Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 15 (4.8.1927)
- Date
- 1927-08-04
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Leonid Großmann: Die Beichte eines Juden in Briefen an Dostojewski. Verlag R. Piper & Co., München. Ein seltsam ergreifendes Buch kommt von Osten zu uns. Von allen Büchern fremder Literaturen sind es überhaupt immer die russischen, die am tiefsten auf uns wirken. Ob es die Weite Rußlands ist, oder die Tiefe seiner Bewohner, oJer die Enge ihres Horizontes? — „Die Beichte eines Juden" zündet doppelt: ein Buch von Rußland mit all der östlichen Fremdheit, die uns anzieht; aber auch ein Buch von einem Juden, der ein sonderbares, ein heroisches Schicksal hatte, der. ein anderer Raskolnikoff, sich Dostojewski nähert, um von ihm Verständnis für sein Verbrechen und Vergebung für seine Schuld zu erflehen. So ist dieser kleine Jude einer, ü!:cr den wir Wehmut und Stolz zugleich empfinden müssen, weil es ein wohl nicht alltägliches, aber doch in seiner Eigenart jüd c'cs Leben ist, das sich da vor uns aufrollt. Man muß das B;ch gelesen haben. E. H Edmond Fleg: Ein kleiner Prophet. Verlag R. Piper & Co., München. Die Geschichte eines Judcnknahen, der sich sein Wistcti um sein Judesein, seinen Eltern zum Trotz, erkämpft, und der, Ian ' als weil er tiefer veranlagt ist al< Jahren seiner Kindheit mehr er ebt zurieten" ihr ganzes Leben 1; Typs von Eltern, die in allen keit, sozialen Hilfe „machen' sprechen, das Judentum nicht ein Volk, sondern als ein Ung Claude die Umwelt sein, die Kl die Dienstmädchen, die ihn zum dabei natürlich allen Gefahren christianisierter Mystiker, ein I'l'adfinder (in Paranthese: aucl fahren, die der Dichter aufweist Vichts zu werden. Zufälle, od führen ihn zu sich selbst zurück, ein (.lüde, und den Glauben, „eir geoen ihm damit seine Ruhe heiitlfchcr, kindlich-reiner Sprache er Logik entrollt der fran|:ös lertcfneksu Man soll das Kitern in die Hand geben ech die meisten, bereits in de* als die berühmten „Viel. Claude ist der Sohn jene« Bianchcn der Politik, Gerechtig. die aber, um mit Heine zu s eine Religion, oder gar als lttck ansehen. So muß es bei ssenkameraden, die Gespielen, Juden machen. Das Kind ist ausgesetzt: ein wcltabgewandtcr, allzu praktischer Nichts-alshicr liegen bedrohliche Gc- —), ein Selbstmörder und ein :r meint /man: die Vorsehung, erwecken in ihm den Willen, kleiner Prophet" zu sein, und und Sichc+heit . wieder. — In und mit naiver und darum ischc Dichter dieses herbe Buch den Aeltercn. aber auch Ho Aus dem Leü s Verbandes Die im letzten Bericht angekündigten Treffen der best! und badischen Vereine am 10. und 24. Juli haben einen a•• ordentlich erfreulichen Verlauf genommen. An beiden anstaltungen konnte bei Gelegenheit seiner Urlaub irjei e Verbandsvorsitzende Dr. Klein teilnehmen und dadurc't Gefühl der Verbundenheit mit dem Verbände in per t * Aussprache stärken. ' , } An dem Hessentreffen in Niedernhausen im Ta nahmen fast hundert Freunde aus Frankfurt a. M., Hä Mainz, Wiesbaden, Offenbach und Worms teil. Nach AI der Wanderung fand in Wiesbaden eine BetptecHusg i r Führer des Hessischen Landesverbandes zur Vorbereitung des süddeutschen Treffens in Eberbach und der kommenden Wil tcrarbeit statt. Die badischen Vereine trafen sich in Tribcrg. Fs mu^ hervorgehoben werden, daß trotz der großen Entfernungen u-d der schlechten Verbindungen die badischen Vereine fn! vi "- zählig erschienen waren, so daß dcr1.andesverbandsvor<''7 Fritz Hagelberg, Konstanz, mit berechtigtem Sto'ze 140 T - nehmer begrüßen konnte. Den Wanderpreis im Slafc'te-!- if trug der Verein Freiburg davon. Ein wirklich frcur-'!"C,",'tliches Zusammensein in einem großen Saale, bei dem der V< r« bandsvorsitzende über Gemeinschaflsfragcn sprach, b:' tele d':n erfreulichen Ausklang. Besonders zu erwärmen ist der frVrliche Empfang durch den Bürgermeister von Tribcrg in d tn schönen Rathaussaale. In seiner Ansprache betonte der B"rgermeister, daß er sich besonders freue, die Vertreter der jüdischen Jugendvereine in Tribcrg begrüßen zu könreti urd sprach von der Notwendigkeit der gemeinsamen Arbeit am Wiederaufbau des Vaterlandes. Fritz Hagelberg erw: 'crle in treffenden Worten und versprach namens der jüdischen J igend, daß wir stets zur Stelle sein würden, wenn es sich dirnm handele, zur Gesundung der Verhältnisse beizutragen. Er hctonte, daß diese Gesundung nur dann eintreten könne, wenn alle Teile des Volkes zu der Einsicht gelangten, daß gci'crseitiges Verständnis und unbedingte Achtung zu gemeinsamer Arbeit führen müßten. Eine Führcraussprache mit dem Verbandsvorsitzenden beschloß die Treffahrt zu allseitiger Zufriedenheit. Der aufstrebende Landesverband W ü r 11 e m b e r g hatte am 10. Juli einen von 203 Freunden besuchten Gautag in Eßlingen. Die Vereine Stuttgart, Eßlingen, Heilbronn, Göppingen, Gemünd, Ulm, Rottweil und Haigerloch waren vertreten. Als Gäste nahmen auch die Stuttgarter Gruppen des „Blau- Weiß" und der „Kameraden" teil, ein erfreulicher Beweis dafür, daß es auf dem Boden unseres Verbandes möglich ist, die gegensätzlichen Gruppen zu gemeinsamem Tun zu vereinen. Die sportlichen Veranstaltungen wurden leider durch strömenden Regen stark behindert, doch ließ man sich in der freudigen Stimmung nicht beeinflussen. Im Saale des Jägerhauses wurde ein Vortragsnachmittag improvisiert. Lutz Themal, Pforzheim, der Vertreter des Badischen Landesverbandes, und Gustav Spier, Haigerloch, referierten über den Neutralitätsgedanken des Verbandes, die Führer der Kameraden-Gruppe lt Blau-Weißen sprachen Daran schloß sich eine in - W c s t d ~i Freund« aus den Vereinen!vj kirchen, Zülpich und Jülich F.ilirurg von Rahibner Dr. Levy, Bonn. Nach einer Besichti '4m des interessir.ten Brühlc 1 \X'c!tk::mpfe statt, die wegen d :s schlechten Wetters frü!<zeitig Nach einer Ansprache von dschafllichster Weise zusammen. Verlauf nahm der erste stdeutschen Bezirks. 'brocken werdenmußten. : r. '.cvy fand man sich in freun Kincn sehr crsp'ricß ichen Fuhrerkursus des We ti Jäheit' die theoretische unc Führung der Vereine'geben sol zur Ideologie des Verbandes. über die Grundgedanken ihrer rege Aussprache. Gemeinsam cne Wanderlieder und Volkstänze hielten die Freunde zusammen. ut sehen Landesverband trafen sich zirka <öln, Düsseldorf, Bonn. Düren, am 31. Juli in Brühl unter Schlosses fanden sportliche Verbandes am 10. Juli in '3onn, zu dem 40 Vertreter der ' re Aachen, Bonn, Castqlliun, Euskirchen, Düsseldorf, Hamm a. d.*Sieg, Köln, Mayen, waren. Der BezirUsverba-.d.: D Iren, Dierdorf, Grevenbroich, Ir'cr und Zülpich erschienen v.' ,1'ende. Studienrat Levi 5'olff,'Köln, erklärte einleitend df i die Führerkursc den heranwachsenden Leitern der Verpraktische Grundlage für die ten. Fritz Schwarzschild sprach Er betonte, daß die Neutralität besi der Erzichungungsarbeit ni r die Kennzeichnung des Kahrens und der Form der Arbi it, aber nicht deren Inhalt sei. Dt» daran sich anschließende Aussprächet, bewegte sich auf i : cm hohen Niveau und zeigte in welch vornehmer und sach- IUher Weise eine Auseinandersetzung über wellanschauliche Frjagcn möglich ist. Es wurde sodann die Wintcrarbeit besprochen. Den Schluß bildete ein von Mine Meyer, Düsseldorf, geleiteter, als Beispiel dienender Heimabend über soziale Arbeit; . Aus den Arbeitsberichten de- Vereine ist hervorzuheben dir Bericht aus Haigerloch. Die Heimabende Finden m|eist in dem nahen Walde statt, Es wurden ostiüdische Novellen und „Die Augen des ew gen Bruders" von Stefan Zweig g( lesen und an Hand von ausgewählten Zeitungsaufsätzen wichtige Fragen besprochen. Pforzheim hat, wie irimer, ersprießliche Arbeit geleistet. Man legt dort großen Wert auf die Aussprache mit anders gerichteten Bünden u ld sucht die Mitglieder durch Rundfragen zu schriftlichen Aeußerungen zu veranlassen, um dadurch solchen, die sich nicht trauen, sich an Aussprachen zu beteiligen, zur aktiven Mi arbeit heranzuziehen. Ein besonders interessierendes Thema war: „Was zieht mich zum Gottesdienst?" Aus den ein 'egangenen Antworten war zu ersehen, daß viele Mitglieder s ch sehr ernst mit diesem Thema beschäftigt hatten, und daß unsere heutige Jugend mehr Hebräisch lernen müßte, um die -Gebete besser zu verstehen. Der Verein schlägt vor, dieses Thema in sämtlichen Vereinen und insbsondere in der Verbandszeitung zur Diskussion zu stellen. Wir würden uns freuen, wenn recht viele dieser Anregung Folge leisteten. _