Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 9 (1.9.1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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) D€R JWOegJLDBVND miTT^ii-unGen Des veeBflnDes D6P jc<DiscHen juGenDveB€in€ peufscHLflnps 13. Jahrgang Düsseldorf, den 1. September 1927 Nummer 9 An die jüdische Jugend! , Unbekannter Freund! Unbekannte Freundin! Wir bitten um einen Augenblick Aufmerksamkeit! Wir haben Dir einige Fragen zu stellen. Höre: Bist Du mit Deinem Leben zufrieden? Hot Dich noch nicht die Sinnlosigkeit geschmerzt, in der Du Deine Tage verbringst? Die leeren Gespräche mit Kumpanen, der Klatsch der .Freundinnen", dieses ganze Leben eines jungen Menschen von heute? Geht nicht Dein Wille, der im Grunde nur das Edle und Gute will, nach einem Leben voll Schönheit, Wert und Glück? Bist Du allein zu schwach, um Deinen Willen diesem entgeisterten Dasein aufzuzwingen? Weißt Du nicht, daß wir Dir helfen wollen? Hast Du einmal darüber nachgedacht, was Dich mit allen Juden verbindet? Warum gefällst Du D r in dem Gefühl, keinen Boden unter den Fühen zu haben? Weihl Du. warum Du Dich ott geschfimi hast, ein Jude zu sein? wjirst Du überhaupt jemals mehr als ein Mensch, den die andern »Jude* schlmpiten? Hast Du In Deinem Leben schon ein einziges Mal ganz sicher und selbstverständlich gefühlt, dah es auch eine Lust sein kann, Jude zu sein? Hast Du schon einmal zu jemand aus überströmender Herzlichkeit Bruder gesagt oder Schwester? Hast Du einen wahren Freund? Eine Freundin, der Du vertraust? Mit wem sprichst Du Dich aiis, wenn Dein Herz schwer ist? Du kennst nur Deinen Beruf, Dein Geschäft, Deine Liebhabereien? Dir genügt der Sport, der Flirt, das Cafe, die Tanzdiele, die Bar? wir Heilige sind. ude! Lieber, unbekannter Freund, glaube nur nicht, dal} Wir sind jung wie Du, begeisterungsffihig wie Du, verwegen wie Du - wie Du wollen wir F r Junge Juden aus allen Lagern! Spürt Ihr nicht wie wir, dah sich die jüdische Jugend lösen will von der Not ihres Daseins, von der Not, in die uns die Gleichgültigkeit der Satten hat fallen lassen? Fühlt Ihr nicht wie wir, dah der stürmische bewegung" in uns seine geläuterte Form sucht? „ .. nicht schwinden noch tauschen /kann Je das neue Nahn/von dem was mit donnerndem R< uschen Dich erzog deiner Bahn Ihr Freunde, wer soll unser Geschick bestimmen, wenn nicht wir selbst? Wir wollen die Weisheit unserer Ahnen wieder einsetzen in unser Leben, unsere vom Ghetto verkrümmten Körper wieder aufrichten, unsere von den Städten verwirrten Herzen hinaustragen in die Ruhe des deutschen Landes Wir ersehnen ein vollkommenes Geschlecht junger Juden. Wer soll uns erziehen, wenn nicht wir selbst?! Junger Freund, junge Freundin! Wir kennen Dich nicht, aber wir wissen, dah wir Dich tfauchen zu unserem Werk. Du brauchst auch uns! Auch Du! Du bist zu tein für einen Bund der Jugend? Wir beschwören Dich, gib die lächerliche Scheu vor uns auf! Oder den Dünkel, reichere Eltern zu habenI Oder den Dünkel, zu arm zu sein! Ist Euch nicht allen das jüdische Parteigezfink zum Ekel geworden? Ist nicht das, was uns eint, edler als das, was uns trennt? Wollen wir uns nicht lieber die Hönde geben? Gemeinsam In der neuen Gesinnung a/bi iten und nicht an den Meinungen der Alten? Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen. Wir sind schon viele, noch rieht alle! Tausende junger Juden stehen in unserer Front: Du fehlst! An Dich persönlich wenden wir uns. Du brauchst nicht zu verzweifeln. Fasse Mut! Habe Vertrauen! Komm zu uns! Geh mit uns!