt und bunt neben- und gegeneinander, al daß man erwarten dürfte, ein in der Regel nicht eben starl. vermerktes — Schlußwort des „Referenten" vermöchte di-." Widerstrebenden zu Zuspruch und Einigung zu führen. Zude'i scheinen auch an der geistigen Gestaltung Schwarzschilds noch einige kleine Meißelschläge erforderlich, damit endlich in aller " Reinheit und Schönheit die Verbandsidec für Freund und Feind dastehe.-Das Recht, mein eigenes Wort in dieser Angelegenhe.t in die Wagschal'e zu werfen, leite ich davon ab, daß die hier nötige letzte Erkenntnis und „Objektivation" des Urteils e n reiches Maß an Erfahrung (Empirie) und einige Distanz zu den Erscheinungen des Alltags im Verbandsleben erfordert, — wie sie nur dem „Veteranen" zu eigen sein kann. Zunächst muß da. wo es um letzte begriffliche Festlegung ge'it, gefordert werden, daß führerische Menschen sich um den geistigen Gehalt, um die Bedeutung von Begriffen völlig klar seien, die zwar in inniger Wechselwirkung zueinander stehen, aber einander keineswegs decken, wie dies von den Begriffen Aufgabe, Erziehungsprogramm, Ziel, Idee, Ideologie gilt. Beachtet man diesen Grundsatz nicht, wie es gerade bei den Erörterungen umdie Idee einer Sache stets wieder geschieht, so schafft man immer neue Unklarheit selbst bei tieferschürfenden Naturen und redet endlos aneinander vorSei! Die Aufgaben des

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