Mannheim
Compact Memory

Der Jugendbund · 1927-07-07 · 12 (7.7.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
12 (7.7.1927)
Date
1927-07-07
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492456-6352305-6352514--0424-4928607
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

den ttnd tcnriftstcTIemden Künstlers werden mit Recht die hochzuwertenden menschlichen Qualitäten dieses unermüdlichen Kämpfers für die Wahrheit im Leben und in der Kun^t gestellt. Was das Wort über die Kunst Liebermanns schwer dem Leser nahebringen kann, das zeigt ihm in vorzüglicher Weise der reiche Bilderschmuck, der dem Büchlein in erfreulich großer Anzahl beigegeben ist. Es war ein glücklicher Gedanke von E r i c h K 1 i b a n s k v, unter dem Titel: „David Reubeni in Portugal", einen Abschnitt aus dem Roman von Max Brod: „Rcubeni, Fürst der Juden", für die Jugend herauszugeben. . Es wird die autregende Szene geschildert, In der sich Salomo Molcho zu Reubeni bekennt und dann seine Rückkehr zum Judentum mit eigener Hand an seinem Körper "besiegelt. Zum besseren Verständnis des geschichtlichen Zusammenhanges, in dem diese Begegnung steht, hat der Herausgeber im.Anhing die Schilderung angefügt, die der gelehrte Arzt R. Joseph Hakohen (geb. 14%) in seinem Buch Emek Habacha (Tal des Weinens) von David Reubeni und Salomo Molcho gibt. „Im Kampf um die Menschenrechte" heißt das dritte Bändchen, das von H. Freudenberger herausgegeben ist. Es handelt sich um die Zusammenstellung einer Reihe von Originaldokumenten, die zur geistigen Vorbereitung der Emanzipation beigetragen haben. Von Manasse ben Israels „Erklärung an die Republik England" bis zu Gabriel Rießers „Verteidigung der bürgerlichen Gleichstellung der Juden" kommen die edelsten Vertreter des Aufklärungszcitalters zu Wort. Eine ausführliche Einleitung des Herausgebers sorgt für eine ausreichende Kenntnis des geschichtlichen Hintergrundes. Bei Aufzählung der für uns geeigneten Jugendlektüre möchte ich nicht versäumen, auf die neue Folge der von' unserem Freund Th. Rothschild herausgegebenen „Bausteine" (zur Unterhaltung und Belehrung aus jüdischer Geschichte und jüdischem Leben) hinzuweisen. (Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M., 1927.) Die „Bausteine", die den von E. G u t herausgegebenen Büchern: „Für unsere Jugend" (ebenfalls bei I. Kauffmann verlegt) würdig' zur Seite stehen, bringen geeignetes Matcrtel zum Verständnis der Bibel, Ereignisse aus der jüdischen Geschichte und Tatsachen aus dem jüdischen Leben. Die kurzen Lesestücke, die vielfach midraschiches Gut verwenden, sind in leicht faßlicher, klarer Sprachegeschrieben. Besonders ansprechend sind die Schilderungen Rothschilds selbst, der vom jüdischen Leben in seiner Jugendzeit in einer gefühlswarmen und zu Herzen gehenden Weise zu erzählen versteht. Nur den Titel seiner Bücher müßte er eines Tages ändern: „Bausteine" — ist das nicht zu nichtssagend? Lockt ein« solche Ueberschrift frische Jungens und Mädels? Des jüdischen Sagenschatzes hat sich seit langem Professor Bernhard Kuttner angenommen, der in ein?r Reihe von Ueberlragungen vdie Midraschliteratur der Jugend in deutscher Sprache zugänglich gemacht hat. Er schließt jetzt sein verdienstvolles Werk, mit dem sechsten Bändchen: „Jüdische Sagen und Legenden" (bei I. Kauffmann) ab. Seine Darbietungen sollten besonders bei unseren Freitagabendfeiern reichlich benutzt werden. So anregend diese Bücher gewiß auch für die Erwachsenen sind, so soll doch nicht verfehlt werden, die Aeltercn im Bund zur Lektüre der vom „H e i n e b u n d" (einer jüdischen Buchgemeinde, Berlin W 9) herausgegebenen Schriften anzuregen. Bisher sind zwei Bände erschienen. Aus dem Russischen hat Z. Holm den Roman von S. P o 1 j a k o f f: „S a b b a - tai Z e w i" übersetzt. Ich könnte mir zwar die^an dramatischen Momenten nicht arme Lebensgcscbichle dieses falschen Messias und betrogenen Betrügers phantastischer, mystischer und auch psychologisch durchdachter dargestellt denken (ich glaube Zangwills Zeichnung derselben Gestalt hat vor Jahren einen tieferen Eindruck auf mich gemächt), aber der Roman liest sich flüssig und gibt einen anschaulichen Einblick in die gespannte Atmosphäre dieser messiashungrigen Zeit. — Einem geschichtlichen Thema ist auch der zweite Band gewidmet. Von der dreitaus,endjährigen Geschichte des Judentums erzählt Professor Dr. E I b o g e n in gewohnter Meisterschaft, um dann die alten Quellen selbst, oder moderne Bearbeiter jüdischen Schicksals, in seinem „Gestalten und Momente" betitelten Buch zu Worte kommen zu lassen. Wer weiß, welche Mühe wir uns immer gegeben haben, den Sinn unserer Jagend für unsere eigene, einzigartige Vergangenheit zu wecken, der wird diesen Versuch, Geschichte wieder lebendig zu machen, in unseren Keinen freudig begrüßen. Die Sprache ist so "gehalten, daß auch unsere Schülergruppen Abschnitte aus diesem Buch mit Gewinn lesen können. Schließen möchte ich heute mit einer besonders warmen Empfehlung des Schriflchens von Else Schubert. Christaller: „Der Gottesdienst der S y n a - g o g e." (Verlag von Alircd Tüpelmann in Gießen, 1927.) Neben der Weckung des historischen Verständnisses waren wir immer bemüht, im Bund den Sinn für die religiöse Form, und insbesondere für die Gestalt unseres Gottesdienstes zu wecken. Frau Schubert-Christaller hat als Nichtjüdin in bewundernswerter Weise verstanden, sich in den Sinn und den Gehalt unserer Gebete und gottesdienstlichen Handlungen einzuleben. Ebenso wertvoll wie die von ihr dargebotenen Uebersetzungen wichtiger Gebetstücke sind daher die Einleitungen, die sie dem Gottesdienst jedes jüdisch gelebten Tages vorausschickt. Von dieser Nichtjüdin können wir Juden lernen, unser altgeheiligtes, religiöses Gut von neuem erlebend zu erkennen. Was ihr an Gefühlswerten im jüdischen Gottesdienst in Essen geworden ist, sollte uns eigentlich nicht fremd bleiben.. Wem das Buch von Elbogen über den Jüdischen Gottesdienst zu wissenschaftlich und breit angelegt ist, der lasse sich von Frau Schubert-Christaller in die Bedeutung unseres Gebetes einführen und, was noch wichtiger ist, zum Gebet und zur Synagoge zurückführen. _L i -\ Die Zweimonatsschrift „Der Morgen" (Herausgeber Professor Dr. Julius Goldstein-Darmstadt) hält sich dem Tagespolitischen fern, obgleich sie allem Entscheidenden und Wertvollen der- Zeit Ausdruck zu geben bemüht ist. Dieses Mal aber bringt die soeben 'erschienene Nummer 2 des 3. Jahrgangs einen kräftigen Weckruf gegen die Schande unserer Taijc: Die Schändung jüdischer Gräber. Wilhelm Michel, der bekannte Hülderlinforscher, spricht im Namen des Deutschtums und"der Menschlichkeit gegen eine Niederträchtigkeit, die die Ehre des deutschen Namens befleckt. Seinen Aufsatz „Kampf gegen G'räber" wird man nicht ohne innere Bewegung lesen können. Der zweite Aufsatz von Dr. Max Wiener behandelt die Frage der Unsterblichkeit. Die Forderungen des religiösen Bewußtsein^ und die positive Haltung des Judentums zu der Frage der Unsterblichkeit kommen zu eindrucksvoller Darstellung. \ i -_ Carl Gebhardt, der Spinozaforscher und Herausgeber der Gesamtwerke Spinozas, behandelt das Thema „S p i n o z a s B a n n". Dr. B. Jacob, Dortmund, fährt in seiner Einführung in das U B u c h Mose fort. Er behandelt dieses Mal die Akeda, die Geschichte der Bindung Isaacs. Wie immer versteht es Jacob, dem biblischen Bericht neue Seiten abzugewinnen. Professor Julius Goldstein beschließt in seinem Aufsatz „Vom demokratischen zum völkischen Bürger* t u m" seine Artikelreihe „Völkischer Antisemitismus". Er schildert die Gewinnungswandlung des deutschen Bürgertums. In wenigen Seiten faßt er die politische und geistige Entwicklung eines Jahrhunderls zusammen, Einblicke gewährend in Zusammenhänge, die in dieser Schä-.'e und Klarheit bisher noch nicht erkannt worden sind. Das Problem der Sintflut in Sage und Dichtung bchä'ndelt Professor Basnitzky. . Im Anschluß an das Buch des Hamburger Senators Slabw mann: Albert Ballin, stellt Dr. Carlebach die Gestalt des großen Hamburger Reeders vor uns hin, und erörtert die Frage, aus welchen Kräften das Lebenswerk dieses Mannes sich aufgebaut hat. In den beiden aufschlußreichen Aufsätzen von Dr. Kurt' Zielenziger: „Der Einfluß der Juden auf die kalte Sozialisierung," und Ernst Landsberg: „Die Beteiligung der Juden an deutschen Montanunternehmungen," führt der „Morgen" die Aufgabe weiter, die wirtschaftliche Lage der deutschen Juden festzustellen. In dem zweiten Teil des Heftes bespricht der Zentrums* abgeordnete Adam Roeder Emil Ludwigs Bismarck-Buch; Pro* fessor Goldstein macht mit der Bekenntnisschrift eines zum Judentum übergetretenen Katholiken bekannt und bespricht die Lebenserinnerungen Samuel Gompers, des Schöpfers der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. Dr. Stahl gibt «ein« Eindrücke über das englische Judentum wieder»_-. :.;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.