Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 11 (2.6.1927)
- Date
- 1927-06-02
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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seiner Gruppe dem jüngsten Mitgliede des Sorauer Bundes, Herbert Claß, zu seinem 13. Geburtslage, und wieder erscholl ein krjftiges Hoch, diesmal aber auf das Geburtstagskind. Herr Jastrow bat noch, als Zeichen der wahren Verbrüderung das Ihübc Wörtchen ,.Du" als Anrede zu gebrauchen, was sofort »hs«iti|5 beifällig aulgenommen wurde und von dem alsbald regster Gebraucht gemacht wurde. Der Tar.z trat w ieder in seine Rechte, und viel zu früh schlug die Scheidestundc. Unter Begleitung der Sorauer Freunde zogen wir zum Bahnhof, wo wir uns mit einem kräftigen Chäsak trennten, in der Hoffnung, recht bald wieder mit den umliegenden Bünden Trcffahrten veranstalten zu können. , Zum Schluß sei noch einmal der Familie Glaß für die überaus liebevolle Aufnahme gedankt, die sehr dazu beigetragen hai, daß die Fahrt einen derart harmonischen Abschluß genommen hat. Toilnehmcrzahl: 14 Jugendliche unter 20 Jahren, vier Mitglieder über 20 Jahre. Bernhard Koenigstein, Wanderobmann. Düsseldorf. Die F h c i n s t a f f e I, bekanntlich eine der größten Staffen Deutschlands; sah zum erstenmal einen rein jüdischen Verein am Start. Der jüdische Turn- und Sportverein ..Makkahj" Dösseldorf halle zwei Mannschaften gemeldet und konnte tiolz stärkster Konkurrenz in seiner Klasse gegen mehr als 30 Vereine mit seiner ersten Mannschaft den 2. JG.-Preis sowie den 4. Staffelp'atz erringen. Auch die zweite Mannschaft konnte noch-einen 15. Platz belegen. Der gesamte Verein beteiligte sich auch am Stillauf, wo er durch seine Exaktheit allgemeine Beachtung fand. Elbens i gelang es. bei den am 1. Mai in Essen ausgetragenen Waldlaufmeisterschaften des Vintus (Verein jüdisch neutraler ] ■•-.-und Sportvereine) mit seiner Damcnrcnnrr.annschaft den c*ten Mannscbaftspreis sowie den ersten Dameneinzelpreis (Fräulein Th. Damidt), den 4. und 5. Damencinzelprcis (Fräulein Edith Schneider und Fräulein Betty Berliner) zu erringen. _ Außerdem stellte der Verein in der Hcrrcn-Senioren-Kiasse den 2. Verbandsmeister (Herr Bcrthold Neugarten). Die Tätigkeit der Sportgruppe des RjF. und des JJB. in Chemnitz Nachdem in Chemnitz mehrfach bereits von verschiedenen jüdischen Organisationen der Versuch gemacht worden ist, einen neutralen jüdischen Sportklub ins Leben zu rufen, der aber stets daran scheiterte, daß er seine Neutralität nicht .genügend bewahrt hat, haben sich der RiF. und der JJB. neuerdings zu einer Sportgruppe zusammengeschlossen, die sich heute aus verbandstechnischen Gründen „Jüdischer Sport, klub Schild" betitelt. " Am 18. November v. J. fand unter dem alten Vorstand der RjF.-Sportgruppe eine Neugründung statt, in deren Verlauf zunächst ein allgemeiner Bericht über die vorherige Tätigkeit gegeben wurde. — Hierauf wurde ein neuer Vorstand gewählt, der sich wie folgt zusammensetzt: 1. Vorsitzender: Kurt Salomon. 2. Vorsitzender: Kurt Löwenstein. 1. Schriftführer: Bernhard Rcinhold. . 2. Schriftführer: Walter Doerzbachcr. ■ 1. Kassierer: Wilhelm Hahn. Ueber die jetzige Tätigkeit des „Schild" haben wir wie folgt zu berichten: -1 Um einen regelmäßigen Sporlbeiricb zu erhalten, sjnd wir dem Verband mitte*jeutscher Ballspielvereine beigetreten. Wir besitzen cire Fußball-, Box-, Leichtathletik- und Damenabteilung, die jede in sich über sehr gute Kräfte jetzt schon verfügt und nennenswerte Resultate erzielt hat. Während des Winterhalbjahres haben wir eifriges Hallcntraining getrieben, das regelmäßig von etwa 40 Sportfreunden besucht worden ist. — Das Gymnastik- und Lcichtathletiktraimng unterliegt dem bekannten mitteldeutschen Sportlehrer Röber, während das Boxtraining von dem mitteldeutschen Amateurmeister Lieber* geleitet wird. — Wir wollen hoffen und wünschen, daß unsere Arbeit, in der Erkenntnis, wie notwendig die körperliche Ertüchtigung speziell für unsere jüdische Jugend ist, in nicht allzu ferner Zeit von Erfolg gekrönt sein möge, damit wir die hohe Rangstufe des Judentums in der körperlichen Kultur ebenso wie in der geistigen einnehmen können. . Für unsere Jüngsten Der Meister von Granada Am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts war es. Christoph •Colur.beis rüstete zu seiner Weltfahrt, die Türken waren vor den Toren Wiens, der glanzvollen Rcichshauptstadt vernichtend geschlagen worden, und auf der Pyrenäenhalbinselverdrängten die fcastiliscben und arragonisehen Legionen Ferdinands und Isabellas den letzten Schimmer maurischer Herrsehait. Das Mittelalter lag in seinen Sterbestunden, und man flüsterte \on großen Dingen und gewaltigen Geschehnissen, die dfr abendländischen Menschheit bevorstehe», sollten. Am Notdabhange der Sierra Nevada war Grar.aia, die v-undervi-l e Stadl, die letzte Festung des Islams au! spanischem Boden, gefallen, und die siegestrunkenen Truppen hausten viele Tage lang in den romr.niischen Winkeln und Gäßchen, nnd was an die Vergangenheit mahnte, ward mit erbarmungsloser Willkür aus dem Wega geräumt; Die Gläubigen, die in der Stadt zurückgeblieben waren, wurden in die Moscheen geiaht, und dann zündete man die Gottesl.- .'.scf an. und in den Jamrr.erruf nach Allah mischte sich das Triump'igeschrei der Eroberer, Und dam stürmte man die Judenstadt. In (cner Zeit war es. da zum erste-. Male gar viele unserer •Glauber. genossen rein äußerlich cie R-.-! gion ihrer Väter ab- 1 .'.;n ur.J die Taufe nahmen, um dem Tode zu entrinnen. Marasmen nannte man sie späterhin, die da glar.blen, djmrh den Schein ihr Leben vor Häschern und Verfolgern rotten zu können. Ein großer Künstler war.damnlrua'er ihnen, Don Birrirc, den mar. den Meister von Granada hie3. -Vit dem Krur."x geschmückt ging er einher, und niemand vernietete in i'-m einen beimDehcn Anhänger der jüdischen Lehre. Von weltlichen und geistlichen Herren wurden ihm Ehren zuteil, und das* ganze ».adtvolk erwies ihm Achtung u-.d Ehrcrbii . Denn seine Kunst war gar seltsamer, wunderbarer Art. Den Domzu Granada, den die siegreiche Christenheit errichtet die mächtige, klangreine Orgel, deren Tonfluten in zauberhafter Vollkommenheit ihre Weihe über die Gebete schütteten, und deren es auf der ganzen Halbinsel keine ähnliche gab. Leber dem Hauptportal des Gotteshauses brachte der Meister zwei kunstvoll geschnitzte Löwen an, mit goldensn Plättchen überzogen. Und bei Ablauf jeder Stunde öffneten diese Löwen gestalten ihre Rachen und stießen lautes Gebrüll in die Luft, verursacht durch ein Räderwerk in ihrem Innern, dessen eigenartiges Cehcimnis nur dem Meister bekannt war, und sonst keinem. Da nahte der Tag der Einweihung des Domes heran, und die Kirchenfürsten Spaniens versammelten sich in der ehrwürdigen Maurenstadt' zur Feier. Don Barcane hatte man, nach Vollendung seines Meisterstücks, ängstlich von der Feier ferngehalten. Man fürchtete, er kannte sich von irgend jemand überreden lassen und auch noch in anderen Orten ähnliche, vielleicht noch herrlicher* Kunstwerke schaffen. Man wo'il3 ihn hindern, seinen Ruhm in ciia Welt hinaus zu tragen. Die Angst, daß der Meister von Grenada seine Schöpfungen außerhalb der Stadt übertrumpfen könnte, verwirrte die Sinne und die Herzen-1, und so geschah, es, daß mr.n ihn noch in derselben Nacht in den Kerker warf. AU vom Dome herab die Löwen die Mitternacht »st nod* brüllten, wurden Don Barcane dia Augen au? 'esiochen. Am anderen Mo:;cn führte man ihn zur Kirche. Die Menge verhöhnt« ihn auf dem Wege: „Jetzt ist deina Kunst unser, imd 'nur unser, für Ewigkeil!" Der Meister blieb still. Im Dome stiegen mahnende Gedanken In ihm emnor. Er gedachte ->. di er se-in.n Gott verleugnet hatte, um I-bcn zu Linnen. Sein Leben hatte er dem andern hin- ,;frf;ben. L'nd wo stand er ic'.r'.? Blhrd und verlassen sollte er r.'in den Bettektib ergreifen. Da tas'.e'.e er weiter an der Mauer entlang eine schmala Sfie'c hinauf. Mit zitternden Fingern und bebenden Lippen •Uchte er den Weg. Es war bald Mittag, und der Marktplatz ^^^^^^^^^^^e^r^t^^e^^^^E^^^n