Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 15 (4.8.1927)
- Date
- 1927-08-04
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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genommene und spielten wieder. Bald wurde uns aber das Spielen im Freien unmöglich gemacht: ein „feiner" Regen rieselte auf uns herab. Wir suchten eine Wirtschaft auf und vertrieben uns die Zeit mit Kegelspielen. Als es wieder hell wurde, gingen wir an die Mosel. Dort übergaben wir zwei Flaschen, in die wir ein Schreiben einschlössen, dem Wasser, Hoffentlich Wird sieh der Finder einmal melden. "Unser rVächstes Ziel war Schweich. Wir wanderten immer an der Mosel entlang. Bald war Schweich erreicht. Eine halbe Stunde verbrachten wir noch mit Spielen. Auf der Landstraße ging es nun zum Bahnhof Kenn. Uns passierten viele Automobile und Fahrräder. Wir mußten schnell gehen, um den Zug noch zu erreichen. Auf dem Bahnhof Kenn mußten wir eine Zeitlang warten, bis der Zug eintraf In Trier verließen wir den Zug mit dem Bewußtsein, den Tag nützlich verbracht und eine schöne Fahrt erlebt zu haben. Rudi Abraham. Tage im Schwarzwald. Trotz des zeitweise kühlen Wetters verlebe ich schöne Wochen im badischen Schwarzwald. —.Hier, in etwa 300 Meter Höhe, ist die Vegetation üppig. Wiesen herrschen vor. Eben :<t .die Heuernte in vollem Gange, und die Schulkinder haben hierfür 14 Tage Ferien. Korn- und Kartoffelfelder überall, mir die Weinberge hat man zum Teil durch Erdbcerpflanzungen ersetzt, Krankheiten und Ungeziefer machen den Weinbau unjohnend. Vom Reichtum an Obst macht man sich nur schwer einen Begriff. Wie unvergleichlich schön muß hier die BaUm- -blüte sein! Oben im Gebirge aber herrschen die* schwarzen, unend- 'ichen Tannenwälder. Aus ihnen hervor lugen zahlreiche Kurhäuser, elegant und modern eingerichtet, und werden stark besucht. 20Ö0 Meter stieg ich neulich hinauf, und wir sahen fern am westlichen Himmel die Vogesen und das StraObur^er •Vfipster. Es war einmal ... Wir hatten, in unserem Hotel in Sasbachwalden eine interessante Begegnung. Die Ozeanflieger Chamberlin und Levie •speisten hier zu Abend. An unserem N^bentisch sa""*! s c, waren gerade mit zwei Herren von Baden-Baden, ungef. lir [jei "Stunden von hier, gekommen. Ins Fremdenbuch, das man ih en natürlich sogleich überreichte, . schrieben sie, daß sie in der Stille des Schwarzwaldes vom Ozeanflug Erholung suchen ^wollen. . Solche Besuche sind in dieser Abgeschiedenheit hier beinahe eine Sensation. Bernhardine Windmüller. Reise nach Dessau. Von Hilde Margolinsky, Magdeburg. Mein Aufsatz müßte eigentlich „Besuch des Bauhauses" heißen., Wir waren voller Unternehmungslust an einem schönen Sonntag nach Dessau gefahren. Die_Schloßkirche, das Mcsselhaus unf das Bauhaus wpllten wir uns ansehen. Als wir abends in bester Stimmung nach Hause fuhren, hatten wir rur das Bauhaus und die Bauhauskolonie Törten gesehen. Das genügte uns aber ganz und gar, wir hatten so viel Schönes und Interessantes gesehen, daß wir vo'lauf befriedigt waren. Dessau ist ein Städtchen, dem d^ie Tradition noch in allen Gliedern steckt. Ehemalige Resident! Man hört unwillkürlich Seidenkleider rauschen .und spürt einen starken, schweren Duft, der von einem genz leisen Staubgeruch durchsetzt ist. Auf Schritt und Tritt begegnet man dem Denkmal irgendeines der vielen Leopolde oder George, die einmal in Dessau residiert haben. Das Ganze ist sehr würdig, sehr zurückhalte" ein bißchen verschlafen, einl bißchen vermottet. Dieser EtW druck wird durchaus nicht dadurch gestört, daß eine ziemlich kleine Turnerschar auf dem iMarktplatz eine donnernde Red« anhört. Die ganze Aufregung wirkt genau so unwahrscheinlich, wie der Sonnenschein, der so unbekümmert am Himmel lacht, als ob es nicht vor fünf Minuten gegossen hätte und gleich wieder gießen wird. Wir schlendern die Hauptstraße entlang, am Theater vorbei, das ja vor zwei Jahren ganz ausgebrannt ist. Die Fassade steht noch, aber dahinter sind nur Trümmerhaufen. Gegenüber liegt das Palais irgendeines Prinzen. Es wird abgerissen. Die Leute schimpfen. Wir fahren mit der Straßenbahn bis zur Endstation. Unterwegs wundern wir uns, daß es in Dessau Schaffnerinnen gibt. Das erinnert uns an den Krieg. Bis Törten müssen, wir noch ein Stück laufen. Der Himmel hat kein Einsehen. Es gießt. Törten besteht vorläufig aus zwei Häuserreihen. Einige Häuschen sind seit kurzer Zeit bewohnt. Gar zu gern möchten wir mal eins von innen sehen. Wir haben Glück. .Ein freundliches älteres Ehepaar erlaubt uns trotz unserer schmutzigen Schuhe, ihr Haus zu besichtigen. Si« wohnen erst seit 14 Tagen darin, und man merkt ihnen noch ordentlich die Freude an ihrem Besitz an. Voller Stolz erklärt uns der Mann alle Einrichtungen. Jeder kleinste Platz ist ausgenutzt, man ist überrascht, wieviel Raum in so einem Häuschen ist. Die breiten Fenster lassen eine Flut von Licht herein, alles ist hell und luftig. Jedes H' uschen hat einen großen Balkon und ein Stück Gartenland, Begeistert fahren wir in die Stadt zurück, um uns nun das Bauhaus anzusehen. Auch hier überall Licht und Luft. Wir sehen die Versuchsbühne, den Ausstellungsraum, di« Kartine, die verschiedensten Werkstätten, sogar in die Stockwerke, die von Schülern bewohnt sind, dürfen wir hinauf, wir laufen treppruif, treppab, vom Keller bis zum Dachgarten. Y'as machen denn nun die; Leute im Bauhaus eigentlich? Wem man das Be.uhaus nicht 'kennt, kann man sich von der Ar! der Arbeit keinen Begriff machen. Es ist alles Versuch, v-S es ist erstaunlich, w>.s oft dabei herauskommt. Wir haben J:e verschiedensten Arbeilen gesehen; Möbel, eins immer praktischer und bequemer als das andere; in der Weberei v, ■•;1ervrlle angefangene Arbeiten; in anderen Werkstätten Probe« für Wandmalereien oder unwahrscheinliche Dinge aus C'-.< orVr eipem Stück Draht. Gerade bei diesen Arbeiten w'-rl versucht, alle Möglichkeiten auszuwerten, die das Mater^! r - '.ct. Man war natürlich von der Fülle von Eindrücken ßberwä'tigt, aber das war es nicht allein. Der Geist, der rNrcli L'-;s Garze geht, der Schaffenswille und die wundervolle Schaf'ensfreode, das reißt einen so mit. Man spürt, daß es hier keinen . Sti'Ntand gibt, daß hier warmes, kraftvolles Leben ist. ' r sahen wir von außen noch die Meisterhäuser, die seh' hübsch zwischen Bäumen liegen. Wir konnten feststellen, di'l Wohrhäuser im modernen Stil das Landschaftsbild nicht im 'cri-gsten stören, wie so oft behauptet wird. Nach so wundervollen Eindrücken hatte eine Besichtigung der Schloßkirche nicht mehr sehr viel Interesse für uns. So Wertvolles sicher dort zu sehen ist, es gehört nun einmal der Vergangenheit an. Aber im Bauhaus regiert die lebendige Gegenwart und der Gedanke an das Kommende. Wir sind jung, und wir wollen mit beiden Füßen in der Gegenwart stehen und hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. Bücherschau Felix Langer: Erotische Passion. Etgenbrödler-Verlag, Berlin. Alexander Viatör ist der Sohn eines kleinen jüdischen Bankiers, der, scinejf'Vätern gleich, einen kindlichen Gottesglauben mit Heister* Verwurzelung im „Geschäft" verbindet. Der Sohn ist anders; eine problematische Natur, Dichter, Idealist, kämpft er mit der Materie, mit dem Geld, mit der Vergangenheit, aber auch mit sich, mit seiner „erotischen Passion", und der Gegenwart. Sein. Wissen um die Gebundenheit des Menschen am Ding widersetzt sich seinem naiven Glauben an das Gute im Menschen. So mit sich zerfallen, benutzt er die Frauen, nutzt sie „zweckdienlich" nur zu seiner Erhöhung. Ist es der Roman des westeuropaischen Kleinbürgers, der zu den Sternen will, nun wohl, Held und Milieu sind geraten. Ist es aber der Roman eines Juden, dann ist zu sagen, daß Alexander Viator kein Jude ist, auch nicht einen einzigen jüdischen Zug an sich hat. Alles in allem aber: fesselnde, flüssige Sprache, ein lesenswerter Roman. _er, Gertrud Prellwitz: Sonne über Deutschland! Maien-Verlag, Oberhof in Thüringen. Das ist ein Buch: wie ein Junge aus der Jugendbewegung, aus der Verbundenheit mit dem Urquell und aus der Kraft seines Erlebens heraus der Arzt wird, der kranke, todgeweiht« Menschen und eine kranke, todgeweihte Kultur heilt und aufrichtet. Dieses Buch ist mit Herzblut geschrieben, in jener stolzen, edlen, starken Sprache, die denen eigen ist, die um das Wesen der Jugendbewegung wissen, sie an sich erlebt und erfahren haben. Einen Roman nennt die Dichterin ihr Bucht doch ist es mehr: es ist ein Bekenntnis und ein Aufrui Hoi - 12 —