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Der Jugendbund · 1927-07-07 · 12 (7.7.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
12 (7.7.1927)
Date
1927-07-07
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite trägt ebenfalls in Blau den Mogen-Dovid, in dessen Mitte sich die Buchstaben JG d JJBT in geschickter Nachbildung hebräischer Lettern befinden. Der ganze Stern ist wieder von einem Kreis umgeben, so daß beide Seiten recht harmonisch wirken. Die Fahne wurde . nach Angabe des Leiters der JG. in der Düsseldorfer Fahnenfabrik Wunderwald angefertigt. Bamberg. In losem Anschluß an den hiesigen Jugendverein vrurde ein Schiilerbund gegründet, der etwa 20 Knaben im Alter von 13 bis 16 Jahren umfaßt. Es ist beabsichtigt, auch eine Mädelgruppe anzuschließen. Vorläufig sollen alle 14 Tage, im Winter allwöchentlich, Lese- und Ausspracheabende veranstaltet werden. Die Abende werden jeweils von einem Mitglied de» Bamberger Jugendvereins geleitet. Selbstverständlich werden auch Wanderungen und Treffahrten mit benachbarten Gruppen veranstaltet. Wenn auch vorläufig der Zusammenhang mit dem Jugendverein noch lose ist, so liegt doch der Wert dieser Neugründung darin, daß Nachwuchs für den Verein herangezogen wird und von vornherein die von uns erstrebte jüdischgeistige Einstellung bekommt. Zülpich. Hier hat sich unter Leitung von M. Klaber und Walter Juhl eine Junggruppe gegründet. Landarbeit Eindrücke von einer Vortragsreise. Von Mine Meyer, Düsseldorf. Einer Aufforderung von vier Landvereinen folgend, war ich einige Tage im Westerwald und in Euskirchen. Ich habe überall dieselben Beobachtungen gemacht. Die ältere Generation überwiegt in diesen Jugendvereinen, wenn auch nicht zahlenmäßig, so doch durch ihren Einfluß in den Ausspracherl. Die Jugend wagt oft nicht, sich zum Wort zu melden, werl sie sich vor Eltern oder Lehrern fürchtet. Am besten war der Erfolg meines Vortrages in Euskirchen, und zwar dadurch, daß am nächsten Tage bei einer Wanderung Gelegenheit war, sich gründlich auszusprechen; so' ist dieser' Vortrag auf „fruchtbaren Boden'' gefallen. Es erscheint überhaupt am zweckmäßigsten, daß fremden Rednern, die in diese Vereine kommen, möglichst viel Zeit zur Verfügung steht, da immer er'', ein näheres privates Kennenlernen dem Redner die Möglichkeit gibt, die Nöte des betreffenden Landvereins kennenzulernen und so eine bessere Aussprache zu erzielen. Zweckmäßig erscheint außerdem, daß, wie es ja auch in den großen Vereir.cn'meist übich ist, in der auf den Vortrag folgenden Woche eine Aussprache im kleinen jugendlichen Kreis stattfindet, bei der irgendein Vereinsmitglied über den Inhalt des gehörten Vortrages referiert. Ueberall zeigte sich sehr stark eine Gleichgültigkeit gegen die Arbeit, einer schiebt die Schuld an der Interesselosigkeit auf den andern und keiner will den Anfang machen. Die Lehrer allein können die Arbeit nicht leisten, sie sind unbedingt auf die stärkere Unterstützung der Jugend angewiesen, und am besten scheint es zu sein, wenn die Arbeit mit den Jüngsten" möglichst intensiv aufgenommen wird, wie es ja' auch in einzelnen Gruppen, zum Beispiel Euskirchen, geschieht. Auffallend war auch hier wieder, daß die Mädchen vollkommen versagen, sich alles anhören, ohne jemals den Mund aufzumachen oder gar selbst Anregungen zu geben. Ihre Pflicht wäre, die Geselligkeit in den Vereinen stärker zu pflegen, von sich aus Veranstaltungen anzuregen und besonders bei Wanderungen und Heimabenden durch ihre regere Mitarbeit einen größeren Einfluß auszuüben. Klar zutage tritt, daß der Rückgang des jüdischen Lebens in den Familien sich auch in der Jugendarbeit heute schon sehr stark zeigt, und daß die Gefahr besteht, daß der Zusammenhalt vollkommen schwindet, wenn es nicht in kürzester Zeit gelingt, frische Kräfte heranzuziehen, vor allen Dingen, jünger« Führer stärker für unsere Arbeit zu gewinnen. Jüd. Publizisten der Gegenwart Von II e i n z K a h n. iv'. Alfred Kerr. '-. (Dargestellt in seinem eigenen Stil.) I. ..XVI. 37. Es gibt in Deutschland kein Stück so konzentrierten Schrifttums wie dieses Werk." Schreibt Alfred Kerr in der Einleitung zu seinen gesammelten Schriften. Und an derselben Stelle: ..XVIII. 43. Wenn jemand sagt: Det Verfasser und seine hervorragenden kritischen Aufsätze.....den soll der Schlai treffen am schönsten Feiertag. Wenn aber jemand sagt: Der Verfasser und seine harten Dichtungen (die von den Besprochenen manchmal erreicht werden) . . . ., dem soll es wohl gehn; und soll sich Häuser bauen; und sein Andenken sei gesegnet.'* Schreibt Alfred Kerr. Ueber Alfred Kerr. (Ueber Alfred-Kerr!{ n. ' . Ich sage: „Der Verfasser (Alfred Kerr) und seine früher manchmal hervorragenden kritischen Arbeiten." Was soll mich, nach Alfred Kerr, wohl treffen?" in. . i Jene Aussprüche Kerrs zeugen rrt» einem gewissen Selbstbewußtsein, möcht man jodeln. Und sie haben, die hochgemuten Sätze, dennoch, dennoch, eine gewisse Berechtigung. Kerr hat, das bleibt ihm anzukreiden, in seiner Frühzeit lichtfrohe, lebendige Reisebilder geschrieben. Hat die „Welt im Licht" gesehn und kurzweilig dargestellt. IV. Und hat manchmal eine gelungene Theaterkritik geschrieben. Doch das war Zufall, und die andern waren „gelungen". i, V. Das optisch Hervorstechende an Kerrs Schriftstellerei ist zuerst ganz amüsant, auf die Dauer wird's langweilig. Nämlich: Seihe ohnehin mauschelnde Feder von Minute zu Minute über die von ihm selbst leichtsinnig aufgerichteten Hürden der römischen Ziffern stolpern zu sehen. Hindernisrennen, nu nee nee, nu ja ja, aber doch nicht als täglich Brot! (Hier muß bemerkt werden, daß der OrLginal-Kerr einen so langen Satz wie den vorvorigen doch nie zustandegebracht hätte.) , VL - Wer lachen will, lese Kerrs Shakespeare-Kritiken. Vielmehr, lachen wird darüber nur der Goj. Dem Juden vergeht das Lachen, weil ein solches Maß von verständnisloser Schnoddrig» keit zu leicht aufs jüdische Konto gesetzt wird. Immerhin, man muß. das erlebt haben. Nach Kerr hat dem Menschen des 20. Jahrhunderts Tristan Bernard weit mehr zu sagen und künstlerisch zu bedeuten als der große - William aus Stratford. Uääääh! JCerr behauptet, fälschlich, Brüder, gottlob fälschlich, der letzte heutige Dramenschmierer sei zwar nicht größer, aber weiter als Shakespeare, da der arme Hund ja um 1500 gelebt habe. Und es soll Leute geben, .die diesen plattköpfigen Unsinn glauben. Wahrscheinlich, weil sie es schön finden, demnach weiter zu sein als Shakespeare.; ' ' VII. Auch Gedichte hat Kerr verfaßt. Lyrische, satirische, Chansons, Kriegsgedichte. Diese, blutig in jedem Sinne, sollen ihm nicht vergessen sein. Auch jetzt nicht, da er als gurrender Friedenstäuberich ins Land des Ex-Erbfeindes zu ziehen liebt. VIII. Ein Verdienst Kerrs bleibt es, Gerhart Hauptmann mit wahrhaft schönen Lobesfanfaren begrüß) und begleitet zu haben. Dafür sei ihm ein Platz im deutschen Literathaus reserviert. IX. Kerrs Räuspern und Spucken — (dies festzustellen, ist mein« Sendung) — hat Schule gemacht. Sechzig Prozent der Jungens, die sich unter dem Zeitungsstrich ergehen, - machen Hürden« rennen über römische Zahlen, schämen sich, einen ganzen deutschen Satz zu schreiben, zermanschen zwei halbe Wörter zu einem neuen Unwort und mauscheln schnoddrige Impressionen hin. Auch in unseren Blättern, man sehe sich nur um, kann man da hie und da beobachten. Dies festzustellen ist, hol mich der Teufel, meine Sendung.

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