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Der Jugendbund · 1927-07-07 · 12 (7.7.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
12 (7.7.1927)
Date
1927-07-07
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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das Kecht des jungen und die Pflicht des werdenden reifen Menschen nicht aus, wenn sie sich diesem Dienst an der jüdischen Gemeinschaft verschließt. Wenn nicht schon ohnedies der Wilie nach Zusammenschluß in der J-.'ger.d rege ist, so wird da* Bek.cnntr.is zum Judentum notwendig dazu führen. Der Weg, der nur von ausgereiften Menschen in der Einsamkeit gegangen werden kann, wird die Suchenden und Gleichgerichteten vereinen, damit sie ihn gemeinsam lctichtcT und sicherer ii:-.Jcn. Wie verschieden die" Wege der einzelnen Menschen zum' Judentum auch sein mögen, sie haben doch alle das gleiche Ziel: Dienst am Geist des Judentums. Aufbau der jüdischen Gemeinschaft. Da das Judentum Mehl durch die Summe derer, die sich zu ihm benennen, so kann kein einziger Jude sich ihm entziehen, ohne seiner eigenen tipisten Vlcscnsbcstimrr.ung untreu zu werden. Religion ist Privatsache — \lclleicht in ihrer Ausdruckst irm oder in ihrem subjektiven Gehali Ihre Verwirklichung ist eine sittliche Pflicht gegen, die Allgemeinheit. .'■ Si.nte etwadie" Fra Je .auftauchen, ob die Gestaltung des Judentums mit dem Wc?en der Jugend zu v:reinigen .ist? Ewigkeitswerte zu schaffen, ist immer jugendlich. Gerade das ( Juden unf. frei von Dogmen, lädt sich* tragen ur.d gestalten; von' (leiste seiner Bekenner. Das bedeutet keincsv.-cgr. Absage; an da; Alte ur.d Ueberliefartc. Dies ist als Grundlage für den Aufbai unerläßlich notwendig. Aber das Judentum als ein lebendiges Ganzes liegt vor uns und'wartet darauf, daß wir es . gestalten. Wo ki r-nte-lüdkeher Jugend eine Aufgebe gegeben j Je ere Anforderungen an fite W csensarl der Jugend j .»teilt? '* .' Der, Wille zum Religiösen, wie der Dran; zum Gefühls- I m ttn überhaupt, ist in der Jugend besonders {stark. Die j V ege, dfe die einzelnen sich zu ihrem Ziel, der jüdischen Gemeinschaft z^i dienen, wählen, sind ,a verschiedenartig und ■ Sic« im besonderen nicht untersucht werden. Jede Idee ist bertelk;;t 'und gut. wenn sie ehrlich durchgeführt wird ur.d wer.n jsie dem großen Ziel des Aufbaus dient, nichtdurch Zersplitterung davon abführt.! Dem Bestreben nach Zusammenschluß der gesamten jüdischen -Jagend obre Rücksicht auf die besondere Richtung des c-i-.zclren liegt der V'ii'e zu gegenseitigem Verstehen, der Geis! der Liehe und Versöhnung zugrunde. Das oft;mißdci:tele Wort Neutralität hat hier nur den durchaus positiven Sinn: daß jeder einzelne a if seine-n.Wcgc dem Ganzen dienen soll ur.d daß das oberste Gese'z für den Zusammenschluß der Geist gegenseitiger Lii.be und Achtung ist und das Streben nach Wahrheit; eine Auffassung, die gewiß dem Wesen der Jugend und dem Geist des Judentums entspricht. Eine Frage bleibt öfter.. Wenn das Ziel des Zusammenschlusses die große Mcnschhcitsgcmeinschaf t ist, warum schliefen sich dann Menschen unter einer Sonfler-Idee '(Judentum, Sozialismus u. a.) zusammen, wodurch sie doch eine Abgrenzung von-den Mitmenschen schalten? Warum -schließt jüdicche Jugend sich von der nichtiüdischen ab, .mit der sie doch durch vie'.t Merkmale der Jugendlichkeit verbunden ist? Warum g.-:ht nicht jeder Mensch allein geradezu auf das große Ziel der Menschheitsgcmeinschnlt hin? Weshalb die Schranken der Konfessionen, Nationen, Weltanschauungen? Weshalb so lir Kampf zwischen Mcnr.chen und Menschen? Die Gründe dafür sind in der Struktur der Gemeinschaft gegeben. Weil die Gemeinschaft eben nicht eine Aneinanderreihung vieler Einheiten ist, sondern weil sie ein neues Ganzes ist Bus vielen Werten und Eigenarten, deshalb muß jede Eigenart bis in ihre letzten Möglichkeiten entfaltet sein, -wenn sie für die Gemeinschaft wertvoll sein soll. Zu dic*er Entfaltung, zur Erkenntnis und Verwirklichung ihrer besonderen Art und Au gäbe, muß jede durch eine Idee vcrbirgcne Mciuctiengxirppe sich für «ich znsammecebiießen, muß sich absondern, u:n neuen Wert für das größere Ganze zu schaffen. Das Judentum kann nur dann seinen Dienst an der Menschheit erfüllen, wenn es in seiner Besonderheit ganz erfaßt'und [eschiiplt wird,' wenn jeder einzelne auf seinem verbesfimmlen Vi e^e über das Judentum den Menchhcitszielcn zustrebt. ... W enn die jüdische Jugend ihre Aufgabe an sich selbst und an der Menschheit c~fü len will, so führt ihr Weg als Jugend und als Juden sie in eine von der Idee getragene Gemeinschaft. Die Autorität des Vergangenen bildet den Ausgangspunkt. Die Ccger.wart ist das Wirkungsfeld, das die Jugend «ich nach eigenem Wilttop und in Freiheit gestaltet. Die Zukunft ist das Ziel, für das zu wirken der Arbeit Sinn und Wert verleiht und das das Pewu'lt.-cin der Verantwortung in jedem Menschen erweckt, weil es Ewigkeitswerte zu schaffen gilt. Doch frage man in einer allzu tatenfrohen, urd geschäftigen Zeit nicht nu-seh! ef.'üch nach dem. was zu t u n »ei, damit man darüber nicht das ganz schlichte Sein des-en, was man ist. versäume. Und noch vor einer Gefahr soll die jüdische*Jugend sich hüich, wenn sie sich zur Gcmcinschpfl verbindet. Auf eine Zeit des stärksten Individualismus sind jetzt Jahre gctolgt, die das Gcmcin'-chaftsbcwußtscin überschätzen und die beinahe -wieder zu der Frage berechtigen, ob die Gemeinschaft oder die Persönlichkeit Ziel der Entwicklung ist. in der Politik, in der Kunst, im Geistesleben wird das Typische. Allgemeingültige und Umfassende betont. Des Einmalige und Besondere tritt m den' Hintergrund. In dem Streben nach dem großen Ziel der Gemeinschaft leite uns das Bewußtsein, daß unsre nächste Mcnschenpfiicht der Ausbau unsrer Persönlichkeit ist. Erst in dieser Erfüllung sind wir wirklich reif, Glieder einer höheren Gemeinschaft zu sein. - Ferien! Ton Heinrich G u 1 Was schon in der Schulzeit stets Kror.c des ganzen Jahres -gewesen ist, das behält für den einzelnen auch irn spateren; Leben seinen vollen Wert: Erholung. Ausspannung,: Ferienzeit. Und so werden sicherlich in den nächsten Wochen viele unserer Freunde unterwegs sein, irgendwo, an der 'See, im Gebirge. Es soll zwar eine Zeit des Ausruhens von den Anstrengungen des Berufslebens sein, die d{er Sammlung neuer Kräfte dien!, doch sind oft gerade solche Wochen der MuCe besonders dazu angetan, die Gedanken und Interessen, die neben der Berufsarbeit im Leben fast eines jeden laufen, zu ■\ erarbeiten und zu vertieien. In diesem Sinne glauben wir unsern Freunden, als Juden und als Jugendbündler, einige Anregungen geben zu können, von denen vielleicht manche dem einen oder anderen willkommen sein wirdi Kaum zu anderer Zeit ist heutzutage ein zwangloses Beisammensein mit nichtiüdischen Volksgenossen in so ausgiebiger VI eise möglich wie gerade in den Ferien. Man kommt mit bisher fremden Menschen zusammen, in zwangloser Unterhaltung lernt man einander kennen, weit weniger menschliche Schranken sind gegeben als etwa im gesellschaftlichen Leben der Stadt, bn einem solchen Rahmen ist darum wie'^sonst« nirgends die Möglichkeit geboten, Vorurteile zu zerstreuen, sachliche Irrtümer -zu widerlegen, unmotivierte Abneigung zu •) Aus den Mitteilungen des Landesverbandes Sachsen. t t m a n n , Chemnitz.*) cntLräfilgcn. — kurz, in freimütiger, unaufdringlicher Welse jüdir.chc Aufklärungsarbeit zu leisten. Voraussetzung dafür ist natürlich, daß man mit sich selbst im klaren ist, und 'daß fman es mit gebildeten Menschen zu tun hat. In diesem Falle aber läßt sich gerade in der Erholungszeit, in welcher die Schranken gesellschaftlicher Gebundenheit mehr oder minder gelockert sind, Ungeahntes erreichen. Besondere Dienste können auch dem Verbandsgedanken unterwegs geleistet werden. Daß als äußeres Zeichen die Vcrbandsnadcl getragen wird, sollte eigentlich schon seihstver- ■ ständlich sein. Leider aber muß darauf immer wieder hingewiesen werden. Es ist Jas Zeichen des Verbandes und seiner Idee, der bejahenden Neutralität. Diese Idee ist wohl angetan, in jüd'schen Kreisen, besonders der Jugend, mit denen man zufällig während der Feriendaucr bekannt wird, verbreitet zu werden. Mit Jugend über Jugendfragen sich zu unterhalten, ist heute nicht schwer, stets werden sich Anhaltspunkte dafür finden lassen. Und wenn überhaupt Interesse erweckt wird, dann ist schon manches gewonnen, die wettere Arbeit kann alsdann der Verband feisten, wenn ihm die Adressen solcher neu zu gewinnender Freunde übermittelt werden. Das sind leicht zu erfüllende, aber doch wesentliche Aufgaben unserer Sache gegenüber. Einer der Wege zur Bekanntschaft mit anderen jüdischen Badegästen ist etwa der Besuch der Freitagabend- oder ---

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