Mannheim
Compact Memory

Der Jugendbund · 1927-08-04 · 15 (4.8.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
15 (4.8.1927)
Date
1927-08-04
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6492456-6352305-6352515--0435-4928617
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Abwehr Kurt Bachrach, Kreuznach Die {olgenden Bemerkungen sollen meine Erklärungen zu meinem in Köln auf der Delegierten-Tagung des Westdeutschen Bezirksverbandes gestellten Antrag auf Schaffung eines Rund» briefes zur Bekämpfung des Antisemitismus kurz ergänzen. Sie machen nicht den Anspruch auf erschöpfende Behandlung der Frage, wie sich unsere Menschen zur Abwehr stellen «ollen, sondern sie sollen lediglich einige mir wichtjg erscheinende Gesichtspunkte in diesem Zusammenhang hervorheben. Ich muß gestehen, daß ich das Maß von Gleichgültigkeit gegenüber wichtigen Fragen des täglichen Geschehens, insonderheit gegenüber den Gemeinheiten der Judenhetze,j nicht aufbringe, die einer Reihe geschätzter, aber, wie mir scheinen will, bezüglich dieser Fragen äußerst harmloser Freunde ru eigen ist. Der Jugendverband will aus jungen Juden durch lebendige Vermittlung jüdischer Wissens- und Gemütswerte gefestigte jüdische Persönlichkeiten schaffen. Genugsam wurden und werden die Methoden dieser Wertevermittlung und Erziehungsarbeit erörtert. Diese Arbeit muß ganz weit und in die Tiefe gehend gefaßt sein, muß ganz langsam, zahlenmäßig wachsen, soll ihr Ergebnis nicht nur Fassade, sondern festgefügter Bau des einzelnen und der Gesellschaft sein. Diese Bemühungen sind genau entgegengesetzt dem Wesen des heutigen politischen Tageskampfes, dessen fordernde Haltung und Fortbewegung auf den augenblicklichen Erfolg und die schnelle Erfassung der Machtlage hinzielt. Es ergibt sich nun für den um Verkörperlichung seines Judeseins Ringenden, daß, während er sich mit Hingebung letzten geistigen Dingen zuwendet, von außen eine mit allen Raffinessen einer Hetzpolitik gewappnete antisemitische Meute Haß und Anfeindungen an Judentum und Judenheit heranträgt. Und nicht der bestgeleitete Kursus über Erziehungsfragen oder Propheten und nicht Bibellesen oder hebräische Sprachkurse geben die notwendigen praktischen Mittel an die Hand, das banalste antisemitische Schlagwort in seiner Lächerlichkeit aufzudecken. Erbärmlich ist das Bild des jungen jüdischen Geistigen, dem trotz aller Geistigkeit einfache sachliche Argumente zu seiner und seines Judentums Verteidigung fehlen. Und in welchen Nöten befindet sich der junge jüdische Landbewohner, der sich gegen durch Landbund und ähnliche Organisationen geschürten Haß zu wehren hatl — Aus diesen Erwägungen heraus schlug ich auf der Kölner Tagung vor, einen Rundbrief, Fragen des Antisemitismus und seiner Bekämpfung betreffend, herauszugeben — vielleicht im Rahmen der Briefe über Tagesfragen — oder aber die Anti- Anti-Hefte des Zentralvereins allen Arbeitsgemeinschaften zur Durcharbeit dringend zu empfehlen. Jeder junge Jude unseres Verbandes soll eine schlagkräftige Geisteswaffe besitzen, die ihn jederzeit in den Stand setzt, die Ehre des Judentums und damit seine eigene wirksam zu verteidigen. Das ist keine politische Festlegung, — oder sollte entschiedene Abwehr der Gemeinheit und Kampf für Recht und Wahrheit schon politische Festlegung bedeuten?) Das ist kein Abschweifen vom Wesen unserer Bestrebungen; denn dieser Abwehrkampf, der vom einzelnen aktiv geführt werden •oll, von jedem an seiner Stelle, soll nicht Selbstzweck sein, sondern sich eingliedern in unseren Willen zur Erziehung gefestigter jüdischer Persönlichkeiten. Der Verband soll Wissen um diese Dinge vermitteln. Ich brauche nicht auseinanderzusetzen, daß dieses Wissen sich in anderer Richtung bewegen muß als das, was wir gemeinhin als „jüdisches Wissen" bezeichnen, daß es weniger das Letzte umfaßt, als Tempo und Anpassungsfähigkeit an augenblickliche Erfordernisse besitzen muß. Der Einwand, um den Kampf kümmere sich doch genügend der Zentralverein (von Zeit zu Zeit sieht man ihn gern — und erinnert sich sogar leutselig seiner Verdienste) ist ganz hinfällig; denn der Zentralverein ist eine solch ausgedehnte Organisation, daß das Schwergewicht seiner Arbeit bei seiner offiziellen Vertreterschaft ruht, während er eine Masse von Menschen bestimmter Gesinnung hinter sich hat, die verhältnismäßig wenig in den Vordergrund tritt, ih unserem Falle soll nnd muß es, dem Charakter einer Jugendgemeinschaft entsprechend, umgekehrt seih. Der Verband soll nicht durch seine exponierten Stellen schaffen, sondern seiner Masse Mittel zum Kampf an die Hand geben, und die Einzelmenschen dieser Masse sollen dann, wenn es nottut, den Kampf führen. Das ist alles. Nun werden auch die Freunde ihre Bedenken zurückstellen können; organisierter Abwehrkampf entspreche nicht dem Wesen unserer Bewegung. Es ist gar kein „organisierter Abwehrkampf", nur: Wissen um politische Dinge wird gemeinsam erarbeitet, und jeder Ein' zelne mag es verwenden, wie es ihm richtig erscheint, mag kämpfen, wie es' ihm sein Lebensrhythmus vorschreibt. So ist alles wieder aufs Individuum zurückgeführt, gelockert, alles vermieden, was organisatorische Erstarrung bewirken könnte, Ich weiß genau, daß politische Kämpfe, — am wenigsten heute — nicht mit Glace-Handschuhen geführt werden und daß wir gerade deshalb alles, was an Lebens- und Weltkennt» nis in uns ist, unsere Tat und vor allem Mut, auch in Niederungen hinabzusteigen, aufbringen müssen, um uns zu wehren. Es ist grausame Verkennung des Lebens, wenn gewisse Kreise der Jugend — und nicht nur der jüdischen — glauben, ihr Streben nach Reinheit und diese selbst am sichersten zu bewahren, wenn sie sich nicht mit Schmutz abgeben. Das bedeutet völlige Verkennung der Aufgaben bewegter Jugendi die, wenn sie Lebensberechtigung haben soll, mitten im Leben und auch in der Brandung politischen Lebens stehen muß. Die Mittel ihrer Kämpfe müssen dem Niveau des augenblicklichen politischen Tageskampfes entsprechen, wenn sie nicht verpuffen sollen; der Geist ihrer Kämpfe sei jugendlicher Geist. Nicht weitabgewandt, sondern das Tatsächliche achtend, wenn auch nicht immer bejahend, muß jüdische Jugend dastehen, ihre großen menschlichen Ziele immer im Sinn, nach außen hin aber stark schlagen, wann und wie es die Stunde gebietet. Stark positiv stellt sich uns ein solcher Abwehrkampf dar. Wenn jüdische Jugend sich daran erinnert, daß die Vorfahren ihren Tempel wieder bauten, in der einen Hand die Kelle, in der anderen das Schwert, dann wird ihr auch der heutige systematische Abwehrkampf als das einzige, weder phantastische noch utopische Mittel erscheinen, das es gibt, um Ehre und Recht und Unabhängigkeit des deutschen Judentums erfolgreich zu verteidigen. Unter diesen Gesichtspunkten müssen auch Spitzfindigkeiten der Dogmatik einer Sorte von Geistigen, die das Leben nicht vom Leben, sondern von rein literarischer Warte her betrachten, in sich zusammenfallen. Vom neuen Singen Dr. Arthur Relchenberger, Ichenhausen b. Ulm. 1. Wander-Licderbuch des JJV. Der Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands hat mich mit der Zusammenstellung eines für die Wander- und Junggruppen bestimmten Wanderliederbuches betraut. Ich ■tehe nunmehr am Abschluß dieser Arbeit und nehme gerne, jror der Drucklegung, noch Vorschläge und Wünsche entgegen, die, soweit möglich, berücksichtigt würden. Einsendung vtn Text- und Notenmaterial erst nach vorhergehender Anfrage, um unnötige Arbeit und Kosten zu ersparen. Da ich von Mitte bis Ende August voraussichtlich in Urlaub bin, so sind Verzögerungen in der Beantwortung von diesem Zeitpunkt an hierauf zurückzuführen. 2. Rothenburger Singgemeinschaftswoche. Trotz regster Unterstützung durch die Verbandsleitung und die Leitung des Bayerischen Landesverbandes, wofür auch an dieser Stelle herzlich gedankt sei, hat die hier gegebene Anregung zur Veranstaltung einer Singgemeinschaftswoche in Rothenburg o. d. Tauber vom 16. bis 22. August dieses Jahres nicht entsprechenden Widerhall in den Kreisen des JJV. gefunden oder richtiger gesagt: eine Beteiligung ließ sich wohl -5-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.