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Der Jugendbund · 1927-07-07 · 12 (7.7.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
12 (7.7.1927)
Date
1927-07-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Blätter des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands 14. JAHRGANG / Nr. der JOdischen Blatter n Düsseldorf, den 7. Juli 1927 5. JAHRGANG / Nr. 12 de» Jnfendbande« IllIC riptn Inhalt* bedanken "b" den Zusammenschluß jüdischer Jugend* von Elsa Hirschel, Dresden. — Ferien, von Mild «Ulli Hill Uli. Heinrich Guttmann, Chemnitz. — Der erste Eindruck, von Siegfried Bacharach. — Prinzipielles zur Führertagung des Hessischen Landesverbandes in Mainz am 10. April 1927 und zu Führcrtagungen überhaupt, von Dr. Kurt Herz, Ottenbach a. M. — Vom neuen Singen. — Wandern und Sport. — Junggruppen. — Landarbeit. — Jüdische Publizisten der Gegenwart. — Aus andern Lagern. — Randbemerkungen. — Bücherschau. — Aus dem Leben des Verbandes. _ Zum Adressenverzeichnis des Verbandes. — Vereinsnachrichten. Gedanken über den Zusammenschluß jüd. Jugend Von Elsa Hirschel, Dresden. Nicht um die Zahl vorhandener Vereine zu erhöhen oder um den Gewohnheiten der Erwachsenen nachzueifern, schließt jüdische Jugend sich in organisierten Bünden zusammen. Der Zusammenschluß erfolgt nach Gesetzen, die in der Natur der Jugend begründet liegen: in ihrem Wesen als Jugend, als jüdische Jugend, als Träger gemeinsamer Ideen. Die Grundlage für den Zusammenschluß bildet der ihr eigene Wille zur Gemeinschaft, Gemeinschaft ist nicht eine Summe aus vielen aneinandergereihten Einheiten, sondern sie ist ein aus den Einzelteilen neu gewordenes, lebendiges Ganzes. Scheinbar haben die einzelnen Bestandteile der Gemeinschaft ihren Sonderwert verloren, aber doch ist jeder einzelne ein notwendiges Glied in der Kette des Ganzen. Die Bünde wollen die Jugendlichen sammeln, jeden einzelnen zu sich selbst erwecken und ihn der Gemeinschaft als einer höheren Einheit dienstbar machen. Dazu ist Liebe und Aufopferung des einzelnen für das ganze notwendig, damit die Gesamtheit durch ihn nicht ein Plus an Zahl, sondern eine Bereicherung an Wert empfange. Gibt der einzelne durch seine Hingabe an das Ganze etwas von seinem persönlichen Wert auf? Die Wirkung ist wechselseitig. Der junge Mensch empfängt durch sein Wirken in einer Menschengemeinschaft sein Ich gesteigert zurück. In jedem Menschen lebt der Wille, aus der Enge und Gebundenheit seines Ich unterzutauchen in ein Größeres, daß ihn stützt und trägt, das ihm eine Bestätigung für die Richtigkeit seines^ eigenen Wollens gibt. Was man allein, vereinzelt nicht erreichen oder nicht entfalten kann, wird gefördert und befreit im Wirken der Gesamtheit. Anders ist der Mensch in der Vereinzelung, anders als Glied eines größeren Ganzen. Je mehr der Bund vom einzelnen empfängt, um so mehr gibt er ihm an Kräften und Werten für sein Ich zurück. Dabei muß die große Gefahr gemieden werden, daß der einzelne Metisch die Gesamtheit als Flucht vor seiner eigenen Schwäche mißbraucht und in herdenmäßigem Zusammenschluß die andern für sich wirken läßt. Nur wer gibt, was er zu geben vermag, baut an einer wahren Gemeinschaft mit und kann für sich Gewinn daraus schöpfen. Der Zusammenschluß der Jugend zu Bünden erfolgt nach Gesetzen, die im Wesen der Jugend liegen. Worin besteht dies Wesen? Das Ziel der Entwicklung ist der reife Mensch. Jugendlichkeit ist kein Ziel, sondern ein Weg. Diese Erkenntnis wird manchen Menschen bewahren vor den Gebärden einer verkrampften Jugendlichkeit, die sich als Selbstzweck hinstellt und di^f durch die Uebernahme äußerer Formen der Jugend ohne ihren geistigen Gehalt lächerlich wirkt. Dieses gewollte Jungsein, da« nicht auf ein höheres Lebensziel gerichtet ist, endet in völligem Verbürgerlichen und. unter Verzicht auf alle Ideale. — Das Ziel, ein reifer Mensch zu sein, kann nur erreichen, wer den Weg dazu ganz gegangen ist, wer die seelischen und geistigen Möglichkeiten und Forderungen seines Jungseins ausgeschöpft hat. Die Jugend hat den Willen zum Unbedingten und Wahren, die Empfänglichkeit für allej Schöne und Gute. Sie will ihr Leben aus eigener Verantwortung und nach inneren Gesetzen bewußt neu gestalten. Sie stellt somit den Menschen vor eine Aufgabe. Ihre Erfüllung ist zugleich der Weg vom jugendlichen zum reifen Menschen und gibt die Sicherheit, daß die Ideale der Jugend dadurch sinnvoll werden, daß sie die Grundlage für das spätere Leben bilden. Djp^Trauer um die verlorene Jugend kann dadurch wenigstens gemildert werden. Diese Erkenntnisse sind nicht an eine Zeit gebunden. Die Gesetzmäßigkeit, daß die Jugend Träger des Neuen ist, gilt für alle Zeiten. Es ist .dabei gleichgültig, ob das Neue in organischer Entwicklung oder in revolutionärem Umsturz das Alte abliist, gleichgültig auch, welches die jeweiligen Erscheinungsformen des Neuen sind. Wichtig ist nur, daß immer die Jugend das Neue zu schaffen' und zu verwirklichen hat — mag sie es auch in jugendlichem Sturm und Ueberschwang manchmal in falscher Weise tun — und daß es eine „Jugend von heute" in allen Generationen gab und geben wird. Das Erkennen dieser entwicklungsgeschichtlichen Zusammenhänge kann vielleicht das Verständnis zwischen Alter und Jugend von beiden Seiten her, gewiß aber von der Seite der Gereiften und Erfahrenen, erleichtern. Wie verträgt sich mit dem Willen zur Persönlichkeit, der der Jugend eigen ist, der Trieb zur Gemeinschaft und zum Zusammenschluß? Jugend fühlt sich zu Jugend hingezogen. In ihrer Kampfstellung gegen das Alte, in ihrem Tasten, Suchen und Erkennen des gemeinsamen Neuen, in ihrem Verlangen nach Liebe und dem Drang nach Mitteilung verbindet sie sich gefühlsmäßig zu gemeinsamen Kämpfen, nicht zuletzt auch in dem Wunsch, andre Suchende von dem selbst Erkannten zu überzeugen: Einer wird dem andern zum Maßstab für sein Wollen und Können. Die Brücke von Mensch zu Mensch kann leichter in der Jugend geschlagen, werden als später, der Wille zur Verbrüderung ist eine starke Triebkraft junger Menschen, so drängt das Wesen der Jugend nach Zusammenschluß im Sinne der wahren Gemeinschalt. Jugend hat den Willen, das, was sie ist, ganz zu sein. Für die jüdische Jugend folgt daraus die sittliche Pflicht, ihre Sonderart als Juden zu erkennen und zu entfalten. Die Tatsache, in das Judentum hineingeboren zu sein, erhebt sich vom bloßen Zufall zur sinnvollen Lebensaulgabe und verlangt Bejahung durch die ganze Persönlichkeit. Eine Jugend schöpft V

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