Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 11 (2.6.1927)
- Date
- 1927-06-02
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Löwen warteten. Don Barcane war am Ziel. Seine Hände, die da» Meisterwerk gebildet hatten, fanden den geheimnisvollen Knopf, uad die Schöpfung langer Wochen war durch einen Druck von des Meisters Hand zerstört. Die Menge harrte auf dem Platze in atemloser Erwartung. Bald mußten die Löwen ihren Schrei ertönen lassen. Eine große Schar fremden Volkes wollte dem Schanspiel beiwohnen. Da erschien oben auf der Brüstung unter der Uhr der blinde Barcane. Grauen erfaßte die Neugierigen. „Nie mehr werden die Löwen ruienl" So schrie der Meister und stürzte auf den Marktplatz. Noch heute <jeht die Geschichte vom Meister von Granada durch die legendenerfüllten Winkel der alten Maurenstadt. J, Raphael. Chemnitz Einen ausführlichen, interessanten Bericht sendet Martin Seligmann über seine, vor etwa einem halben Jahre, neu geschaffene Gruppe. Sie ist im Sinne einer gesunden Arbeit' in drei Züge gegliedert und zählt 50 Teilnehmer. Einmal wöchentlich finden Zusammenkunft« in den Räumen der Loge statt, dreimal im Monat geht es auf Fahrt. Die Gruppe ist bemüht, mit anderen ebenso interessierten Gruppen zum Zwecke gegenseitiger Anregung in Brietwechsel zu kommen. Ferner soll die Gruppe von Juni ab eine eigene Zeitung herausbringen. Recklinghausen Prediger Horwitz, der Leiter des Jugendvereins, teilt mit, daß dem Verein eine sehr gut arbeitende Junggruppe an« geschlossen ist, deren drei Abteilungen — Knaben und Midi chen — in jeder Woche zusammenkommen. Auch Hanoj fertigkeitsnachmirtage werden veranstaltet. Für die Jüngsten ist ein Kasperle-Theater eingerichtet worden. Görlitz Unter der Leitung von Else Mühsam ist hier eine Junggruppc, die 22 Schüler umfaßt, geschaffen worden. J. R. Stralsund Unser Mitglied Frl. Rose:Marie Joseph, Schülerin de» Obersekunda des hiesigen Oberlyzeums und Studienanstalt, ein hielt für sehr gute Leistungen und hervorragenden Fleiß, a|l einzige jüdische Schülerin der Studienanstalt, zu ihrer Ver» setzung in die Unterprima bei der Schulfeier ein kostbares Buch als Prämie fiberreicht. Frl. Joseph Ist ein eifriges Mitglied unseres Bunde« und eine liebenswürdige Freundin. Zur Nachahmung empfohlen. Zum Schowuausfest*) "Autoritätswege nnd Erziehungsmaximen im Lichte des füniten Gebott, Von Oberrabbiner Dr. A11 m a n n, Trier. Ein König wollte einst seinen treuen und bewährten Dienern einen Beweis seiner Huld und Anerkennung geben. Er führte sie in seine Schatzkammer, ließ die geheimsten Türen vor ihnen öffnen und sprach: „Ergötzt euch an dem Anblick und wählt euch jeder das Beste aus!" Aber sie blieben wie gebannt und geblendet stehen und waren nicht imstande, sich etwas auszuwählen, denn die ihnen freigestellte Wahl ward ihnen zur Qual. Bis der Herrscher sagte: „Greift nur mutig zu und nehmt, die Schätze sind alle von gleich hohem Werte, wenn auch verschieden von Ansehen." So ergeht es uns im geistigen Sinne, wenn wir am Sch'wuaus Gedanken über das Fest fassen wollen. Vor uns öffnet sich an diesem Feste die Schatzkammer Gottes. Der Oflenbarungsakt am Sinai, dem die Feier hauptsächlich gilt, erschließt uns die Pforten zur himmlischen Weisheit. Mit Jecheskel in der Haftauroh läßt man uns gleichsam durch die geöffneten Türen des Himmels schauen. Der Kostbarkeiten und Schätze der Gotteslehre sind viele, und wir sollen daraus eine Auswahl treffen, um durch die Betrachtung eines Gedankens die Einsicht in das Ganze zu gewinnen. Was sollen wir uns da wählen? Doch die Qual ist nicht nötig für diese Wahl. Hier gilt der Grundsatz: „Greift nur hinein! , . . Wo ihr es packt, da ist es interessant." Alles in unserer Tauroh ist vom Guten das Beste. Nur die Gesichtspunkte sind verschieden, die Werte im absoluten Sinne bleiben sich gleich. So sind die zehn Gebote des Dekalogs in ihrer Bedeutung für die ethische Grundlage des Menschengeschlechtes im Wert und Zusammenhang wie aus einem Guß. Von jedem beliebigen ausgehend, könnte man den Schatz der Schätze gewinnen. Aber wir greifen hinein und wählen uns zum heutigen gedanklichen Ausgangspunkt die besonders in die Augen fallende mittelste aus der Reihe der zehn Perlen, das fünfte Gebot aus dem Zehnwort: „Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebest auf dem Erdreiche, das der Ewige, dein Gott, dir gibt." L Dieses Gebot schließt den Inhalt der einen Gesetzestafel ab und leitet hinüber zu dem der anderen. Es vermittelt zwischen den Maximen der menschlichen Heiligkeit auf der einen Tafel und denen der heiligen Menschlichkeit auf der anderen. Wie der Mensch ein Gottgläubiger sein soll, kündet die eine Tafelhälfte, und wie der Gottgläubige ein Mensch sein soll, die andere. Das fünfte Gebot kündet aber beides. Gotteskindschaft des Menschen steht in engem Konnex mit dem *) Au« dem Buche „Aehren nnd Angermayer, Preßburg.) n". Verlag Carl hohen Menschentum im Verhältnis zwischen Eltern und Kind» Inwieweit sich jemand zu den Eliern als Kind hingezogen fühlt, vermag er sich der Gotteskindschaft bewußt zu werden und ebenso eine feste Bindung als Sohn des Menschentums zu g** Winnen. So klar dies auch ist, findet das Eltern-Ehrgebot doch nietrl allgemein seine richtige Betrachtungsweise und dieses besonn '-ders mit Bezug auf eine — wie uns scheint — höchst charakteristische Seite. Wenn jemand fragen würde, an wen sich die Aufforderung: „Ehre deinen Vater und deine Mutter . .." richte, so würde er über die Frage erstaunt sein und entgegnen, daj3 dies doch fraglos sei. Die Aufforderung gelte dem Kinde. Der Sohn und die Tochter hätten Vater und Mutter zu ehren. Das ist gewiß nach dem Buchstaben des Gesetzes so, nach dem Geist, Sinn und Zweck der göttlichen Verordnung steht aber mehr, viel mehr darin. Allerdings, das Kind soll Vater und Mutter ehren, aber sollen nicht ebenso Vater und Mutter das Kind ehren? Was das heißt? wird man fragen. Die Schrift selbst «agt es, es heißt: der Vater ehre seine Vaterschaft und die Mutter ihre Mutterschaft im. Kinde. Wenn das Kind von Innen heraus sich gedrängt fühlen soll, die Eltern zu ehren, müssen die Eltern selbst auf die Würde und Haltung ihrer Eltern« Schaft bedacht sein, müssen Ehrfurcht empfinden vor ihrer elterlichen Berufung. Jüdisches Kind, ehren deinen Vater und deine Mutter, und jüdischer Vater, ehre deine Würde als Vater, jüdische Mutter, ehre deine Würde als Mutter. Es ist kein spielendes Glück, sondern eine Freude, mit der sich erhöht« Pflichtschuld verbindet. Glaube nur nicht, daß du als Vater oder Mutter schon an und für sich Verehrung fordern sollst, wenn du es auch darfst. Nein, du mußt dir die Ehrfurcht erst verdient machen durch charakterfeste Selbstehre deiner. Würde, Die Kinder haben freilich die unbedingte Pflicht, Vater und Mutter Verehrung zu zollen, aber das Gebot de« Dekalogs schreibt den Eltern doch nicht vor: fordere die Ehrfurcht. Die Ehrfurcht können die Eltern nicht fordern, sondern nur erwarten, und sie kommt von selbst, ebenso wie der Gehorsam von selbst kommt, wenn die Eltern statt des verkehrten, unerzieherischen Systems, auf ihr Elternrecht zu pochen, auf ihre eigene vorbildliche Haltung und Lebensführung Bedacht nehmen. Ein Kind muß bewundernd zu Vater und Mutter aufschauen können und aufzuschauen Anlaß haben. Daher spricht unser Gebot auch nicht von der Liebe neben der Verehrung. Denn wenn die Kinder zur Verehrung AnlaS haben, ist die Liebe eine Sache der Selbstverständlichkeit nnd braucht nicht in ein Gebot gefaßt zu werden. Man hört Klage darüber führen, daß die Jagend unserer Tage die Band« der Scheu und Ehrfurcht auch den Eltern