Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 12 (7.7.1927)
- Date
- 1927-07-07
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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lauf, b) Weltsprung aus Stand, c) Hochsprung, d) 4 mal 100- Meter-Staffel, e) 1500-Meter-Lauf, f) 200-Meter=Lauf. 2. Senioren: a) Dreikampf (Weitsprung, Hochsprung, 100 Meter), b) 100-Meter-Lauf, c) 400-Meter-Lauf, d) Olympische Staffel (800, 200, 200, 400 Meter), e) 800-Meter-Lauf, f) Weitsprung, g) Hochsprung, h) 1500 Meter, i) 3000-Meter* Lauf. Damen. 3. Junioren (Jahrgang 1911 und jünger): a) 75-Mcter- Lauf, b) Hochsprung, c) Weitsprung aus Stand, d) Ballweitwurf. 4. Jahrgang 1910undälter:a) Hochsprung, b) 100- Meter-Lauf, c) Weitsprung, d) 4 mal 100-Meter-Staffel. Außerdem Völkerballwettspiel für Damen und Herren. Gymnastik für alle. Bestimmungen. 1. Die Wettkämpfe finden nach den Regeln der DSB. statt. 2. Die Vorkämpfe beginnen Vormittags 10% Uhr, die Entscheidungskämpfe vormittags 11 Vi Uhr. Je nach.Beteiligung können in allen Kämpfen Vorkämpfe angesetzt werden. 3. Startberechtigt sind sämtliche Mitglieder des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands. 4. Die Meldegebühren betragen pro Konkurrenz für Jugendliche unter 18 Jahren 0,25 Mark, für alle übrigen 0,50 Mark; Staffeln 1,50 Mark. I 5. Die Meldungen sind bis spätestens Sonntag, den 7. August 1927, an Erich Herzfeld. Frankfurt a. M. WesJ, Juliusctraße 8, parterre, zu richten. Nach- und Ummeldungen sind nicht gestattet. Meldungen ohne Meldegebühren sind ungültig. 6. Diejenigen Teilnehmer, die nach zweimaligem Aufruf am / Start nicht erscheinen, scheiden für die betreffende Konkurrenz aus. 7. Die Sieger erhalten Diplome oder Plaketten, je nach Beteiligung. 8. Am 14. August 1927 wird zum ersten Male der Wanderpreis der Süddeutschen Landesverbände ausgetragen, der demjenigen Verein endgültig zugesprochen wird, der auf drei nacheinander folgenden Wettkämpfen der Süddeutschen Landesverbände die größte Punktzahl erhält. Die jüdischen Nothelfer. Ein Vorschlag. Von Erich de Jonge, Hamborn am Rhein. Von nichts ist in der letzten Zeit mehr die Rede gewesen und nichts bedrängte uns mehr, als die geistige Not der Landjugend, in,die sie durch abgelegenen Wohnort und durch den Mangel der mannigfaltigen Bildungs- und Erziehungsmöglichkeiten der Großstadt gekommen ist. Wie ist Abhilfe zu schaffen? Es ist schon viel zu viel kostbare Zeit verstrichen und noch hat man keine Mittel und Wege zur Abhilfe gefunden. Gewiß, man hat Vorschläge die Menge. Aber leider macht seine finanzielle Schwäche es dem Verbände unmöglich, auch nur den kleinsten Teil dieser Vorschläge auszuführen. Andererseits sind unsere Landbünde auch nicht finanziell derartig gestellt, um aus eigenen Mitteln eine durchgreifende Abhilfeaktion zu finanzieren. Also der Karren steckt fest. Wie ihn wieder flott machen? Es geht. Vor allen Dingen aber hüte man sich, ihn wieder In das alte Geleise zu bringen. An der nächsten Kurve sitzt er wieder fest, wenn er nicht sogar umfällt. Aber das neue Geleise, wer schafft das? Wer zeigt eine neue Richtung, in der man gehen kann? Hier ist ein Vorschlag, der schon lange, vielleicht auch schon von anderer Seite gekommen wäre, wenn die Verbandsleitung einmal Fordsche Methoden angewandt « hätte und (in diesem Falle einmal) die ganze Stubengelehrsamkeit zum Hause hinausgeworfen hätte. Wenn sie um Vorschläge von Freunden gebeten hätte, die sich bisher noch nicht um diese ganze Materie gekümmert haben, die in dieser Hinsicht vollkommene Laien,' sich noch nicht im Gestrüpp der Abhilfevorschläge verstrickt haben. Hört zu, welchen Plan ich ent. worfen habe! Ich beabsichtige im Juli oder August, die Zelt bleibt noch vorbehalten, eine vier- bis sechswöchige Wanderfahrt anzutreten, die mich durch den Westerwald, Hunsrück, an die Mosel und in den Schwarzwald führen solL Diese Fahrt will ich in der Hauptsache in der Absicht unternehmen, in allen Landbünden und Gemeinden der genannten Gegenden Vorträge zu halten. Um dies« Vortragsabende aber nooh welter auszubauen, beabsichtige loh, den Vortrag durch Musikstücke, Lieder und Rezitationen jüdischen Inhaltes zu umrahmen. Das kann man aber nicht'allein schaffen. Ich möchte mich daher mit 6 bis 8 jungen Verbandsfreunden, Mädels und Jungens, in Ver» bindung 'setzen, die Zeit und Lust haben, mit mir diese Fahrt anzutreten. Da aber jeder Teilnehmer zum Gelingen dieses Planes beizutragen hat, werde ich nur die berücksichtigen können, die Klavier-, Geigen- oder Lautenspieler sind, oder rezitieren können. Was die Finanzierung dieser Fahrt anbetrifft, so soll diese nicht zu hoch sein. Wir müssen die Kosten so gering gestalten, daß es jedem möglich sein wird, im Rahmen seiner Verhältnisse mitzumachen, wenn nicht, was man sich noch überlegen muß, die ganze Fahrt sich aus sich selbst finanzieren muß, was meines Erachtens noch die beste Lösung dieser Frage sein würde. Wer nun wohl Zeit genug hat, diese Fahrt mitzumachen? Im August beginnen im ganzen Rheinland und in Westfalen die Ferien. Hochschulen und Universitäten schließen Ende Juli ihre Pforten. Diese Ferien werden es vielen unr.ern Verbandsfreunden und -freundinnen ermöglichen, sich diesen Gemeinschaften anzuschließen. Daß man keine Jüngeren und Jüngsten mitnehmen kann, ist wohl selbstverständlich. Ich denke mir als unterste Grenze siebzehn Jahre. Haben sich erst einmal einige junge Menschen zusammengefunden, so sind auch die Vorbesprechungen rasch erledigt, so daß man mit der Fahrt beginnen kann, Angenehmes mit dem Nützlichen verbindend. In dieser Form möchte ich über ganz Deutschland durch unsere Verbandsvereine Nothelfertrupps senden. Ich bin gerne bereit, an der Zusammenstellung mitzuarbeiten, und wenn ich meine Fahrt beendet habe, mit den gesammelten Erfahrungen und Beobachtungen Rat zu erteilen. Wer also von den westdeutschen Verbandsfreunden, Mädels und Jungens, mit mir an der Fahrt teilnehmen will, den bitte ich, sich an mich zu werden. A n m e r k u n g : _Wir begrüßen den Vorschlag Erich de Jonges' und empfehlen ihn allen Verbandsfreunden zur Nachahmung Er ist zwar nicht neu, sondern von der angeblich mit Stubengelehrsamkeit behafteten Verbandsleitung schon öfter in die Tat umgesetzt worden. Dr. Klein hat seit Jahren in den Ferien auf der Wanderschaft mit Rucksack und allem Zubehör alle Landgegenden des Rheinlandes durchstreift und dabei auch häufiger wanderfreudige Verbandsfreundc mitgenommen. Also auf zur Tat! Die Schriftleitung, Treffahrt! Sonntag morgens um V,6 Uhr sich durch mörderisches Weckergeklingel wecken zu lassen, heißt einen heroischen Entschluß tun. Doch was tut man nicht um des Verbandes willen. Nach notdürftiger, in Rekordtempo erledigter Toilette rast man zur Untergrundbahn, trifft dort Dr. Cohn, läuft bis zur U-Bahn, diese bleibt natürlich etliche Zeit stehen. Motto: Eile mit Weile. Am Görlitzer Bahnhof, Berlin, stehen die Verbandsfreunde vom Norden, vom Westen sind die netten Kerls vom „Bip". Wir fahren los. Zwei Stunden im überfüllten Zuge stehen zu müssen, heißt keineswegs, Lebensfreude und-Optimismus bis ins Ungeahnte zu steigern. Darum ist die Freude«, um so größer, Lübbenau im Spreewald am Stationsschild zu lesen. Aussteigen und den Verbandsfreunden bildlich um den Hals zu fallen, ist unsere nächste Aufgabe. Aber mathematisch allein schon scheint es warm, wenn 53 Hände 53 andere drücken müssen; doch auch dieses geht vorbei. Man geht zum Spree» waldhafen. Bevor ich die Bootpartie schildern kann, scheint^ es doch notwendig, etliches über diese Gegend zu erzählen. Spreewald heißt keineswegs nur klassisches Land der Ammen, o nein, es gibt dort noch Gurken, Gurken, eine wahre Standardgurkenelitel Im übrigen, Ammen sah ich keine, dafür um so mehr Gurken. Am Abend wurde ich gefragt, ob mir von den vielen zu mir genommenen dieser grünen Stangen noch ganz gut sei. Ich bejahte mit bleichem Gesicht. Dann gibt's noch was im Spreewald. Alles schnorrt bis zu Hunden und Enten. Enten folgten lange den Booten, um was für ihre Schnäbel zu erhaschen. Also rein in die Boote, wir hatten ein fideles, mit Berlin, Forst, zwei ungeheuer lustigen Schwaben, und dem Trottel aus Düsseldorf. Und es war lustig und reizend! Bevor wir abfuhren, fiel noch ein Spreewälder ins Wasser, man erzählte uns, im vorigen Jahre seien sogar zwei Ausflügler ertrunken, und so getröstet fuhren wir los. Ein blendender Tag, diese Kanäle, unser Bootsmann fuhr uns abseits der