Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 12 (7.7.1927)
- Date
- 1927-07-07
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Jungens- und Mädelsgruppen getrennt arbeiten lassen, doch kann für allgemein interessierende Fragen alle 3 bis 4 Wochen ein gemeinsamer Heimnachmittag eingelegt werden. Als eine geeignete Beschäftigung außer den Heimnachmittagen wird das Theaterspieleri erachtet, doch hält das Junggruppen-Dezernat die Art des Laienspieles nicht für geeignet. Außerdem sollen Bastcl-Nachmiltage und für die Mädchen Handarbeits-Nachmittage eingerichtet werden. Auch wird die Einrichtung von Sing-Nachmitlagcn sehr empfohlen. Rekordsport soll vermieden werden. Als Ersatz dafür dienen Wanderungen, die mindestens einmal alle 14 Tage -auszuführen sind. Wichtig sind Treffa-hrten der verschiedenen Junggruppen eines Bezirks, damit die Gruppen ihre Erfahrungen austauschen. Vor der Delcgiertcntagung des Verbandes, die Pfingsten 1928 in Dresden stattfindet, ist eine Trcüahrt der gesamten Junggruppen des Verbandes in der Sächsischen Schweiz geplant. Es wird betont, daß dies keine Tagung,! sondern eine fahrtenmäßig aufgezogene Trefffahrt sein soll. Ebenso wie im Verband sind auch für die Aclteren der JSchüIcrgruppc Führerkurse geplant. Schließlich wurde an den Verband das Ersuchen gerichtet, bei der nächsten Tagung einen »Beschluß herbeizuführen, der es den Vereinen zur Pflicht macht, den ersten Vorsitzenden der Schülergruppc als gleichberechtigtes Mit jlicd in den Vcrcinsvorstand aufzunehmen. Wenr| möglich, soll dies schon jetzt geschehen. Fahrt nach Göttingen. A propos Güttingen: unterwegs steckte ich mir Heinrich Heines unsterbliche „Harzreise" in die Tasche, und hin und wieder las ich! jenen raffiniert ausgeklügelten Satz: „Die Stadl selbst ist sch.n und gefällt einem am besten, wenn man sie mit dem Rücken ansieht . . ." Doch fing ich ohne Vorurteil nach Güttingen . . . Es nv.iU ja nicht tinbedingt ein Idyll sein oder irgend so etwas, waa naph blauseidenen Träumen schmeckt. Aber man hat bald einer} guten Eindruck von dieser Stadt mit ihrem sympathischen Gartenüberschwang, mit ihrer sachlichen Weender«*raße und ihrer Romantik, die ohne sentimentale Uebertreibung wie eine selbstlose, alte Liebe an den piar spärlich verstfecklen, geheimnislosen Winkeln hängt. Ein wenig gedämpft klingt hier die Tagesvernunft, mit der unsere unvergleichliche Gegenwart protzt, — ein wenig abgekühlt. Und man sto'pert nicht an allen möglichen und unmöglichen Ecken über die Bordsteine einer oberlehrerisch-bcbrilltcn Politik. Was die Professoren betrifft, so sollen sie zwar Fanatiker der Wissenschaft sein, doch — wie gesagt —: Göllingen ist die Stadt, wo alles hübsch im Rahmen bleibt, und wo die Bäume, Irotzdem man ihnen überall begegnet, nicht in den Himmel wachsen. Es fühlt sich hier alles sehr dezent an, so abseits vom Zeilungsgeschwätz. Hammerschlag, unser Göttinger Freund, ist unermüdlich, mit beinahe vorbildlicher Ausdauer dabei, uns die Göttinger Zurückhaltung zu erschließen. Er opfert wirklich den ganzen Tag. Aber er"Viuß sich .anstrengen. Denn mit ihm weiteifert hart auf hart unsere Gastgeberin, Frau Hahn, — nebenbei bemerkt: die Mutter des Göttinger Jugendvereins . . . Unsere Konferenz (denn dazu hat uns die Straße hierher geführt!) wickeln wir bei Röhns ab. Ich weiß nicht, ob dieser Flecken s<?hr bekannt ist. Aber er ist wie .geschaffen, um trotz aller Gegensätze in schöner Eintracht zu dobaltiercn. Er liegt noch außerhalb, dieser Außerhaibheit, die man Göttingen nennt, mitten in einer rücksichtslosen Naturstille. Man kann sich hier geradezu mustergültig konzentrieren, sieht über Baumgipfcl und Schrebergärten, und das ungezügelte Temperament bremst hier selbsttätig, — Meinungen, die aufeiranderplatzen möchten, finden sich gegenseitig, intolerante Spitzen brechen harmlqs ab. Es war eine Konferenz mit Gemüt. Ucber ihr schwebte die Atmosphäre eines intimen Theaters. (Thealer: hier im vollkommensten Sinne dieses vieldeutigen Wortes.) — Als wir an Nachmittag nach Mariaspring wallfahren, denken wir auf Schritt und Tritt an Heinrich Heine, der einst — ich glaube, er hat das mal auf seinen Bruder Maximilian gemünzt — deif terminus technicus „Haupthahn zu Mariahüpp" hier erfunden hat. Wir haben so etwas wie Weekend-Stimmung in uns: Sonntagnachmittag im Grünen, mitgenommener Kuchen und Humor, unbezahlbare Typen auf der ganz idyllisch aufgemachten Landstraße, und dazu noch mit Wagen und Pferd (für Friedraann ist diese Tourenart ein Premieren-Erlebnis!), und um die Situation nicht aus ihrer wonnigen Fasson zu zerren, schreiben wir Ansichtskarten in die große Welt. Eine Kapelle (Spitzweg, »in Modell für dich!) walzert Weisen einer versunkenen Epoc;.t. An einem Nebentische starrt ein Ehepaar, das sich mit den Unebenheiten des Daseins längst abgefunden hat, mürrisch in den Sommer hinein. Die Linden blühen. Es fehlt nur noch das be-rühmte Lied aus der Jugendzeit. J.Raphael. Einweihung der Fahne der JG. Trier. Durch die Wände der Glashalle auf dem Schneidershof blickt aus regenkündenden grauweißen Wolken die Sonne. Sie hat sich im trüben Gewölk ein Fenster errungen, und freudestrahlend und muterfrischend leuchtet sie ihren jungen Freunden, die im Saale versammelt sind, ein warmherziges „Glückauf, bin doch gekommen" zu. Heute erhält doch Triers junge jüdische Jugend eine Fahne . . . Beide Junggru'ppen, die der Jungens und die der Mädchen (letztere wurde erst Vor kurzem unter Frl. Hilde Altmanns Leitung gegründet), der Vorsland des J.J.B. Trier und einige Gäsle bilden die Versammlung. Herr Oberrabbiner Dr. Altmann hat et sich T.icht nehmen lassen, bei der Fahnenweihe seiner jungen Freunde auch zu., erscheinen. — . . Jetzt erhebt sich als erster der Vorsitzende des J.J.B. Trier, Dr. Voremberg, und eröffnet die Feier mit einer Ansprache, in' der er besonders die Wichtigkeit der Junggruppe als Vortrupp des großen Bundes für Gemeinde, Verband und Gesamtjudentum betont. Er ubergibt nun die Fahne dem Leiter der JG., Manfred Altmann, und dem Vertreter der am Erscheinen verhinderten Vorstandsmitglieder, Hugo Samuel, die Wimpel. — Oberrabbiner Dr. Allmann hält darauf die Hauptrede. Ausgehend von d?r erstell jüdischen Fahne in der biblischen Zeit erklärte er, wes cl.-.e Fahne im allgcrfTfinen bedeute, und was sie spe.-i.'l der jüdi-chen Jugend sein kann und soll. Israels Fahne k'i seine Thr.ra, sie habe es durch Jahrtausende, durch sc:n: KCto 't:n 1 GcShrcn geführt. Die' jüdische Jugend habe d'.2 Aufgabe, dic.-c firme wieder Fahne im wahren Sinne werden?..\ lasszn. Die Wimpel, die heute eingeweiht werde, .möge sle!3 erinnern und mahnen an die gemeinsame Fahne des JaJenü'.ims, 3iizs Jugend Mut und Kraft geben, mitzuhelfen nach basten KQnnen am Wiederaufbau, an der Wiedererneuerung d-s Jtifienttii.is. Mit einem allgemeinen dreifachen Hoch auf den EKolg der Aj-bcil der Junggruppe unter ihrer neuen Fahne schlieft die zündende und begeistert aufgenommene Rede. Nun treten drei Jungens (Rene Simon, Erich Herrmann, Wilhe'm Allmann), unter ihnen der Fahnenträger, vor und singen frisch und nett das sFahnenlicd des Bundes, ein Celöbnis an die Fahne. Darauf richtet Manfred Allmann als Führer begeisterndä Worte an seine Gruppe, ermahnt alle zu Ireuer Mitarbeit, damit die JG. kein Verein, sondern eine Gemeinschaft werde. . . . Fahne sei Mut zum Bekenntnis, Ansporn, am Ziele festzuhalten. „Die Menorah auf ihr ruft uns aui, so wie sie Lichtträger, Lichtverbreitcr zu sein, jugendliches Leben, sprühende Begeisterungfür unser Judentum in unseren Bund und so in unsere Gemeinde hincinz'ulragen." Er begrüßt die neue Mädchcr.g.-uppe und hofft, daß beide Gruppen zusammen einen i -r.J bilden werden zur Zierde des Jüdischen Jugendbundes, der Gemeinde und des gesamten Judentums. —' Nun folgt eine große Ueberraschung. Die junge Mädchengruppe tritt unter Frl. Hilde Allmanns Leitung a!s glänzender Spicchchor auf, etwas $anz Neues für Trier. Alles ist so überrascht von der großartigen Leistung, daß der Versitzende des J. J. B. nicht umhinkann, seiner Freude und Genugtuung Ausdruck zu geben, daß dieser langersehnte Wunsch, an dessen Verwirklichung er kaum zu denken wagte, nun eine solch schöne Lösung gefunden habe. Er gratuliert der Leiterin, die in so kurzer Zeit den Chor so_ glänzend schuf, und ihren verständnisvollen Mädchen. Gemeinsam wird jetzt das Fahnenlied gesungen, und damit ist die Feier zu-Ende, eine Feier, die jedem, der sie miterlebt hat, in freudiger Erinnerung bleiben und deren Nachhall hoffentlich lange zum Segen des Bundes forttönen wird ... — Mit Schluß der Feier hat sich auch die Sonne zurückgezogen, und über ihr gold'nes Fenstcrlcin ziehen die unruhigen Wolken. Und bald, aber alles ist bereits zu Hause angelangt, trennt sich Wolke von Wolkenmasse und läßt sich als Regen auf die Erde hinab. , . . Aber die Sonne?! . . . Sie strahlt euch weiter, wenn ihr euch wieder findet in treuer Gemeinschaft! . . . Ueber die Fahne selbst: Ihre Grundfarbe ist goldgelb. Aul der einen Seite ist das Abzeichen in Blau gestickt, die ander«