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Der Jugendbund · 1927-07-07 · 12 (7.7.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
12 (7.7.1927)
Date
1927-07-07
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Euskirchen war gekennzeichnet durch die schnelle Verständigung besonders mit den Jüngsten, was sich bei der Wanderung deutlich zeigte. Alle Befürchtungen des Führers wegen schlechten Durchhaltens waren unbegründet. Hamm a. d. Sieg brachte eine lebhafte Debatte über Geselligkeit. Es wurde der Wunsch laut, häufiger auch gemütlich zusammenzukommen. Die fehlende weibliche Jugend soll von Eitorf gestellt werden. Die schöne Umgebung reizt den Städter zu stundenlangen Spaziergängen mit eifrigen Ge- •prächep, aber der sich die ganze Woche unterwegs befindende Westerwälder Geschäftsmann fürchtet die Wanderung. Doch gelobten sie Besserung. In Dierdorf konnte ein Menschenkind aus der Großstadt lernen, daß es möglich ist, auch im Jugendverein Nachtveranstaltungen zu machen. Der Vortrag begann um 10/4 Uhr und endete etwa nach Mitternacht. Auch hier war die Fühlung mit den Jüngeren sehr bald erreicht und die Aus. spräche lebhaft in Gang. — Zuletzt kam Hachenburg, das sich mit der kürzesten Zeit begnügen mußte. Auch hier fand eine lebhafte Aussprache statt, die, sich besonders um die hebräische Sprache, ihr Erlernen und andere jüdische Dinge drehte. Am meisten profitiert von der ganzen Fahrt habe ich, denn es war zum erstenmal daß ich in kleinen Gemeinden Beobachtungen machen konnte. Bezirk Kreuznach. Mitte Juli wird aller Voraussicht nach die Gründung des Jugendbundes Rockenhausen in der Pfalz von uns aus erfolgen. Am 10. Juli findet eine Treffahrt Mainz- Kreuznach mit dem neugegründeten Bund Fürfeld (Rheinhessen) auf dem Schäfer-Placken statt. Kommt alle" an diesem Tag und beweist der Landjugend, daß in euch das Gefühl engster Solidarität wach ist. B a. Aus andern Lagern Der in Dessau abgehaltene Bundestag des Aelterenbundes der Kameraden verdient unsere besondere Aufmerksamkeit. Wenn wir — nicht mit Unrecht — von uns Juden eine besonders feinnervige Vorausahnung des Kommenden behaupten wollen, so wäre der Jugendbewegung Todesurteil bereits gesprochen. Denn es ist geradezu auffällig, wie die jüdische Jugend sich von ihr abwendet. Der Aelterenbund der Kameraden geht nun auch diesen Weg. Er will das, was wahr war an der Jugendbewegung, von nun an innerhalb der Gemeinde, innerhalb der Gesellschaft durchsetzen. Damit gibt er das Kämpferische, das Revolutionierende auf und wird zu einem tätigen Faktor des jüdischen öffentlichen Lebens; er findet sich •b mit der von der Jugendbewegung einst so grimmig bekämpften Gesellschaft. Daß er — wir können das nicht ohne eine gewisse Befriedigung feststellen — sich nicht auf bestimmte Parteigruppierungen und jüdische Richtungen festlegen will, vielmehr die heutigen Parteien bewußt verneint, soll eine neue Entwicklung des Bundes einleiten. Man wird den Aelterenbund, der organisatorisch vom Wanderbund der Kameraden völlig getrennt ist, ja um die Hälfte seiner Mitglieder aus ihm nahm, mit Interesse weiter beobachten, weil seine Entwicklung in - vieler Hinsicht symptomatisch für die jüdische Jugend Deutschlands ist. Während in vielen Bünden der bürgerlichen Jugendbewegung das Aelterenproblem so stark problematisch wurde, daß die Aelterenschaft sich organisatorisch von den Jüngeren trennte, geht die sozialistische Arbeiterjugend in umgekehrter Weise vor. Durch einen Beschluß des Kieler Parteitages der SPD. wurde nämlich die Altersgrenze' für die Zugehörigkeit zur SAJ. von 18 auf 20 Jahre erhöht, so daß der Beschluß der letzten SAJ.-Reichskonferenz nunmehr in Kratt tritt. Die SAJ. faßt ihre Aufgabe als eine Erziehungsaufgabe auf. Sie will die Kinder der Arbeiter auf ihre gesellschaftlichen, kulturellen und vornehmlich politischen Pflichten vorbereiten. Auf der einen Seite bedient sie sich zur Führung der Arbeiterjugend Ortsgruppen älterer, pädagogisch befähigter und geübter Parteigenossen, auf der anderen Seite steht sie aus Gründen der Erziehung zur Demokratie und aus praktischen Gründen auf dem Boden der Selbstverwaltung. Deshalb will sich die SAJ. durch die Heranziehung der 18- bis 20jährigen zur Jugendarbeit geeignete Führer schaffen. Aber sie will auch für die Partei die Gewähr übernehmen, daß ihre Mitglieder nach dem 20. Lebensjahr« stark in der sozialistischen Idee verwurzelte Menschen werden, die zur Partei stehen. Wieweit ihre Methoden allerdings zur Erreichung dieses Ziels geeignet sind, wieweit sie insbesondere der besonderen Eigenart der Jugend entsprechen, ist eine andere Frage. In diesem Zusammenhang erwähnen wir die in Dresden abgehaltene Reichskonferenz der Jungsozialisten. Dieser Bund der Jugendbewegung, der , früher diesen Namen, im Gegensatz zur SAJ., wohl verdiente, stand bis dato in starkem Gegensatz zur SPD. Es paarte sich bei den Jungsozialisten ein intellektuell beeinflußter Revolutionarimus mit inniger Liebe zum deutschen Vaterland. So stellten sich die Jungsozialisten völlig in den großen Kreis der deutschen Jugendbewegung ein, traten dem Reichsausschuß der Deutschen Jugendverbände bei und unterschieden sich wohl weltanschaulich, nicht aber ihrer Art und Methodik nach von der bürgerlichen Jugend. Die Leitung der SPD. hat diesen störrischen Geist geduckt. Die Oppositionellen wurden aus dem Bunde herausgedrängt, schließlich sogar aus der Partei ausgeschlossen. Die in Dresden angenommene Resolution ist daher ganz auf Marxismus, Klassenkampf und dergleichen eingestellt, vom Wort „Jugendbewegung" und von ihrem Geist ist nichts zu spüren. Damit schließt eine interessante .Episode der deutschen Jugendbewegung ab. In Nürnberg fand der 5. Kongreß des Deutschen S i t t . lichkeitsbundes vom Weißen Kreuz statt, der sich hauptsächlich mit den Fragen um „Jugend und Sittlichkeit" befaßte. In einet Resolution wird die Sittlichkeitsgesetzgebung der Pailamente seit 1920 (Lichtspielgesetz, Jugendgerichtshilfe, Schmutz- und Schundgesetz, Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten) dankbar anerkannt. Wir werden uns unsererseits nicht der Erwägung verschließen können, daß durch" Gesetz und Rechte, die sich, nach dem Dichterwort, wie eine ewige Krankheit forterben, die geistig-seelische Haltung der modernen Jugend zu sexuellen Fragen kaum geändert werden wird. Ohne daher irgendwie uns über die tatsächlichen Zustände in sittlicher Beziehung im unklaren zu befinden, müssen wir doch ausnahmslos zugeben, daß es notwendig ist, über diese Probleme immer wieder in ihrer ganzen Breite und Tiefe nachzudenken. Der Weißkreuz-Kongreß, der auf die Lösung dieses umfassenden Problems drängte, verdien! unseren Dank. Wir werden unsererseits Veranlassung haben, den gesamten Fragenkomplex wieder auf die Tagesordnung zu setzen. E. H. Schalom, die Zeitschrift der jüdischen Jugend Frankreichs. Von Rabbiner Dr. Ernst Jacob, Saarbrücken. . Unsere Ueberschrift stimmt nicht ganz. Schalom ist das allmonatlich erscheinende Organ der Union Universelle de la Jcunesse Juive. Aber dieser Weltverband erstreckt sich vorläufig nur auf Frankreich und von Frankreich abhängig« Gebiete (Algerien, Tunesien, Syrien) und auf Palästina, außer' dem sind ihm einzelne Vereine in Argentinien, Chile, Italien, Persien, Portugal, Jugoslawien lose angeschlossen und in Brasilien, Aegypten, Griechenland, Luxemburg, Marokko sollen Abteilungen in Bildung begriffen sein. So spiegelt seine Zeitschrift vorwiegend das Leben -der jüdischen Jugend Frankreichs, und Frankreich wieder ist ungefähr identisch mit Paris. Man gewinnt aus dem Blatt den Eindruck einer großen Aktivität, die besonders den führenden Persönlichkeiten zu danken ist. An der Spitze steht die eigenartige Gestalt Aime Paillere, der eigentlich gar nicht Jude ist, sondern ein gewesener Katholik, der auf. Anraten vieler Rabbiner nicht den formellen Uebertritt zum Judentum vollzogen hat. Ueber seine religiöse Entwicklung berichtet seine hochinteressante Selbstbiographie „le sanetuaire iijconnu", die unlängst erschienen ist. Dieser Mann ist der tätigste Geist im französischen Judentum und hat dort, allerdings begünstigt von manchen äußeren Umständen, wie starker Ostjudeneinwanderung, dem starken Zug der Zeit zur Religion eine Art Renaissance hervorgerufen. Neben ihm verdienen noch besondere Erwähnung der Dichter Eduard Fleg und Yvonne Netter, eine junge Anwältin. Der Verband ist 1923 in Karlsbad gegründet worden und hielt im vorigen Sommer einen Kongreß in Paris ab, über den hier schon berichtet worden Ist. Seine allgemeinen Tendenzen sind stark zionistisch und pazifistisch. Es ist von außen schwer festzustellen, ob wir in ihm eine Jugendbewegung im deutschen Wortsinn sehen dürfen. „Jugendbewegtheit" ist überhaupt, wie schon oft festgestellt, eine ausgesprochen deutsch« Angelegenheit. Der Außere Rahmen ist natürlich dem unseren

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